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Helmut E. Becker (Hrsg.): Das Sozial­wirtschaftliche Sechseck

Cover Helmut E. Becker (Hrsg.): Das Sozialwirtschaftliche Sechseck. Soziale Organisationen zwischen Ökonomie und Sozialem. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2017. 2., überarbeitete u. aktualisierte Auflage. 305 Seiten. ISBN 978-3-658-14996-3. D: 39,99 EUR, A: 41,11 EUR, CH: 41,50 sFr.
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Thema

Abhandlungen zu Sozialmanagement lassen sich in die gleichen Kategorien wie das Sammeln von Legosteinen teilen: Da gibt es die einen, die mit genauen Bauanleitungen und festen Steinesets, die sich aber nur nicht mit anderen vermischen dürfen, wunderbare Häuser, Gefährte oder Raumschiffe bauen. Dann gibt es solche, die sortenreine Bausteine sammeln und am Ende Figuren und Laserschwerter in verschiedenen Farben präsentieren können. Und dann gibt es diejenigen, die in einem Konvolut von gemischten Steinen eine Struktur erkennen und dann aus dem Material, das sie finden, ein Haus bauen.

Zur letzten Kategorie gehört das Buch von Helmut E. Becker „Das Sozialwirtschaftliche Sechseck“. Er bringt viele reale Beobachtungen und theoretische Konzepte in einen Gesamtzusammenhang. Dieser Gesamtzusammenhang ist das sozialwirtschaftliche Sechseck, die Pole, zwischen denen sozialwirtschaftliches Denken und Handeln aufgespannt ist: Sachzielorientierung, wirtschaftliche Orientierung, rechtliche Orientierung, ethische Orientierung Mitarbeiterorientierung, Kundenorientierung.

Das Buch ist die 2. Auflage eines Buches aus dem Jahr 2002.

Autoren

Der Band wird eingerahmt von einem grundlegenden Abschnitt sowie einem Abschluss von Helmut E. Becker. Die einzelnen Abschnitte zu den sechs Ecken des Sechsecks stammen von Lehrenden der DHBW.

Aufbau und Inhalt

Der Anspruch des Buches ist, die Lehre im Studiengang Sozialwirtschaft der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Villingen Schwenningen in einen Gesamtzusammenhang zu bringen. Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Im grundlegenden Abschnitt zu den sechs Polen stellt Helmut Becker Merkmale und Tatbestände der Sozialwirtschaft dar. Hierbei legt er die sechs Perspektiven an und ordnet die Anforderungen an das Sozialmanagement zu. Unter dem Aspekt der Sachzielorientierung werden dann z.B. die Erfüllung von Gesetzen und die Leitbildorientierung dargestellt. Beim Aspekt der wirtschaftlichen Orientierung werden dann Effizienz und Effektivität unter den besonderen Bedingungen von Dienstleistungen und speziell Sozialer Arbeit behandelt. Hier werden auch Spannungsfelder mit anderen Bereichen aufgezeichnet und teilweise sehr pragmatische Lösungsvorschläge unterbreitet, etwa ökonomische Ziele transparent zu machen, aus der Anonymität der Zahlen zu holen und die Konsequenzen für die Sachziele zu benennen. Unter dem Aspekt der ethischen Orientierung werden dann interkulturell anerkannte Werte sowie der kategorische Imperativ als Orientierungsrahmen angeführt. Ebenso werden die Perspektiven der starken rechtlichen Normierung, der hohen Bedeutung der Mitarbeiter/innen und die Kundenorientierung diskutiert.

Dieser Abschnitt legt den Schwerpunkt auf die verschiedenen Perspektiven. Durch die Verwendung von gleichen Beispielen für die Perspektiven und durch die wiederholte Diskussion von Schnittstellen zwischen den Perspektiven wird der Gesamtzusammenhang deutlich.

Im Anschluss folgen dann von verschiedenen Fachleuten Einzelabhandlungen zu den einzelnen Perspektiven. Sie vertiefen dann die Inhalte der einzelnen Perspektiven und nehmen dabei die Binnenperspektive der jeweiligen Disziplin ein.

In einem abschließenden Abschnitt wird an einem Fallbeispiel die multidisziplinäre Perspektive des sozialwirtschaftlichen Handelns aufgezeigt.

Diskussion

Das Buch bringt in einer angenehm unideologischen und pragmatischen Sichtweise die vielen Aspekte sozialwirtschaftlichen Handelns in eine Systematik. Keine der Perspektiven wird überhöht und es entsteht keine Rivalität, sondern es werden Schnittstellen und Spannungsfelder aufgezeigt – mit manchmal sehr pragmatischen Lösungsvorschlägen.

Der erste Abschnitt zur Rolle des sozialwirtschaftlichen Sechsecks besticht durch die Strukturierung und Orientierung in dem Feld der Sozialwirtschaft – um im Eingangsbild zu bleiben: Es wird klar, wie die vielen unsortierten Bausteine zu einem Gesamtgebäude führen können. Allerdings fehlt dem Abschnitt die Analysetiefe in den einzelnen Perspektiven; hier sind die Wirtschaftswissenschaften, Dienstleistungsmanagement, Human Ressourcen Ansätze manchmal schon weiter.

Die Einzelabschnitte zu den Perspektiven gehen hier zum Teil tiefer und lassen dann erahnen, dass es diese Analysetiefe gibt. Allerdings verändert das Buch hier seinen Charakter und es wird wieder zum Sammelband, dessen einzelne Abschnitte eher nebeneinander stehen. Der abschließende Abschnitt mit dem gemeinsamen Fallbeispiel und knüpft dann wieder an dem multiperspektivischen Ansatz an.

Fazit

Das Buch hat mir viele Einzelanregungen gegeben, einerseits durch die strukturierende Klammer, andererseits durch einige Aspekte in den Abschnitten zu einzelnen Perspektiven. Für Studierende ist es für die Beschäftigung mit Betriebswirtschaft und Management nicht spezifisch genug, allerdings für die Auseinandersetzung mit anderen Disziplinen, speziell der Sachzielperspektive (der Begriff des Buches für die ideelle Seite und die sozialarbeiterische, pädagogische, pflegerische Fachlichkeit) und der ethischen Perspektive.


Rezensent
Prof. Dr. Klaus Schellberg
Evangelische Fachhochschule Nürnberg
Homepage www.prof.schellberg.net
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Zitiervorschlag
Klaus Schellberg. Rezension vom 26.06.2018 zu: Helmut E. Becker (Hrsg.): Das Sozialwirtschaftliche Sechseck. Soziale Organisationen zwischen Ökonomie und Sozialem. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2017. 2., überarbeitete u. aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-658-14996-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23706.php, Datum des Zugriffs 17.07.2018.


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