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Fredmund Malik: Gefährliche Managementwörter

Cover Fredmund Malik: Gefährliche Managementwörter. Campus Verlag (Frankfurt) 2017. 2. komplett überarbeitete Auflage. 192 Seiten. ISBN 978-3-593-50540-4. D: 28,00 EUR, A: 28,80 EUR, CH: 34,80 sFr.
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Thema

Betriebe und Unternehmen der Erwerbs- und Sozialwirtschaft stehen inmitten vielfältiger Umbrüche. Die Ansprüche an das Management sind komplex und alles andere als frei von Widersprüchen. Führungs- und Leitungskräfte sehen sich vor wirtschaftlichen, sozialen und ethischen Anforderungen gestellt, die lediglich mit einem klaren Blick auf das Wesentliche zu bewältigen sind.

Entstehungshintergrund

Fredmund Malik möchte mit seiner in der nunmehr zweiten, aktualisierten Auflage erschienenen Schrift zu „gefährlichen Managementwörtern“ mit Mythen und Missverständnissen rund um das Führen und Leiten aufräumen. Es geht ihm darum, ein Management aufzuzeigen, welches frei von modischen Irrwegen effizient und effektiv agiert.

Autor

Fredmund Malik ist ein führender Publizist, Berater und Theoretiker im Bereich des Managements. Derzeit ist er Professor der Capital University of Economics and Business in Bejing sowie der IMAU und der Jilin University in Changchun.

Aufbau und ausgewählte Inhalte

Die Publikation enthält ein Vorwort sowie Essays zu 54 Stichwörtern.

Nach einleitenden Worten, die sich rund um die Heraus- und Anforderungen an Betriebe und Unternehmen in turbulenten Zeiten sowie die Notwendigkeit eines frei von Irrungen und Wirrungen agierenden Managements drehen, widmet sich Fredmund Malik einschlägigen Stichwörtern zu Management, Führen und Leiten. Wir möchten im Folgenden einige herausgreifen, die er besonders pointiert behandelt.

In Bezug auf den Modebegriff „Leadership“ verneint Malik, dass dabei die Persönlichkeit von Menschen im Vordergrund steht. Auch reichten Rhetorik und Show auf Dauer kaum aus. Vielmehr stehe bei echten Leadern die Wirksamkeit im Vordergrund ihres Handelns.

Im Hinblick auf das Schlagwort „Führungsstil“ verweist er auf den Umstand, dass zwischen Stil und Ergebnissen keine Korrelationen vorliegen. Jegliches Dogma der Führungslehre sei „kritisch zu hinterfragen und möglicherweise über Bord zu werfen“. Allerdings sollten Menschen ohne Manieren in Führungsetagen keine Chance auf ein Weiterkommen haben: „Keine Karriere für Flegel“.

Fredmund Malik möchte in einem seiner Essays auch mit dem Missverständnis aufräumen, dass Management ausschließlich im Zusammenhang mit der Wirtschaft zu sehen sei, überdies sei Management nicht identisch mit Betriebswirtschaftslehre: „Alle Organisationen müssen zwar gemanagt werden, aber nicht alle brauchen Betriebswirtschaftslehre oder Business Administration. In Wahrheit ist es sogar eine Minderheit, die das braucht, und für manche wäre eine rein betriebswirtschaftliche Denkweise sogar ausgesprochen schädlich, etwa für Philharmonische Orchester, Schulen oder das Gesundheitssystem“. In einem weiteren Essay zu diesem Schlagwort stellt Malik klar, dass Missverständnisse häufig dadurch entstehen, dass Management- und Sachaufgaben nicht auseinandergehalten werden.

Im Kontext des Begriffes „Identifikation“ verdeutlicht er seine Sichtweise, dass die Forderung zwar plausibel klingt, Mitarbeitende sollten oder müssten sich mit ihrem Betrieb und den Produkten, ihrer Arbeit und den Visionen ihrer Unternehmung identifizieren. Dem hält er jedoch entgegen, dass es sich kaum um Identifikation im Sinne des psychologischen Fachbegriffes handeln kann, sondern vielmehr darum, „dass die Mitarbeitenden das Unternehmen, seine Tätigkeit und seine Produkte akzeptieren und sich dafür engagieren sollen – und auch stolz darauf sein können“. Keinesfalls sollte indes gefordert werden, dass im Sinne des psychologischen Fachverständnisses ein „emotionales Sichgleichsetzen mit einer anderen Person oder Gruppe und Übernahme ihrer Motive und Ideale in das eigene Ich“ erfolgt. In der Literatur zu diesem Thema gäbe es im Übrigen „keinen überzeugenden Hinweis darauf, dass Identifikation mit besserer Leistung zu tun hat oder mit etwas, was für das Unternehmen wichtig wäre“.

Diskussion und Fazit

In den oben stehenden Beispielen sollte deutlich geworden sein, dass Fredmund Malik gängige Begriffe und Floskeln des Managements ebenso akribisch wie kritisch analysiert und kommentiert. Angesichts der Flut an reißerisch betitelten Ratgebern zu erfolgreichem Management und deren zumindest zum Teil haarsträubend simplifizierenden Tipps ist es eine Wohltat, diese Essaysammlung von Malik (wieder) zu lesen. Er ist nach wie vor ein souveräner Kritiker der Management-Moden und ihrer publizistischen Auswüchse.

Fazit: Malik räumt auf.


Rezensent
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 16.03.2018 zu: Fredmund Malik: Gefährliche Managementwörter. Campus Verlag (Frankfurt) 2017. 2. komplett überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-593-50540-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23775.php, Datum des Zugriffs 20.04.2018.


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