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Nausikaa Schirilla, Bianca Boteva-Richter (Hrsg.): Interkulturelle Kompetenz

Cover Nausikaa Schirilla, Bianca Boteva-Richter (Hrsg.): Interkulturelle Kompetenz. Wiener Gesellschaft für interkulturelle Philosophie c/o Inst. f. Philos. Uni Wien NIG (Wien) 2017. 130 Seiten. ISBN 978-3-901989-35-3. 16,00 EUR.

polylog 36.
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Thema

Die Zeitschrift polylog 36/2016 ist schwerpunktmäßig dem Thema „Interkulturelle Kompetenz“ gewidmet, das in der Vergangenheit im Zusammenhang mit der Bewältigung von Migrationsfolgen Beachtung gefunden hat. Das Thema wurde aus der Sicht unterschiedlicher Fachdisziplinen diskutiert.

In der Sozialen Arbeit haben Klaus Barwig und Wolfgang Hinz-Rommel 1995 mit dem Buch „Interkulturelle Öffnung sozialer Dienste“ die Debatte eröffnet. Es ging wesentlich um die Frage, wie die Organisationen der Sozialen Arbeit die Zugangsbarrieren zu den Sozialen Diensten für Menschen mit Migrationsgeschichte abbauen können. Ein wichtiger Weg schien die Fortbildung des Personals zu sein, das befähigt werden sollte, auf den Ebenen Adressatenansprache, soziale Arbeit mit Klient*innen, Team, Personal- und Organisationsentwicklung angemessene Antworten auf die migrationsbedingten Herausforderungen zu finden.

Wissenschaftlich wurde das Thema kontrovers diskutiert, insbesondere im Hinblick auf den Kompetenzbegriff und den mit „Interkulturalität“ zusammenhängenden Kulturbegriff. 2003 erschien in der Zeitschrift „Erwägen – Wissen – Ethik. Streitforum für Erwägungskultur“, Bd. 14 (H. 1, S. 137-150) ein Leitartikel zum Thema „Interkulturelle Kompetenz“ von Alexander Thomas, auf den 34 Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Fachdisziplinen mit Kommentaren antworteten. Das Heft verdeutlicht die Spannbreite der wissenschaftlichen Positionen und kritischen Einwände gegen das Konstrukt „Interkulturelle Kompetenz“.

Jürgen Bolten verweist in seinem Aufsatz im vorliegenden Heft polylog (S. 23) auf die zum Teil übertrieben scharfe und polemische Kritik, konstatiert jedoch zugleich, dass die Streitschrift wesentlich dazu beigetragen habe, „Möglichkeiten des Dialogs für bis dato disziplinär weitgehend voneinander abgeschottet existierende Vorstellungen zu Interkultureller Kompetenz zu öffnen“ (24). Eine Zusammenschau der zurückliegenden Diskussion veranlasst ihn zu der Einschätzung, dass der zuvor erbittert geführte Streit weder zu gewinnen noch zu verlieren sei, „weil eine einheitliche Konzeptualisierung des Konstrukts nicht denkbar ist“ (S. 24). Ein Grund sei vor allem die Kontextabhängigkeit interkulturellen Handelns, das je nach Akteursfeld und situativem Beziehungsgeschehen unterschiedliche Rahmenbedingungen impliziere.

Autor*innen

Die Zeitschrift versammelt Beiträge von Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen.

  • Rolf Elberfeld, Professor für Philosophie und Direktor des Instituts für Philosophie an der Universität Hildesheim stellt in seinem Artikel Bezüge zu Plato, Cicero, Pufendorf und dem japanischen Philosophen Nishida her.
  • Hakan Gürses, wissenschaftlicher Leiter der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung, interessiert sich im Rekurs auf Foucault und Gramsci für hegemonie- und machttheoretische Perspektiven.
  • Jürgen Bolten, Professor für interkulturelle Wirtschaftskommunikation der Universität Jena, gibt einen aufschlussreichen Überblick über die Diskussion interkultureller Kompetenz in den Geistes- und Kulturwissenschaften.
  • Nausikaa Schirilla, Professorin für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Migration und interkulturelle Kompetenz an der Katholischen Hochschule Freiburg, diskutiert interkulturelle Kompetenz im Kontext von Zugangsgerechtigkeit.

Interessant ist daher der multidisziplinäre und multiperspektivische Zugang zum Thema.

Entstehungshintergrund

Die Themenschwerpunkte der Zeitschrift „polylog“ beziehen sich sowohl auf praktisch-politische als auch philosophisch systematische Themen. Mit dem Thema interkulturelle Kompetenz steht ein eher praktisches Thema – so die Redaktion – im Mittelpunkt, das zugleich durch seinen Bezug zur aktuellen Zuwanderung eine hohe Relevanz besitzt. Die Redaktion bemängelt in diesem Zusammenhang, dass die Diskussion zu Migration nicht immer theoretisch fundiert und seriös geführt werde, was die Verantwortlichen für die Zeitschrift veranlasst habe, in Zusammenarbeit mit der Wiener Gesellschaft für Interkulturelle Philosophie (WiGiP) der Universität Wien und dem Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK) im Februar 2015 im Österreichischen Museum für Volkskunde eine Tagung zum Thema „Interkulturelle Kompetenz in der Kritik“ durchzuführen.

Die meisten Beiträge im Thementeil dieser Ausgabe der Zeitschrift gehen auf diese Tagung zurück. Die vorliegende Rezension bezieht sich ausschließlich auf den Thementeil des Hefts.

Aufbau

Der Thementeil beginnt mit einer Einleitung der zuständigen Redakteurinnen Bianca Boteva-Richter und Nausikaa Schirilla, die die Spannbreite der Vorstellungen skizzieren, die mit dem Begriff verbunden sind: Sie reiche von klassischen Definitionen, die interkulturelle Kompetenz im Kontext von interkulturellen Überschneidungssituationen ansiedelten, über Debatten zu kulturellen Differenzen oder generell zum Umgang mit Fremdheit bis hin zur Auseinandersetzung mit interkultureller Kompetenz im Hinblick auf Ethnozentrismus und Rassismus. Sie gibt anschließend einen Überblick über die nachfolgenden Beiträge.

  • Rolf Elberfeld startet mit seinem Aufsatz zu „Selbstkompetenz“ und „Fremdheitskompetenz“ und der Frage nach dem Fremden in mir und dir.
  • Daran schließt sich Hakan Gürses Artikel zu „Kulturalität in hegemonie- und machttheoretische Perspektive“ an.
  • Es folgen Jürgen Boltens Überlegungen zu „Interkulturelle Kompetenz – eine ganzheitliche Perspektive“ und
  • der abschließende Beitrag von Nausikaa Schirilla zu „Interkulturelle Kompetenz – Eine Frage der Gerechtigkeit?“

Inhalt

Rolf Elberfeld versteht in dem ihm geläufigen Sprachgebrauch unter interkultureller Kompetenz „die Fähigkeit eines Menschen, mit verschiedenkulturellen Realitäten und den damit verbundenen unterschiedlichen Wertsetzungen umgehen zu können“ (S. 5). Er setzt sich in seinem Beitrag mit der Dialektik von Selbst- und Fremdheitskompetenz auseinander. Indem man versuche, die anderen zu verstehen, lerne man sich selbst kennen. Seine zentrale These besagt, dass interkulturelle Kompetenz nur im Zusammenhang mit einer spezifisch zu bestimmenden Selbstkompetenz entfaltet werden könne (S. 8). Dieses Thema sei bereits bei Platon, Sokrates und Cicero und später auch bei Samuel Pufendorf zu finden. Nach einem Exkurs in die Geschichte der Philosophie stellt der Autor die Frage, wie weit denn die Selbstkompetenz reichen müsse und welche Bereiche sie abdecken sollte, um eine Fremdheitskompetenz zu entfalten. Ein universitärer Rahmen biete nur selten Gelegenheit, um beispielsweise die Psychodynamik interkultureller Konflikte nachzuempfinden, was für die Entwicklung interkulturelle Kompetenz erforderlich sei. Im Anschluss an seine Ausführungen zur Selbstkompetenz, befasst sich Rolf Elberfeld mit der Fremdheitskompetenz und stellt mit Bezug auf Arbeiten von Kristeva und Waldenfels ganz zu Anfang seiner Reflexionen fest, dass es Zonen der Fremdheit bereits in uns selbst gebe, sodass der erste Schritt die Auseinandersetzung mit dem Fremden in uns sei (9). Allerdings sei uns dieses Fremde nicht immer bewusst, womit Elberfeld ein Thema der Psychoanalyse anschneidet, das mit dem Begriff des Unbewussten bei Freud verbunden ist. Fremdheit beziehe sich darüber hinaus nicht allein auf Menschen anderer Kulturen, sondern auf jeden anderen Menschen, der mir begegnet.

Hakan Gürses unternimmt – nach eigener Aussage – in seinem Essay eine „Gratwanderung zwischen der Kritik des Kulturalismus und dem Lob des Kulturellen – mit dem Ziel, diesen besonderen Aspekt von Kultur herauszuarbeiten und somit die Kulturalität für die politische Theorie nutzbar zu machen respektive eine politische Theorie der Interkulturalität auszuloten“ (S. 13). In politischen, wissenschaftlichen und medialen Diskursen dominiere bereits seit den 1990er Jahren eine kulturalistische Lesart der gesellschaftlichen Verhältnisse, die u.a. in einer neuen Bipolarität zum Ausdruck komme, die sich nicht mehr an einer Zweiteilung der Welt in unterschiedliche politische Systeme, sondern an Religionen (Islam versus Christentum) orientiere. Gürses kritisiert am ‚cultural turn‘ der gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen, dass er zunehmend reduktionistisch wirke und alles nur noch einseitig aus einer Perspektive betrachte. Wie viele andere Autoren und Autorinnen sieht Gürses in der Unzulänglichkeit des Kulturbegriffs die Grundursache des Kulturalismus (S. 14). Es sei einerseits terminologisch problematisch, den semantisch ausgefransten Kulturbegriff wissenschaftlich zu verwenden und andererseits politisch fragwürdig, den Kulturbegriff im Zusammenhang mit z.B. Kolonialismus, Rassismus, Ethnopluralismus zu verwenden. Hakan Gürses sieht allerdings auch eine Ausuferung der Kultur-Kritik, weil es inzwischen offenbar zum „guten Ton“ auch in interkulturellen Kreisen gehöre, diese Kritik zu äußern. Er sieht eine Gefahr darin, dass sich die Kritik auf die nationalstaatliche oder regionale Territorialisierung des Kulturbegriffs konzentriere und dazu tendiere die Instrumentalisierung interkultureller Konzepte im Rahmen postkolonialer Herrschaftsverhältnisse anzuprangern. Das führe vielfach dazu, sich ganz vom „Kulturellen“ zu verabschieden. „Also büßt die intendierte Herrschafts- und Machtkritik eines ihrer wesentlichen Analysefelder ein: der kulturelle Aspekt der Führung bzw. des Regierens“ (S. 15). Gürses versteht Kulturalität nicht als Einzeldimension, sondern als ein Raster, um das „Politische, das Soziale und das Ökonomische ausgehend vom Feld des Kulturellen zu artikulieren und zu analysieren (wie etwa Macht bei Foucault)“ (S. 15). Im Anschluss an diese Ausführungen widmet sich der Autor im Rückgriff auf Antonio Gramsci und Michel Foucault dem Begriff ‚Kulturalität‘. Gürses weist an einigen Ausschnitten von Gramscis Texten nach, dass Kultur hier als ein hegemoniales Konstrukt zu verstehen sei, das Hegemonie überhaupt erst ermögliche (20). Jede Kultur sei somit kontingent, keineswegs essentiell oder gar natürlich, sondern eine von vielen möglichen Ausformungen des Kulturellen, die wiederum aus Kämpfen um Vorherrschaft hervorgegangen sei. In diesen Kämpfen werde Kultur soweit naturalisiert, dass sie wiederum als essentiell für das Kollektiv erscheine. In einem weiteren Schritt bezieht sich Gürses auf Michel Foucault, der Kultur als eine Ordnung ansehe, als ein den Dingen innewohnendes „inneres Gesetz“, das den Menschen einen Rahmen gibt, sich als Mitglieder eines Kollektivs zu identifizieren. Gürses sieht im Vergleich der beiden Ansätze von Gramsci und Foucault Schnittstellen, die er im Weiteren beschreibt. Im Fazit sieht Gürses im Analyseraster „Kulturalität“ und der macht- und hegemonietheoretischen Perspektive (Kultur als Ordnung/ Kontingenz der Kultur) die Möglichkeiten, eine Theorie der Interkulturalität zu entwickeln. Umgekehrt könne jede politische Theorie von der Kulturalität lernen – „denn das, was Politik genannt wird, funktioniert innerhalb eines hegemonialen Prozesses, in dem Kultur ‚hergestellt‘ wird“ (22).

Jürgen Bolten liefert einen Übersichtsartikel, in dem er aus kritischer Perspektive in die Thematik der interkulturellen Kompetenz einführt. Sein Aufsatz ist in drei Teile gegliedert:

  1. Kompetenz,
  2. Interkulturalität und
  3. Interkulturelle Kompetenz neu denken.

Bolten will den Begriff der interkulturellen Kompetenz nicht verwerfen, sondern ein zukunftsweisendes Verständnis von Interkultureller Kompetenz erarbeiten. Dazu zieht er Aspekte aus aktuellen Beiträgen der Kompetenzforschung und neuere Überlegungen zum Kultur- und Interkulturalitätsverständnis heran. Im Hinblick auf den Kompetenzbegriff sieht er scharfe Polarisierungen in der Diskussion. Auf der einen Seite meinen Kritiker, der Begriff sei verzichtbar, weil er ungenau und unverbindlich sei. Demgegenüber kontern wiederum Erpenbeck und Sauter, dass die drohende Kompetenzkatastrophe dazu führen werde, über Kompetenzbeurteilungen und -entwicklungen im heutigen System der Wissensweitergabe und -beurteilung nachzudenken (26). Auch Jürgen Bolten geht davon aus, dass der Begriff weiterbestehen wird. In seinem Schlussteil, in dem er Aspekte zu einem neuen Verständnis von interkultureller Kompetenz formuliert, kommt er zu einigen Thesen, die hier kurz skizziert seien: Im Hinblick auf die Wahl von Kompetenzmodellen böten sich solche mit einer ganzheitlichen Orientierung an, die sowohl die verschiedenen Kompetenzen (Selbst-, Sozial-, Methoden-, und Sach-/Fachkompetenz) als auch die Ebenen des Kognitiven, Konativen und Affektiven umfassen. Darüber hinaus müsse die Dynamik kompetenten Handelns im Kontext bestimmter Handlungsfelder Berücksichtigung finden. Die Ebene des Affektiven sollte in diesem Zusammenhang stärker beachtet werden. Interkulturelle Handlungskompetenz müsse darüber hinaus vor allem als Transferkompetenz verstanden werden, denn sie ziele darauf ab, den Umgang mit dem Unvertrauten vertrauter zu machen. Daraus ließen sich denn auch eine Reihe von kognitiven, sozialen, kommunikativen Kompetenzen ableiten (37). Aufgrund der Kontextabhängigkeit könne es eine „generalisierte allgemeine interkulturelle Kompetenz (…) sinnvoll nicht geben“.

Nausikaa Schirilla nimmt zunächst Bezug auf die Kontroversen zu interkultureller Kompetenz, um im Anschluss daran eine weitere Perspektive zu eröffnen, nämlich einen gerechtigkeitstheoretischen Zugang. Es gebe zahlreiche empirische Hinweise, dass Menschen mit Migrationshintergrund im Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen benachteiligt seien und dass „kulturelle Faktoren dabei zwar nicht die zentrale, aber eine nicht unwesentliche Rolle“ spielten (S. 44). Schirilla führt im Folgenden zur Fundierung einer Gerechtigkeitsperspektive, die Gleichheit und Differenzen thematisiert, das gerechtigkeitstheoretische Modell von Nancy Fraser ein. Sie fasst am Schluss ihre Gedanken nochmals zusammen und konstatiert, dass interkulturelle Kompetenz in Einwanderungsgesellschaften aufgrund von Problemen der Zugangsgerechtigkeit notwendig wird und dass sie nicht primär auf Interkulturalität ausgerichtet sei, sondern auf der Analyse „von Ausgrenzungsprozessen, von mehrheitsgesellschaftlich geprägten Normalitätsvorstellungen und von Dominanzmustern beruht…“ (S. 52). Schirilla plädiert dafür, Fragen nach Diversität, kultureller Differenz und Interkulturalität zumindest in Einwanderungsgesellschaften vor dem Hintergrund gerechtigkeitstheoretischer Ansätze und von Konzepten demokratischer Gleichheit zu beleuchten (S. 52).

Diskussion

Die Beiträge in dem vorliegenden Heft zeichnen sich mehrheitlich dadurch aus, dass sie das Konzept der „Interkulturellen Kompetenz“ nicht gänzlich verwerfen, wie es inzwischen seitens der Kritik oft üblich (sogar in Mode gekommen) ist, sondern dass sie neue Wege zur Weiterentwicklung oder Neuakzentuierung suchen. Sie knüpfen alle an die bestehenden – zum Teil sehr kritischen Diskurse – zum Kompetenz-, Kultur- und Interkulturalitätsbegriff an. Dabei ist insbesondere der mehrperspektivische Blick interessant, der durch die unterschiedlichen Fachdisziplinen (Philosophie, Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Soziale Arbeit etc.) eröffnet wird. Allerdings führt die Beteiligung unterschiedlicher Fachdisziplinen auch dazu, dass das „interkulturelle Philosophieren“ (siehe Untertitel der Zeitschrift), das ja die Programmatik und den besonderen Zuschnitt dieser Zeitung ausmacht, an einigen Stellen in den Hintergrund tritt. Die Artikel geben der Diskussion in diesem Feld auf jeden Fall neue Impulse und zeigen Linien auf, an denen in Zukunft weiter gearbeitet werden kann.

Im Hinblick auf den Aufbau hätte ich es passender gefunden, den Artikel von Jürgen Bolten an den Anfang zu stellen, weil er einen differenzierten Überblick und eine allgemeine kritische Einführung in das Thema gibt, die sich durch ein hohe Expertise im Themenfeld auszeichnet. Das war möglicherweise auch beabsichtigt, weil er in der Einleitung als erster Beitrag bezeichnet wird (S. 2), tatsächlich rückte er dann aber an die dritte Stelle in der Reihenfolge der Texte.

In der Einleitung wird darüber hinaus selbstkritisch ein Mangel dieses Hefts angeführt, der darin bestünde, dass die Debatte sehr „westlich oder von Europa dominiert“ geführt werde, was – wie die Redaktion auch anmerkt – für die Interkulturalitätsdebatte symptomatisch ist.

Fazit

In dem vorliegenden Heft der Zeitschrift „polylog“ zum Thema „Interkulturelle Kompetenz“ zeichnen die Beiträge aus der Sicht unterschiedlicher Fachdisziplinen die vielfältigen Diskurse nach, die sich dem Thema der interkulturellen Kompetenz gewidmet haben und suchen in der kritischen Auseinandersetzung mit dem Begriff nach neuen Wegen zu dessen Weiterentwicklung. So werden Reflexionen zum Verhältnis von Selbst- und Fremdkompetenz angestellt, Wege aus der Kulturalismusfalle im Kontext eines macht- und hegemonietheoretischen Ansatzes aufgezeigt, ein Kompetenzmodell mit dem Anspruch einer ganzheitlichen Orientierung vorgestellt und das Konzept der Zugangsgerechtigkeit im Hinblick auf interkulturelle Kompetenz entwickelt. Mit diesen Beiträgen werden viele Facetten aus der Geschichte des Diskurses aufgezeigt und neue Aspekte für eine künftige wissenschaftliche Bearbeitung des Themas beigesteuert.

Literatur

  • Barwig, Klaus/ Hinz-Rommel, Wolfgang (Hrsg.) (1995): Interkulturelle Öffnung sozialer Dienste. Freiburg i. Breisgau
  • Thomas, Alexander (2003): Interkulturelle Kompetenz. Grundlagen, Probleme und Konzepte. In: Erwägen – Wissen – Ethik. Streitforum für Erwägungskultur, Jg. 14/2003, Heft 1, S. 137-150

Rezensentin
Dr. Veronika Fischer
Professorin i.R.
Homepage soz-kult.hs-duesseldorf.de/personen/fischer
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Zitiervorschlag
Veronika Fischer. Rezension vom 16.05.2018 zu: Nausikaa Schirilla, Bianca Boteva-Richter (Hrsg.): Interkulturelle Kompetenz. Wiener Gesellschaft für interkulturelle Philosophie c/o Inst. f. Philos. Uni Wien NIG (Wien) 2017. ISBN 978-3-901989-35-3. polylog 36. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23703.php, Datum des Zugriffs 23.05.2018.


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