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Angelika Henschel, Andreas Eylert-Schwarz u.a. (Hrsg.): Karrierewege eröffnen

Cover Angelika Henschel, Andreas Eylert-Schwarz, Viktoria von Prittwitz und Gaffron, Simon Rahdes (Hrsg.): Karrierewege eröffnen. Gender- und diversityreflexive Zugänge für beruflich Qualifizierte der Sozialen Arbeit zur akademischen (Weiter-)Bildung. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2017. 304 Seiten. ISBN 978-3-8309-3597-1. 39,90 EUR.
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Thema

Die Publikation „Karrierewege eröffnen“ bietet einen umfassenden Überblick über die Rahmenbedingungen zur akademischen (Weiter-)Bildung für beruflich Qualifizierte in der Sozialen Arbeit. In Folge des demografischen Wandels, der Pluralisierung und Individualisierung von Lebenslagen, der zunehmenden Anerkennung von Heterogenität und Diversität von Menschen und dem zu erwartenden Fachkräfte-Mangel gibt es vermehrt Bestrebungen die Durchlässigkeit und Weiterbildung für beispielsweise Erzieher*innen und Quereinsteiger*innen in diesem Berufsfeld zu gewährleisten. Hierbei werden spezifische Bedürfnisse marginalisierter Gruppierungen unter Themenkomplexen von Gender Mainstreaming, Integration und Inklusion erforscht.

Aus dieser Differenzierung der Arbeitnehmer*innen und Auszubildenden resultieren neue Herausforderungen aber auch Chancen für die Hochschul- und Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik.

Das Buch gibt einen Überblick über aktuelle Forschungsstände zu gender- und diversityreflexiven Zugängen zur akademischen (Weiter-)Bildung und umreißt einige Bildungsinstitutionen die sich explizit an Menschen mit beruflicher Qualifizierung der Sozialien Arbeit richtet.

Entstehungshintergrund

Die Publikation entstand im Forschungs- und Entwicklungsprojekt „KomPädenZ Potenzial“. Es ist das Dritte von aufeinander aufbauenden Projekten mit dem Fokus auf „akademische (Weiter-)Bildung für berufliche Qualifizierte“. Im Mittelpunkt steht hier die Entwicklung und Erprobung von Zertifikatskursen an der Leuphana Universität Lüneburg. Die vorangegangenen Projekte trugen die Titel „KomPädenZ“ und „KomPädenZ konkret“. „KomPädenZ“ steht für Kompetenz, Pädagogik und ein ehemals geplantes Zentrum für Anrechnungsfragen. Der Titel wurde 2004 von Forscher*innen entwickelt, die sich konkret mit Fragen der Anrechnung von Kompetenzen aus pädagogischen Berufen auf ein potentiell folgendes Studium beschäftigen.

Aufbau

Das Buch ist dreiteilig gegliedert.

  1. Zuerst werden theoretische Hintergründe dargestellt.
  2. Im zweiten Teil werden empirische Erhebungen zu Exklusionsmechanismen von Menschen erörtert.
  3. Im dritten Teil werden Best Practice Beispiele anhand von schon existierenden berufsbegleitenden Masterstudiengängen, Brückenkursen, Weiterbildungen oder Bachelorstudiengänge für beruflich Qualifizierte dargestellt.

Insgesamt berichten dreizehn Autor*innen über Ihren Forschungs- und Wissenstand und stellen aus unterschiedlichen Perspektiven Bedarfe von Studierende sowie Hochschulinstitutionen dar.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Zu 1. Theoretische Rahmung

Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen aus nicht-akademischen Familien und Frauen* ist der Zugang zur akademischen Bildung immer noch erschwert.

Im ersten Teil von „Karrierewege eröffnen“ geht es um die historische Entwicklung von Sozialer Arbeit und den klassistisch-androzentrisch-hierarchischen Zugängen zum Arbeitsmarkt sowie zu Bildungsinstitutionen.

Care-Tätigkeiten sind immer noch unterbezahlt und häufig auch unterbewertet. Rita Braches-Chyrik verweist in ihrem Beitrag auf die historische Entwicklung von personenbezogenen Dienstleisung und die geschlechtsspezifische Einteilung der Berufsstrukturen. 80 % des Dienstleistungssektors wird von Frauen* getragen und weist zumeist prekäre Beschäftigungsverhältnisse auf. Diese Hierarchisierung in postmodernen Gesellschaften von Ausbildungsabschlüssen qua Geschlecht und qua Titel verdeutlicht Walburga Katharina Freitag. Das bedeutet, dass eine Über- und Unterordnung männerdominierter versus frauendominierter Berufe, sowie akademischer versus beruflicher Bildung allgegenwärtig ist. Diese Ordnung wird über Bezahlung, Anerkennung und Renommee sichtbar. Dies zeige sich nicht nur institutionell sondern auch durch Distinktionsmechanismen respektive Vorurteile der Lehrenden selbst, erklärt auch Viktoria von Prittwitz und Gaffron.

Um diesen Ungleichheiten entgegenzuwirken postuliert Franziska Schmidel: „Gerade im Bereich der hochschulischen Bildung werden in dem Zusammenhang die Zugangsmöglichkeiten und die Durchlässigkeit bei der Auswahl von Studierenden kritisch hinterfragt und Reformierungen angestoßen.“

Zu 2. Empirie

Im empirischen Teil werden Forschungen dargestellt, die sich mit den Bedarfen und den Erfahrungen von Menschen beschäftigen. Es wird nach gegebenen Lebenslagen und potenziellen Hürden für akademische Bestrebungen gefragt. Durch die Europäisierung des Bildungssektors wurde und wird die Architektur der Hochschul- und Berufsbildungspolitik verändert. In einer beschleunigten, sich ausdifferenzierenden Gesellschaft ist auch das „Lebenslange Lernen“ zum Credo in Beschäftigungsverhältnissen und auch häufig zur Orientierung von Individuen geworden.

Jasmina Crčić stellt die Ergebnisse des „KomPädenZ Potenzial“-Projektes vor. Via einer Bedarfsanalyse wurde ermittelt, wie Vertreter*innen von Trägerorganisationen der Sozialwirtschaft Weiterbildungsbedarfe einschätzen. Diese wurden von Expert*innen unterschiedlich bewertet. Es wurde jedoch deutlich, dass es zunehmend nötig ist, auch kulturelle und religiöse Hintergründe von beruflich Qualifizierten zu berücksichtigen. Dieser Weiterbildungsbedarf resultiert „aus der zunehmenden Ausdifferenzierung einzelner Arbeitsfelder innerhalb der Sozialwirtschaft und den damit einhergehenden gestiegenen Anforderungen an die Beschäftigen“.

Chancengleichheit zur akademischen Weiterbildung für Frauen* und Männer* ist bis dato noch nicht gegeben. Jasmina Crčić konstatiert die Kategorie Geschlecht immer noch als Strukturkategorie durch die diverse Zugänge zur Ausbildung gewährleistet werden müssen. Exemplifizierend gaben Frauen* nach einer Befragung an, dass von ihnen verlangt würde, dass die Familie nicht unter ihrem berufsbegleitenden Studium leiden dürfe. Männer* treffen auf diese Anforderung eher weniger und erklären eher die Unterstützung ihrer Partner*innen.

Birgit Schwarz und Andreas Eylert-Schwarz proklamieren, dass Hochschulverantwortliche mit der zunehmenden Heterogenisierung der Studierenden adäquat umgehen müssen, um zielgruppenorientiert vorhandenen Bildungsungleichheiten entgegenzuwirken.

Zu 3. Praktische Zugänge und Beispiele

Im letzten Teil des Buches werden Best Practice Beispiele dargestellt.

Unter anderem wird die Leuphana Professional School als Ort einer Bildungsinnovation vorgestellt. Ihre differenzierten Zertifikatsprogramme, welche nebenberuflich erworben werden können, können auch im Falle eines folgenden Studiums mit den dazugehörigen Credit Points angerechnet werden.

Auch der berufsbegleitende Bachelor-Studiengang „Soziale Arbeit für Erzieherinnen und Erzieher“, sowie der Master-Studiengang „Sozialmanagement“ in Berlin werden ausführlich dargestellt. Studiengänge, die sich explizit an Menschen mit einer vorangegangenen beruflichen Ausbildung ausrichten. Die Ausbildung, kann im Ersteren für zwei Semester auf das Studium angerechnet werden.

Aus dem oben genannten „KomPädenZ“ Projekt sind auch drei akademische Weiterbildungen entstanden. Lutz Dollereder und andere stellen folgende hier vor:

  1. Handlungskompetenz für die Soziale Arbeit
  2. Kommunikation in Teams und Projektmanagement
  3. Gestärkt in Führung gehen – Frauen in Führungspositionen in der Sozialen Arbeit

Fazit

Die Publikation gibt Antworten darauf, wie eine beruflich qualifizierte Person der Sozialen Arbeit oder auch Quereinsteigende Hochschulabschlüsse oder (Weiter-)Bildungen erwerben und ihre individuellen Erfahrungen im Studium anrechnen lassen können.

Die Zusammensetzung der drei Teile diese Buches, also den historischen Rahmenbedingungen für den Status quo des differenten Zugangs zu Bildung für verschiedenen Menschen, den empirischen Darstellungen zur aktuellen Situation und den Best Practice Beispielen diesen entgegenzuwirken bietet eine All-Round-Perspektive.

Das Buch macht historisch und empirisch differente Markt- und Bildungszugänge für Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen (Geschlecht, Religion, Herkunft, Klasse) sichtbar. Qualitativ wird der Nutzen von Diversity- und Gender-Mainstreaming Projekten dargestellt. Der Fokus liegt hier auf soziale (Bildungs-) Ungleichheiten und damit einhergehenden Hürden der Partizipation an gesellschaftlich erwarteten und häufig auch individuell gewünschten „Lebenslangem Lernen“. Diesen Ungleichheiten werden Strategien des (Nachteils-) Ausgleiches entgegenstellt.

Das Ziel dieses Werkes ist es, Diskriminierungsstrukturen innerhalb von Bildungs- und Hochschulpolitik zu verdeutlichen und Ansätze diesen entgegenzuwirken aufzuzeigen.

Den Lesenden erwartet ein guter Überblick über verschiedenen Hürden und Möglichkeiten zur Kompetenzerweiterung. Sensibel berichten die Autor*innen über Bedürfnisse von nicht-traditionellen Studierenden, Frauen* und Menschen mit Migrationshintergrund.

Das Buch versucht diversity- und genderreflektiert Reformierungen von Hochschul- und Bildungspolitik nahezulegen und bereits erkennbare Prozesse darzustellen.


Rezensentin
Ragna Reinhardt
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Zitiervorschlag
Ragna Reinhardt. Rezension vom 13.06.2018 zu: Angelika Henschel, Andreas Eylert-Schwarz, Viktoria von Prittwitz und Gaffron, Simon Rahdes (Hrsg.): Karrierewege eröffnen. Gender- und diversityreflexive Zugänge für beruflich Qualifizierte der Sozialen Arbeit zur akademischen (Weiter-)Bildung. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2017. ISBN 978-3-8309-3597-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23753.php, Datum des Zugriffs 25.06.2018.


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