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Asmus J. Hintz: Erfolgreiche Mitarbeiterführung durch soziale Kompetenz

Cover Asmus J. Hintz: Erfolgreiche Mitarbeiterführung durch soziale Kompetenz. Eine praxisbezogene Anleitung. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2017. 4., aktualisierte und erweiterte Auflage. 500 Seiten. ISBN 978-3-658-19107-8. D: 42,99 EUR, A: 44,20 EUR, CH: 44,50 sFr.
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Autor

Prof. Asmus J. Hintz lehrt seit 1987 am Institut für Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg mit den Schwerpunkten Mitarbeiterführung. Zudem berät er Führungskräfte auf europäischer Ebene. Vorher war er mehr als 30 Jahre in Managementfunktionen tätig.

Entstehungshintergrund

Nach 2011, 2013 und 2016 ist dieses Buch in kurzer Zeit 2017 bereits in der vierten Auflage erschienen. Dieses belegt, dass hiermit ein Bedarf gedeckt wird. Vergleicht man die erste mit der jüngsten Auflage, so zeigt sich, dass die Kapitel in ihrer Anzahl, Reihenfolge und den Überschriften – Ausnahme Kap. 12 – erhalten geblieben sind und lediglich der Umfang größer wurde. Innerhalb der Kapitel gibt es dann allerdings durchaus maßgebliche Weiterentwicklungen. Für die vierte Auflage wurde das Kapitel zum Change Management neu gestaltet und die Methode „Appreciative Inquiry“ („wertschätzende Befragung“) ausführlich vorgestellt. Neu sind auch die Ausführungen zum Businessplan: Vorlagen, Muster und Hinweise, Formulare zur Ermittlung des Kapitalbedarfs sowie hilfreiche Links weisen nachvollziehbar den Weg zur eigenen Businessplanung. 

Nach wie vor bezeichnen Autor und Verlag die Publikation als „Lehrbuch“. Hiermit sollen Führungskräfte mit den Grundlagen der Mitarbeiterführung vertraut gemacht werden. Die Führungskompetenz soll durch den Erwerb von handwerklichem Können bei der sozialen Interaktion und dem Wissen um die Wirkungsmechanismen menschlichen Verhaltens verbessert werden.

Aufbau

Das Buch beinhaltet zahlreiche Abbildungen sowie Übungen, Fallbeispiele, Profile etc. Hinzu kommen ein Inhalts- und Abbildungsverzeichnis am Anfang sowie ein Autorenportrait-, Literatur und Stichwort-(Sach-)verzeichnis am Ende.

Das Buch ist überwiegend exemplarisch aufgebaut, wobei manche Beispiele, Übungen etc. hervorgehoben, andere im Fließtext eingebettet sind. Eine didaktische Struktur mit Lernzielen und begründeten Lehrinhalten findet sich allerdings nicht. Das Buch ist in 13 Kapitel untergliedert.

Inhalte

Kap. 1 „Führen oder geführt werden“ beginnt nach einer kurzen Einleitung mit einer Fallstudie, die aus zwei Beispielen, einer Aufgabe und einer Musteranalyse besteht. Im Wechsel folgen weitere Übungen und Texte zu Schlüsselqualifikationen, Führungsverhalten und -aufgaben.

Kap. 2 „Ziele“ ist ähnlich aufgebaut wie Kapitel 1 und wie alle folgenden auch. Im Mittelpunkt stehen die Zielvereinbarung und insbesondere die hiermit verbundenen Gespräche. Wie bei einem Rezept werden genaue Angaben zu Ablauf und Raum, zum Gesprächsverhalten und zur Vorbereitung gemacht.

Kap. 3 „Planen“ ist ein kurzes Kapitel, das aus einer Übung, einer Fallstudie und „Besprechungen leiten“ besteht. Es gibt wieder Handreichungen, an denen man sich orientieren kann.

Kap. 4 „Delegieren“ ist noch kürzer und besteht aus einem Fallbeispiel, einer Übung und einer Fallstudie, wobei sich die Art der Gliederung nicht ganz erschließt.

Kap. 5 „Entwickeln und fördern“ ist umfangreicher. Nach Rollenbeschreibungen gibt es Hilfe bei Problemlösungen, werden Probleme zu Zielen und der Sokratische Dialog sowie Zirkuläres Fragen werden vorgestellt. Alle Themen werden durch Fallbeispiele und Fallstudien verdeutlicht.

Kap. 6 „Kontrollieren“ besteht aus einem Fallbeispiel mit einer kurzen Einleitung.

Kap. 7 „Loben“ umfasst dann zwei Themen, nämliche häufige Fehler und angemessen loben mit Fallstudie „Die Perfekte“.

Kap. 8 „Kritisieren“ ist das Gegenteil von Kapitel 7 und genauso aufgebaut, wird allerdings anhand von zwei Fallstudien und einem Test verdeutlicht.

Kap. 9 „Konflikte“ besteht aus den beiden Unterkapiteln Konflikte bearbeiten und Konflikte vermeiden. Neben verschiedenen Aspekten gibt es auch wieder Fallstudien und Übungen, z.B. wie man Reizformulierungen entschärft. Also statt „Das stimmt nicht!“ besser „Lassen Sie uns das gemeinsam prüfen.“ sagen.

Kap. 10 „Motivieren“ beginnt mit einem „Ausflug“ zum „Nucleus accumbens“, der Kernstruktur im unteren (basalen) Vorderhirn. Seit einigen Jahren sind die Neurowissenschaften in den Managementlehren en vogue und der Autor hat sich dem angeschlossen. Dopamin und Flow gehören zu seiner zur Motivationslehre, man könnte es noch ergänzen um Achtsamkeit, Empathie oder Resilienz. Der Autor bleibt dankenswerter Weise bei den altbekannten Theorien von Herzberg und McGregor, ergänzt sie um Ansätze des motivierenden Führungsverhaltens und das Change-Management. Im Mittelpunkt der Überarbeitung steht das, was Warren G. Bennis & Bert Nanus 1985 als „We are overmanaged, but underled!“ bezeichneten und John P. Kotter 1990 in „A Force for Change: How Leadership differs from Management“ beschrieb: der Unterschied zwischen Managern und Leadern.

Kap. 11 „Kommunizieren“ ist pragmatisch aufgebaut: Fragen und Zuhören, Sach- und Beziehungseben unterscheiden, Feedback geben sowie beraten und verhandeln. Bei der Kommunikation aus psychologischer Sicht kommen auch die Axiome von Paul Watzlawick sowie die Transaktionsanalyse nach Eric Berne vor. Den Abschluss bildet „Wie überleben ich meinen Chef?“.

Kap. 12 „Von der Idee zum Businessplan“ ist das einzige seit der 1. Auflage umbenannte Kapitel. Dies deshalb, weil sich der Autor mit dem „Entrepreneurship“ auseinandersetzt. Die Umbenennung soll zeigen, dass das Entwickeln neuartiger Geschäftsideen zu den Aufgaben einer Führungskraft gehört.

Kap. 13 „Check: Führungsaufgaben von A bis Z“ ist kein eigentliches Kapitel, sondern es sind Checklisten, um sich eigene Ziele zu setzen.

Diskussion

Angesichts zahlreicher Managementlehren, die seit den 1940er Jahren aus dem Boden der Praxis und weniger dem der Wissenschaft gesprossen sind, muss sich die Publikation der Frage stellen, ob es sich um die Wiedergabe wissenschaftlich fundiertes Wissen oder eher um einen der vielen „Ratgeber“ handelt. Der Autor bezieht sich auf das „enzymische Management“ von Werner Boysen (S. 27; Management Turnaround. Wie Manager durch Enzymisches Management wieder wirksam werden. Wiesbaden 2009; derselbe: Grenzgänge im Management: Quellen für neue Lösungsansätze. Wiesbaden 2013). Insbesondere in den systemischen und kybernetischen Managementlehren sind solche Analogien beliebt; in einer Art Mimikry werden naturwissenschaftliche Theorien den Führungslehren übergestülpt. Aber nicht alle Vergleiche erscheinen wirklich geeignet.

Es erstaunt auch, dass der Autor sich nur wenig mit der „Sozialen Kompetenz“ selbst auseinandersetzt. Im Kapitel 1.4 über Schlüsselqualifikationen werden drei Arten der Kompetenz, darunter die Sozialkompetenz, kurz skizziert. Es würde hier zu weit führen, auf die zahlreichen Kompetenzmodelle einzugehen, seitdem der Deutsche Bildungsrat den Begriff im Jahr 1974 eingeführt hat. Festgestellt werden muss jedoch, dass die Besonderheit der Mitarbeiterführung durch soziale Kompetenz hier nicht herausgearbeitet wird. Es gibt zwar viele Fallbeispiele und Übungen hierzu, aber keine logisch deduzierte Begrifflichkeit. Es sind eher die Herausforderungen des Alltags, für die konkrete Handlungsoptionen in vielen typischen Führungssituationen aufgezeigt werden. Hiermit will der Autor seine Leser darauf vorbereiten, erfolgreich zu führen, menschliches Verhalten im Rahmen gegenseitiger Zielvereinbarungen zu steuern und soziale Macht in angemessener Weise auszuüben.

Und damit stellt sich letztlich die Frage, ob es sich um ein Lehrbuch handelt. Gemeinhin wird hierunter ein didaktisch aufbereitetes Fachbuch verstanden, in dem der Stand der Wissenschaft und herrschende Lehrmeinungen wiedergegeben werden. Es sind zwar durchaus einige Lehrmethoden wie man sie aus der Weiterbildung kennt, z.B. Fragebögen oder Profile vorhanden, zudem viele Beispiele, aber ein in sich geschlossenes didaktisches Konzept ist nicht zu erkennen.

Fazit

Das Buch kann man als Führungskraft durcharbeiten, die jeweiligen Aufgaben lösen, Profile erstellen, sich anhand von Fragebögen selbst klar werden und wird am Ende sicherlich einen Zugewinn haben. Dies auch deshalb, weil das Buch leicht verständlich ist und man kein entsprechendes Vorstudium benötigt. Dies dürften die Erfolgskriterien der Publikation sein. Allerdings sei auch darauf hinzuweisen, dass es sich nicht um eine wissenschaftlich fundierte, stringente Abhandlung zur Mitarbeiterführung durch soziale Kompetenz handelt. Wer aber als Praktiker auf den wissenschaftlichen Überbau verzichten kann und gerne einmal wissen möchte, was hinter vielen Begriffen steckt, dem kann das Buch durchaus empfohlen werden. Wie bei allen Rezepten besteht aber die Gefahr, dass das eigene Produkt nicht so gut gelingt wie das des Autors.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management, an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 09.02.2018 zu: Asmus J. Hintz: Erfolgreiche Mitarbeiterführung durch soziale Kompetenz. Eine praxisbezogene Anleitung. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2017. 4., aktualisierte und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-658-19107-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23690.php, Datum des Zugriffs 20.02.2018.


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