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Karsten Häschel: Kitainklusion. Wege zur gelingenden Umsetzung

Cover Karsten Häschel: Kitainklusion. Wege zur gelingenden Umsetzung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. 96 Seiten. ISBN 978-3-7799-3742-5. D: 16,95 EUR, A: 17,50 EUR, CH: 23,90 sFr.
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Thema

Das Buch beschreibt grundlegende Zugänge zum Verständnis und zur Umsetzung des Inklusionsgedankens in Kindertagesstätten. Ausgehend von der UN-Behindertenrechtskonvention und von Inklusion als Menschenrecht und Menschenbild werden Konzeptebenen einer inklusiven Kita vorgestellt, die zugleich als Kriterien für eine Bedarfsanalyse dienen können. Konkrete Schritte und Handlungsempfehlungen zeigen mögliche Wege zu einer inklusiven Einrichtung und gelingenden Praxis auf.

Autor

Karsten Häschel ist Diplom-Sozialarbeiter/-pädagoge mit 24-jähriger Berufserfahrung im Bereich der Behinderten- und Jugendhilfe, unter anderem auch bei der Lebenshilfe Berlin und als „Beauftragter für Menschen mit Behinderung“ für die Landeshauptstadt Potsdam. Seit fünf Jahren ist er als selbstständiger Fachberater für Inklusion tätig und berät Institutionen im Bildungs- und Sozialbereich in Transformationsprozessen zur inklusiven Einrichtung.

Entstehungshintergrund

Die Publikation kann wie ein Leitfaden gelesen werden, der viele konkrete Anregungen und Ansätze für inklusives Denken und Handeln für den vorschulischen Bereich enthält. Praktische Erfahrungen des Autors in der Begleitung von Einrichtungen auf dem Weg zur inklusiven Einrichtung fließen mit ein.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in acht Kapitel:

  1. Eine Kita für alle. Inklusionsdingsda – Was ist das?
  2. Inklusion hat viele Facetten – Umsetzung in der Praxis
  3. Darauf sollten Sie achten!
  4. Arbeit mit Flüchtlingskindern als Inklusionsaufgabe
  5. Schritt für Schritt vorangehen
  6. Unser Konzept entsteht
  7. Tipps zur Umsetzung
  8. Eckpunkte für eine gelingende Inklusion

Im Anhang befindet sich die Literaturliste, die jedoch nicht alle im Text verwendeten Quellen enthält (z.B. Kurz 2016 und Statistisches Bundesamt 2016, Feuser 1995, Uslucan 2013 fehlen). Zudem sind die im Text genannten Jahreszahlen nicht immer mit den im Literaturverzeichnis aufgeführten identisch (z.B. Payne 2009 oder 2010).

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

„Keine Angst vor zu viel Theorie: ‚Inklusion ist wie das Leben: spannend, ausdrucksstark, unerwartet und reizvoll‘“ (Häschel 2018, S. 14) – mit diesen verheißungsvollen Worten beschreibt der Autor, was die Leser_innen seines Buches erwartet: Schwerpunkt ist der „praktische Teil der Inklusion“ (ebd.).

Dieser Ankündigung entspricht Aufbau und Inhalt des Buches. Die Exkurse zu theoretischen Grundlagen des Inklusionsgedanken und der Inklusionsbewegung, des Inklusionsbegriffs und der UN-Konvention fallen mit ca. zehn Seiten entsprechend knapp aus. Die im Fachdiskurs breit und kontrovers diskutierte Unterscheidung zwischen den Begriffen Integration und Inklusion wird mit dem Satz „Inklusion als Fortführung von Integration“ abgekürzt und „grundlegende Unterschiede“ (ebd., S. 22) sind in Form einer tabellarischen Gegenüberstellung stichpunktartig gelistet; Referenztheorien und Quellen hierzu werden nicht benannt.

Ab Seite 23 widmet sich Häschel den „vielen Facetten“ der Inklusion in der Umsetzungspraxis. Zum Auftakt zeigt der Autor am Beispiel der AWO-Kita Osnabrück-Bissendorf auf, mit welchen Themen sich das dort tätige Team befasst hat, um den Krippen- und Elementarbereich inklusiv zu gestalten. Als weiteres Praxisbeispiel führt er eine Kita in Potsdam an. Interviews des Autoren mit den Einrichtungsleiterinnen ergänzen seine Ausführungen. Beide Leitungen betonen die Bedeutung der wertschätzenden Haltung aller Beteiligten zum Thema Inklusion als wesentlichen Gelingensfaktor (ebd., S. 26 u. 39).

Im weiteren Verlauf stellt Häschel „bewährte Konzepte“ vor und bezieht sich dabei auf Feuser (1995) und Reiser et al. (1986), die in den 80er Jahren zu den Pionieren der Integrationsbewegung und -forschung gehörten. Er skizziert den Begriff der Resilienz und beschreibt Fragen der Spielmethodik, der Spielmaterialien, der Raumgestaltung und der Kreativangebote und benennt als ein Beispiel für kooperative inklusive Lernformen ein Reiterhofprojekt.

Um Fragen der Barrierefreiheit, des Disability Mainstreamings, der transkulturellen Arbeit, geschlechtersensiblen Erziehung, Gleichheit und des Indexes für Inklusion geht es in den nächsten Abschnitten. Auch wie die Prozessbegleitung durch einen externen Fachberater aussehen kann, wird hier thematisiert.

In einem eigenen Kapitel behandelt Häschel die Arbeit mit Flüchtlingskindern als Inklusionsaufgabe. In den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellt er die Bedeutung der Beziehungs- und Reflexionskompetenz der pädagogischen Fachkräfte, den Umgang mit möglichen Traumatisierungen und Fragen des (Zweit)Spracherwerbs.

„Schritt für Schritt vorangehen“ ist das Motto des 5. Kapitels: Teamprozesse, Personalplanung, Umgang mit Widerständen, Kooperationen mit Behörden, Netzwerkarbeit und die Einbindung von Eltern werden hier thematisiert.

Wie genau ein Konzept zur inklusiven Kita entstehen und ausgearbeitet werden kann, welche Themenbereiche dabei berücksichtigt werden sollten, wie ein „Inklusionsfahrplan“ (ebd., S. 80) und ein „Inklusionsfest“ (ebd.) aussehen könnten, stellt der Autor im 6. Kapitel konkret und anschaulich vor. Abschließend befasst er sich mit Fragen der Finanzierung über Sponsoring und Stiftungen sowie der Notwendigkeit politischer Arbeit, um Inklusion dauerhaft und verlässlich als Menschenrecht und Gesellschaftsform zu implementieren. Die „Eckpunkte für eine gelingende Inklusion“ dienen zugleich als Merkpunkt wie als Ausblick auf eine Gesellschaft, in der Inklusion gelebt wird und inklusive Kitas den Normalfall darstellen.

Diskussion und Fazit

Die von Karsten Häschel vorgelegte Publikation wendet sich in erster Linie an Praktikerinnen im Handlungsfeld Kindertageseinrichtungen. Der eindeutige Praxisbezug erklärt die äußerst knappe bis fehlerhafte Darstellung theoretischer Verbindungslinien und Kontexte. Die Stärke des Buches liegt in der anschaulichen und Barrieren abbauenden Bearbeitung der Thematik. Strukturiert und nachvollziehbar werden Prozessphasen und Rahmenbedingungen aufgeführt, die Einrichtungen dabei unterstützen können, sich auf den Weg zur „Kita für alle“ zu machen.

Der Umgang mit Quellen und Referenztheorien entspricht nicht den Erwartungen an ein gründlich recherchiertes und lektoriertes Fachbuch. Als Lektüre für Studierende ist es daher nicht zu empfehlen. Auch WissenschaftlerInnen ist von diesem Buch abzuraten. Praktikerinnen hingegen kann es als orientierender Leitfaden dienen, um sich dem komplexen Thema „Inklusion“ praktisch und strukturiert anzunähern.


Rezensentin
Prof. Dr. Marion Baldus
Hochschule Mannheim
Homepage www.sw.hs-mannheim.de/baldus.html
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Zitiervorschlag
Marion Baldus. Rezension vom 06.09.2018 zu: Karsten Häschel: Kitainklusion. Wege zur gelingenden Umsetzung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. ISBN 978-3-7799-3742-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23688.php, Datum des Zugriffs 16.11.2018.


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