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Kongress der Sozialwirtschaft e.V. (Hrsg.): Der Zukunftskongress der Sozialwirtschaft

Cover Kongress der Sozialwirtschaft e.V. (Hrsg.): Der Zukunftskongress der Sozialwirtschaft. Die vernetzte Gesellschaft sozial gestalten. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2017. 348 Seiten. ISBN 978-3-8487-4307-0. 58,00 EUR.

Bericht über den 10. Kongress der Sozialwirtschaft vom 27. und 28. April 2017 in Magdeburg. Edition Sozialwirtschaft, 43.
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Thema

Der 10. Kongress der Sozialwirtschaft setzt sich mit den Megatrends der Digitalisierung, Demographie, Ökonomisierung, Nachhaltigkeit und den diesbezüglichen Fragen der sozialen Zukunftsgestaltung und den daraus abzuleitenden strategischen Wirkungen für die sozialunternehmerische Praxis auseinander.

Seitens der Veranstalter werden die 400 Teilnehmer zu einer bewussten Auseinandersetzung und zum offenen Dialog im Hinblick auf gestaltbare soziale Zukunftsscenarien, als auch mit der jüngeren Generation der Social Entrepreneur aufgefordert.

Herausgeber

Herausgeber ist der Kongress der Sozialwirtschaft e.V.

Träger der Veranstaltung sind die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), die Bank für Sozialwirtschaft und die Nomos Verlagsgesellschaft in Zusammenarbeit mit den bundeszentralen Akademien der Freien Wohlfahrtspflege und dem Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge.

Der Titel wurde im Rahmen der Edition Sozialwirtschaft als Band 43 im Nomos Verlag veröffentlicht.

Einleitende Beiträge

Die Veranstaltung und die dementsprechende Buchstruktur umfasst neben dem Grußwort von Staatssekretär Dirk Wiese, einen die Kongressgeschichte reflektierenden Beitrag mit dem Titel „Rückblick in die Zukunft. Sozialmanagement in Zeiten sicherer Ungewissheit.“ von Berthold, Rainer Brückers, Bernd Maelicke der die zum Teil recht widersprüchliche Geschichte der Themen und Entwicklungen des Kongresses als Branchentreffen reflektiert – ein kurzer aber prägnanter Abriss der Geschichte, der zu einem Jubliläumsband sicher immer dazu gehört.

Daran schließen zwei Plenumsvorträge (Preissler und Horneber) an.

  • Im Vortrag von Harald Preissler, Titel: „Nichts ist wie es bleibt. Herausforderung Megatrends. Die vernetzte Gesellschaft sozial gestalten.“ wird die Spannung zwischen dem Anspruch auf soziale Gestaltungsagenda und die tatsächlichen sozialen Ungleichheitsverhältnisse mit den Zukunftsvorstellungen der sozialen Gestaltungs- und Vernetzungstrends in Beziehung gesetzt.
  • Markus Horneber stellt in seinem Vortrag das Thema: „Megatrends ganz praktisch: Wodurch die Sozialwirtschaft der Zukunft bestimmt wird.“ vor. Als Spannungsbogen der alten Welt, der ritualisierten Welt zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern welche aktuell mit nun folgenden Trendbrüchen disruptiver Entwicklungen, der Individualisierung von sozialen Dienstleistungen sowie der neuen Arbeitsteilung im Makrotrend der transsektoralen Vollversorgung z.B. durch/mit Case Managern und immer in Bezug auf den alles überragendem Megatrend der Digitalisierung bestimmt werden wird. Die Botschaft „Megatrends erlauben ein Zukunftsscenario zu gestalten“, sowie die daran gebundenen neuen Geschäftsmodelle, ebenso sind die „neuen“ Social Business und die Social Entrepreneurs als wichtige Innovatoren im Kontext der Digitalisierung und Big Data hervorzuheben, ohne die ethische Dimension zu vergessen. Kluge Unternehmen haben aber zu prüfen, welche Relevanz der vermeintliche Megatrend tatsächlich für das eigene Unternehmen hat.

Im Anschluss verteilen sich die Teilnehmer auf acht vertiefende Workshops mit 27 Vorträgen, die die Digitalisierung Sozialer Arbeit, die Gestaltung von Sozialräumen, die Innovationen für Sozialunternehmen, dessen Wirkungstransparenz sowie die Frage nach der Zukunft der Gemeinnützigkeit reflektieren. Aus jedem dieser Workshops wird ein Beitrag stellvertretend vorgestellt.

Zu Workshop 1

#ÖKONOMISIERUNG REGIERT GELD DIE WELT. Neues Kapital für die Unternehmensentwicklung

Jan-Hendrik Jessen beschreibt den Markt aus der Sicht des europäischen Investmentfonds Patrizia Immobilien AG in welche über 200 institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Versorgungswerke, Sparkassen langfristig anlegen. Die Investitionen in den Pflegebereich sind nach Angaben der CBRE Beratungsgesellschaft haben sich 2016 gegenüber 2015 auf 3 Milliarden vervierfacht, während die Anzahl der Pflegebedürftigen bis 2030 um 30,9 Prozent steigen werden, die Anzahl der vollstationär untergebrachten gar um 49,6 %.

Die Bedarfe sind regional unterschiedlich und werden graphisch im Verhältnis von Auslastungsgrad und der Zunahme der Pflegebedürftigen anschaulich in Beziehung gesetzt. Attraktive Investitionsstandorte finden sich demnach besonders in Norddeutschland und Baden-Württemberg und darüber hinaus richtet sich in diesem Zusammenhang das Investitionsinteresse sich auf Orte mit 15000- 20000 Einwohnern. Investiert wird neben der vollstationären Pflege in ergänzende Angebote wie Wohngruppen, Tages- und Demenzpflege, Betreutes Wohnen in einer Größenordnung von insg. von 80 – 130 Bewohner pro Einrichtung, welche die potenziell durch andere Dienstleistungs- und Versorgungsangebote ergänzt werden können (Physiotherapie, Bäckerei usw.). Die Vorgaben der Einzelzimmerquote sind in den 16 Landesheimgesetzen sehr unterschiedlich bestimmt, in Baden-Württemberg sind es 100 %, während es in Schleswig-Holstein nur 75 % sind. Der Fachkräftemangel wird trotz „Ambient Assisted Living“ weiter an Bedeutung gewinnen.

Fazit: Trotz dieser Riesenpersonalentwicklungsaufgabe konstatiert Jessen ist die Renditeentwicklung für die Pflegeimmobilien höher als in anderen Assetklassen und insoweit stellen Pflegeimmobilien für Investoren eine konjunkturunabhängige, langfristige Anlageoption dar, die stabile Cashflows generiert.

Zu Workshop 2:

#DIGITALISIERUNG TEUFELS WERK ODER GOTTES BEITRAG. Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung des Sozialen

Der Beitrag von Dietmar Wolff mit dem Titel „Digitalisierung – Transformation oder Eruption der Sozialwirtschaft? Chance zur Zukunftsbewältigung oder Ende der Menschlichkeit?“ setzt sich mit einer Analyse der Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung des Sozialen auseinander.

Folgende grundlegende Essentials werden benannt:

  • Digitalisierung mehr als ein Hype
  • Kreation neuer Produktionsmodelle und Wertschöpfungssysteme
  • Disruptive Innovation
  • Neue Rollen im Berufsleben

Die genannten Essentials sind insbesondere für Sozialunternehmen in der veränderten Marktkommunikationen und im Hinblick auf die Change Management der Binnenorganisation und der Klienten- und Angehörigenarbeit von Gewicht. Die Ausbildung von IT Kompetenzen in Sozialberufen wird ebenso gefordert, wie die Interoperationalität und Kooperationen mit anderen sozialen Leistungssystemen, um die diesbezüglich interdisziplinäre Methoden- und IT-entwicklung integriert zu betreiben. Nach dem Motto „Uber yourself before you get Kodaked“!

Fazit: Die Wohlfahrtsverbände müssen dem Trend der Digitalisierung folgen, zumal der Gesetzgeber im Pflegestärkungsgesetz (I-III) und im Bundesteilhabegesetz die Stärkung der Kundensouveränität fordert. „Sonst machen es die Kunden ohne uns!“

Zu Workshop 3

# SOZIALE VERNETZUNG FIT FÜRS NETZ? Perspektiven für die Weiterentwicklung sozialer Dienstleister

Hervorzuheben ist hier der Beitrag von Herbert Schubert „Netzwerke als neue Governance im Sozialraum und in der Kommune – Perspektiven der Organisationsentwicklung für die Sozialwirtschaft“ der die sozialwirtschaftliche historische und organisationsanalytische Entwicklung der Steuerungsformen des Public Management vor dem theoretischen Hintergrund des Governanceansatzes interpretiert. Beschrieben wird darüber hinausweisend der Wandel des Menschenbildes in Bezug auf das Verhältnis der beteiligten Leistungsakteure und Nutzer sozialer Dienstleistungen, vom rational und egoistisch handelnden „homo oeconomicus“ zum „homo diktyon“ im Leitbild des sogenannte „Netzwerkmenschen“. Alles was der Einzelne im Netzwerk veranlasst hat eine Wirkung im Netzwerk incl. diesbezüglich Feedbackprozesse. Sozialwirtschaftliche Akteure sind für Schubert definitionsgemäß und mit großer institutioneller und gesellschaftlicher Breitenwirkung die öffentlich-rechtlichen Sozialleistungsträger, gemeinnützige Wohlfahrtorganisationen, privat gewerblich Anbieter, gemeinschaftliche Selbsthilfe und freiwilliges bzw. bürgerschaftliches Engagement.

Sozialwirtschaft hat ein Alleinstellungsmerkmal, dass die lebensweltlichen oder natürlichen Netzwerkwirkungen in den Mittelpunkt rücken, als auch in der Koproduktion mit fachlich professionellen Dienstleistern fungiert. Schubert hebt in seinem typenbildenden Beitrag die synergetischen Wirkungen „lebensweltlicher Netzwerke“ im Verbund mit „organisierten Netzwerke“ heraus, welche für die Sozialwirtschaft von hohem Interesse sind. Und zwar im kooperativen Zusammenwirkens beider Netzwerkkonstellationen. Strategisches Ziel ist die Überwindung der institutionellen Zergliederung der sozialen Hilfe- bzw. Funktionssysteme. Die Schaffung diesbezüglicher Brückenfunktionen im Sozialraum um gemeinsame Interessenallianzen zu kreieren. Beispielsweise um verbindliche Strukturen, Kooperationen und Informationen des Kinderschutzes in einem gemeinsamen Informationsnetzwerk aus der Adressaten – und Wertschöpfungsperspektive zu organisieren.

Fazit: Anzustreben ist die Überwindung der „strukturellen Löcher“ und die Schaffung eines intermediären Versorgungsnetzwerkes das Lebenswelt und organisierte Netzwerke, jenseits der Kolonialisierung, zusammenführt!

Zu Workshop 4

# NACHHALTIGKEIT WISSEN WIR WAS WIRKT? Wirkungsorientierte Steuerung in der Praxis

Mit Verweis auf das Bundesteilhabegesetzt fokussieren Anne Huffziger und Stephan Löwenhaupt die neuen Leistungsträgerfunktionen neben den Prüfrechten und der Rechtmäßigkeit der Verausgabung der Mittel, auf den Focus der Wirksamkeit der jeweiligen Maßnahmen und zwar im Verhältnis zu den eingesetzten Mitteln. Durch ein wirkungsorientiertes Controlling begleitetet sollen so erwartbare Soll- und Istwerte der Leistungsanbieter ermittelt werden. Zum Beispiel als wirkorientierter Maßstab für Lebensqualität und Teilhabechancen, die für die jeweiligen Klientengruppen erreicht werden könn(t)en.

Daneben wurde eine „Personale Out Come Scale“ ermittelt, die den jeweiligen persönlichen Assistenzbedarf bestimmt. So werden Angebote und Nachfrage empirisch vermittelt aufeinander abgestimmt. Ca. 80 % der Dienstleistungsangebote sind in dieser Feststellung variable Größen, welche die im Prozess der Leistungserbringung gestaltbar sind und somit besser als bisher nutzerzentriert erbracht werden könnten.

Fazit: Die empirisch begründete Gestaltung der Geschäftsprozesse, incl. der Prozessgestaltung der nicht monetären Größen in der sozialen Leistungsgestaltung kann mit wirkungsorientierten Zielen verbunden werden, um den Anspruch einer effektiven Leistungsqualität beim Klienten zu garantieren.

Zu Workshop 5

#INOVATION ZUKUNFT MACHT ERFINDERISCH. Was kann die Sozialwirtschaft vom klassischen Innovationsmanagement lernen?

Ein guter Überblicksartikel von Roland Schöttler der die die Potenziale und Reichweiten des Technikeinsatzes diskutiert. Titel: „Innovationen in der Strategie sozialer Unternehmen aus wissenschaftlicher Perspektive.“

Hierzu werden soziale Innovationen durch Social Entrepreneurship und anderer Geschäftsmodelle und die diesbezüglichen Organisationsprozesse, sowie Möglichkeiten der Innovationsförderung beschrieben. Insgesamt werden fünf unterschiedliche Modelle benannt: lineare Modelle, Systemische Modelle, Promotorenmodelle, Social Entrepreneurship, und Inkubatoren Modelle. Alle dienen dem Change-Management bestehender Organisation im laufenden Betrieb.

Fazit: Sozialwirtschaftsorganisationen müssen „Resonanzräume“ für den Diskurs, Integration und den Ausbau von Innovationstrukturen schaffen und darin enthaltene „Diffusionsbarrieren“ abbauen.

Zu Workshop 6

# GLOBALISIERUNG TICKT JAPAN ANDERS? Technologieverbreitung am Beispiel der Pflege in Japan

Der Beitrag von Heidt/ Meyer/ Nachbaur/Rabe setzt sich mit dem vermeintlich führenden Land der Robotik, Japan, auseinander. In kritischer empirischer Weise wird der japanische Technologievorsprung in Frage gestellt. Zugleich wird eine gute Übersicht über die historische und demographische Situation der sozialen und gesundheitlichen Versorgung in Japan gegeben und die diesbezügliche sozialwirtschaftliche Nachfrage nach Assistenztechnologien erläutert.

Fazit: Der systematische Stand der Umsetzung des Technikeinsatzes, insbesondere in der Sozialen Arbeit, stehen auch in Japan noch am Anfang der systematischen Organisationsentwicklung.

Zu Workshop 7

# ÖKONOMISIERUNG WIR SIND NICHT ALLEIN. Gemeinnützigkeit in Europa – Ein zukunftsfähiges Modell

Erörtert wir die zukünftige Relevanz der gemeinwohlorientierten Geschäftsmodelle welche von Sabine Zirngast in ländervergleichender Perspektive erörtert werden. Stefan Schick befasst sich mit den „steuerlichen Brennpunkten“ aus deutscher Perspektive, während sich Martin Schenke sich mit der Zukunftsfähigkeit der Gemeinnützigkeit auseinandersetzt.

Fazit: Der Begriff der Gemeinnützigkeit ist kein rechtlicher wie ökonomischer austauschbarer Containerbegriff. In sozialpolitischer und sozialwirtschaftlicher Sicht ist Gemeinnützigkeitsrecht weiterhin wichtig und dementsprechend zu stärken.

Zu Workshop 8

#DEMOGRAFIE ARBEIT 4.0 (K)EIN THEMA FÜR DIE SOZIALWIRTSCHAFT Zukunft der Arbeit und Anforderungen an sozialwirtschaftliche Organisationen

Max Neufeind beschreibt welche „Werteorientierungen für Sozialwirtschaft 4.0“ wichtig werden und zugleich welche Werte und sozialwirtschaftlichen Methoden sie demzufolge mit der „Profitwelt“ verbinden oder auch trennen.

Fazit: In den Organisationen der Sozialwirtschaft werden zukünftig Fragen der pluralen Wertebearbeitung und Führung im Mittelpunkt rücken.

Plenum Veranstaltung, Abschlussimpuls und Schlusswort

Zukunftsdialog der Generationen. Von den Jungen lernen. Vom Wege abkommen, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Was müssen Unternehmen tun, um zukunftsorientiert zu bleiben.

Hier ist der Vortrag von Eckard Minx zu nennen der an sozialen soziologischen und volkswirtschaftlichen Klassiker anknüpfend die Zukunft als einen Gestaltungsprozess versteht, als eine Verwandlung der Welt und verbunden mit dem frommen Wunsch, dass das Wachstum der wissenschaftlichen und technologischen Innovation zu mehr Gleichheit und sozialer Inklusion führen möge?! Aber nicht alles wird neugestaltet, die Frage ist was und welche Kompetenzen aus der „alten Welt“ auch für die Neue konstituierend sein werden.

Zudem geht es bei aller optimistischer Zukunftsprognostik immer um mehrere mögliche Zukünfte. Und es gibt vieles zu Bedenken Singularität, Abkehr vom Anpassungslernen, gesteigerte Geschwindigkeit und Performanz. Auch das Verhältnis von vermeintlicher Technologie affiner Jugend und der Behauptung älterer nicht technikgläubiger Generationen muss demnach hinterfragt werden, auch solche Thesen, das kommende Lösungen nur noch von den Jungen erstellt werden? Die anhaltende exponentielle Weiterentwicklung der Computertechnologie davon unbenommen die umfangsreichste jemals erfolgte Auswertung und Erhebung von Daten und Neukombinationen von Wissensanwendungen hervorbringen. Dazu braucht es, so Minx, Landkarten zur Orientierung.

Fazit: Systemisch betrachtet erwarten „uns“ vielfältige neue Lösungsoptionen im Umgang mit „Nicht Wissen“. Dadurch steigt die Notwendigkeit zur vernetzten Kooperation und Austausch. So entstehen vollkommen neue ökosoziale Systeme und Lebenswelten.

Schlusswort

Gerhard Timm betont in seiner abschließenden Rede den gesellschaftlichen Wandel u.a.:

  • in der vorherrschenden Dominanz der Erwerbsarbeit.
  • im Auseinanderfallen von ökonomischen und technologisch getriebenen Innovationen der Gesamtgesellschaft und die fehlenden sozialen Innovationen in der Sozialwirtschaft.

Erwartet werden kann die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Schließlich gilt es, so Gerhard Timm, das Motto des Zukunftskongresses ernst zu nehmen und die vernetzte Gesellschaft sozial zu gestalten. Dieser Mitgestaltung von Zukunft will und muss sich die Sozialwirtschaft, auch wenn nicht alle Prognosen zutreffen, stellen müssen.

Abschließend stellen sich Praxisprojekte und Start up's auf der Innovationsbörse mit je eigenen Beiträgen und als Veränderungspotenzial für die alte Sozialwirtschaftswelt vor.

  • We Design Society, Hamburg
  • MemoreBox Berlind
  • Integraet, Ausburg.

Aber gerade dieser Diskurs ist hier unterentwickelt und hat m.E. noch erheblichen Nachholbedarf, insbesondere hinsichtlich einer systematischen Debatte über das Neben- und Miteinander der z.T. differenten Sozialunternehmensziele. Vielleicht ein neues Kongressthema?

Diskussion

Die Ankündigung der Veranstalter des 10. Zukunftskongress der Sozialwirtschaft sich intensiv mit den Anforderungen der vernetzten Gesellschaft zu befassen und die gesellschaftlichen Megatrends der Demografie, Digitalisierung, Ökonomisierung und Nachhaltigkeit aus sozialwirtschaftlicher Sicht einzuordnen ist gelungen. Die Facetten der Digitalisierung und die kritische Reflektion der Ökonomisierung sind inhärenter Bestandteil der vorliegenden Veranstaltungsdokumentation.

Anders als in den vielen „Kongressen der Sozialwirtschaft“ zuvor, welche im wesentlichen betriebswirtschaftliche Teilaspekte der Modernisierung der Verbände und Sozialwirtschaft bspw. subjektbezogene Finanzierung, Controlling, Wertemanagement oder Wirkungsorientierung in den Mittelpunkt rückten, gelingt es auf diesem Jubiläumskongress besser als zuvor die gesellschaftliche Dimension des sozialen Wandels und seiner technologischen und ökonomischen Treiber zu reflektieren und daraus abgeleitet sozialwirtschaftliche Handlungsbedarfe zu benennen. Soziale Innovation, Produkte und Dienstleistungen und diesbezügliche Kritik zu konkretisieren, welche den sozialen Wandel steuern und beeinflussen! Sozialpolitisch wie ethisch bleiben Fragen, insbesondere hinsichtlich der Forderung soziale Probleme mit Mitteln der sozialen Vernetzung jenseits des Geschäftsmodells zu lösen bleiben davon unberührt. Im Sinne eines Kongresses der sozialwirtschaftlichen Geschäftsmodelle analysiert und diesbezügliche Fragen lösen muss, stehen die hier angebotenen Modelle, Lösungen und Reichweitenbestimmung am Anfang einer neuen Ära sozialwirtschaftlicher Theorie- und Praxisbildung.

Fazit

Eine, zumindest teilweise, sehr gut gelungene Symbiose von Gesellschaftskritik, sozialunternehmerischer Praxis und Thematisierung sozialinnovativer Lösungshorizonte. Hervorzuheben sind hierbei die Beiträge von Harald Preissler, Markus Horneber, Herbert Schubert, Christoph Dopheide, Annegret Huffziger und Eckhard Minx. Aber auch darüber hinaus betrachtet eine echte Kaufempfehlung, für alle, die den Prozess des sozialwirtschaftlichen Managements in diesem Kontext verstehen und gestalten wollen.


Rezensent
Prof. Dr. Volker Brinkmann
Diplom-Sozialwirt, Diplom-Sozialarbeiter/ Sozialpädagoge lehrt und forscht an der Diploma Hochschule, Fachbereich Soziale Arbeit (Sozialwirtschaft/Sozialmanagement, (https://www.diploma.de/forschungsstelle-soziale-arbeit); CM-Ausbilder (DGCC), Supervisor (DGSv), Wirtschaftsmediator. Redakteur bei socialnet für den Bereich International/Länderportraits
Homepage www.socialnet.de/ueber-socialnet/team/volker-brinkm ...
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Zitiervorschlag
Volker Brinkmann. Rezension vom 09.04.2018 zu: Kongress der Sozialwirtschaft e.V. (Hrsg.): Der Zukunftskongress der Sozialwirtschaft. Die vernetzte Gesellschaft sozial gestalten. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2017. ISBN 978-3-8487-4307-0. Bericht über den 10. Kongress der Sozialwirtschaft vom 27. und 28. April 2017 in Magdeburg. Edition Sozialwirtschaft, 43. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23713.php, Datum des Zugriffs 18.07.2018.


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