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Claudia Härtl-Kasulke (Hrsg.): Mit Wertschätzung Wert schöpfen

Cover Claudia Härtl-Kasulke (Hrsg.): Mit Wertschätzung Wert schöpfen. Das Praxisbuch für achtsame Organisationen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. 216 Seiten. ISBN 978-3-407-36621-4. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 45,90 sFr.
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Thema

Schwerpunkt des Buches ist die „achtsame Organisation“ und die Wertschöpfung, die sich daraus ergeben kann, denn nach Auffassung und aufgrund der Erfahrung der Autor*innen ermöglicht es eine achtsam gelebte Kultur in Organisationen, dass Menschen langfristig vital und gesund arbeiten können und so Wertschöpfung durch Wertschätzung entstehen kann. Daher geht es in diesem Buch zum einen darum, Achtsamkeit auf der individuellen Ebenen zu fördern, zum anderen aber auch darum, Wege vorzustellen, wie auf organisationaler Ebene Achtsamkeit etabliert und gefördert werden kann.

Das Buch bezieht aktuelle Forschungsergebnisse mit ein und setzt drei Schwerpunkte: Theorie, Best-Practice-Beispiele und das Methodenkompendium.

Herausgeberin

Claudia Härtl-Kasulke ist Buchautorin und Organisationsberaterin, u. a zu den Schwerpunkten „Lernen mit Emotion und Intuition“ und Achtsamkeit.

Weitere Beiträge stammen von Hans-Florian Dettweiler, Matthias Nitsche, Ilka Nofz, Barbara Pamment, Daniel Putz, Liane Stephan.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Werk gliedert sich neben der Einführung in drei Schwerpunktkapitel:

  1. Theorie 
  2. Best-Practice-Beispiele
  3. Methodenkompendium.

Zugrunde liegt den Ausführungen folgendes Verständnis von Achtsamkeit und Organisation:

Es kann von einer Achtsamen Organisation gesprochen werden, wenn sich die betreffende Organisation als lebendiger Organismus begreift und erfährt. Dazu gehört, dass sie den „Willen und die Fähigkeit hervorbringt, sich dem Erleben der inneren und äußeren Umstände zuzuwenden. Dieses Zuwenden in einer Haltung des Wohlwollens, der Neugierde und des Unterscheidungsvermögens entsteht durch die präzise Wahrnehmung auf der geistigen, emotionalen und physischen Ebene.“ (16).

Dies führt zu Organisationaler Aufmerksamkeit, die das Ziel hat, „das Wohlergehen von Individuen und Kollektiven zu nähren. Das wird bei Entscheidungen berücksichtigt: Das mündet in Handlungen, die als Zusammenspiel in und mit der Organisation und der Welt beschrieben werden können.“ (17). Der Ansatz der Autor*innen basiert auf zwei Projekten, die gemeinsam durchgeführt wurden, dem eher organisational ausgerichteten Projekt ConnectingMind und dem auf Einzelne hin orientierten Projekt WorkingMind. Bei beiden ging und geht es darum, wie Achtsamkeit in Organisationen umgesetzt werden kann. In den Einzelbeiträgen werden dazu zum einen die Basismethoden präsentiert, zum anderen an vier Beispielen illustriert, wie diese Prozesse in Organsationen implementiert und gesteuert werden können und welche Methoden dabei sinnvollerweise zum Einsatz kommen können. Besondere Aufmerksamkeit kommt hier systemischen Faktoren zu, insbesondere der Aufmerksamkeitsforschung in Bezug auf das systemische Wirken und neurowissenschaftlichen Forschungsergebnissen. Besonderes Augenmerk wird hier auch auf den Zusammenhang von Achtsamkeit und Agilität gelegt.

Im zweiten Kapitel stehen Best Practices im Vordergrund. Wichtige Schwerpunkte sind dabei:

  • der Start eines entsprechenden Changeprozesses und der „Anfängergeist“ der Beteiligten (23).
  • Hinweise, wie der Beginn einer achtsamen Kulturveränderung gestaltet werden kann.
  • Vorschläge zur Gestaltung einer prozessualen Dramaturgie in einem achtsamen organisationalen Veränderungsprozess.
  • Ideen zur Bearbeitung und Lösung von Konflikten durch Überbelastung mithilfe achtsamer Begleitung.
  • Präsentation eines Konzeptes zur Ausbildung sogenannter ResilienzMentoren, die als achtsame Stärken unterstützende Mentor*innen in der Organisation aktiv sind.

Im Anschluß daran werden im dritten Kapitel die wichtigsten Methoden zur Gestaltung dieser Achtsamkeitsprozesse vorgestellt. Dabei verstehen die Autor*innen dieses Kapitel als „systemischen Methodenbaukasten für die verschiedenen Ebenen. Einzel-, Team-, Führungs- und organisationale Ebene. Dabei ist der Übergang zwischen diesen Ebenen fließend.“ (23f).

Dabei unterscheiden sich die Methoden dahingehend, dass sie entweder

  • zum Innehalten anregen,
  • für bestimmte Situationen besonders geeignet sind: für den Arbeitsplatz, für die Kommunikation miteinander, für Konfliktsettings etc.,
  • für gruppendynamische Prozesse.

Die vorgestellten Übungen bauen gewissermaßen aufeinander auf und folgen jeweils einem standardisierten Aufbau:

  • Name der Methode und Autor*in
  • Thema und kurze Einführung
  • Vorbereitung (Equipment, Raum etc.)
  • Anzahl der Teilnehmenden, Zeit, Ziel etc.
  • Ergebnis: was ist nach der Übung anders?
  • Beschreibung der Einzelschritte
  • Tipps
  • Eignung: Warum ist diese Methode besonders für achtsame Organisationen geeignet?
  • Didaktische Tipps
  • Learnings für die Teilnehmenden (im Sinne einer Conclusio, die die Teilnehmenden für sich aus der Übung gewinnen können)
  • Varianten zur Methode
  • Tipps für das Erfolgstagebuch.

Übungen bzw Methoden, die hier vorgestellt werden, sind beispielsweise der Umgang mit Unterbrechungen und fehlender Konzentration, eine Gehmediation, ein Erfolgstagebuch, Übungen zur Achtsamkeit im Team und zur Kommunikationskunst, zum achtsamen Arbeiten oder Zuhören, Übungen, die die Achtsamkeit in Hinblick auf den Umgang mit dem Körper, dem Geist oder Emotionen unterstützen und die die Achtsamkeit in der Organisation fördern helfen.

Diskussion und Fazit

Im Vorwort zu diesem Buch wird als Anspruch formuliert, dass „Achtsamkeit in Organisationen gefördert werden soll und damit nicht nur die eigenen Achtsamkeit trainiert, sondern auch die beteiligten Unternehmen auf dem Weg zu einer achtsamen Organisationen zu begleiten.“ (11). Das erfordert nicht nur Methodenkompetenz und viel Übung, sondern vor allem eine Haltungsänderung.

Den Autor*innen ist es in ihrem Buch gelungen, das dazu erforderliches theoretisches Wissen mit spannendem praktischem Knowhow auf eine Art und Weise zu verbinden, die das Interesse weckt, der Achtsamkeit mehr Raum im eigenen Leben und beruflichen Wirken einzuräumen und die vielfältigen methodischen Anregungen zu erproben.


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 29.01.2018 zu: Claudia Härtl-Kasulke (Hrsg.): Mit Wertschätzung Wert schöpfen. Das Praxisbuch für achtsame Organisationen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. ISBN 978-3-407-36621-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23762.php, Datum des Zugriffs 22.04.2018.


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