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Wolfgang Mentzel, Svenja Grotzfeld u.a.: Mitarbeiter­gespräche erfolgreich führen

Cover Wolfgang Mentzel, Svenja Grotzfeld, Christine Haub: Mitarbeitergespräche erfolgreich führen. Einzelgespräche, Teamgespräche, Zielvereinbarungen und Mitarbeiterbeurteilungen. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2017. 12., erweiterte Auflage. 217 Seiten. ISBN 978-3-648-10545-0. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.
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Autor und Autorinnen

  • Prof. Dr. Wolfgang Mentzel lehrte seit 1972 lehrte an verschiedenen Hochschulen, zuletzt bis zu seiner Emeritierung an der Hochschule Koblenz, die Schwerpunkte Personalwesen, Management und Rhetorik.
  • Svenja Grotzfeld, Dipl.-Kauffrau, ist seit 2003 Personalleiterin in einem Unternehmen der Medizintechnik. Sie hat Lehraufträge an der Akademie der Saarwirtschaft (Berufsakademie) und an der Hochschule Koblenz übernommen und ist Co-Autorin von Fachpublikationen.
  • Christine Haub, Dipl.-Betriebswirtin, war als Personalreferentin und als Personalleiterin tätig.  Zurzeit unterstützt sie als freiberufliche Interim-Managerin HR-Abteilungen.

Entstehungshintergrund

Dieses Buch liegt in der 12. Auflage vor, was allein schon zeigt, dass es sich um ein Standardwerk handeln muss. Es beschäftigt sich mit dem Mitarbeitergespräch, das von den Autoren als das wichtigste Instrument der Personalführung bezeichnet wird. Hiermit sollen das Vorgesetzten-Mitarbeiter-Verhältnis verbessert, Offenheit und gegenseitiges Verständnis gefördert sowie die Zusammenarbeit erleichtert werden. Das Buch enthält Grundlagenwissen, Anleitungen, Leitfäden und Checklisten für die Vorbereitung und Durchführung der wichtigsten Gesprächssituationen, ob Zielvereinbarungsgespräche, Mitarbeiterbeurteilungen oder Gehaltsverhandlungen.

Aufbau

Nach einem Vorwort folgen sieben inhaltliche Kapitel sowie ein Autoren- und Stichwortverzeichnis. Es gibt jedoch keine Zitationen und kein Literaturverzeichnis, sodass es sich nicht um ein wissenschaftliches Fachbuch handelt.

Dagegen ist das Buch durch zahlreiche Kästen (Beispiele, Tipps, auch durch Exklamationszeichen in den Marginalien verstärkt), Leitfäden, Checklisten etc. didaktisch aufbereitet. Zudem gibt es am Ende einen Buchcode, mit dem man auf der Verlagsseite weitere Arbeitshilfen aufrufen kann. Diese sind unterteilt in zwei „Top-Arbeitshilfen“ (Leitfaden zum Mitarbeitergespräch für alle Fälle, Gesprächsprotokoll) und Arbeitshilfen für die Kapitel 2 bis 6. Alle Arbeitshilfen sind im rtf-Format und lassen sich problemlos herunterladen und damit sofort anwenden.

Inhalte

Kap. 1 „Mitarbeitergespräche als Teil der Personalführung“ begründet auf drei Seiten die Bedeutung von Mitarbeitergesprächen.

Kap. 2 „Grundlagen“ ist die Definition dessen, was unter einem Mitarbeitergespräch verstanden wird. Nach Beschreibung und Asymmetrie, worunter insbesondere die Rangunterschiede zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter verstanden werden, folgt eine Darstellung dessen, was Kommunikation ist. Hierbei wird auf das bekannte Modell von Friedemann Schulz von Thun und das „Johari Fenster“ von Joseph Luft und Harry Ingham Bezug genommen. Danach geht es pragmatisch weiter: Vorbereitung, Gesprächsführung sowie Gesprächsleitfaden und -protokoll, alles anhand vieler Beispiele und Szenen dargestellt.

Kap. 3 „Anleitung zu einzelnen Gesprächssituationen“ geht auf die Besonderheiten ein, die je nach Anlass auftreten. Es wird zwischen Anlässen für regelmäßige Mitarbeitergespräche, anlassabhängige Gespräche und Sonderfällen unterschieden. Es folgen dann Beschreibungen mit vielen Beispielen zu zwanzig unterschiedlichen Anlässen vom Zielvereinbarungsgespräch bis zum Lehrgespräch.

Kap. 4 „Moderierte Teamgespräche“ beschreibt eine angesichts der Teamarbeit immer wichtiger werdende Situation: zielorientierte Teamgespräche zu leiten oder zu moderieren. Nach einer kurzer Beschreibung des Teamgesprächs folgt eine ausführliche Darstellung der Techniken für eine Teammoderation. Ähnlich wie in Kapitel 3 gibt es zwei Unterkapitel, die der Vorbereitung und Durchführung einer Teammoderation dienen.

Kap. 5 „Ziele vereinbaren“ wird mit zwei bekannten Zitaten eingeleitet, wobei dem Rezensenten das zweite Zitat sinngemäß auch von Lewis Carroll´s Alice in Wonderland bekannt ist: „If you don´t know where you´re going, any road will get you there“. Hierbei geht es zunächst richtigerweise darum, was Zielvereinbarungen sind und wie sie sich von Anweisungen und Aufträgen unterscheiden. Anschließend wird ein deduktives Vorgehen beschrieben: Unternehmensziele und Zielarten. Es folgen dann einige nicht ganz stringente Ausführungen zu Mitarbeitertypen und Reifegrad, wobei vor allem auf die Motivation eingegangen wird. Hier könnte man auf die Theorien von Albert Bandura, Selbstwirksamkeit, Heinz Heckhausen, Leistungsmotivation oder Douglas McGregor, X-Y-Motivationstheorie, Bezug nehmen. Dann wird es wieder pragmatisch mit den Kriterien für eine Zielvereinbarung, Gespräch und Kontrolle, Verknüpfungen, Prozess und Formularbeispielen.

Kap. 6 „Mitarbeiter beurteilen“ ist sicherlich ein „heißes Thema“, weil es einerseits oft für beide Seiten unangenehm ist und andererseits permanent implizit oder explizit passiert. Im Unternehmen ist die Mitarbeiterbeurteilung eine wichtige Quelle der Potenzialanalyse. Entsprechend setzen sich die Autoren mit den Aspekten (Persönlichkeit, Potenzial, Leistung) auseinander, schildern die möglichen Träger eines Beurteilungsverfahrens und gehen auf die unterschiedlichen Verfahren ein. Die folgenden Unterkapitel sind wieder pragmatisch: Beurteilungskriterien, Stufen, Beurteilungsbogen und -fehler, Anforderungen und eine Einführung in das Thema anhand einer Checkliste.

Kap. 7 „Rechtliche Aspekte“ ist ein kurzes abschließendes Kapitel, was sicherlich nur als Verweis auf die entsprechende Gesetze zu verstehen ist. Es geht um das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) §§ 81 ff. und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), die kurz themenbezogen skizziert werden.

Diskussion

Dieses Buch ist keine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik und will es auch gar nicht erst sein. Es ist eher ein Handbuch, das Praktiker für Praktiker geschrieben haben. Hier geht viel Erfahrungswissen ein, während die wenigen Bezüge zu den wissenschaftlichen Ansätzen eher allgemein gehalten und entsprechend bekannt sind. Das Buch bildet eine sehr gute Grundlage, wenn in Seminaren Vorgesetzte im Führen von Mitarbeitergesprächen geschult werden sollen. Es ist übersichtlich und leicht verständlich und kann daher von jedem auch zum Nachlesen genutzt werden. Auch ohne Seminar bei den Autoren ist dieses Buch für denjenigen nützlich, der sich ohne großen theoretischen Hintergrund mit der Thematik vertraut machen will – oder es als neue Führungskraft muss. Wie bei allen „Rezeptbüchern“ liegt die Problematik vor allem im Transfer: Einfach wie in einer Bedienungsanleitung vorgehen geht bei dem hochkomplexen Thema Mitarbeitergespräch eben nicht.

Fazit

Ein Buch, das in der 12. Auflage erscheint, muss etwas haben, das es so erfolgreich macht. Hier ist es offensichtlich: es haben Praktiker leicht verständlich für Praktiker alles Wissenswerte zum Mitarbeitergespräch zusammengetragen. Da die Autoren auch gar keinen wissenschaftlichen Anspruch anmelden, sondern Hinweise, Tipps und Instrumente vorstellen wollen, lässt es sich leicht verschmerzen, dass Zitate und Literaturverzeichnis fehlen. Dieses Buch ist leicht zu lesen und gut zu verstehen – und entspricht damit den Anforderungen der Praxis.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management, an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 14.12.2017 zu: Wolfgang Mentzel, Svenja Grotzfeld, Christine Haub: Mitarbeitergespräche erfolgreich führen. Einzelgespräche, Teamgespräche, Zielvereinbarungen und Mitarbeiterbeurteilungen. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2017. 12., erweiterte Auflage. ISBN 978-3-648-10545-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23605.php, Datum des Zugriffs 21.01.2018.


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