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Nicole Pötter: Schulsozialarbeit

Cover Nicole Pötter: Schulsozialarbeit. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2018. 130 Seiten. ISBN 978-3-7841-2886-3. D: 20,00 EUR, A: 20,60 EUR.
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Thema

Das Buch bezieht sich thematisch auf das Handlungsfeld Schulsozialarbeit und wird im Prinzip durch zwei Themenblöcke strukturiert. Der erste Teil beschäftigt sich mit den grundsätzlichen Aspekten des Handlungsfeldes. Der Autorin gelingt es hier auf einer überschaubaren Anzahl von Seiten das grundlegende Profil zum Berufsbild von Schulsozialarbeiter_innen zu skizzieren. Im zweiten Teil erfolgen, entsprechend der Kategorisierung der Aufgaben von Schulsozialarbeit, praxisrelevante Fallbeschreibungen.

Herausgeberin

Nicole Pötter ist Professorin für Grundlagen der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Bildungsfragen an der Hochschule München. Sie war im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe in verschiedenen Funktionen tätig und publiziert seit mehreren Jahren schwerpunktmäßig zum Thema Schulsozialarbeit.

Entstehungshintergrund

Das Werk wurde in seiner ersten Auflage von Benjamin Lachat verfasst und zeichnet sich durch eine praxisnahe Kombination mit übergeordneten theoretischen Zusammenhängen und Falldarstellungen aus. Nicole Pötter aktualisierte das Werk vor allem durch: Querverweise zu wissenschaftlichen Diskurslinien und theoretischen Bezügen, Aktualisierungen von Daten, geschlechtersensible Sprache und inhaltlich thematisch Ergänzungen mit dem Abschnitt: „Interkulturelle Kompetenzen stärken – Raum für Identitätsfindung.“

Aufbau

1. Schulsozialarbeit – inmitten einer blühenden Bildungslandschaft. Eine visionäre Annäherung an das Thema

2. Schulsozialarbeit – ein Überblick über die aktuelle Situation dieses Handlungsfeldes der Sozialen Arbeit

  • Begriff
  • Aktueller Ausbaustand
  • Verortung als Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe
  • Schulsozialarbeit als Bildungsakteurin
  • Zielgruppen
  • Leistungsspektrum
  • Rechtlicher Rahmen
  • Grundsätze und Handlungsprinzipien
  • Rahmenbedingungen

3. Schulsozialarbeit – praktische Fallbeschreibungen und Erläuterungen relevanter Methoden und Handlungskonzepte

  • Einzelhilfe und Beratung in individuellen Problemsituationen
  • Sozialpädagogische Gruppenarbeit, Projekte und Arbeit mit Schulklassen
  • Innerschulische und außerschulische Vernetzung und Gemeinwesenarbeit
  • Offene Angebote für alle Schülerinnen und Schüler

4. Schlussbemerkung

Inhalt

Das erste Drittel des Buches bezieht sich auf die konkreten praxisrelevanten fachlichen Grundlagen des Handlungsfeldes. Über die Erzählung eines Schülers wird das Schulsozialarbeitsprofil idealtypisch – vor allem in Bezug auf die Heterogenität der Aufgaben – konturiert. Dann erfolgt eine praxistaugliche Annäherung zum Begriff, die über die bekannte Definition von Speck ausgeführt, aber auch kritisch reflektiert wird. Unter Berufung auf die aktuellsten Daten (GEW etc.) weist Nicole Pötter auf die länderspezifische Ausgestaltung und in diesem Zusammenhang bestehende Schwierigkeit einer quantitativen Datensammlung zur aktuellen Anzahl von Schulsozialarbeiter_innen im Bundesgebiet hin.

Danach wird das Handlungsfeld über das SGB VIII sowohl unter Betonung des anwaltschaftlichen Charakters der Dienstleistung als auch des sozialpädagogischen Blicks verortet. Hinzu kommt die Bildungsperspektive Sozialer Arbeit. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Bezeichnung der Schulsozialarbeiter_innen als „sozialpädagogische Bildungsakteur_innen“ (Pötter 2018, S. 26) in einer Bildungslandschaft, die in einem übergeordneten Konstrukt der Vernetzung „von Bildung, Erziehung und Betreuung“ (Weiß 2011, S. 181 zitiert nach Pötter 2018, S. 27) fungieren. Argumentativ (teils implizit) nimmt die Autorin hier eine Zuordnung des Berufsbildes zur Profession Sozialer Arbeit vor. Die Profilbildung wird über Zielgruppen, Leistungsspektrum und rechtliche Grundlagen fortgeführt.

Daran schließen Grundsätze und Handlungsprinzipien an, die sich analog der SGB VIII-Verortung und entsprechend der grundlegenden Handlungsmaximen von Fachkräften Sozialer Arbeit ebenfalls in die Profession Sozialer Arbeit einordnen bzw. dadurch das Profil fachlich weitergehend legitimieren. Das Kapitel wird über Rahmenbedingungen abgerundet. In diesem Zusammenhang greift die Autorin kursorisch auf den Wirkungsdiskurs zurück und plädiert für eine kooperative jeweils lokal individuell ausgestaltete Konzeptentwicklung der Akteur_innen um Schulsozialarbeit. Ein praxisnaher Grundriss eines solchen kooperativen Vorgangs schließt das erste Drittel.

Der zweite Teil des Buches ist durch praxisrelevante Beispiele gekennzeichnet, aus denen sukzessive grundlegende fachliche Dimensionen reflektiert werden. Insgesamt werden vier übergeordnete Aufgabenbereiche dargestellt:

  1. Einzelfallhilfe und Beratung in individuellen Problemsituationen: Im ersten Abschnitt wird die Rolle der Schulsozialarbeiter_innen als Alltagsbegleiter_innen hervorgehoben, die aufgrund des niedrigschwelligen thematischen Filters angemessen auf die individuelle Lebenswelt der Schüler_innen eingehen können. Der Aspekt des Vertrauens wird, im Kontext der Institution Schule, besonders hervorgehoben. Danach erfolgen Fallbeschreibungen zu Kriseninterventionen. Über Narrationen bzw. teilweise Interviewpassagen werden praxistaugliche Abläufe dargestellt. Des Weiteren wird auf die Kernaufgabe der konstruktiven Konfliktbearbeitung verwiesen (Mediation/Mobbing-Arbeit usw.). Das Beispiel zur Mediation wirkt besonders authentisch. Die Autorin verweist in diesem Zusammenhang mehrmals auf die Relevanz der Kooperation von Lehrkräften und Schulsozialarbeiter_innen. Zudem erfolgen kleine theoretische Akzentuierungen über Konfliktbearbeitungsprozesse. Das Kapitel schließt mit Kurz-Inputs zu Themen wie Berufsorientierung und Kollegialer Beratung. Über die exemplarischen Fallabläufe gelingt es der Autorin mehrfach, wichtige Grundsätze bzw. Kompetenzen, wie die Freiwilligkeit des Angebots, rechtlich notwendige Fähigkeiten, Interdisziplinarität etc. praxisnah aufzuzeigen. Dadurch entsteht trotz der Vielfalt der Aufgaben ein gedankliches Berufsbild von Schulsozialarbeit.
  2. Sozialpädagogische Gruppenarbeit, Projekte und Arbeit mit Schulklassen: Die Autorin offeriert hier einen Überblick zu den einzelnen thematischen Aufgaben Sozialer Arbeit mit Gruppen wie: Klassenrat, Schülermediator_innen-Ausbildung, Gewaltprävention oder Demokratielernen. Den insgesamt 9 Aufgaben ist gemein, dass auf einer überschaubaren Seitenzahl vielfältige ausgewählte Programme und Querverweise mit praxisrelevanten Beispielen dargestellt werden. Im Kern geht es sowohl um thematische als auch grundlegende Kompetenzvermittlung für Kinder und Jugendliche – die Steigerung der Selbststeuerungsfähigkeit in Verbindung mit Sozialkompetenz, Medienkompetenz etc. Besonders hervorzuheben ist der Aspekt der Interkulturellen Kompetenz, der zwar grundsätzlich kein Novum im Handlungsfeld Schulsozialarbeit, darstellt, aber (im Gegensatz zu zahlreichen anderen Einführungswerken) pointiert von NicolePötter aufgegriffen und anhand eines praxisnahen Beispiels hervorgehoben wird. Insgesamt verdeutlicht dieses Kapitel die primär präventive, aber auch interventive Ausrichtung der Schulsozialarbeit am Hintergrund der Heterogenität ihrer gruppenpädagogischen Aufgaben.
  3. Innerschulische und außerschulische Vernetzung und Gemeinwesenarbeit: Der dritte Abschnitt thematisiert die Vernetzungsarbeit. Anhand von Leitmaximen wie der ‚Öffnung der Schule nach außen‘ und der ‚Vernetzung mit Kooperationspartnern‘ werden über neun Aspekte sämtliche innerschulischen (z.B. Teamsitzungen kollegialer Austausch, Zusammenarbeit mit Eltern) und außerschulischen (z. B: Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung mit Kooperationspartnern) Aufgaben skizziert. Der Umfang des Kapitels ist sehr gering, sodass hier eher eine dem Berufsprofil dienliche Landkarte dargestellt wird.
  4. Offene Angebote für alle Schülerinnen und Schüler: Das abschließende ‚Mini-Kapitel‘; (etwa 4 Seiten) behandelt kursorisch offene Angebote wie Schüler_innencafés. Aus Sicht Sozialer Arbeit steht hier der niedrigschwellige offene Zugang zu Kindern und Jugendlichen bzw. das positive Schulklima im Mittelpunkt der Diskussion. Hier wird noch einmal deutlich, dass man versucht, sämtliche Aufgaben der Schulsozialarbeit zumindest überblickshaft in ihrer Heterogenität aufzuzeigen.

Das Buch schließt mit einem kritisch-konstruktiven Ausblick auf das Handlungsfeld und einer expliziten Zuordnung zur Profession Sozialer Arbeit.

Diskussion

Auf 130 Seiten gelingt es der Autorin, das Handlungsfeld Schulsozialarbeit zu skizzieren. Über die teils sehr kurzen Unterkapitel versucht sie, das gesamte Berufsbild darzustellen, was insgesamt gut gelingt.

Im ersten Drittel werden auf wenigen Seiten mit zahlreichen Querverweisen theoretische Elemente überblickshaft und praxistauglich vermittelt. Die Stärke des daran anschließenden Praxisteils besteht darin, dass unter Rückgriff auf sehr anschauliche Beispiele zu den einzelnen Aufgaben von Schulsozialarbeit die Grundsätze Sozialer Arbeit heraus gearbeitet werden. Die Leser_in erfährt dadurch konkret, was sozialarbeiterisches/sozialpädagogisches Handeln in akuten Berufssituationen von Schulsozialarbeit bedeutet.

Schließlich beeindruckt die – wenngleich kursorische – dennoch detaillierte Ausführung der Heterogenität der Aufgaben. Durch die viergliedrige Einteilung der Aufgabenfelder kann die Komplexität der Aufgaben soweit reduziert werden, dass ein umfassender Überblick entsteht, was der Informationsdichte der einzelnen Facetten keinen Abbruch tut. Das Buch vermittelt damit eine sehr konkrete Vorstellung vom Berufsbild der Schulsozialarbeiter_in und verbindet diese mehrfach bzw. dezidiert mit der Profession Sozialer Arbeit.

Sozialarbeiter_innen/Sozialpädagog_innen werden als die von der Ausbildung her geeigneten Fachkräfte vorgeschlagen, die als Generalist_innen der Heterogenität der Aufgaben gewachsen sind.

Fazit

Das Buch wird in der Kombination von Theorie und Praxis sowie der konkreten Transferleistung beider Aspekte zu einem besonders praxistauglichen Werk. Es eignet sich sowohl für Berufseinsteiger_innen, die sich das Berufsbild der Schulsozialarbeit neu erschließen, als auch für fortgeschrittene Fachkräfte, die hier nützliche Informationen, vor allem in Bezug auf grundlegende Handlungsmaximen und Aufgabenbereiche, finden. Da es sich um ein Einführungswerk handelt, bleiben detailliertere Informationen zu einzelnen theoretischen Kristallisationspunkten weitgehend aus bzw. werden über Querverweise weiterführende Quellen angegeben. Die Fallbeispiele eignen sich darüber hinaus für Hochschulseminare zur Kinder- und Jugendarbeit. Sie ermöglichen eine sehr anschauliche Vermittlung der Grundsätze Sozialer Arbeit über die konkrete Berufspraxis.


Rezensent
Hartmut Wild
Sozialpädagoge/Sozialarbeiter, Lehrkraft für besondere Aufgaben, Personzentrierter Berater
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Zitiervorschlag
Hartmut Wild. Rezension vom 17.05.2018 zu: Nicole Pötter: Schulsozialarbeit. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2018. ISBN 978-3-7841-2886-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23826.php, Datum des Zugriffs 18.11.2018.


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