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Alexander Pointner, Angela Pointner: Mut zur Klarheit (Kraft zum Weitermachen)

Cover Alexander Pointner, Angela Pointner: Mut zur Klarheit. Woher die Kraft zum Weitermachen kommt. Seifert Verlag GmbH (Wien) 2017. 240 Seiten. ISBN 978-3-902924-69-8. D: 24,95 EUR, A: 24,95 EUR.
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Thema

In ihrem ersten, 2014 veröffentlichten gemeinsamen Buch „Mut zum Absprung. So entstehen Höhenflüge“ behandelten Alexander Pointner und Ko-Autorin Angela Pointner berufliche und private Entwicklungen im Verlauf seiner erfolgreichen Skisprung-Trainer-Karriere sowie seine eigenen Erfahrungen mit der Krankheit Depression.

Autor und Autorin

Alexander Pointner war ab 1995 im Anschluss an seine Karriere als aktiver Skispringer Skisprung-Trainer. Im Verlauf seiner Trainer-Laufbahn war er zehn Jahre lang der Cheftrainer der österreichischen Skisprung-Nationalmannschaft. Er wird als der erfolgreichste Skisprung-Trainer aller Zeiten gesehen. Nach dem Ende seiner Trainertätigkeit bei den österreichischen „Superadlern“ arbeitete er zeitweise mit dem bulgarischen Skispringer Vladimir Zografski. Er hält Vorträge zu den Themen Teamentwicklung, Leistungsfähigkeit, Performance, Prävention und Regeneration.

Angela Pointner ist ausgebildete Erziehungswissenschaftlerin. Sie leitet seit 2009 ein Zentrum für Audiovisuelle Wahrnehmungsförderung und Regenerationscoaching in Innsbruck.

Entstehungshintergrund

Im Jahr 2012 erkrankte Alexander Pointner an einer depressiven Episode. Zuvor war bereits bei seinem Sohn eine Depression diagnostiziert worden, worauf dieser sich in stationäre Behandlung begeben hatte. Im Jahr 2014 erhielt die älteste Tochter des Autorenpaars ebenfalls die Diagnose Depression und begab sich in ambulante therapeutische Behandlung.

Aufbau

  1. „Die Welt des Spitzensports – Startvorteil durch perfekte Organisation“. Im ersten Teil dieses Buches beschreiben der Autor und die Autorin die Bedeutung der äußeren Voraussetzungen, die Skispringer bei den Wettkämpfen in eine optimale Startverfassung versetzen können.
  2. „Wenn das bisherige Leben wie ein Kartenhaus zusammenfallt“. Der zweite Teil dieses Buches umfasst den Zeitraum zwischen dem Suizidversuch der gemeinsamen Tochter, deren medizinischer und therapeutischer Behandlungen in verschiedenen Kliniken bis zu ihrem Versterben.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Zu Teil 1

Der Autor und die Autorin befassen sich mit den verschiedenen Faktoren, die dabei behilflich sind, den Athleten bei der Durchführung der Skisprung-Wettbewerbe eine optimale mentale und physische Startverfassung zu erlauben.

  • Beim Fall der Vierschanzentournee sei beispielsweise das Ziel für die Auswahl der jeweiligen Unterkünfte die Optimierung bei der Erfüllung der unterschiedlichen Ansprüche gewesen. Wichtig seien für dieses Ziel die Möglichkeiten zur Realisierung der verschiedenen Ernährungspläne, die Möglichkeit zur Durchführung der physiotherapeutischen Maßnahmen und die Umsetzung der servicetechnischen Verbesserungen gewesen.
  • Die Rolle der Wettbewerbsveranstalter sei wichtig für die Zur-Verfügung-Stellung von Trainingshallen, von Shuttle-Diensten, von der Anzahl der nutzbaren Container und von der Verpflegung.
  • Das Wetter spiele eine große Rolle für die Verschiebung oder für den Abbruch eines Wettbewerbs.
  • Der FIS-Renndirektor und die Jury entscheiden über die Veränderungen der Anlauflängen und über eventuelle Unterbrechungen oder Abbrüche der Wettbewerbe.
  • Die Kampfrichter beurteilen während des sportlichen Ablaufes die Flughaltung und die Landung der Athleten.
  • Die Höhe des zur Verfügung stehenden Budgets habe Bedeutung für kostenintensive Veränderungen im Materialbereich (Anzüge, Bindungen, Unteranzüge etc.).
  • Im gesundheitlichen Bereich seien für die Athleten neben der Ernährung der Flüssigkeitshaushalt und die Krankheitsprävention zu beachten. Die im Verlauf der Anfangsuntersuchung zum Saisonstart durchgeführte Diagnostik sorge für die Einschätzung der aktuellen Leistungsstärke.

Die Teamaufstellungen für die einzelnen Wettbewerbe konnten zur Kritik von außen und zu Konflikten innerhalb des Teams führen. Alexander Pointner beschreibt, dass er sich bei seiner Arbeit eher auf die Leistungsebene konzentriert habe, da sein Ziel der Erfolg gewesen sei. Für die Lösung konfliktträchtiger Situationen innerhalb des Teams habe er seine Mitarbeiter gehabt. So habe es beispielsweise Rivalitäten zwischen einzelnen Springern gegeben, die sich in Eifersüchteleien und Missgunst gezeigt haben. Der Autor sei bei Problemen innerhalb des Teams eher konfliktscheu gewesen, habe allerdings weniger Konfliktscheu gegenüber außerhalb des Teams stehenden Kontrahenten gezeigt (gegenüber anderen Teams, gegenüber der FIS, gegenüber den Medien). Die unbearbeiteten Konflikte innerhalb des Teams haben zu Loyalitätsverlusten seitens der Mitarbeiter und der Sportler geführt. Alexander Pointner vergleicht den Skisprungwettkampf mit den Abläufen in einem großen Konzern. Auch dort gebe es Verteilungskämpfe, Machtmissbrauch, fehlende Wertschätzung und Profilierungsstreben. Mithilfe dieses Vergleiches analysiert er die Ereignisse, die 2014 zur Nicht-Verlängerung seines Vertrages geführt haben.

Zu Teil 2

In diesem Teil des Buches setzen sich Alexander Pointner und Angela Pointner mit dem Suizidversuch der Tochter, den Begleitumständen der notwendigen medizinischen Interventionen und der therapeutischen Behandlungen während des Wachkomas sowie mit dem Tod der Tochter auseinander.

Der Autor und die Autorin reflektieren ihr eigenes Denken und Erleben in dieser Zeit, sprechen von Erschöpfung, von Überforderung und von Selbstvorwürfen. Sie betonen, wie sehr sie in dieser Zeit auf die Unterstützung durch andere Personen aus dem Bereich der professionellen Hilfe und aus dem Umfeld der privaten, freundschaftlichen Zuwendung angewiesen gewesen seien.

Diskussion

Alexander Pointner thematisiert die unterschiedlichen Herausforderungen, die er zum Einen in seiner beruflichen Laufbahn mit den Anforderungen im Rahmen der Skisprung-Wettbewerbe zu bewältigen hatte. Zum Anderen stellt er zusammen mit seiner Ko-Autorin Angela Pointner aus dem privaten Bereich den Umgang mit den Auswirkungen des Suizides der gemeinsamen Tochter dar. Diese unterschiedlichen Herausforderungen führen zu verschiedenen Bewältigungsstilen: Auf der beruflichen Ebene der systematische und professionelle Umgang mit den Problemen, auf der privaten Ebene die Nutzung der Unterstützung durch die professionelle Hilfe Dritter. Die professionelle Hilfe habe dazu geführt, dass der Autor die Probleme im privaten Bereich wieder habe aktiv bearbeiten können, wie er es zuvor im beruflichen Feld bereits kompetent getan habe. Zahlreiche Fotos aus dem Wirkungsbereich der Trainer-Tätigkeit Alexander Pointners und aus dem Privatbereich der Familie ergänzen die Texte.

Fazit

In ihrem zweiten gemeinsamen Buch „Mut zur Klarheit. Woher die Kraft zum Weitermachen kommt“ behandeln die Autoren Alexander und Angela Pointner neben den für die Durchführung der Skisprung-Wettbewerbe wichtigen Faktoren mutig die Tabu-Themen Depression und Suizid. Sie stellen die Problematik dieser Themen aus ihren jeweiligen persönlich betroffenen Erlebens- und Erfahrungsperspektiven dar und beschreiben ihre unterschiedlichen Bewältigungsressourcen. Wie bereits das erste Buch von Alexander Pointner und Angela Pointner „Mut zum Absprung. So entstehen Höhenflüge“ ist auch dieses Buch in einem flüssigen, gut lesbaren Stil geschrieben. Auch es vermittelt dem Leser und der Leserin Einblicke in Hintergründe des Skisprung-Sportes. Darüber hinaus zeigt es die konkrete Auseinandersetzung mit Themen des Lebens, die im Gegensatz zum Spitzensport gewöhnlich nicht die Schlagzeilen beherrschen.


Rezensentin
Dr. Barbara Mahmoud
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Zitiervorschlag
Barbara Mahmoud. Rezension vom 22.05.2018 zu: Alexander Pointner, Angela Pointner: Mut zur Klarheit. Woher die Kraft zum Weitermachen kommt. Seifert Verlag GmbH (Wien) 2017. ISBN 978-3-902924-69-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23765.php, Datum des Zugriffs 16.08.2018.


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