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Heiner Fangerau, Alexander Bagattini u.a. (Hrsg.): (...) Verhinderung sexuellen Missbrauchs in pädagogischen Einrichtungen

Cover Heiner Fangerau, Alexander Bagattini, Jörg M. Fegert, Rudolf Tippelt, Willy Viehöfer u.a. (Hrsg.): Präventive Strategien zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs in pädagogischen Einrichtungen. Kindeswohl als kollektives Orientierungsmuster? Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. 280 Seiten. ISBN 978-3-7799-2270-4. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,10 sFr.

Studien und Praxishilfen zum Kinderschutz.
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Thema

Das Buch ist eine direkte Folge des „Runden Tisches gegen Kindesmissbrauch“ und bündelt die Ergebnisse eines Verbundprojektes mit verschiedenen Forschungsprojekten. Der übergreifende Aspekt dieses Buches ist dabei der Begriff „Kindeswohl“ als Orientierungsmuster.

AutorIn oder HerausgeberIn

Die Autorinnen und Autoren sind als wissenschaftliche Mitarbeiter/-innen oder Professoren/-innen an den Universitäten Augsburg, Düsseldorf, München und Ulm beschäftigt.

Aufbau

Die zwölf Kapitel sind in drei übergreifenden Themenbereichen erfasst:

  1. Im 1. Bereich „Theoretische Grundlagen Kindeswohl. Kindeswohl in Theorie und Praxis“ sind Kapitel zu den Themen mediale Konjunkturen von Kinderschutzdebatten, zum medizinischen Diskurs, zu ethischen Aspekten sowie entwicklungspsychologischen und rechtlichen Grundlagen, zu Governance und systematischen erzeugten Handlungsproblemen sowie zu Konzeptionen enthalten.
  2. Der zweite übergreifende Abschnitt „Kindeswohl als Orientierungsmuster für die Arbeit in Institutionen“ geht auf Leitungs- und Führungsstile, auf Struktur und Haltung und auf Krisenmanagement ein.
  3. Der dritte Teil „Prävention, pädagogische Weiterentwicklung, Evaluation und Transfer“ enthält einen Reflexionsbogen zu Rahmenbedingungen und geht auf Fortbildungsmöglichkeiten ein.

Inhalt

Gestützt auf eine Längsschnittstudie mit der Erhebung und Auswertung der Thematisierung von Missbrauch und Misshandlung in verschiedenen Medien werden „mediale Konjunkturen von Kinderschutzdebatten“ anschaulich auch im internationalen Kontext diskutiert und im ersten Abschnitt als Einführung in die Thematik vorgestellt.

Im zweiten Kapitel wird auf den medizinischen Diskurs in seinem historischen Ablauf eingegangen und die unterschiedlichen diagnostischen Konzepte zum Thema Kinderschutz, Kindesmisshandlung und Missbrauch werden veranschaulicht. Anschließend werden ethische Aspekte des Kindeswohls im Spannungsfeld von Autoritäten und der Verletzlichkeit von Kindern diskutiert.

Das 4.und 5. Kapitel gehen zunächst kurz auf die entwicklungspsychologische Bedeutung ein und ausführlicher auf die rechtlichen Grundlagen des Kinderschutzes in verschiedenen Kontexten. Abgeschlossen wird der erste Teil des Buches mit kurzen Ausführungen zum Thema Governance und Konzeptionen des Kindeswohls in spezifischen Einrichtungen.

Der zweite und dritte Teil des Buches sind erheblich kürzer gefasst. Zunächst wird hier auf die unterschiedlichen Leitungs- und Führungsstile in Einrichtungen eingegangen und Struktur und Haltung als Voraussetzung für professionelles Handeln wird thematisiert sowie der Aspekt Krisenmanagement bei Verdacht auf sexuellem Missbrauch.

In den beiden letzten Kapiteln („Prävention, pädagogische Weiterentwicklung, Evaluation und Transfer“) wird ein Reflexionsbogen zur Einschätzung von Rahmenbedingungen vorgestellt (als präventive Möglichkeit) und das Thema Fortbildung als Mittel der Prävention wird skizziert.

Diskussion

Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass die fachliche und gesellschaftliche Diskussion zum Thema Kindeswohl bzw. sexueller Missbrauch durch Forschung und Publikation weiter vorangetrieben wird. Die Stärke dieses Buches liegt in der Perspektive: Ausgangspunkt ist der Begriff Kindeswohl, der bei allen unterschiedlichen Fragestellungen als Maßstab angelegt wird. Dabei werden in den einzelnen Themenbereichen die Schwierigkeiten in der Praxis (von verschiedenen Institutionen) deutlich, diesen Anspruch angemessen umzusetzen. Diese Perspektive erlaubt es auch, dass der Leser/ die Leserin über Grundsatzfragen dieser Thematik nachdenken kann, die ansonsten im Arbeitsalltag kaum gestellt werden:

  • Wie hat sich die Resonanz der Medien bei dem Thema Gewalt an Kindern verändert?
  • Welche ethischen Aspekte sind von Bedeutung?
  • Wie ist die Wahrnehmung des Themas in der Medizin oder wie ist der aktuelle rechtliche Stand in verschiedenen Bereichen?

Die eher praktisch – konkrete Umsetzung von Prävention bzw. Verhinderung von sexuellem Missbrauch in Institutionen wird nur sehr knapp in Teil 2 und 3 skizziert. Hier wird deutlich, dass für verschiedene Fragestellungen weiter Forschungs- und Entwicklungsbedarf in Deutschland besteht. Durch dieses Buch wird auch die verdienstvolle Arbeit des „Runden Tisches gegen Kindesmissbrauch“ wahrnehmbarer.

Fazit

Auch für erfahrene Praktiker und Forscher, die sich im Arbeitsalltag mit der Problematik „Kindeswohl“ beschäftigen, bietet dieses Buch neue Perspektiven und Anstöße, über grundsätzliche Fragen dieser Thematik zu reflektieren.


Rezensent
Prof. Ulrich Paetzold
Professor für Psychologie an der Hochschule Lausitz, Fachbereich Sozialwesen in Cottbus. Neben interkulturellen Fragen sind Schwerpunkte in der Lehre: sexueller Missbrauch, Klinische Psychologie, Beratung. Zusatzqualifikationen: Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten sowie verschiedene kognitive Therapieverfahren.
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Zitiervorschlag
Ulrich Paetzold. Rezension vom 05.01.2018 zu: Heiner Fangerau, Alexander Bagattini, Jörg M. Fegert, Rudolf Tippelt, Willy Viehöfer u.a. (Hrsg.): Präventive Strategien zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs in pädagogischen Einrichtungen. Kindeswohl als kollektives Orientierungsmuster? Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. ISBN 978-3-7799-2270-4. Studien und Praxishilfen zum Kinderschutz. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23666.php, Datum des Zugriffs 17.07.2018.


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