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Viktor Mayer-Schönberger, Thomas Ramge: Das Digital (Datenkapitalismus)

Cover Viktor Mayer-Schönberger, Thomas Ramge: Das Digital. Markt, Wertschöpfung und Gerechtigkeit im Datenkapitalismus. Econ (München) 2017. 303 Seiten. ISBN 978-3-430-20233-6.
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Thema

In der Vielzahl von Beiträgen zur digitalen Revolution und Transformation setzt das Buch von Mayer-Schöneberger und Thomas Range einen wertvollen Impuls in einer vielschichtigen Debatte. Neben Fragen zur Zukunft der Wirtschaft in einer datenbasierten Gesellschaft wird mit einer grundlegenden Analyse von aktuellen Marktentwicklungen das aktuelle Spannungsverhältnis von analogen und digitalen Märkten betrachtet. Ergänzend zu der ökonomischen Analyse wird dabei auch ein Rahmen für eine künftige Marktgestaltung gesetzt. Im Vergleich zu anderen Autoren in dieser Debatte, wie z.B. Jeremy Rifkin oder Colin Crouch werden weniger die Veränderungen auf das politische System von Demokratien betrachtet, sondern im Anklang an Karl Marx, steht das Verhältnis von Kapital und Arbeit im Fokus.

Autoren

Der frühere Harvard- und aktuelle Oxford-Professor Viktor Mayer-Schönberger arbeitet am Oxford Internet Institute und forscht zu Fragen der Internet-Governance. In mehreren wissenschaftlichen Beiträgen setzte er sich bereits frühzeitig mit den Auswirkungen von Big Data und Datenschutz auseinander.

Thomas Range ist Wissenschaftsjournalist und arbeitet für das Wirtschaftsmagazin brand eins. Ebenso schreibt Range für The Economist und unterstützt die deutsch-amerikanischen Analytics-Firma QuantCo als „Chief Explaining Officer“.

In dieser Zusammenarbeit gelingt es den beiden Autoren trotz der teilweise technischen und komplexen Materie den Leser mitzunehmen und auch Einsteigern das nötige Wissen zu vermitteln.

Aufbau und Inhalt

Zum 200. Geburtstag von Karl Marx im Jahr 2018 ist es nicht nur Zufall, dass der Titel von Viktor Mayer-Schönberger und Thomas Range eine Anspielung an das Hauptwerk von Marx ist.

Das Buch ist in zehn Kapitel aufgebaut, die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Das Buch leitet mit einer Erklärung zum „Datenkapitalismus“ ein und greift die Argumente aus unterschiedlichen Perspektiven auf. Zentral sind dabei die Kapitel „Unternehmen“, „Geld“, „Arbeit“ und „Freiheit“, mit denen ein Argumentationsstrang verdichtet wird. Mit „Das Digital“ wird gleichzeitig der Anspruch erhoben, einen ökonomisch-gesellschaften Entwurf unter den neuen Bedingungen des „Datenkapitalismus“ zu formulieren. In zehn Kapitel werden die unterschiedlichen Ebenen und Perspektiven der neuen ökonomischen Rahmenbedingungen eines Datenkapitalismus erfasst und in einer umfassenden Argumentation verdichtet. Im Mittelpunkt steht dabei die Analyse einer sich verschiebenden Marktorganisation. Mayer-Schönberger und Range machen dies am Beispiel der Preisfunktion nachvollziehbar. Stellten früher Preise ein stark aggregiertes Signal für Knappheit und Präferenzen von vielen einzelnen Transaktionen dar, so wird durch die gegenwärtige Anbahnung und Erfassung von Transaktionen dieser Mechanismus neu definiert. Forciert wird dies in seiner gegenwärtigen Form besonders durch unterschiedliche Plattformen, wie zum Beispiel Amazon.

In der Konsequenz bedeutet dies für Mayer-Schönberger und Range, dass weniger Unternehmen benötigt werden, um als Institutionen die Transaktionskosten von dezentralen Märkten zu reduzieren und Unternehmen in ihrer Funktion als Koordinatoren von Arbeit an Bedeutung verlieren. Vorteile aus dieser Entwicklung sehen die Autoren in einer Steigerung der Allokation von Ressourcen. Diese Grundannahmen sind durchaus mit den Thesen des Akzelerationismus im Einklang. Gleichzeitig wird die positive Konnotation, welche durchaus bei den Akzelerationisten überwiegt, nicht vollständig mitgetragen. Die Autoren sehen in der Konzentration der aktuellen großen Datenunternehmen, Google, Facebook, Amazon eine Gefahr. Eine solches Monopol stelle vielmehr ein Innovationshemmnis dar, als dass es die Entwicklungen beschleunige.

Daraus leiten die Autoren auch eine zentrale politische Forderung ab. Für eine „digitale soziale Marktwirtschaft“ wird ein neuer Zugang zu Daten benötigt. Der Ansatz, den die Autoren verfolgen, ist dabei angelehnt an eine Open-Source Strategie. Mit einer Data-Sharing-Pflicht soll diesem Monopol entgegengewirkt und der Neueitritt von Unternehmen besser ermöglicht werden.

Fazit

In vielen Aspekten wird das Buch seinem Anspruch gerecht, eine umfassende wirtschafts- und gesellschaftspolitische Idee zu entwickeln. Besonders die Analyse ist aufschlussreich, detailliert und anschaulich werden die Zusammenhänge für ein Verständnis der aktuellen Entwicklungen dargestellt. Der Fokus auf Daten als Ersatz für Preise und der Wandel der Marktmechanismen stellen durchaus einen neuen Aspekt in der Debatte zur Veränderung der digitalen Wirtschaft dar. Mit den politischen Forderungen bleiben die Autoren jedoch hinter dem Referenzwerk im Hinblick auf ein neues Wirtschaftsmodell und dessen Umsetzungsschritte deutlich zurück.


Rezensent
Christoph Schnabel
perpuls GmbH
Homepage www.perpuls.de
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Zitiervorschlag
Christoph Schnabel. Rezension vom 03.05.2018 zu: Viktor Mayer-Schönberger, Thomas Ramge: Das Digital. Markt, Wertschöpfung und Gerechtigkeit im Datenkapitalismus. Econ (München) 2017. ISBN 978-3-430-20233-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23854.php, Datum des Zugriffs 23.10.2018.


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