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Bernd Rudow: Beruf Erzieherin

Cover Bernd Rudow: Beruf Erzieherin. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2017. 366 Seiten. ISBN 978-3-8309-3703-6. 38,00 EUR.
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Thema

Erzieherinnen und Erzieher leisten eine gesellschaftlich wertvolle Arbeit, die aber in der Gesellschaft oft noch wenig anerkannt wird. Diese Arbeit ist nicht nur Spielen und Basteln, sondern beinhaltet anspruchsvolle Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsarbeit. Was aber genau diese Arbeit ausmacht und welche Belastungen und Arbeitsbedingungen damit für die Mitarbeiter und Leitungen von Kindertageseinrichtungen und Ganztagsgrundschulen verbunden ist und auf welche Ressourcen zurückgegriffen werden kann, ist bisher wenig erforscht worden. Dabei gewinnt die Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern aber durch die öffentliche Diskussion über die Kinderbetreuung, die fehlenden Betreuungsplätze und die fehlenden -kräfte immer stärkere Aufmerksamkeit.

Autor

Prof. Dr. rer. Nat. habil. Bernd Rudow ist Diplom Psychologe und Trainer. Er schloss sein Diplom Psychologiestudium an der Humboldt-Universität Berlin 1972 ab. 1980 folgte die Promotion an der Technischen Universität Dresden. Unter anderem war Bernd Rudow von 1990 bis 2010 Hochschullehrer für Psychologie an der Universität Mannheim. Davor war er an verschiedenen Universitäten als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind zum Beispiel das Stressmanagement, Arbeit und Gesundheit, betriebliches Gesundheitsmanagement und Personalpflege und Personalführung.

Bernd Rudow hat diverse Bücher zum Thema Gesundheit und Arbeitswelt verfasst. So ist er des Weiteren unter anderem Autor der Bücher „Das gesunde Unternehmen“, „Die gesunde Arbeit“ und „Die Arbeit des Lehrers“.

Entstehungshintergrund

Kindertageseinrichtungen haben nicht nur die Betreuung und Erziehung der ihnen anvertrauten Kinder als Schwerpunkte, sondern entwickeln sich immer mehr zu Einrichtungen der frühkindlichen Bildung. In Ganztagesgrundschulen betreuen Erzieherinnen und Erzieher immer mehr Kinder und übernehmen ebenfalls immer mehr Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsaufgaben. In diesem Buch betrachtet der Autor diese beruflichen Tätigkeiten nicht aus der Perspektive der Erziehungswissenschaft, sondern fügt eine weitere Sichtweise hinzu, indem er aus arbeitswissenschaftlicher und psychologischer Sicht versucht ganzheitlich diesen Arbeitsbereich zu erfassen. Dabei werden die gestiegenen Anforderungen und Aufgaben erfasst sowie die Arbeitsbedingungen beschrieben und analysieren. Ein Ziel dabei ist es laut dem Autor, Hinweise zur Gestaltung von guter und gesunder Arbeit zu geben.

Aufbau

Der Autor behandelt auf 366 Seiten fünf Themenkapitel. Dabei legt er seinen Fokus auf die Arbeit von Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertageseinrichtungen und den Ganztagsschulen.

Das Buch beginnt nach einem kurzen Vorwort mit der Vorstellung der Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher. In diesem Kapitel wird zu Beginn auch begründet warum das Berufsfeld der Erzieherinnen und Erzieher ein Thema für die Arbeitspsychologie ist.

Im zweiten Kapitel folgt eine Auseinandersetzung mit den Belastungen, Beanspruchungen und möglichen Ressourcen in der Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher.

Das dritte Kapitel befasst sich mit den Bedingungen guter und gesunder Arbeit im Erzieherberuf, dabei werden unter anderem die Arbeitsumgebung und die Arbeitsorganisation genauer betrachtet.

Das vierte Kapitel legt seinen Fokus auf die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Erzieherinnen und Erzieher. Dazu werden Unterstützungsmöglichkeiten und organisatorische Rahmenbedingungen für die Ressourcengewinnung in der Arbeit vorgestellt.

Im letzten Kapitel befasst sich der Autor mit den schönen Seiten des Berufs.

Am Ende jedes Kapitels befindet sich eine kurze Zusammenfassung des vorangegangenen Kapitels. Es folgen noch ein umfangreiches Literaturverzeichnis und ein dreiseitiges Sachwortregister.

Inhalte

Das erste Kapitel startet mit einer Begründung warum die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher nicht nur ein Thema der Erziehungswissenschaften, sondern auch der Arbeitspsychologie ist. Dabei wird das Erleben der Erzieherinnen und Erzieher von ihrer Arbeit in den Fokus genommen. Im zweiten Abschnitt des Kapitels werden Kindertageseinrichtungen und Ganztagsgrundschulen als soziale Organisationen betrachtet. Der dritte Abschnitt geht der Frage nach wie Erzieherinnen und Erzieher arbeiten. Es folgen Abschnitte über Management und Führung, Arbeit und Belastung, Arbeit und Gesundheit sowie Arbeit und Emotionen. Im vorletzten Abschnitt setzt sich der Autor mit der Aufgabe auseinander, dass im Erzieherberuf Professionalität und das Berufsbild zu entwickeln ist. Der Abschluss des Kapitels erfolgt eine Auseinandersetzung mit der Frage was „gute Arbeit“ im Erzieherberuf ist. Dazu werden neben dem Merkmal der Gesundheit weitere Merkmale wie Anerkennung und Wertschätzung betrachtet.

Das zweite Kapitel gliedert sich in sechs Unterkapitel und befasst sich mit Belastungen, Beanspruchungen und Ressourcen der Erzieherinnen und Erzieher. In dem ersten Unterkapitel geht der Autor der Frage nach was Erzieherinnen und Erzieher belastet. Dazu werden Schwerpunkte auf die Belastungskategorien, Belastungsfaktoren und deren Diagnostik gelegt. Ein weiterer Schwerpunkt fokussiert die Belastung von Leitungskräften. Das zweite Unterkapitel leitet kurz ab, wie Belastungen zu Beanspruchungen führen. Im dritten Unterkapitel werden Wohlbefinden und Arbeitszufriedenheit als positive Beanspruchungsreaktionen vorgestellt. Es folgen ein Unterkapitel mit negativen Beanspruchungsreaktionen wie Stressprobleme und Burnoutproblemen und ein Unterkapitel mit der Diagnostik von Beanspruchungsfolgen. Das letzte Unterkapitel setzt sich anhand der Punkte Rollenstruktur, Betriebsklima, Personalführung und Lebens- und Arbeitsstil mit der Frage auseinander was Ressourcen sind.

Im dritten Kapitel befasst sich der Autor Bernd Rudow in vier Unterkapiteln mit der Arbeits- und Organisationsgestaltung in Kindertageseinrichtungen und Ganztagsschulen mit dem Ziel der Gestaltung guter und gesunder Arbeit. Das Kapitel wird eingeleitet mit einem Unterkapitel zum Arbeitssystem im Erzieherberuf. Dabei wird die arbeitswissenschaftliche Methodik mit ihren drei Schwerpunkten (Dreiklang) Arbeitsanalyse, Arbeitsbewertung und Arbeitsgestaltung vorgestellt. Das zweite Unterkapitel setzt sich mit der Anforderung auseinander die Arbeitsaufgaben der Erzieherinnen und Erzieher zu analysieren, zu bestimmen und zu gestalten. Dazu werden die Arbeitsaufgaben aufgrund ihrer Komplexität in verschiedene Tätigkeitsebenen eingeordnet. Anhand der Erziehungs- und Bildungsarbeit werden die einzelnen Aufgaben vom Autor formuliert. Dabei wird besonders die Bedeutung der Über- und Unterforderung von Erzieherinnen und Erziehern bei ihren Aufgaben angesprochen. Dazu benennt der Autor vier Grundtypen. Das dritte Unterkapitel stellt die Verbesserung der Arbeitsorganisation in den Vordergrund. Bernd Rudow setzt sich mit der Personalausstattung, der Gruppenorganisation, den Arbeitszeitmodellen, der Gestaltung der Teamarbeit in den Einrichtungen und der Ausgestaltung der Arbeitspausen und der Erholung auseinander. Den Abschluss des Kapitels bilden eine Betrachtung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsplatzumgebung von Erzieherinnen und Erziehern, bei dem die Aspekte Lärm und Akustik, Raumklima, Licht und Beleuchtung sowie Farbgebung genauer analysiert werden.

Das vierte Kapitel behandelt Bernd Rudow in zwölf Unterpunkten die Arbeitsfähigkeit und die Gesundheit der Erzieherinnen und Erzieher. In diesen Unterpunkten werden unter anderem die Bedeutung der Teamarbeit, des Managements und der Führung, des Arbeitsschutzes, des Konfliktmanagements und des Gesundheitsmanagements und der Gesundheitsförderung angesprochen. Dabei wird der Gesundheitszirkel als Motor der Gesundheitsförderung betrachtet.

Das fünfte Kapitel befasst sich mit den Ressourcen in der Arbeit, die die schönen Seiten des Erzieherberufs ausmachen. Zu diesen Ressourcen gehören laut des Autors die Arbeitszufriedenheit, der Flow, das Wohlbefinden und die weitestgehende Befriedigung der Bedürfnisse des Erziehenden. Dabei wird besonders das Teamklima hervorgehoben.

Diskussion

Dieses Buch ist vom Inhalt sehr auf den arbeits- und organisationspsychologischen Aspekt fokussiert.

Gut gelungen sind die Zusammenfassungen am Ende der Kapitel. Gerade bei den beiden etwas umfangreicheren Kapiteln 2 und 3 waren für mich diese Zusammenfassung hilfreich. Auch die Verweise auf die zum Teil zugrunde gelegten Studien waren hilfreich. Bei Interesse kann diesen Verweisen weiter nachgegangen werden, ohne dass sie den Lesefluss behindern. Die Zitate und Aussagen zu Beginn der einzelnen Kapitel waren für mich gut gewählt und geben einen ersten Hinweis zum folgenden Inhalt. Unterstützend empfinde ich auch die diversen Grafiken und Info-Boxen, mit ihren kurz zusammengefassten Inhalten.

Fazit

Das Buch „Beruf Erzieherin/Erzieher mehr als Spielen und Basteln“ knüpft für mich an eine wichtige Diskussion an. Der momentane und zukünftige große Bedarf an Erzieherinnen und Erzieher macht es notwendig sich mit den Anforderungen und Belastungen aber auch den motivierenden Aspekten des Berufes auseinanderzusetzen. Dazu kann dieses Buch einen wichtigen Beitrag leisten. Wer eine Auseinandersetzung mit erziehungswissenschaftlichen Aspekten erwartet wird enttäuscht werden. Das Buch lädt dagegen ein, diesen Beruf aus arbeits- und organisationspsychologischer Sicht zu betrachten. Hier kann das Buch wichtige Aspekte der Belastung aber auch des Umgangs damit aufzeigen.


Rezensent
Diplom Pädagoge Volker Raupach
Lehrtätigkeit an einer Fachschule
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Zitiervorschlag
Volker Raupach. Rezension vom 29.03.2018 zu: Bernd Rudow: Beruf Erzieherin. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2017. ISBN 978-3-8309-3703-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23664.php, Datum des Zugriffs 16.08.2018.


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