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Egon Freitag: Lexikon der Kreativität

Cover Egon Freitag: Lexikon der Kreativität. Grundlagen - Methoden - Begriffe. Expert Verlag (Renningen) 2018. 259 Seiten. ISBN 978-3-8169-3299-4. D: 40,00 EUR, A: 41,20 EUR.
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Das kreative Zeitalter ist angebrochen?

Ist es mehr Wunschtraum als Realität, dass der anthrôpos, der mit Vernunft ausgestattete, nach einem guten Leben strebende Mensch durch seinen aufrechten Gang nicht nur in der Lage und fähig ist, in Gemeinschaft mit den Mitmenschen human zu existieren, sondern auch durch seine Neugier und Handfertigkeit kreativ zu sein? Creare, das schöpferische Tun, hat seit Jahrtausenden einen süßen Klang, wie gleichzeitig ein Versprechen, dass kreatives Schaffen Menschsein zu ungeahnten Höhen befördert, Emanzipation und Freiheit ermöglicht und zu einer „Ästhetisierung des Sozialen“ führt. Der an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder lehrende Kultursoziologe Andreas Reckwitz spricht vom „Kreativitätspositiv“, wenn es darum geht, die Bedeutung und die Möglichkeiten des kreativen Denkens und Handelns der Menschen zu betrachten: „Das Neuartige im Sinne des Kreativen ist dann nicht lediglich vorhanden wie eine technische Errungenschaft, es wird vom Betrachter und auch von dem, der es in die Welt setzt, als Selbstzweck sinnlich wahrgenommen, erlebt und genossen“ (Andreas Reckwitz, Die Erfindung der Kreativität, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/14393.php).

Entstehungshintergrund und Autor

Das „kreative Zeitalter“ sei angebrochen, so hat es der US-amerikanische Ökonom und Soziologe Richard Florida 2004 angekündigt. Die durch die sich immer interdependenter, entgrenzender und globaler entwickelnden (Einen?) Welt wäre Kreativität zu einem wichtigen, lokalen und globalen Wettbewerbsfaktor, ja sogar zum Motor für Überleben der Menschheit, geworden. Beim „schöpferischen Akt“, der bisher eher auf den Feldern der traditionellen Künste Bedeutung hatte, „entscheiden Kreativität und Innovation heute zunehmend über den Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens am Markt“. Diese Engführung freilich wird dem Wert der menschlichen Kreativität nicht gerecht. Denn: Kreativität ist mehr als ökonomischer Gewinn! Und muss mehr sein als Anschub für wirtschaftliche Karriere, Gewinn und Aufstieg!

Es ist deshalb irritierend und einseitig, wenn der wissenschaftliche Autor Egon Freitag das erste „Lexikon der Kreativität“ mit dem Hinweis vorlegt, er wende sich vornehmlich damit an „Manager, Ingenieure, Techniker und Designer“. Die Fokussierung auf die ökonomischen Aspekte des Weltzustandes schmälert den Anspruch des Autors, dass das „Lexikon der Kreativität ( ) fundierte Kenntnisse für Studium und Beruf, für Karriere, Erfolg und Selbstverwirklichung (vermittelt), um im globalen Wettbewerb zu bestehen“. Angesichts der Auswahl der alphabetisch geordneten lexikalischen Begriffe aus den Bereichen des wissenschaftlichen Diskurses und der Kreativitätsforschung, wie auch der Literatur- und Stichworthinweise, zeigt sich nämlich, dass es dem Autor gelingt, „den historischen und aktuellen Wissensstand der Kreativitätsforschung terminologisch darzustellen“. Es ist der Anspruch, zu Fragen und Problemen der kreativen Persönlichkeit, zu den kreativen Prozessen und Produkten, zur praktischen Kreativität und den theoretischen Grundlegungen, Begriffe und Phänomene zu präsentieren, die sich als Füllhorn der wissenschaftlichen Diskussion zu den Aspekten des Kreativen zeigen. Der US-amerikanische Philosoph John Dewey (1859 – 1952) hat die Fülle, die Bedeutung und die Chancen der kreativen Kräfte der Menschen so ausgedrückt: „Herauszufinden, wozu man sich eignet und eine Gelegenheit zu finden, das zu tun, ist der Schlüssel zum Glücklichsein“.

Aufbau und Inhalt

Die Begriffsauswahl in alphabetischer Reihenfolge bietet einen Überblick über kreatives Denken und Problemlösungen an. Es sind Begriffe, die beim wissenschaftlichen Arbeiten zur Vergewisserung, zum Weiterdenken und zur Verifizierung oder Falsifizierung dienen und beim alltäglichen, praktischen Denken und Tun als Stützpfeiler, Wegweiser und Warnsignale verwendet werden können. Es ist ein Nachschlagewerk, das auch für Kundige und mit der Materie Vertraute neue Aspekte und überraschende „Aha-Erlebnisse“ bereithält; z.B.

bei A:

  • „Ambiguitätstoleranz“, aber auch
  • „Aufmerksamkeit“;

bei B:

  • „Basadurs Drei-Phasen-Modell des kreativen Prozesses“, aber auch
  • „Begeisterung“;

bei C:

  • „Chaos“ und
  • „Concept Mapping“;

bei D:

  • die „Delphi-Methode“ und das
  • „Diffusionsmodell“;

bei E:

  • „Empowerment“ und
  • „Enthusiasmus“;

bei F:

  • „Fish-bone-diagram“ und
  • „Flow-Erlebnis“;

bei G:

  • „Galerie-Methode“ und
  • „Gipfelerfahrung“;

bei H:

  • „Homo faber“ und
  • „Hybrid Thinking“;

bei I:

  • „Ideation“, natürlich
  • „Intelligenz“;

bei K:

  • „Kaizen“ und die zahlreichen
  • „Kreativ“-Verbindungen;

bei L wie

  • „laterales Denken“ und
  • „Little-c to Big C“;

bei M:

  • „Monitoring“ und
  • „Multitasking“;

bei N:

  • „Neugier“;

bei O:

  • „Open Space“;

bei P:

  • „Perseverationstendenz“;

bei R:

  • „Radiales Denken“;

bei S:

  • „Satisfiers“ und
  • „Serendipidität“;

bei T:

  • „TAT“ und
  • „TRITZ“;

bei U:

  • „Uniquability“;

bei V:

  • „Virtuosität“;

bei W:

  • „Walt-Disney-Strategie“;

bei Z:

  • „Zukunftslabor“.

Der Autor verweist bei der Begriffsaufzählung auch auf KreativitätsforscherInnen und WissenschaftlerInnen, die zur Thematik geforscht und geschrieben und die wissenschaftliche Entwicklung in der Kreativitätsforschung vorangebracht haben. Bei den in der Schrift herausgehobenen Begriffen werden die Erläuterungen und einführenden Erklärungen in Schriftform und -Größe von den Zitaten aus den Literaturhinweisen abgehoben. Das hilft beim Gebrauch des Lexikons. Hervorzuheben ist auch die buchbinderische Qualität des Handbuchs und der stabile und nutzungsfeste Einband.

Fazit

Die im Buchumschlag gewählte, farbige Abbildung – eine zwischen Atmosphäre und Boden schwebende, auf die Spitze gestellte Pyramide, eintauchend wie wolkenverhangen – vermittelt den Leser einen Eindruck des Geheimnisvollen, Verdeckten und gleichzeitig Ahnbaren, von Gipfelerlebnissen und gelingender wie misslingender Selbstverwirklichung. In der wissenschaftlichen, psychologischen und Kognitionsforschung wird mittlerweile von der „Wissenschaft kreativer Intelligenz“ (Howard Gardner) gesprochen, was bedeutet, dass die Auseinandersetzungen mit „Kreativität“ im transkulturellen Diskurs als intellektuelle Herausforderung zu verstehen ist. Das erste „Lexikon der Kreativität“ ist ein guter und hilfreicher Baustein daf


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 02.02.2018 zu: Egon Freitag: Lexikon der Kreativität. Grundlagen - Methoden - Begriffe. Expert Verlag (Renningen) 2018. ISBN 978-3-8169-3299-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23875.php, Datum des Zugriffs 26.05.2018.


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