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Lena Groß, Jasmin Bastian: Lerntechniken und Wissensmanagement

Cover Lena Groß, Jasmin Bastian: Lerntechniken und Wissensmanagement. Wissen erwerben, speichern und verwerten. UTB (Stuttgart) 2017. 2. Auflage. 154 Seiten. ISBN 978-3-8252-4895-6. D: 17,99 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 24,50 sFr.
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Thema

Das Werk richtet sich an Studienanfänger, die wissen möchten, was sie in Bezug auf das Lernen im Studium erwartet, sowie an Erstsemester, die ihr Lernhandeln verbessern möchten. Deshalb soll ein umfassender Überblick darüber gegeben werden, mit welchen Lernsituationen und Aufgaben sie im Studium konfrontiert werden. Darüber hinaus werden dem Leser viele unterschiedliche Methoden und Techniken für das persönliche Lern- und Wissensmanagement vorgestellt, die sie auf ihre individuelle Situation anwenden können.

Das Buch will helfen, den Prozess des Lernens zu verstehen, die Entstehung von Schwierigkeiten zu erkennen und einen selbstbestimmten und bewussten Umgang mit der Lernzeit zu erreichen.

Autorinnen

Dr. Jasmin Bastian ist Junior-Professorin am Institut für Erziehungswissenschaft, AG Medienpädagogik, der Johannes Gutenberg Universität Mainz. Ihre Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte sind digitale Medien in der Familie, Kita, Schule und Hochschule, Lernen und Lehren mit digitalen Medien, Medienkompetenz und Literacyforschung sowie Medienwirkung und Wirkungsannahmen.

Dr. Lena Groß-Mlynek arbeitet am Institut für Erziehungswissenschaft – Schulforschung und Schulpädagogik – der Johannes Gutenberg Universität Mainz. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Lehren und Lernen mit neuen Medien, Hochschul- und Bildungsforschung, Hochschuldidaktik, Veränderungen der Lehr-/Lernkultur im Zuge des Bologna-Prozesses, Lern- und Wissensmanagement sowie Wissenskommunikation.

Entstehungshintergrund

Der Bologna-Prozess an den Hochschulen hat bewirkt, dass nominal auch überfachliche, berufsfeldorientierte Kompetenzen, die ein Fachstudium sinnvoll ergänzen, im Studium berücksichtigt werden. Nahezu alle deutschen Hochschulen haben die „Vermittlung“ von diesen Fähigkeiten, zumindest in der Begrifflichkeit,  in ihre Lehrpläne aufgenommen oder ein Konzept dafür entwickelt.

Diese Kompetenzetiketten dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den meisten Hochschulen nach wie vor die Illusion einer „Wissensvermittlung“  und die Qualifizierung dominieren. Deshalb benötigen die Studierenden immer noch Techniken und Methoden, um Wissen auf Vorrat aufzubauen, manchmal auch als „Bulimielernen“ bezeichnet, aber auch die Fähigkeit, Kompetenzen, z.B. in Forschungsprojekten, selbstorganisiert zu entwickeln.

Die Digitalisierung der Lernprozesse findet nur langsam an Hochschulen Eingang in die Konzepte, obwohl die Studierenden praktisch ohne Ausnahme privat Smartphones, Tablets und Laptops für Recherchen, die Kommunikation und kollaboratives Arbeiten im Netz nutzen. Auch in der Forschung sind digitale Medien heute Alltag. Sie erleichtern Arbeitsprozesse, erschließen der Forschung neue Möglichkeiten und erweitern das Repertoire wissenschaftlicher Methoden. Forschendes Lernen ist damit nicht mehr möglich, ohne das akademische Medienhandeln aus der Forschung in die Lernprozesse zu integrieren. Die digitale Kompetenz, d.h. die Fähigkeit Herausforderungen mit Hilfe digitaler Systeme selbstorganisiert bewältigen zu können, wird für studierende deshalb immer wichtiger.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in vier Teilbereiche gegliedert. Es kann systematisch bearbeitet werden, eignet sich aber auch als Nachschlagwerk. Der Transfer des erworbenen Wissens wird durch vielfältige Übungen ermöglicht.

Im ersten Teil werden die Besonderheiten des Lernens in der Universität vorgestellt. Hierzu gehört insbesondere, dass der Studierende selbst für die Organisation seiner Lernprozesse verantwortlich ist. Dies wird anhand des Lernens in Vorlesungen, Übungen, Seminaren, Arbeitsgruppen und in Tutorien sowie Kolloquien skizziert. Das Lernen durch Schreiben, durch Forschen, mit Medien und für Prüfungen, aber auch Lernziele im Studium werden kurz erläutert.

Die Umsetzung in der Lernpraxis der Leser wird mit Hilfe von sechs Fallbeispielen, die sich durch das ganze Buch ziehen, mit unterschiedlichen Charakteren – der Spontane, die Detailverliebte, der Mündliche, der Gelassene, die Perfektionistin und die Sensible – zu unterschiedlichen Herausforderungen des Lern- und Wissensmanagements verdeutlicht.

Im zweiten Teil werden die Lernprozesse und deren Organisation analysiert, um sie zu verstehen und um das eigene Lernverhalten zu reflektieren. Lernen bedeutet dabei, dass Menschen Fähigkeiten erwerben, um sich ihrer Umwelt anzupassen, sinnvoll zu handeln und ihre Umgebung, wenn nötig, zu verändern. Eine Verhaltensänderung oder auch die Änderung des Verhaltenspotenzials entsteht aus den persönlichen Erfahrungen eines Menschen und gilt dann als gelernt, wenn sie relativ konstant ist.

Es wird untersucht, wie man lernt und welche lerntheoretischen Ansätze von Bedeutung sind. Welche Bedeutung hat das selbstgesteuerte Lernen, mit welchen Methoden kann man organisiert lernen? Wie können kognitive Lernstrategien, die durch eine gedankliche Auseinandersetzung mit Inhalten geprägt sind, metakognitive Lernstrategien, die sich vor allem auf die Überwachung und Bewertung des eigenen Lernvorganges beziehen, ressourcenbezogene Lernstrategien, insbesondere Aspekte des persönlichen Wissens und Könnens, aber auch Charakteristika der Lernumgebung oder die Zeitplanung, gestaltet werden? Wie kann der Lerner reagieren, wenn das Lernen nicht gelingt, z.B. wegen des stetigen Aufschiebens von studienrelevanten Tätigkeiten, wegen Lampenfiebers, Emotionen oder Unsicherheit?

Die Fallbeispiele aus dem ersten Abschnitt werden wieder aufgegriffen, um Methoden zur Lösung von Lernproblemen zu erläutern. Die Leser sollen sich daraus eine personalisierte Sammlung von Methoden ableiten, die ihren eigenen Vorlieben und Bedürfnissen entspricht. Abgerundet wird dieser Teil durch einen Überblick über verschiedene Wissensarten und deren Relevanz für das Studium.

Im drittenTeil wird aufgezeigt, wie die Studierenden mit Wissen und dem persönlichen Wissensmanagement im Studium umgehen können. Welche Rolle spielt das Wissen auf dem Weg zum Handeln und zu Kompetenzen? Welche Arten von Wissen können unterschieden werden? Wie kann das persönliche Wissensmanagement organisiert und strukturiert werden? Dabei wird deutlich, dass emotionale und intuitive Bereiche des Lernens eine zentrale Rolle spielen. Deshalb können nicht alle Lern- und Wissensprozesse bewusst gesteuert werden.

Im vierten Teil erfährt der Leser verschiedene Methoden für das persönliche Wissensmanagement und lernt Tools sowie digitale Medien kennen, die diese Prozesse unterstützen. Diese Vorgehensweisen werden wiederum anhand der eingangs eingeführten Fallbeispielen illustriert. Das Spektrum reicht von Wissenslandkarten, Karten legen und Tortendiagrammen zur Identifikation und Strukturierung vorhandenen Wissens über Communities of Practice, Storytelling und Mentorenprinzip zur Kommunikation und gemeinsamen Konstruktion vorhandenen Wissens. Um Wissen für die Zukunft nutzbar zu machen, werden die Methoden After Action Review, Lessons Learned, Mikroartikel und Best Practice Sharing skizziert. Neues Wissen kann über die Methode des Analogietrainings entwickelt werden.

Ganz zum Schluss wird aufgezeigt, wie Medien das persönliche Wissensmanagement unterstützen können. Die Leser erhalten Tipps für das Recherchieren sowie die Kommunikation und Kooperation mit persönlichen Wikis, Weblogs, E-Portfolios, Gruppen-Software-Systemen, z.B. Skype, Google Hangouts, Slack, Dropbox, Google Drive oder Etherpad. Abgerundet werden diese Hinweise durch Tipps für die Verwaltung elektronischer Dokumente.

Fazit

Die Autorinnen entwickeln in ihrem Buch eine Tour d´Horizon über alle relevanten Aspekte des Lernens in Hochschulen. Dies bedingt naturgemäß, dass die Vielfalt der Themen nur sehr grundsätzlich behandelt werden kann. Das Buch kann deshalb dann sinnvoll zum Aufbau der Lernkompetenz für ein Studium genutzt werden, wenn man es als Rezeptbuch versteht, dessen Vorschläge erst in der Anwendung in der Lernpraxis zur Verbesserung der persönlichen Lernprozesse und damit der Lernkompetenz führen. Hierzu erhält der Leser sehr viele nützliche Hinweise und Anregungen.

Dabei konzentrieren sich die Autorinnen vor allem auf traditionelle Studienkonzepte mit Vorlesungen, Seminaren und Tutorien. Innovative Konzeptionen des Studiums, z.B. forschendes Lernen oder Blended Learning Arrangements, werden nur gestreift, obwohl ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte genau in diesem Bereich liegen. Leider decken sie damit die Realität in deutschen Hochschulen weitgehend ab.


Rezensent
Prof. Dr. Werner Sauter
Blended Solutions GmbH
Homepage www.blended-solutions.de
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Zitiervorschlag
Werner Sauter. Rezension vom 09.01.2018 zu: Lena Groß, Jasmin Bastian: Lerntechniken und Wissensmanagement. Wissen erwerben, speichern und verwerten. UTB (Stuttgart) 2017. 2. Auflage. ISBN 978-3-8252-4895-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23670.php, Datum des Zugriffs 17.07.2018.


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