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Susann Pásztor, Klaus-Dieter Gens: [...] Gewaltfreie Kommunikation in Beziehungen

Cover Susann Pásztor, Klaus-Dieter Gens: Ich höre was, das du nicht sagst. Gewaltfreie Kommunikation in Beziehungen. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2004. 96 Seiten. ISBN 978-3-87387-599-9. D: 9,95 EUR, A: 10,30 EUR, CH: 18,20 sFr.
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Einführung in das Thema

Die Autoren Susann Psztor und Klaus-Dieter Gens haben ein Buch herausgegeben, das sich speziell mit der Frage nach "Gewaltfreier Kommunikation" in Beziehungen beschäftigt. Der Begriff der "Gewaltfreien Kommunikation" hat stammt von Marshall B. Rosenberg. Dieser hat herausgefunden, dass die Art und Weise zu sprechen wie körperliche Gewalt in der Lage ist, zu verletzen und Leid bei uns selbst und anderen herbeizuführen. Dies ist eine Erkenntnis, die im Bewusstsein der meisten Menschen nicht präsent ist. Daneben wissen die meisten Menschen nicht genau, dass Gefühle nicht einfach hinzunehmen sind, sondern beeinflussbar und steuerbar sind. Marshall B. Rosenberg hat ein für jeden anwendbares praktisches Modell geschaffen, wie der einzelne seine Art und Weise zu sprechen und mit anderen Menschen umzugehen auf Gewaltelemente prüfen kann. Er wird dadurch in die Lage versetzt, sich über seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse im Klaren zu sein und auch die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu verstehen. Gewalt ist nach dieser Auffassung Folge der Unklarheit über die eigenen Gefühle und eigenen Bedürfnisse. Marshall B. Rosenberg hat weltweit Streitschlichtungsmodelle durchgeführt und dabei eine Methode entwickelt, die zeigt

  • wie Menschen ohne verletzende Wirkung (gewaltfrei) sprechen können,
  • wie Menschen ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse erkennen,
  • wie sie mit anderen über diese Bedürfnisse sprechen können,
  • wie sie die Gefühle und Bedürfnisse der anderen erkennen und darauf reagieren können.

Diese Methode - er nennt sie "Nonviolent Communication" oder übersetzt: "Gewaltfreie Kommunikation" - hat Marshall B. Rosenberg einfach und klar in dem Buch "Gewaltfreie Kommunikation" (richtig und einfühlsam sprechen) beschrieben (vgl. hierzu die Rezension).

Die Autoren

  • Susann Psztor arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als freiberufliche Journalistin in Bereich Psychologie und Weiterbildung, sie ist seit 1999 Chefredakteurin von "MultiMind NLP-Aktuell", einer Fachzeitschrift für professionelle Kommunikation. Ihr Engagement für gewaltfreie Kommunikation entstand durch die Begegnung mit Marshall B. Rosenberg und die Lektüre des gleichnamigen Buches. Derzeit lässt sie sich zur Trainerin für gewaltfreie Kommunikation ausbilden.
  • Klaus-Dieter Gens ist zertifizierter Trainer für gewaltfreie Kommunikation. Nach Ausbildung zum Sozialpädagogen, Supervisior und NLP-Trainer begegnete er 1996 Marshall B. Rosenberg und engagierte sich seitdem für gewaltfreie Kommunikation: Als Trainer in Seminaren und Ausbildung als Vereinsvorsitzender des Zentrum gewaltfreie Kommunikation Berlin e.V.

Hintergrund für die Entstehung des Buches

Wer das Buch von Marshall B. Rosenberg "Gewaltfreie Kommunikation" gelesen hat, ist begeistert von den ausgezeichneten aufgezeigten Mechanismen, die einem selbst ein Hilfsmittel an die Hand geben, um mit starken aggressiven Emotionen bei sich selbst und anderen umzugehen. Marshall Rosenberg hatte 4 Schritte definiert:

  1. Beobachten ohne zu bewerten
  2. Wahrnehmung des eigenen Gefühls
  3. Wahrnehmung des eigenen Bedürfnisses
  4. Formulierung der Bitte an den anderen

Will man sich dem anderen zuwenden, werden die 4 Schritte identisch angewandt, nur mit der Blickrichtung auf und bei dem anderen. Hier knüpft das vorstehende Buch an, welches für Partnerschaften und Beziehungen eine Hilfestellung geben möchte, wie man mittels der Methode der gewaltfreien Kommunikation "etwas hört, was der anderen in dem Moment nicht sagt", nämlich, wie er sich fühlt, welches Bedürfnis er hat und welche Bitte er an den Partner hat. Dadurch werden normale Alltagskommunikationen umgesetzt in ein verbindendes Miteinander, wobei durch die Darstellung der Bitte sich oftmals auch die Qualität der Bedürfniserfüllung erhöht.

Inhalt

Als Begleiter eines fiktiven Liebespaares Romeo und Julia begeben sich die Autoren auf eine abenteuerliche Reise durch die Höhen und Tiefen beziehungstypischer Konflikte und Dialoge und landen am Ende bei einer echten Beziehung bei dem die Anwendung der gewaltfreien Kommunikation längst kein Konzept mehr ist, sondern gelebter und bewehrter Alltag. Jeweils zu Beginn eines jeden Kapitel ist eine kleine Beispielssituation dargestellt, die einer Alltagssituation entnommen ist. Diese Situation wird später getreu dem Titel "Ich höre was, das du nicht sagst" mittels der Einzelelemente der gewaltfreien Kommunikation übersetzt und damit die dahinter liegenden Botschaften herausgeholt. Die Darstellung findet in vielen Teilen in Dialogform statt. Lustig ist, dass die handelnden Personen in jedem Kapitel etwas dazulernen und in der eigen Übersetzungsleistung besser werden.

  • 1. Kapitel: "Einführung". Beispielsfall: Tanzstunde, "Eine Einladung zum Lebendigsein". Die Autoren laden den Leser ein, eine Fremdsprache zu erlernen, und dadurch zu lernen, die Liebe am Leben zu erhalten, die den Leser und seinen Partner ursprünglich zusammengebracht hat.
  • 2. Kapitel: "Was ist Gewaltfreie Kommunikation". In diesem Kapitel geht es um eine kurze Darstellung des Konzeptes weswegen die Sprache "als eine Sprache des Lebens" bezeichnet wird. Wieso man von "Wölfen" und "Giraffen" spricht, die Wirkung von Werturteilen und moralischen Urteilen, was verbindende Empathie ist und warum es wichtig ist, Verantwortung zu übernehmen. Es folgt die Darstellung der - oben bereits dargestellten - 4 Schritte der gewaltfreien Kommunikation.
  • 3. Kapitel: "Ich hab«s genau gesehen!" - Von der Unterstellung zur Beobachtung. Das Kapitel beginnt wieder mit einem Übungsfall "der Elternabend". Daran wird die Kunst des Beobachtens zunächst veranschaulicht. Dann über eine Empfehlung zur Vorgehensweise zu der ersten Kontaktaufnahme mit Gefühlen, Bedürfnissen und Bitten übergegangen.
  • 4. Kapitel: "Ich hab«s doch gleich gesagt!" - Vom Rechthabenwollen zum Konsens. Auch dieses Kapitel beginnt wieder mit einem Beispiel "Irrfahrt". Der Mann fährt und die Frau liest die Autokarte. Auch hier wird wieder die Transformation der Situation von gängigen Sprachmustern hin zu Verbindung vollzogen.
  • 5. Kapitel: "Wie konntest Du nur!" - Die wandelbare Welt der Vorwürfe. Der Fall "Startbahn" handelt von einer Situation, wo es um Zweifel über nicht ausgestellte Elektrogeräte und nicht abgedrehte Wasserhähne geht, wenn man bereits auf dem Weg in den Urlaub ist. Anhand dieser Situation werden moralische Urteile und Vorwürfe und die 4 Reaktionsmöglichkeiten herausgearbeitet. Mit "Und noch einmal von vorn" endet das Kapitel damit, dass Romeo sich einmal damit versucht vorzunehmen, was fühlt und was braucht Julia in diesem Moment bei dem selben Eingangsdialog. Hier wird die Maske der Änderung eines Kommunikationsmusters fühlbar deutlich.
  • 6. Kapitel: "Nur wegen dir geht«s mir schlecht." - Über Gefühle und Verantwortung. Es geht los mit dem Beispielsfall "Jubiläum", der einen vergessene Kennenlerntag zum Gegenstand hat. In diesem Kapitel geht es um die Macht der Gefühle und die Themen der Wertschätzung und Einfühlung.
  • 7. Kapitel: "Ach komm doch endlich!" - Über Bedürfnisse und Strategien. Am Beispielsfall "Heimspiel" zeigt sich der Konflikt, er will Fussball schauen, sie etwas mit ihm unternehmen. Es werden die Unterscheidungen zwischen Bedürfnis und Strategie herausgearbeitet.
  • 8. Kapitel: "Würdest du wohl ....?" - Die Kunst des Bittens I. Anhand des Beispielsfall "Chaos", der die Ordnung in der Wohnung zum Gegenstand hat, wird sich mit dem Thema Bitten auseinandergesetzt und dargestellt welche Elemente die Kommunikation unterstützen. Die Positive Sprache, das Tun statt dem Sein, die Dinge beim Namen zu nennen, hier und jetzt zu klären, auf den Punkt zu kommen und weiterführende Bitten auszusprechen.
  • 9. Kapitel: "Nein. Jetzt nicht." - Die Kunst des Bittens II. Beim Übungsfall "Stopp" geht es weiter in der Situation aus Kapitel 8. Hier wird sich mit der Frage beschäftigt, wie ein Betreffender mit einem Nein umgehen soll. Wie klärt er, was dahinter steckt.
  • 10. Kapitel: "Wie fühlst du dich?" - Über Empathie. Hier wird besprochen, wie man über Empathie die Verbindung zum anderen Herstellen kann und anhand des Beispielsfall "Lammfilet", wo es eine harmlose Frage nach dem zu kochendem Essen ein Wertschätzungskonflikt auslöst, wird das Konzept der Einfühlung (Empathie) besprochen.
  • 11. Kapitel: "Am Anfang war es noch eine Vision, aber dann ..." - Ein Interview mit Klaus-Dieter Gens und Katarina Schmid über ihr Leben in einer gewaltfreien Beziehung.
  • 12. Kapitel: "Stellen Sie sich vor ... ". Hier wird die Auswirkung von gewaltfreier Kommunikation auf die Entwicklung der Welt angerissen.
  • Anhang. Im Anhang werden Gefühlsworte aufgelistet und diese abgegrenzt zu Interpretationsworten, sowie eine Bedürfnisliste. Am Ende befindet sich eine Übersicht über Marshall B. Rosenbergs Arbeit sowie Trainer im deutschen Raum und Ansprechpartner, wie das Zentrum der Gewaltfreien Kommunikation Berlin e.V.

Diskussion

Einige Mandanten, denen ich das Buch für ihre neue Partnerschaft nach einer Scheidung empfohlen hatte, waren überrascht, dass es ihnen ein neues Handlungskonzept in der Beziehung ermöglichte. Ich selber fand sehr beeindruckend das Interview über die gelebte gewaltfreie Beziehung von Klaus-Dieter Gens und seiner Partnerin Katarina Schmidt, in dem diese berichten, wie ihre Partnerschaft sich von den Partnerschaften unterscheidet, die sie früher gelebt hatten. Dies ist etwas, was vielfach von Menschen berichtet wird, die mit gewaltfreie Kommunikation in Berührung gekommen sind, dass durch die Änderung des eigenen Denkens und der eigenen Sprachmuster eine Veränderung mit dem Umfeld statt findet.

Fazit

Wer an gewaltfreier Kommunikation in Beziehungen interessiert ist, wird von diesem Buch sehr unterstützt werden.


Rezensent
RA Claus-Rudolf Löffler
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Familien-, Steuer- und Erbrecht, Mediator, Leiter einer Übungsgruppe in Hannover
Homepage www.scheidung-direkt.de
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Zitiervorschlag
Claus-Rudolf Löffler. Rezension vom 25.10.2005 zu: Susann Pásztor, Klaus-Dieter Gens: Ich höre was, das du nicht sagst. Gewaltfreie Kommunikation in Beziehungen. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2004. ISBN 978-3-87387-599-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2377.php, Datum des Zugriffs 22.07.2018.


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