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Matthias David (Hrsg.): Migration - Frauen - Gesundheit

Cover Matthias David (Hrsg.): Migration - Frauen - Gesundheit. Perspektiven im europäischen Kontext. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2017. 3. Auflage. 276 Seiten. ISBN 978-3-933050-23-6.
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Entstehungshintergrund

Das vorliegende Buch ist 2017 in der 3., unveränderten, Auflage erschienen. Das vorliegende Werk ist die Dokumention eines Symposiums mit demselben Titel im September 1999 in Berlin mit Beiträgen einer Vielzahl von Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen.

Herausgeberin und Herausgeber

Die renommierten Herausgeber*innen, der Mediziner Matthias David von der Charité, die Sozialwissenschaftlerin Theda Borde von der FU Berlin sowie der Mediziner Heribert Kentenich von der DRK Frauen- und Kinderklinik in Berlin präsentieren in diesem Band eine gute und sinnvolle Zusammenstellung von Aufsätzen über interkulturelle Perspektiven im Gesundheitswesen.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in folgende Abschnitte:

  • Zustandsbeschreibung
  • Gesundheitsversorgung
  • Kommunikation und Sprache
  • Ausblick
  • Aus Forschung und Praxis

Inhalt

Der Abschnitt „Zustandsbeschreibung“ beinhaltet eine Erörterung der Situation von Familien in der Migration und deren Auswirkungen fauf soziale Versorgungsstrukturen (Boos-Nünning) und ein Plädoyer für die Übertragung methodischer Zugänge von der Frauen- auf die Migrationsforschung (Maschewski-Schneider & Fuchs).

Unter der Überschrift „Gesundheitsversorgung“ finden sich Artikel über Migration als psychischen Prozess (Kürsat-Ahlers), den Mythos Mittelmeersyndrom (Gernot Ernst), ein Bericht über psychiatrische Versorgung in Newham, London (Priebe), eine Studie über Kenntnisse weiblicher Körperfunktionen bei türkischen und deutschen Frauen (David, Borde, Kentenich) sowie ein Bericht über die soziokulturelle Vielfalt in der Geburtshilfe und Gynäkologie in den Niederlanden (Richters).

Im Abschnitt „Kommunikation und Sprache“ folgt eine weitere Studie der Herausgeber*innen zu Patientinnenorientierung im Kontext der kulturellen Vielfalt im Krankenhaus, es folgt eine Untersuchung zur kulturellen und sprachlichen Verständigung mit Nichtdeutschsprachigen in Gesundheitseinrichtungen (Pöchhacker) und ein Bericht über Dolmetscherzentralen in der Gesundheitsversorgung der Niederlande (Drenthen).

Im Abschnitt „Ausblick“ werden demographische Implikationen von Migration thematisiert (Birg), es folgt eine Literaturrecherche zu ungünstigen Faktoren bei Schwangerschaft und Geburt bei Migrantinnen (Bollini).

Im Abschnitt „Aus Forschung und Praxis“ schließlich geht es zunächst um Migrant*innen als Nutzer*innen des Wiener Gesundheitswesens (Akbal), um die Relevanz sprachlicher Schwierigkeiten bei der Versorgung von Migrantinnen in der Gynäkologie (Frühauf, Wladarsch, Serdaroglu & Volz), es folgt eine Studie zur Libido nach der Menopause bei türkischen und deutschen Frauen (Mih), die Darstellung der Planung eines interkulturellen Gesundheitsnetzwerkes in Berlin (Papies-Winkler & Josten), eine Studie zu Unterschieden bei der Versorgung von deutschen und ausländischen Patientinnen in einer gynäkologischen Notfallambulanz (Pette) und die Vorstellung eines Pilotprojektes der Stadt Nürnberg zur Prävention bei ausländischen Schwangeren (Terzioglu, Baumann, Krause & Feige). Den Abschluss bildet eine Studie zur ambulanten Versorgung von Migrant*innen in Berlin-Kreuzberg aus Sicht niedergelassener Ärzt*innen (Wagner & Mareel).

Diskussion und Fazit

Der Band bietet einen Überblick über mögliche interkulturelle Themen im Gesundheitswesen. Die Vielzahl der präsentierten Studien zeigt nach wie vor relevante Forschungsfragen und methodische Zugänge zum Thema auf. Viele Problemfelder sind heute noch aktuell (so z.B. Ghettoisierung, geringere Inanspruchnahme von Beratungsangeboten/Boos-Nünnig, Hintergründe des Mythos Mittelmeersyndrom/Ernst).

Die Implikationen aus der Frauen- für die Migrationsforschung sind schlüssig dargelegt (Maschewski-Schneider & Fuchs).

Die Berichte aus der Gesundheitsversorgung einiger unserer Nachbarländer (GB, Niederlande, Österreich) sind anregend. Diese und weitere Beispiele für Projekte in Deutschland zeigen Möglichkeiten des Umgangs mit diversen Barrieren auf.

Schade ist, dass das Buch nach 17 Jahren völlig unverändert erschienen ist. Die Inhalte sind zwar tatsächlich nach wie vor relevant und die Aufsätze bieten auch heute noch Anregungen und Ansatzpunkte. Es wäre jedoch meines Erachtens sinnvoll gewesen, zumindest im Vorwort auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und veränderte Rahmenbedingungen einzugehen. Noch besser wäre eine Überarbeitung der Daten und die Integration neuerer Forschungsergebnisse gewesen, dies gilt insbesondere für das Kapitel „Forschung und Praxis“, in dem verschiedene Studien vorgestellt werden, die heute kaum mehr verwendbar sind.

Das Buch ist verständlich geschrieben und kann sowohl von Hochschulangehörigen (inkl. Studierenden) als auch Praktiker*innen genutzt werden. Der Titel suggeriert, dass die Inhalte sich vorwiegend auf Migrantinnen beziehen, ich finde allerdings, dass viele Texte sich auf alle Geschlechter beziehen und alle Artikel für Menschen bereichernd sind, die sich für das Thema Migration interessieren.

Meiner Ansicht nach ist das Buch nach wie vor empfehlenswert, auch weil es eine Vielzahl an Anregungen für Methodik und Inhalte potentieller zukünftiger Forschungsprojekte geben kann – eine Aktualisierung wäre aber wünschenswert.


Rezensentin
Dipl.-Soz.-Päd. Doris Neppert
Sozialarbeiterin M.A., Dozentin an der FH Kiel, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit
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Zitiervorschlag
Doris Neppert. Rezension vom 15.02.2018 zu: Matthias David (Hrsg.): Migration - Frauen - Gesundheit. Perspektiven im europäischen Kontext. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2017. 3. Auflage. ISBN 978-3-933050-23-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23730.php, Datum des Zugriffs 22.06.2018.


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