socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Ansgar Marx: Familienrecht für soziale Berufe

Cover Ansgar Marx: Familienrecht für soziale Berufe. Ein Leitfaden mit Fällen, Mustern und Übersichten. Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft (Köln) 2018. 3., 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. 320 Seiten. ISBN 978-3-8462-0817-5. D: 24,80 EUR, A: 25,50 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Das vorliegende Buch ist ein Studienbuch. Sein Ziel ist es, Studierende und Praktiker der Sozialen Arbeit in die relevanten Themenbereiche des Familienrechts einzuführen.

Autor

Der Autor ist Professor für Zivil- und Familienrecht sowie Mediation an der Ostfalia, Hochschule für angewandte Wissenschaften.

Aufbau

Das Lehrbuch beginnt mit einer Einführung, der sich vier Teile anschließen. Zu Beginn werden verschiedene Arbeitshilfen aufgeführt (Quick Infos zu den einzelnen Bereichen, Übersichten, Arbeitshilfen und Verweise zu den Rechtsgrundlagen). Im Anhang ist eine aktuelle Düsseldorfer Tabelle abgedruckt sowie ein „Ampelbogen“ zum Vorgehen beim Verdacht auf Kindeswohlgefährdung. Ein Literatur- und Sachverzeichnis finden sich ebenfalls am Schluss des Buches.

Zur Einführung

In der Einführung erhält der Leser einen Überblick über die Grundlagen, Hintergründe und zentralen Begriffe des Familienrechts. Die Einführung hat zwei Abschnitte:

I. Familienrecht – ein Überblick

Der Abschnitt beginnt mit einem Überblick über die Geschichte des deutschen Familienrechts und deren zentralen Reformen. Er gibt sodann einen inhaltlichen Überblick über die zentralen Begriffe und wichtige Inhalte der einzelnen Materien, konkret:

  1. Der Begriff „Familie“ im Recht
  2. Die Struktur des materiellen Familienrechts
  3. Stellung der Familie im Grundgesetz
  4. Eheschließung und Ehewirkungen
  5. Ehescheidung
  6. Kindschaftsrecht
  7. Vormundschaft, Pflegschaft, Betreuung
  8. Eingetragene Lebenspartnerschaft

II. Ehe und Familie im Grundgesetz

Der zweite Abschnitt der Einführung reflektiert die verfassungsrechtlichen Vorgaben für Ehe und Familie. Er differenziert dazu zunächst die einzelnen Aspekte des grundrechtlichen Schutzes von Art. 6 GG aus und bezieht sie auf die Familie. Zuletzt widmet er sich dem aktuellen Spanungsfeld von Religionsfreiheit und Kindeswohl, das sich im Streit um die Beschneidung von Jungen konkretisiert.

Zum 1.Teil: Eltern – Kinder – Familie

In diesem Teil stellt der Autor die Grundlagen des Kindschaftsrechts dar. Folgende Bereiche werden behandelt:

I. Abstammungsrecht. Nach einer kurzen Darstellung der Genese des Abstammungsrechts, behandelt Marx zunächst die rechtliche Zuordnung von Kindern zu ihren Eltern (Mutterschaft, Vaterschaft, Anfechtung der Vaterschaft und gerichtliche Feststellung der Vaterschaft). In diesem Rahmen greift er auch kritisch und vertieft die Fragen der Reproduktionsmedizin, aber auch ganz praktische Fragen, etwa der Beweislast, auf.

In der Folge wird die Klärung der biologischen Abstammung behandelt. Zuletzt erfolgt eine vertiefte Befassung mit den familienrechtlichen Folgen künstlicher Fortpflanzung und dem Recht des Kindes auf Kenntnis der biologischen Abstammung.

II. Verwandtschaft und Schwägerschaft

III. Elterliche Sorge und Kindeswohl

In diesem Teil befasst sich der Autor zunächst mit den verfassungsrechtlichen Grundlagen. Folgende Aspekte werden vertieft aufgegriffen:

  1. Das Kindeswohl. Hier wird die rechtliche Relevanz des Kindeswohles aufgezeigt und der unbestimmten Rechtsbegriff konkretisiert.
  2. Formen des Sorgerechts. Auf dieser Basis werden die möglichen sorgerechtlichen Konstellationen dargestellt (Gemeinsame Sorge, Alleinsorge, kleines Sorgerecht).

IV. Personensorge und Aufsichtspflicht. In diesem Abschnitt erfolgt eine vertiefte inhaltliche Befassung mit den Anforderungen der Personensorge an die Eltern.

  1. Pflege und Erziehung. Zunächst werden die allgemeinen inhaltlichen erzieherischen Vorgaben an die Eltern dargelegt.
  2. Aufsichtspflicht. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Aufsichtspflicht, deren Entstehung und Anforderungen eingehend behandelt werden.
  3. Aufenthaltsbestimmungsrecht. Zuletzt werden die Relevanz des Aufenthaltsbestimmungsrechts, der Herausgabeanspruch und die Möglichkeit einer Verbleibensanordnung bei Pflegekindern erörtert.

V. Vermögenssorge und gesetzliche Vertretung. In diesem Abschnitt finden sich folgende Themen:

  1. Beschränkungen der Vermögenssorge
  2. Ordnungsgemäße und wirtschaftliche Verwaltung des Vermögens
  3. Genehmigungspflichtige Geschäfte
  4. Die gesetzliche Vertretung
  5. Ausschluss der gesetzlichen Vertretung

VI. Elterliche Sorge nicht verheirateter Eltern. Die Besonderheiten bei nicht miteinander verheirateten Eltern sind Gegenstand dieses Abschnitts. In diesem finden sich die möglichen sorgerechtlichen Konstellationen (Alleinsorge der Mutter, Gemeinsame Sorge) und deren Veränderungen. An letzter Stelle werden die Aufgaben des Jugendamtes in diesem Rahmen aufgegriffen.

VII. Elterliche Sorge bei Trennung und Scheidung. In diesem Abschnitt sind die Besonderheiten getrenntlebender bzw. in Scheidung lebender Eltern aufgegriffen, konkret:

  1. Grundkonzeption
  2. Beratungs- und Unterstützungsangebote
  3. Gemeinsame Sorge
  4. Übertragung der Alleinsorge
  5. Ausgestaltung der gemeinsamen Sorge nach Trennung und Scheidung
  6. Anhörungen
  7. Kriterien für eine Sorgerechtsentscheidung bei Antrag auf Alleinsorge
  8. Wohnmodelle getrennter Familien

VIII. Umgangsrecht. In diesem Abschnitt werden die einzelnen Umgangsrechte dargestellt inklusive dem Auskunftsanspruch und Fragen des Verfahrens.

  1. Umgang des Kindes mit den Eltern
  2. Umgang des Kindes mit anderen Bezugspersonen
  3. Rechte des leiblichen, nicht rechtlichen Vaters
  4. Auskunft über die persönlichen Verhältnisse des Kindes
  5. Vermittlungsverfahren

IX. Störungen im Eltern-Kind-Verhältnis.

  1. Einschränkungen der elterlichen Sorge. In diesem Abschnitt wird die Problematik eines Sorgerechtsausfalles – etwa durch Verhinderung eines Elternteils – aufgegriffen.
  2. Gefährdung des Kindeswohles. Sodann erfolgt eine vertiefte Auseinandersetzung mit Voraussetzungen und Folgen einer Kindeswohlgefährdung nebst den Aufgaben des Jugendamtes in diesem Fall.

X. Adoption. In diesem Abschnitt werden folgende Bereiche behandelt:

  1. Auftrag zur Adoptionsvermittlung
  2. Globalisierung der Adoption
  3. Adoptionsvoraussetzungen
  4. Adoptionsverfahren
  5. Besondere Adoptionsformen und Aufhebung

XI. Vormundschaft, Pflegschaft, Beistandschaft

XII. Rechtliche Betreuung. In diesem Abschnitt werden folgende Themen dargestellt:

  1. Bestellung des Betreuers
  2. Umfang der Betreuung und Auswahl des Betreuers
  3. Umfang der Vertretungsbefugnis
  4. Einwilligung in medizinische Behandlungen
  5. Beendigung der Betreuung

Zum 2. Teil: Ehe – Trennung – Scheidung

A. Die Ehe und ihre Wirkungen

I. Eheschließung. In diesem Abschnitt werden die Voraussetzungen der Eheschließung und Eheverbote behandelt, die formalen Anforderungen an die Trauung. Sodann werden folgende problematische Konstellationen aufgegriffen: Das Problem der „Scheinehe“, Zwangsehe, nichtige und aufhebbare Ehe.

II. Die Wirkungen der Ehe.

  1. Eheliche Lebensgemeinschaft
  2. Ehename
  3. Geschäfte zur Deckung des Lebensbedarfs
  4. Haftung
  5. Eheliches Güterrecht, Unterhalt, Ehewohnung und Hausrat

B. Ehescheidung

  1. Die Ehescheidung im historischen Kontext

  2. Scheidungsverfahren

  3. Scheidungsgründe

  4. Ehewohnung und Hausrat

  5. Güterrecht und Zugewinnausgleich

  6. Versorgungsausgleich

  7. Scheidungsmediation

C. Andere Familienformen

  1. Die eingetragene Lebenspartnerschaft

  2. Die Lebensgemeinschaft ohne Heirat

Zum 3. Teil: Unterhaltsrecht

A. Die Reform des Unterhaltsrechts

B. Kindesunterhalt. In diesem Abschnitt werden die Voraussetzungen für einen Unterhaltsanspruch, die Rangfolge mehrerer Unterhaltspflichtiger, Art und Umfang der Unterhaltsgewährung einschließlich Sonderfälle (Finanzierung einer Zweitausbildung, Wechselmodell) behandelt. Zuletzt wird das Unterhaltsvorschussgesetz dargestellt.

C. Ehegattenunterhalt. In diesem Abschnitt werden die Grundprinzipien des Ehegattenunterhaltes aufgeführt, die Unterhaltstatbestände eingehend dargestellt sowie Fragen der Bemessung, Reduzierung und Befristung des Unterhalts aufgegriffen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Berechnung des unterhaltsrechtlich relevanten Einkommens.

Zum 4. Teil: Verfahrensrecht – Internationales Familienrecht

A. Das familienrechtliche Verfahren – eine Orientierung

B. Internationales Familienrecht

  1. Bedeutung der internationalen Sozialarbeit

  2. Haager Kinderschutzübereinkommen.

Diskussion und Fazit

Die Veröffentlichung ist als Lehrbuch konzipiert. Ihm ist ersichtlich ein Anliegen, das Verständnis für die Materie und deren Wechselhaftigkeit zu schaffen. Dem dient zum einen die verfassungsrechtliche Einbettung vieler Aspekte, die vielen Überblicke, aber auch historischen Einordnungen. Die Aufnahme aktueller Fragen ist ebenfalls ein großes Anliegen. Durchgehend werden in die Darstellung jeweils aktuelle Diskussionen fokussiert beleuchtet, so etwa im Bereich der Erziehung (Beschneidung von Jungen) oder im Abstammungsrecht (Auswirkungen der Fortpflanzungsmedizin auf die Zuordnung von Kindern zu ihrer Mutter).

Der Blick des Sozialarbeiters auf das Familienrecht erfolgt im Regelfall durch die Brille des Jugendamtes. Dem wird dadurch Rechnung getragen, dass überall dort, wo es eine Rolle spielt die Aufgaben des Jugendamtes mit in die Darstellung eingebunden werden.

Eine Vielzahl von Fällen illustrieren die rechtlichen Strukturen, machen sie lebendig und ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Materie. Sie erlauben dem Studierenden dadurch zugleich eine Lernkontrolle. Eine Vielzahl von Übersichten (Quick Infos) und Schautafeln bündeln die Breite der Fakten. Viele Fallbeispiele, Musteranwaltsschreiben und Auszüge aus Gerichtsentscheidungen zeigen die praktische Relevanz der rechtlichen Regelungen auf und ermöglichen ein vertieftes Verständnis der Materie.


Rezensentin
Prof. Dr. Annegret Lorenz
Professorin für Recht mit Schwerpunkt Familien-, Betreuungs- und Ausländerrecht am Fachbereich Gesundheits- und Sozialwesen der Hochschule Ludwigshafen am Rhein
E-Mail Mailformular


Alle 21 Rezensionen von Annegret Lorenz anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Annegret Lorenz. Rezension vom 02.03.2018 zu: Ansgar Marx: Familienrecht für soziale Berufe. Ein Leitfaden mit Fällen, Mustern und Übersichten. Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft (Köln) 2018. 3., 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-8462-0817-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23849.php, Datum des Zugriffs 13.12.2018.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung