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Deutscher Kinderschutzbund, Landesverbände Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt (Hrsg.): „Einer schwimmt im Geld“. Kinder über arm und reich

Cover Deutscher Kinderschutzbund, Landesverbände Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt (Hrsg.): „Einer schwimmt im Geld“. Kinder über arm und reich. AG SPAK Bücher (Neu Ulm) 2017. 110 Seiten. ISBN 978-3-945959-23-7. D: 16,00 EUR, A: 16,00 EUR, CH: 16,00 sFr.
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Thema

Etwa ein Fünftel aller Kinder in Deutschland galten 2015 nach einem Bericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts aus dem Jahr 2017 als arm. Ihre Familien oder sie müssen nicht betteln, doch der Betrag, mit denen die Eltern monatliche Ausgaben bestreiten müssen, reicht im Normalfall nicht aus, um die Kinder wirklich gut zu versorgen.

Kinder in Armut leiden darunter, dass sie in wichtigen Lebensbereichen nicht ausreichend versorgt sind. „Sie erleben, wie sie anders leben müssen, als Kinder in Familien mit ausreichendem Einkommen.“ (S. 7) Dieser Umstand ist nicht hinreichend bekannt bzw. wird von Politik und Gesellschaft verdrängt.

Herausgeber

Der Deutsche Kinderschutzbund sieht als Lobbyorganisation u.a. seine Aufgabe darin, „auf Missstände wie die Armut von Kindern aufmerksam zu machen. Wir fordern gesellschaftliches Handeln bei diesen konkreten Missständen ebenso wie die Aufnahme der Kinderrechte in das Grundgesetz sowie entsprechende Umsetzungen in die Länderverfassungen. (…) Als Vertreter von Kinderinteressen lassen wir diese selbst zu Wort kommen.“ (S. 8)

Entstehungshintergrund

Haupt- und Ehrenamtliche der Kinderschutzverbände aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen haben sich im Sommer 2015 zum Ziel gesetzt, auf Kinderarmut in etwas anderer Form aufmerksam zu machen. Kinder im Alter von 8 bis 15 Jahren sollten unabhängig von ihrem sozialen Status zu Wort kommen. „So entstand das Projekt ‚Schreib (D)eine Geschichte – Kinder schreiben über arm und reich‘ (Arbeitstitel), in dessen Ergebnis nun ein Konzeptbuch mit dem Titel ‚Einer schwimmt im Geld – Kinder über ARM und REICH‘ vor Ihnen liegt und hoffentlich Ihre Aufmerksamkeit findet.“ (S. 7)

Die Texte sollen darstellen, was im Kontext arme Lebensführung fehlt, was anders ist oder was sie sich für solche Kinder wünschen. „Als Leser/-in bekommen Sie einen Einblick in die realen Welten von Mädchen und Jungen wie auch in deren Lebensgeschichten und Träume.“ (S. 7)

Die Herausgeber wollen nicht nur die Öffentlichkeit sensibilisieren, sondern auch Fachkräften in Jugendhilfe und Schule Handwerkszeug zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an diesem sensiblen Thema an die Hand geben.

Das Projekt macht deutlich, dass junge Menschen in den unterschiedlichen Altersstufen klare Aussagen treffen können; dabei erleben sie die Auswirkungen sehr unterschiedlich: Nicht jedes Kind in Armut empfindet diese auch so.

Aufbau

Dem Vorwort von Carsten Nöthling, Andrea Wegner und Olaf Boye folgt ein Text von Prof. Ullrich Gintzel, Diplom-Sozialarbeiter, Sozialarbeitswissenschaftler, Prof. em. für Sozialwissenschaftsarbeit an der Ev. Hochschule Dresden, Vorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Sachsen e.V., und Prof. Dr. Ulrich Klemm, stellvertretender Vorsitzender Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e.V., hauptberuflich Geschäftsführer des Sächsischen Volkshochschulverbandes e.V. (Chemnitz), zum Thema „Armutsrisiko Kindheit – Kinderarmut und Kinderschutz“, der klar und faktenreich in die Thematik einführt.

Der Hauptteil „Kinder über ARM und REICH“ bietet die Abdrucke der Beiträge der Kinder, wobei zur besseren Lesbarkeit die handgeschriebenen Texte noch einmal in Druckschrift gesetzt sind. Mit ihren Texten nehmen die Kinder Bezug auf verschiedene Lebensbereiche und Themen. Eine reichhaltige Illustration spricht Betrachtende unmittelbar an. Im Schlussteil folgt ein Text „Geheimnisse Kreativen Schreibens“ von Franziska Herrmann.

Inhalt

Die Texte der Kinder geben ein differenziertes, facettenreiches, beeindruckendes Bild von ihrem Alltag. Lesenden öffnet sich damit eine Welt, die bedrückt, irritiert, Empörung aufkommen lässt, aber sehr wohl auch schmunzeln lässt, denn der Blick der jungen Autorinnen und Autoren ist bei aller Ernsthaftigkeit des Themas vielfach entlarvend, herzerfrischend ehrlich.

Diskussion

Kinderarmut wird völlig zu Recht seit langer Zeit thematisiert, beklagt, angeprangert. Es ist und bleibt nicht nachvollziehbar, dass eine der reichsten Nationen der Welt bis heute noch nicht in der Lage war bzw. die Bereitschaft zeigt, dagegen vorzugehen. Mittel, Wege, Konzepte gibt es hinreichend…

Eine Fülle von Publikationen spricht diesen beschämenden Umstand an. Diese Veröffentlichung geht den bislang ausgebliebenen Weg: Kinder kommen direkt zu Wort und durchbrechen auf diese Weise vielleicht und hoffentlich die Mauer der Ignoranz.

Fazit

„Jeder ist seines Glückes Schmied“ – diese verstaubte Parole hält sich unbeirrbar in Zeiten des Neoliberalismus. Mit solchen Weisheiten kommen wir jedoch nicht mehr weit, denn zu groß ist die Zahl der Hemmnisse, die – um in dem Bild zu bleiben – den ‚Schmied erst gar nicht an den Amboss lassen‘.

Wer dieses verdienstvolle Buch des Kinderschutzbundes liest, wird bei weiteren Versuchen der ‚Selbstimmunisierung‘ (wir halten uns die Not der anderen gern vom Hals…) scheitern. Wer – was ausdrücklich zu empfehlen ist – mit den Texten in der Bildungsarbeit etwas in Bewegung setzen will, bewirkt bestimmt bei allen Zielgruppen Reaktionen, denn das Geschriebene geht unter die Haut.

Somit kann man den Herausgebern für ihren Mut und ihr Engagement nur danken!


Rezensent
Thomas Hax-Schoppenhorst
pädagogischer Mitarbeiter der LVR-Klinik Düren, Sachbuchautor, Herausgeber, Erwachsenenbildner
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Zitiervorschlag
Thomas Hax-Schoppenhorst. Rezension vom 20.04.2018 zu: Deutscher Kinderschutzbund, Landesverbände Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt (Hrsg.): „Einer schwimmt im Geld“. Kinder über arm und reich. AG SPAK Bücher (Neu Ulm) 2017. ISBN 978-3-945959-23-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23750.php, Datum des Zugriffs 23.05.2018.


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