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Bodo Hartke (Hrsg.): Handlungs­möglichkeiten Schulische Inklusion

Cover Bodo Hartke (Hrsg.): Handlungsmöglichkeiten Schulische Inklusion. Das Rügener Modell kompakt. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2017. 273 Seiten. ISBN 978-3-17-033539-4. D: 36,00 EUR, A: 37,10 EUR.
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Thema

Vorgestellt wird das „RügenerInklusionsmodell (RIM)“,das sich an den nach Angaben der Autoren gut erforschten „Response to Intervention-Ansatz (RTI-Ansatz)“ anlehnt. Das Buch bezieht sich auf die Grundschule.

Die Autoren unterscheiden zunächst zwischen zwei verschiedenen Inklusionsansätzen:

  1. Es gibt einen engeren, radikaleren Inklusionsansatz, bei dem „Unterschiedlichkeiten normal seien“. „Einheitliche Leistungs- und Normalitätsansprüche“ werden abgelehnt, auf klassifizierende Bezeichnungen (Lese-Rechtschreibschwäche, sonderpädagogischer Förderbedarf u.a.) sollte verzichtet werden. Wichtiger als Fachwissen über besondere Förderbedarfe (Diagnostik, spezifische Hilfen) sei die „inklusionsorientierte Einstellung bei Lehrkräften und deren Bereitschaft, Unterricht und Schule auf die Förderbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen auszurichten“.
  2. Als Gegensatz dazu beschreiben die Autoren einen „gemäßigten Inklusionsansatz“. Hier steht neben dem Recht auf Teilhabe auch das „Recht aller Kinder auf eine optimale Bildung und Förderung“ im Mittelpunkt. Die Leistungen aller Schülerinnen und Schüler werden regelmäßig durch Screeningverfahren überprüft, um eventuelle Förderbedarfe frühzeitig zu entdecken und entsprechend zu intervenieren.

Die Autoren des vorliegenden Buches vertreten den „gemäßigten Inklusionsansatz“.

Herausgeber

Herausgeber ist Professor Dr. Brodo Hartke. Er hat eine lange Berufspraxis als Sonderschullehrer, Berater und Supervisor, Fortbildner und Erziehungswissenschaftler und ist heute an der Universität Rostock im Bereich Förderschwerpunkt Lernen tätig.

Aufbau und Inhalt

Nach der Vorstellung des Forschungsprojekts über das RIM beschreiben die Autoren ihre Vorgehensweise. Sie definieren zunächst drei verschiedene Förderebenen:

  1. Hochwertiger inklusionsorientierter Unterricht

  2. Qualifizierter Förderunterricht

  3. zwei Ebenen:

    1. Präventive Fallarbeit
    2. Zieldifferente Förderung

Die Förderentscheidungen sollen eine systematische Grundlage haben und auf regelmäßig erhobenen Daten basieren: Es sollen regelmäßig Screeningverfahren für alle Schüler zur Anwendung kommen. Wo ein Verdacht auf eine Problematik in einem oder mehreren Bereichen besteht, kommen differenzierte Lernstandsanalysen zum Einsatz, die die Grundlage für eine fundierte Entscheidung über die jeweilige Förderebene in jedem einzelnen Bereich bilden. Es werden konkrete Vorschläge gemacht, wie die Daten erhoben und visualisiert werden können.

In den folgenden fünf Kapiteln wird die Vorgehensweise für jeden einzelnen Bereich praxisnah erörtert, es wird auf gebräuchliche Verfahrung für Screenings und Testungen verwiesen. Handlungsstrategien für den Unterricht und die Förderebenen folgen. Die einzelnen Bereiche sind:

  • Inklusion im Deutschunterricht
  • Inklusionsorientierter Mathematikunterricht
  • Mehrebenenkonzept zur Förderung der Sprachentwicklung
  • Mehrebenenkonzept zur Förderung der emotionalen und sozialen Entwicklung und des Verhaltens
  • Soziale Integration unterstützen

Ein Exkurs über „Denken und Sprache fördern von Anfang an“, schließt sich an: Vorgeschlagen wird ein Screening zur Erfassung der allgemeinen Intelligenz (CFT). eine „Expertengruppe“ im Kollegium sollte sich für die korrekte Durchführung und Auswertung qualifizieren. Anschließend werden evaluierte Förderprogramme vorgestellt, bei denen Strategien vermittelt werden, die den Kindern bei anspruchsvollen Aufgaben helfen können.

Den Abschluss bildet ein Kapitel über „Teamarbeit und Qualitätssicherung“, hier werden mögliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung des RIM und konkrete Handlungsmöglichkeiten dargestellt. Besonderes Gewicht wird auch auf Möglichkeiten der sinnvollen Arbeitsteilung gelegt.

Diskussion

Die knappe, fokussierte Beschreibung der verschiedenen Positionen im Bezug auf Inklusion finde ich besonders gelungen. Der in den einleitenden Kapiteln beschriebene Aufbau wird auch in den Kapiteln zu den einzelnen Bereichen konsequent behalten, sodass das Buch gut lesbar ist. Auch zum Nachschlagen für einzelne Informationen, beispielsweise für Kaufentscheidungen für einzelne Verfahren, ist das Buch geeignet.

Gewünscht hätte ich mir, dass bereits auf dem Cover darüber informiert wird, dass das RIM explizit für die Grundschule konzipiert ist.

Fazit

Grundschullehrkräfte, Sonderpädagoginnen und -pädagogen und Schulleitungen im Grundschulbereich finden in diesem Buch eine Fülle von konkreten, sachbezogenen Informationen zum Thema Inklusion und Förderung.

Wer nicht im Grundschulbereich tätig ist, kann vor allem von der fokussierten Darstellung der verschiedenen Positionen zur Inklusion profitieren.


Rezensentin
Ortrud Aden
M.A. Sonderpädagogik und Rehabilitationswissenschaften, z. Z. Tätigkeit in einer Autismusambulanz
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Zitiervorschlag
Ortrud Aden. Rezension vom 06.03.2018 zu: Bodo Hartke (Hrsg.): Handlungsmöglichkeiten Schulische Inklusion. Das Rügener Modell kompakt. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-17-033539-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23652.php, Datum des Zugriffs 17.11.2018.


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