socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Klaus Riekenbrauk: Strafrecht und Soziale Arbeit

Cover Klaus Riekenbrauk: Strafrecht und Soziale Arbeit. Einführung für Studium und Praxis. Luchterhand Fachverlag (Köln) 2018. 5., überarbeitete Auflage. 368 Seiten. ISBN 978-3-472-09508-8. D: 33,00 EUR, A: 34,00 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Gegenstände des Buchs sind Strafrecht, Strafprozessrecht, Jugendstrafrecht und Kriminologie.

Autor

Dr. jur Klaus Riekenbrauk ist Rechtsanwalt und emeritierter Professor an der Hochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften. Seine Arbeitsgebiete sind: Strafrecht, Jugendstrafrecht, Jugendhilferecht und Menschenrechte. Er ist zudem Vorsitzender der Brücke e.V., einer Einrichtung der Jugendstraffälligenhilfe in freier Trägerschaft.

Entstehungshintergrund

Das Lehrbuch „Strafrecht und Soziale Arbeit“ soll zum Einen Studierenden der Sozialen Arbeit dazu dienen, einen Zugang zum Strafrecht zu erhalten und zum Anderen PraktikerInnen ein Verständnis für und einen kritischen Blick auf diesen Komplex zu verschaffen. In der 5. Auflage werden Gesetzesänderungen seit 2011 eingearbeitet. Dazu zählen Änderungen im Sexualstrafrecht, zum Menschenhandel, Erweiterungen des Opferschutzes und die Einführung der psychosozialen Prozessbegleitung, Regelungen zur Sicherheitsverwahrung, Hinweise auf ausländerrechtliche Auswirkungen straffälligen Verhaltens und die Einführung des Warnschussarrests im Jugendstrafrecht.

Aufbau

Den Ausführungen vorangestellt sind: Inhaltsverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis, ein über 300 Titel umfassendes Literaturverzeichnis, eine Auswahl bundesweiter Organisationen, Projekte, Adressen und Websites im Bereich Kriminologie, Strafrechtswissenschaft und Straffälligenhilfe sowie ein Überblick über einschlägige Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote im Bereich Kriminologie und Straffälligenhilfe. Im Schlusssteil findet sich ein Stichwortverzeichnis. Die Ausführungen sind in fünf Teile untergliedert, in denen sich bis zu sechs Kapitel, insgesamt 20, befinden. Jedes Kapitel beginnt mit einem Hinweis auf einschlägige Literatur und einer Kapitelübersicht; verwendet werden Randnummern. Der Gesamtumfang beträgt 368 Seiten.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Teil 1 Überblick/Allgemeine Grundlagen umfasst die Kapitel

  1. Allgemeine Ausführungen in das strafrechtliche Arbeiten vom Charakter eines juristischen Propädeutikums,
  2. Wozu strafen? – Strafrechtstheorien und Kriminalpolitik und
  3. Grundzüge der Kriminologie, das sich mit dem Erscheinungsbild (Statistiken) und Ursachen befasst.

Dem folgt Teil 2 Straftat und Strafverfahren beginnend mit dem

  • Kapitel 4 Die Lehre von der Straftat; behandelt werden hier im Wesentlichen Fragen zu Tatbestand, Rechtswidrigkeit und Schuld.
  • Unter der Überschrift Die Rechtsfolgen der Straftat werden in Kapitel 5 neben den Strafen die Maßregeln der Besserung und Sicherung beschrieben, wobei auch (berufs-)praktische Aspekte wie die Arbeit der Bewährungshilfe und die Ausgestaltung der Sicherheitsverwahrung (ThUG) thematisiert werden.
  • Kapitel 6 befasst sich mit den Akteuren des Strafverfahrens. Dabei wird auch das neue Handlungsfeld der Psychosozialen Prozessbegleitung vorgestellt, bevor in
  • Kapitel 7 Das Strafverfahren ein Überblick über die wichtigsten Prinzipien und Verfahrensabschnitte der Strafverfolgung gegeben wird.
  • Den Abschluss machen Ausführungen zu den Rechtsbehelfen (Kapitel8) und zur Entschädigung für Strafverfolgungsmaßnahmen (Kapitel 9).

In Teil 3 Maßnahmen und Verfahren nach der Verurteilung werden in

  • Kapitel 10 unter der Überschrift Strafvollstreckung und in
  • Kapitel 11 die Registrierung von Strafen (BZRG) und DNA-Identitätsfeststellung thematisiert und dann
  • der Strafvollzug (Kapitel 12) vorgestellt; hier ist der Sozialen Hilfe ein eigenes Unterkapitel gewidmet.
  • Den Abschluss bildet Kapitel 13 Gnadenrecht.

Teil 4 Deliktsbereiche und Personengruppen mit besonderer Bedeutung für die Soziale Arbeit umfasst die Kapitel 14 bis 19.

  • Kapitel 14 Jugendstrafrecht enthält die Unterpunkte Anwendung und Rechtsfolgen des JGG, Diversion, Besonderheiten im Jugendstrafverfahren und Jugendgerichtshilfe.
  • In Kapitel 15 Drogenstrafrecht finden sich neben den Strafvorschriften des BtMG auch Ausführungen zum Grundsatz „Therapie statt Strafe/Strafvollzug“.
  • In Kapitel 16 § 218 StGB ist ein Unterkapitel dem Berufsfeld der Schwangerschaftskonfliktberatung gewidmet.
  • Unter der Überschrift Sexualstrafrecht (Kapitel17) werden die Straftatbestände gegen die sexuelle Selbstbestimmung mit den jüngsten Neuerungen, die Prostitution und der Umgang mit Sexualstraftätern erörtert.
  • Kapitel 18 Opferschutz thematisiert strafprozessuale Befugnissen von Geschädigten und Schutzvorschriften; im Einzelnen sind dies die Opferbetreuung, die psychosoziale Prozessbegleitung, zivilrechtliche Schadenersatzansprüche und Adhäsionsverfahren, staatliche Opferentschädigung, Schadenwiedergutmachung sowie Restorative Justice und Täter-Opfer-Ausgleich.
  • Ausländerrecht und Strafrecht (Kapitel 19) schließen diesen Teil ab, wobei es inhaltlich um die ausländerrechtlichen Konsequenzen strafbaren Handelns, nicht um Straftaten nach dem Asylverfahrens- oder Aufenthaltsgesetz geht.

Den Abschluss bildet Teil 5 Die AkteurInnen der Sozialen Arbeit als Adressatinnen des (Straf-)Rechts mit

  • Ausführungen zu (Straf-)rechtlichen Bedingungen der Sozialen Arbeit (Kapitel 20). Hier wird nicht nur auf relevante Vorschriften des StGB (strafrechtlicher Geheimnisschutz) und der StPO (Zeugenpflichten) eingegangen, sondern auch Bezug zu relevanten den Normen des KKG, SGB I, VIII und X genommen. Dies wird spezifiziert nach den Berufsfeldern der Sozialen Arbeit im Bereich der Straffälligenhilfe wie beispielsweise Bewährungs- und (Jugend-)Gerichtshilfe.

Diskussion

Das Lehrbuch gibt einen Überblick zu relevanten Vorschriften aus dem Bereich des Strafrechts. Dazu gehören auch die für die Soziale Arbeit wichtigen Regelungen des Opferschutzes, wie sie durch das 3. Opferreformgesetz geändert wurden und berufspraktische Fragen, zu denen sich Ausführungen im abschließenden Teil finden. Dass zunächst in Teil 1 eine allgemein juristische wie kriminologische Einführung erfolgt, ist zu begrüßen.

Der wichtige Bereich „Menschhandel“ wird im Kapitel 17 „Sexualstrafrecht“ thematisiert, wo er früher auch verortet war. Heute zählt er – wie in der Publikation erwähnt – zu den Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Wünschenswert wäre Teil 4 „Deliktsbereiche“ noch um diesen Bereich zu ergänzen und auch die Zwangsverheiratung und die Nachstellung (Stalking) aufzunehmen.

Gewinnbringend ist, dass sich die – auch ohne diesen Teil bereits umfassenden – Ausführungen nicht auf die Darstellung und Erläuterung der Paragraphen beschränken, wobei hier sowohl einschlägige Literatur als auch richtungsweisende Rechtsprechung herangezogen werden. Vielmehr werden die einzelnen Themen mit statistischen Angaben belegt, wodurch gleichzeitig ein faktenbasiertes Bild der Strafrechts(hilfe)praxis gezeichnet wird. Das besondere Augenmerk liegt dabei immer wieder bei den Aufgaben der Sozialen Arbeit und dem Aufzeigen der Arbeitsfelder mit ihren konkreten Herausforderungen. In nahezu allen Kapiteln wird dieser Bezug hergestellt und es werden relevante Informationen eingestreut, wie beispielsweise die Standards der Bewährungshilfe.

Fazit

Insgesamt liest sich das informative und faktenreiche Lehrbuch interessant und spannend. Seinem Anspruch sowohl für das Studium, als auch für die Praxis geeignet zu sein, wird es dabei gerecht. Es vermag einen ersten Überblick und grundlegendes Wissen zu verschaffen, aber auch als „Nachschlagewerk“ beim Auftreten konkreter Fragen zu dienen und ist deshalb unbedingt empfehlenswert.


Rezensentin
Prof. Dr. Ulla Törnig
Jg. 1967, Dr. jur., seit 2002 Professorin an der Hochschule Mannheim, Fakultät für Sozialwesen, für die Lehrgebiete Kinder- und Jugendhilferecht, Familienrecht, (Jugend-) Strafrecht, zuvor Berufserfahrung als Rechtsanwältin, Konfliktschlichterin (Täter-Opfer-Ausgleich) und wissenschaftliche Angestellte am Institut für Kriminologie der Universität Heidelberg. Seit 1997 Vorsitzende des Dialog e.V. Heidelberg, einer Einrichtung der Straffälligenhilfe in freier Trägerschaft zur Durchführung des Täter-Opfer-Ausgleichs im Jugendbereich.
E-Mail Mailformular


Alle 4 Rezensionen von Ulla Törnig anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Ulla Törnig. Rezension vom 15.06.2018 zu: Klaus Riekenbrauk: Strafrecht und Soziale Arbeit. Einführung für Studium und Praxis. Luchterhand Fachverlag (Köln) 2018. 5., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-472-09508-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23880.php, Datum des Zugriffs 18.07.2018.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Stellenangebote

Referent/in Studienorganisation, Mühldorf a. Inn

stellvertretende/r Geschäftsführer/in, Berlin

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!