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Karl-Heinz Sahmel (Hrsg.): Hochschuldidaktik der Pflege und Gesundheits­fachberufe

Cover Karl-Heinz Sahmel (Hrsg.): Hochschuldidaktik der Pflege und Gesundheitsfachberufe. Springer (Berlin) 2017. ISBN 978-3-662-54874-5. D: 44,99 EUR, A: 46,25 EUR, CH: 46,50 sFr.
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Thema und Entstehungshintergrund

Die hochschulische Ausbildung der Gesundheitsfachberufe befindet sich hierzulande in einem Aufschwung. Künftige Pflegende und Therapierende erwerben nun auch zunehmend an Hochschulen und Universitäten eine umfassende berufliche Handlungskompetenz, die sie zur Anwendung wissenschaftlich-theoretischen Wissens sowie dem Verständnis der individuellen Situation der Patient*innen befähigt. Das akademische Lehrpersonal steht in Anbetracht der damit verbundenen Zielsetzungen vor der Herausforderung, Studierende fit für den Beruf zu machen, dabei den Anspruch an ein Hochschulstudium zu wahren und die geltenden Berufsgesetze und Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen einzuhalten. Dieser Auftrag verlangt nach einer schlüssigen Hochschuldidaktik, die einerseits den Erkenntnissen der beruflichen Bildung Rechnung trägt und andererseits die Ansätze der jeweiligen Fachdidaktik berücksichtigt.

Wie steht es also um den Status quo einer Hochschuldidaktik der Pflege und Gesundheitsfachberufe? Dieser Frage nähern sich Herausgeber und weitere Autor*innen aus den Bereichen Pflegewissenschaft/ -didaktik und Therapiewissenschaften. Sie geben Einblicke in Praxiskonzepte, theoretische Überlegungen und Transfers bewährter didaktischer Ansätze der berufsfachschulischen Ausbildung in den Hochschulbereich.

Herausgeber

Karl-Heinz Sahmel ist als Professor für Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein tätig und im deutschsprachigen Raum bekannt für seine zahlreichen Publikationen zur Pflegepädagogik und -didaktik.

Aufbau

Das 240 Seiten umfassende Buch ist in vier thematische Abschnitte unterteilt.

  1. Im ersten Abschnitt beschäftigt sich der Herausgeber in drei Kapiteln mit dem aktuellen Entwicklungsstand der Hochschuldidaktik.
  2. Daran schließen in den neun Kapiteln des zweiten Abschnitts unterschiedliche Autor*innen an, indem sie Entwicklungsstände und Spezifika ausgewählter Studiengänge für die Qualifizierung der Gesundheitsfachberufe thematisieren.
  3. In den sechs Kapiteln des dritten Abschnitts geben die Autor*innen Einblicke in aktuelle Konzepte der Hochschullehre im Fachbereich Gesundheit und Pflege.
  4. Im vierten Abschnitt zeichnet der Herausgeber gemeinsam mit Yvonne Zenz die besondere Situation von Studierenden in den Gesundheitsfachberufen nach.

Die Inhalte des Buches werden von einem einführenden Vorwort, dem Inhalts- sowie dem Autor*innenverzeichnis und einem Stichwortverzeichnis gerahmt.

Inhalt

I. Allgemeine Hochschuldidaktik (Karl-Heinz Sahmel, S. 3-37)

Im ersten Kapitel unterzieht der Autor verfügbare Publikationen zur Hochschuldidaktik einer kritischen Analyse. Der Wandel im Hochschulsektor und die Bologna-Reform werden vor dem gesellschaftspolitischen Hintergrund diskutiert. Abschließend werden Grundhaltungen und Einstellungen von Hochschullehrenden ausgelotet und für diese schließlich ein Bündel an Attributen und Aufgaben aus der Literatur herausgearbeitet.

Das zweite Kapitel fokussiert Lehren, Beraten und Prüfen als Kerntätigkeiten didaktischen Handelns. Dazu klärt und diskutiert der Autor jeweils zentrale Ziele, Themen und Rollen sowie Gestaltungsmerkmale und Probleme.

Prinzipien der Veranstaltungsplanung bilden neben der Wahl von Methoden und Medien einen Schwerpunkt des dritten Kapitels. Themen wie Beziehungsgestaltung, lernförderliches Klima und Umgang mit Störungen ergänzen das Kapitel. Abschließend stellt der Autor Möglichkeiten der Evaluation von Hochschullehre vor.

II. Studiengangbezogene Besonderheiten der Hochschullehre im Gesundheits- und Pflegebereich (S. 41-140)

Das vierte Kapitel wird von Karl-Heinz Sahmel mit einem kurzen historischen Abriss und anschließender Kritik der Lehrer*innenbildung für Pflegeberufe eröffnet. Der Autor zeichnet den Status quo der Pflegelehrer*innenbildung an Hochschulen nach und zeigt den Lesenden notwendige Entwicklungen auf.

Im fünften Kapitel gibt Wolfram Burkhardt einen Überblick zum Entstehungsprozess von Pflegemanagement-Studiengängen in Deutschland.

Bernd Reuschenbach und Ingrid Darmann-Finck beleuchten im sechsten Kapitel die Ziele und Strukturmodelle berufsqualifizierender Pflegestudiengänge. Dabei gehen sie auf die Gestaltung der praktischen Studienphasen und Herausforderungen bei der Einrichtung von Studiengängen ein.

Im siebenten Kapitel wird die Akademisierung des Hebammenberufs von Friederike zu Sayn-Wittgenstein beschrieben und zu bewältigende Hürden diskutiert.

Im achten Kapitel fasst Ursula Walkenhorst die Phasen der Akademisierung in den Gesundheitsfachberufen zusammen und betrachtet dabei besonders die Therapieberufe. Daneben wird der Entwicklungsstand einer Didaktik der Gesundheitsberufe mit dem Fokus auf die Ergotherapie erörtert. Die Autorin schließt ihren Beitrag mit einer Aufzählung der Anforderungen, die an das akademische Kompetenzprofil gestellt werden und Implikationen für die Lehre nach sich ziehen.

In Kapitel neun betrachtet Holger Ahrens zentrale Gegenstände und Kernkompetenzen der Physiotherapie und setzt diese in Bezug zu den aktuellen Arbeitsbedingungen.

Julia Siegmüller gibt im zehnten Kapitel einen Überblick zur Entwicklung der Logopädie und ihrer Nachbardisziplinen. Daneben beleuchtet sie den Stand der hochschulischen Ausbildung und damit verbundene Lehre, um Kernmerkmale einer Hochschuldidaktik der Logopädie herauszuarbeiten.

In Kapitel elf erläutert Elke Steudter die hochschulische Pflegeausbildung in der Schweiz. Dazu erfolgt zunächst ein historischer Abriss, bevor auf Aspekte der Bildungsdurchlässigkeit abgehoben wird.

Die Bildungspyramide der Pflegeberufe in Österreich steht im Mittelpunkt des zwölften Kapitels. Darin geben Christa Them, Jutta Wetzlmair und Eva Schulc einen Einblick in den Entwicklungsprozess einer gestuften Pflegebildung.

III. Innovative Ansätze der Hochschullehre im Bereich Pflege und Gesundheit (S. 143-220)

In Kapitel dreizehn zeichnet Uta Oelke die Historie des Szenischen Spiels an der Hochschule nach. Es folgt der Transfer auf die Pflegeausbildung und damit verbundenen Zielen. Der Beitrag mündet in einem Beispiel zur Seminarplanung.

Elske Ammenwerth und Christiane Kreyer klären im vierzehnten Kapitel zentrale Begriffe digitaler Lernwelten. Dem schließt sich eine Analyse der Bedingungen für die Gestaltung digitaler Lehre an. Die Autorinnen führen mit der Betrachtung von digitalen Lernplattformen und Blended Learning konkrete Beispiele an und klären die didaktischen Funktionen.

Im fünfzehnten Kapitel stellen Benjamin David Rapphold und Theresa Scherer Hintergründe und Vorteile des problembasierten Lernens dar. Am Beispiel des Berner PBL-Curriculum werden z.B. Rollen der Tutoren und Merkmale von PBL-Aufgaben thematisiert.

Mechthild Löwenstein skizziert im sechzehnten Kapitel Bedarfe an pädagogischer Hochschulentwicklung sowie ihren Nutzen. Es werden Merkmale und Wirkungen des Portfolios aufgezeigt und mit einem fundierten Begründungsrahmen versehen. Daneben gibt die Autorin Einblicke in die Entwicklung und Anwendung von Lernportfolios.

In Kapitel siebzehn werden von Nadin Dütthorn die Anforderungen an die pflegepädagogische Kompetenz von Lehrenden thematisiert und zentrale Merkmale des forschenden Lernens herausgearbeitet.

In Kapitel achtzehn betrachten Karl-Heinz Sahmel und Armin Leibig die Themen Lehren und Lernbegleitung in Praxisphasen des Pflegestudiums. Dazu wird mittels zentraler Fragen zunächst die Praxisorientierung des Hochschulstudiums reflektiert. Drei Möglichkeiten der Gestaltung praktischer Studienphasen werden am Beispiel des Pflege- und Pflegepädagogik-Studiums vorgestellt und empirische Daten zum Kompetenzerwerb im Praxissemester des Pflegepädagogik-Studiums präsentiert.

IV. Studium – Arbeit – Privatleben (S. 223-236)

Im neunzehnten Kapitel betrachten Karl-Heinz Sahmel und Yvonne Zenz das Lernen an der Hochschule vor dem Wandel gesellschaftlicher Trends. Es wird die Frage geklärt, wie Erwachsene heute lernen und empirische Befunde zur sozialen Situation sowie die damit verbundenen Herausforderungen der Studierenden aufgezeigt. Der Beitrag schließt mit Sichtweisen von Studierenden der Pflege und Pflegepädagogik auf ihr Studium.

Diskussion

Mit dem vorliegenden Buch verfolgen die Autor*innen das Ziel, Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Hochschuldidaktik zur Qualifizierung von Gesundheitsfachberufen zu geben. Lobenswert ist dabei besonders die Ausgewogenheit der beleuchteten Fachbereiche, da verfügbare Publikationen zum Thema für gewöhnlich stark vom Fachbereich Pflege dominiert werden. Wichtig erscheint auch die Hervorhebung gesellschaftlicher und berufspolitischer Rahmen, in denen sich Bildung vollzieht und sich letztlich eine Hochschuldidaktik entwickeln und legitimieren muss. Die im zweiten Abschnitt dargestellten Merkmale und Eigenschaften der jeweiligen Studienprogramme sind letztlich Ausdruck dieser Entwicklungen. In diesem Abschnitt gelingt es allerdings nicht allen Autor*innen den Kern der Hochschullehre des jeweiligen Programms darzustellen. Somit verbleiben einige Beiträge auf der Ebene, die Entwicklung des Studienprogramms zu beschreiben.

Einen Kontrast dazu bildet der dritte Abschnitt, in dem „innovative“ Ansätze der Hochschullehre thematisiert werden. Darunter befinden sich neben bekannten Ansätzen wie dem Szenischen Spiel und dem problembasierten Lernen theoretische Überlegungen zur Gestaltung digitaler Lehrformate und zum Einsatz der Portfolioarbeit, die seit geraumer Zeit in der allgemeinen Hochschulbildung diskutiert werden und in Form verfügbarer Kompetenzen aktuell stark nachgefragt werden.

Einen weiteren wichtigen Punkt stellt im dritten Abschnitt die Betrachtung der praktischen Studienphasen unter hochschuldidaktischen Gesichtspunkten dar. Da es zu diesem Thema hierzulande noch wenige aktuelle und tragfähige Publikationen gibt, wäre womöglich ein weiteres Kapitel zum Thema Gestaltung der Lernortkooperationen in den berufsqualifizierenden Studiengängen interessant gewesen.

Fazit

Der Titel des Buches klingt vielversprechend und einige der informativen Beiträge zeigen in der Tat interessante Perspektiven für die Gestaltung von hochschulischen Lehrveranstaltungen auf. Was das Buch nicht leistet – und auch nicht zu leisten verspricht – sind tiefgründige theoretische Auseinandersetzungen mit hochschuldidaktischen Ansätzen des jeweiligen Gesundheitsfachberufs und Instant-Lösungen zur schnellen Umsetzung. Theoretische Bezugspunkte für eigene Entwicklungsarbeiten lassen sich aber aus dem Buch gewinnen. Als eine der ersten einschlägigen Publikationen zum Thema Hochschuldidaktik der Gesundheitsfachberufe ist das Buch damit interessierten Lesenden zu empfehlen.


Rezensent
Stefan Burba
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Zitiervorschlag
Stefan Burba. Rezension vom 08.05.2018 zu: Karl-Heinz Sahmel (Hrsg.): Hochschuldidaktik der Pflege und Gesundheitsfachberufe. Springer (Berlin) 2017. ISBN 978-3-662-54874-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23723.php, Datum des Zugriffs 18.08.2018.


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