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Ulrike Urban-Stahl, Maria Albrecht u.a.: Hausbesuche im Kinderschutz

Cover Ulrike Urban-Stahl, Maria Albrecht, Svenja Gross-Lattwein: Hausbesuche im Kinderschutz. Empirische Analyse zu Rahmenbedingungen und Handlungspraktiken in Jugendämtern. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2017. 128 Seiten. ISBN 978-3-8474-2100-9. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR.
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Thema

Die Kinder- und Jugendhilfe ist, besonders nach dem „neuen“ KJHG, bzw. SGB VIII, für die Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit von besondere Bedeutung. Einige Autoren sahen in der Gesetzesreform die Chance einer Professionalisierung ( vgl. z.B. Bohler 2006), nach Hildenbrand (2014 c) wurde diese Chance jedoch verpasst. Zumindest vom Anspruch her, soll sich die professionelle Haltung der Jugendhilfe von einer stärker paternalistischen zu einer stärker partnerschaftlichen gewandelt haben. Die Forschungsgruppe um Bruno Hildenbrand untersuchte Fälle von Hilfen zur Erziehung und zum Kinderschutz in verschiedenen Bundesländern (vgl. Hildenbrand 2007) Im 1990/1991 eingeführten neuen Jugendhilferecht ist eine stärkere Beteiligung der Betroffenen vorgesehen. Aus den Entscheidungsbetroffenen sollen Anspruchsberechtigte werden, die unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Hilfen zur Erziehung haben. Zur Umsetzung kann man jedoch mit Messmer feststellen: „ Anspruch und Wirklichkeit der Hilfeplanung klaffen den vorliegenden Erfahrungsberichten und Forschungsbefunden zufolge weit auseinander“ (Messmer 2004, S. 86).

Die „Vollzugswirklichkeit“ der Kinder- und Jugendhilfe in Hilfeplangesprächen war Gegenstand eines konversationsanalytischen Projektes an der Universität Bielefeld zu Hilfeplangesprächen (vgl. Messmer/Hitzler 2007, 2008). Köttgen (2007) beschrieb u.a. Biographien von Kindern und Jugendlichen zwischen Heimen und Psychiatrie. Allgemein stellt sich die Frage nach den Auswirkungen der Entscheidungen des Jugendamtes auf die Biographien der Kinder und Jugendlichen. Die Grundlagen für diese Entscheidungen sind manchmal nicht günstig (vgl. Müller 2016, S. 120 ff.; Bohler/Schierbaum 2010) Der Kinderschutz wurde nach einigen Skandalen in der Presse und der Wissenschaft stärker diskutiert. Hildenbrand (2014a, b) zum Beispiel kritisiert einige Reaktionen der Jugendämter als überzogen. Unter Umständen wird sehr weitgehend in die Grundrechte von Eltern mit der Begründung eingegriffen, dass ansonsten das Wohl des Kindes gefährdet sei. In diesem Band geht es um Gespräche im Kontext des Kinderschutzes. Dabei kann es sich um eine Form von Zwangskommunikation handeln, die sich von anderen Formen der Hausbesuche unterscheidet. Ein Ziel ist die Ermittlung eines Sachverhaltes, wenn ein Verdacht vorliegt.

Autorinnen

  • Ulrike Urban-Stahl ist Professorin im Arbeitsbereich Sozialpädagogik an der Freien Universität Berlin.
  • Maria Albrecht ist Mitarbeiterin an der Universität Trier
  • Svenja Gross-Lattwein ist Mitarbeiterin bei Jugendamt des Landkreis Uckermark

Aufbau und Inhalt

Dargestellt werden die Ergebnisse eines Forschungsprojekts, das von 2013 bis 2015 im Auftrag des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt wurde. Der Band hat den Aufbau eines typischen Forschungsberichtes. Nach einem theoretischen Teil ( Kapitel 2) wird das methodische Vorgehen (Kapitel 3) dargestellt. Es folgt ein längeres Kapitel 4 mit der Darstellung der Ergebnisse. Kapitel 5 ist dann eine Diskussion zu Entwicklungsbedarfe im Hausbesuch. Das vollständige Inhaltsverzeichnis findet sich unter https://d-nb.info/1131368908/04.

Im theoretischen Kapitel 2 zu Hausbesuchen wird zunächst auf die Geschichte von Hausbesuchen in der Sozialen Arbeit eingegangen. Ein Problem zum Stand der Forschung ist, dass es eigentlich um ganz unterschiedliche Settings geht. Ein Hausbesuch zur Ermittlung von Hilfebedürftigkeit durch einen Armenpfleger oder der Besuch einer Familienhelferin sind zum Beispiel schwer vergleichbar mit einem Hausbesuch zur Überprüfung, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt (S. 14). Eingegangen wird dann auf die Ambivalenzen des Hausbesuchs (u.a. Eingriff in die Privatsphäre, mögliche Konsequenz für Betroffenen). Die Autorinnen stellen fest, dass sich das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle durch das Aufsuchen der Klientinnen zuspitze. Ob man dann allerdings noch sagen kann, die Fachkräfte seien in einer „Gastrolle“, möchte der Rezensent bezweifeln. Ein Gast wird immer eingeladen oder muss darum bitten, eingeladen zu werden. Der „ungebetene Gast“ ist eher ein Eindringling. Die komplementären Erwartungen an Gast und Gastgeber passen wohl nicht zu diesem Setting. Eingegangen wird am Ende des Kapitels auf die (u.a. politische) Diskussion um Hausbesuche im Kontext des Kinderschutzes.

Die Autorinnen wählten eine Kombination von quantitativen und qualitativen Methoden. Nach der Erfahrung des Rezensenten sind bei den qualitativen Verfahren die Stichproben etwas groß, was abkürzende Analyseverfahren nahelegt. Wenn Repräsentativität sowieso nicht erreichbar ist, kann man auch mit etwas kleineren Stichproben arbeiten. Eingesetzt wurde eine standardisierte Befragung aller Jugendämter (Rücklauf 68 %) eine Dokumentenanalyse von 113 Dienstanweisungen, eine Aktenanalyse von 62 Jugendamtsakten und die Analyse von 20 qualitativen Interviews. Die Autorinnen weisen daraufhin, dass in Akten die Wirklichkeit selektiv dargestellt werde. Nach Ansicht des Rezensenten könnte man sogar von einer besonderen Wirklichkeit, die sich an bestimmten Adressaten orientiert, sprechen (vgl. Wolff 1995, Wolff, Müller 1997 Teil III).

Die Darstellung der Ergebnisse ist nach vier Schwerpunkten gegliedert. Begonnen wird mit Verfahren und Regelungen bei „gewichtigen“ Anhaltspunkten zur Kindeswohlgefährdung. Deutlich wird ein relativ hohes Maß an Verregelung nach 2004 durch verpflichtende Dokumentationsverfahren und Dienstanweisungen, was auch der rechtlichen Absicherung in Konfliktfällen dienen könnte. Ein Nachteil ist der hohe Verwaltungsaufwand, der auch auf Kosten der Beziehung zur Familie gehen könne (s. S. 44/45). Danach geht es um Entscheidungsprozesse im Kontext von Gefährdungsmeldungen. Einige Meldungen, zum Beispiel die Polizeimeldung, dass Kinder ohne Angelschein geangelt haben (S. 47) werden als weniger gewichtig eingeschätzt. Die Entscheidungsspielräume seien hier aber unterschiedlich. Festgestellt wird eine hohe Bedeutung des Hausbesuches, der aber nicht zwingend erfolgen müsse. Eingegangen wird u.a. auf Entscheidungsprozesse für oder gegen Hausbesuche, auf die Frage, ob Hausbesuche angemeldet oder unangemeldet erfolgen sollen und die Beratung mit Vorgesetzten und/oder Kollegen. Hier scheint es größere Unterschiede zwischen den Jugendämter zu geben. Aus den dargestellten Ergebnissen ergibt sich kaum, inwieweit diese Entscheidungsprozesse professionell verlaufen. Nach Ansicht des Rezensenten kann auch die Frage nach der Begründung von Hausbesuchen noch genauer untersucht werden. Die von einige Fachleuten geäußerte Meinung, man könne eine Familie quasi auf frischer Tat ertappen, wird zum Beispiel nur in ganz bestimmten Fällen (sehr unhygienische Wohnung, Folgen schwerer Körperverletzungen), weniger aber bei anderen Gefährdungen, realistisch sein.

Es folgt ein Unterkapitel zur Durchführung von Hausbesuchen, die meist von zwei Fachleuten durchgeführt werden. Eingegangen wird auf das Einholen von Informationen und die Situation vor der Tür. Einige dieser Praktiken tangieren die Persönlichkeits- und Grundrechte von Eltern. Wenn zum Beispiel Informationen von Ärzten eingeholt wird oder massiver Druck ausgeübt wird, um in die Wohnung zu kommen, kann es rechtlich problematisch sein, wenn kein wirklich dringender Tatverdacht und/oder Gefahr im Verzug vorliegt. Behandelt wird die Rollenaufteilung zwischen den Fachkräften ( z.B. Kontrolle und Beziehungsaufbau) durch interaktionsstrategisches Verhalten, Beobachtungen in der Wohnung und der Interaktion in der Familie sowie Überprüfungen und Kontrollen. Die Kontrollen können manchmal sehr weitgehend in die Privatsphäre eingreifen und Misstrauen signalisieren, zum Beispiel wenn man den Kühlschrank oder das Portemonnaie kontrolliert. Insgesamt gibt es große Unterschiede. Zum Teil wird generalisiert überprüft, zum Teil fokussiert auf den Verdacht. Ein einheitliches Bild wird nicht deutlich. Die Grenzen der Hausbesuche (Fachkompetenz, Hinweise reichen nicht, manchmal nur „Bauchgefühl“) werden skizziert. Eingegangen wird auch auf Reaktionen der Eltern auf Hausbesuche.

Im nächsten Unterkapitel geht es um Kooperation mit anderen Institutionen und Professionellen. Informationen zur Gefährdungssituation, werden zum Beispiel von Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen und Kinderärzten eingeholt. Probleme dabei sind Schweigepflicht und Datenschutz, wobei man sich wohl manchmal am Rande der Legalität bewegt. Weitere mögliche Kooperationspartner sind Polizei, Sozialpsychiatrischer Dienst und Familienhilfe. Die Zusammenarbeit mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst beim Kinderschutz sei manchmal schwierig. Es müsse abgewogen werden, ob die Familienhilfe beim Hausbesuch mitkomme, da sie einen eigenen Auftrag habe.

Im fünften Kapitel werden die Ergebnisse anhand von sechs Fragestellungen diskutiert. Zunächst geht es um die Qualitätsentwicklung, speziell um die Verfahrensqualität. Festgestellt wird, dass das Verfahren weitgehend eingehalten wird, dass es aber eine relativ große Unterschiede bei der Ausgestaltung gibt. Anschließend wird die Bedeutung der Hausbesuche diskutiert. Den Hausbesuchen wird nicht nur vom Gesetzgeber, sondern auch von den Fachleuten eine große Bedeutung zugeschrieben. Bei der Ausgestaltung der Hausbesuche gibt es wiederum unterschiedlich große Entscheidungsspielräume. Wenn größere Handlungsspielräumen gegeben sind, gibt es auch größere Unterschiede bei der Ausgestaltung. Größere Unterschiede gibt es auch bei der Gestaltungen der kollegialen Beziehungen und der kollegialen Beratung. Einige Beratungen sind stärker institutionalisiert, andere eher beiläufig. Einzelne Aspekte werden diskutiert. Nach Ansicht des Rezensenten wäre eine verpflichtende Fallsupervision mit einem externen Supervisor sinnvoll. Gründe für Hausbesuche können anhand der Akten häufig nicht nachvollzogen werden. [1] Behandelt wird das Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Beziehungsaufbau. Das Spanungsverhältnis zwischen den Elternrechten einerseits und dem Wächterauftrag andererseits werde unterschiedlich gehandhabt. Einige Fachleute fühlten sich nach einer Gefährdungsmeldung pauschal zum Handeln ermächtigt (S. 96) Nach den Ergebnissen der Studie sei diese undifferenzierte Forderung jedoch nicht angemessen. Die Autorinnen stellen die Frage, inwieweit der durch die Öffentlichkeit erzeugter Druck, keine Fehler zu machen, zu einer Zunahmen von Hausbesuchen führe. In einem Drittel der Fälle würde sich der Verdacht einer Kindeswohlgefährdung bestätigen, in einem Drittel bestehe Hilfebedarf, aber keine Kindeswohlgefährdung und in einem weiteren Drittel weder Hilfebedarf noch eine Kindeswohlgefährdung.

Diskussion

Die Studie enthält interessante Ergebnisse über Hausbesuche als Verfahren und Teil eines Verfahrens. Es gibt einige Regeln, insgesamt scheint es sich jedoch um einen relativ schwach institutionalisierten Diskurs zu handeln [2]. Sie ermöglichen einen kritischen Blick auf diese Praxis. Aber über die Qualität der Arbeit der Fachkräfte lässt sich daraus kaum Aussagen ableiten. Ein zentrales Kriterium zur Beurteilung müsste die Ergebnisqualität sein. Inwieweit haben die Interventionen des Jugendamtes die Entwicklung eines Kindes oder Jugendlichen positiv beeinflusst und eine ansonsten wahrscheinliche ernsthafte Gefährdung abgewendet? Dies ist von verschiedenen Bedingungen abhängig, die die Fachleute nicht alle beeinflussen können. [3] Eine Bedingung ist die Qualität der sozialen Diagnose, eine andere die möglichen Alternativen (Strukturqualität).Notwendig wären hier Fallanalysen. Forschungsinstrumente hierfür können das „interaktionsgeschichtlich-narrative Interview“ (Riemann 200, S. 40), Familieninterviews und teilnehmende Beobachtungen sein. Betrachtet werden sollte auch die biographische Entwicklung ein längerer Zeitraum, etwa wie bei Köttgen (2007). Aus der Einzelfallanalyse könnte sich auch ergeben, wo das Verhalten der Fachkräfte bei Hausbesuchen eher übergriffig ist und wo es angesichts einer akuten Gefährdung gerechtfertigt ist. Rechtlich gesehen, sind viele Eltern wohl bei den Hausbesuchen nur Verdächtige.

Fazit

Es handelt sich um eine wichtige und interessante Studie. Aber weitere Studien sind notwendig, um bestehende Forschungslücken zu schließen und Prozesse zu evaluieren. Der ganze Hilfeplanprozess, zu dem auch der Verdacht einer Kindeswohlgefährdung gehören kann, sollte dabei erfasst werden.

Literatur

  • Bohler, Karl Friedrich (2006): Die Professionalisierung der Sozialen Arbeit als Projekt. Untersucht am Beispiel ostdeutscher Jugendämter. In: Sozialer Sinn, S. 3-34.
  • Bohler, K. F.; Schierbaum, A. (2010): Professionelles Fallverstehen, fachliche Standards der sozialen Arbeit im Hilfeverlauf und adäquate Rahmenbedingungen. In: Zeitschrift für Sozialpädagogik, H. 1, S. 61-97.
  • Gohde, H. & Wolff, St. (1990). Gutachterlichkeit in der Jugendgerichtshilfe. Neue Praxis, 20, 316-328.
  • Hildenbrand, Bruno (2004): Die Transformation in Ostdeutschland im Kontext von Tradition, Diskontinuität und Strukturbildung. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, S. 41-59.
  • Bruno Hildenbrand (2007) Wandel in Ereignissen, in: Bohler, Karl Friedrich; Funke Dorett, Hildenbrand, Bruno (Hg.) (2007): Regionen, Akteure, Ereignisse. Die Entwicklung der Erziehungshilfen nach der Einführung des Jugendhilfegesetzes 1990/1991. SFB 58 Mitteilungen 23. S. 6 – 43
  • Hildenbrand, B., (2014a) Frühe Hilfen aus soziologischer Sicht, in: Kontext, Zeitschrift für systemische Therapie und Familientherapie, 295 -319
  • Hildenbrand, B. (2014b) Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Prävention im 21. Jahrhundert, in: Familiendynamik 3/Juli 2014, 180 -186
  • Hildenbrand, B. (2014 c), Das KJHG und der Kinderschutz. Eine verpasste Professionalisierungschance der Sozialpädagogik, in: Bütow R. u.a., Sozialpädagogik zwischen Staat und Familie – alte und neue Politiken des Eingreifens, Wiesbaden, S 175 -202
  • Hitzler, Sahra; Messmer, Heinz (2008): Gespräche als Forschungsgegenstand in der sozialen Arbeit. In: Zeitschrift für Pädagogik, Jg. 54, H. 2, S. 244-260.
  • Köttgen, Charlotte (Hg.) (2007): Ausgegrenzt und mittendrin. Jugendliche zwischen Erziehung, Therapie und Strafe. Frankfurt am Main: IGfH-Eigenverlag,
  • Messmer, H. (2004) Hilfeplanung, in: sozialwissenschaftliche Literaturrundschau 27/28 S. 73 -93
  • Messmer, H.; Hitzler, S. (2007): Die soziale Produktion von Klienten. Hilfeplangespräche in der Kinder- und Jugendhilfe. In: Ludwig-Mayerhofer, Wolfgang; Behrend, Olaf; Sondermann, Ariadne (Hg.): Fallverstehen und Deutungsmacht. Akteure in der Sozialverwaltung und ihre Klienten. Opladen: Barbara Budrich, S. 41-73.
  • Messmer, Heinz; Hitzler, Sahra (2007): Die soziale Produktion von Klienten. Hilfeplangespräche in der Kinder- und Jugendhilfe. In: Ludwig-Mayerhofer, Wolfgang; Behrend, Olaf; Sondermann, Ariadne (Hg.): Fallverstehen und Deutungsmacht. Akteure in der Sozialverwaltung und ihre Klienten. Opladen: Barbara Budrich, S. 41-73.
  • Messmer, Heinz; Hitzler, Sahra (2008): „Die Hilfe wird beendet hier“. Prozesse der Deklietifizierung im Hilfeplangespräch aus gesprächsanalytischer Sicht. In: neue praxis, H. 2, S. 166-187.
  • Müller, Hermann (2016 ) Professionalisierung von Praxisfelder der Sozialarbeit, Opladen u.a.0.: Verlag Barbara Budrich
  • Riemann, Gerhard (2000), Die Arbeit in der sozialpädagogischen Familienberatung, Weinheim und München: Juventa
  • Wolff, Stephan (1995) Text und Schuld. Die Rhetorik psychiatrischer Gerichtsgutachten, Berlin
  • Wolf, Stephan, Müller, Hermann (1997) Kompetente Skepsis. Eine konversationsanalytische Untersuchung zu Glaubwürdigkeit in Strafverfahren. Opladen

[1] Eine Ambivalenz zur Aktenführung in der sozialen Arbeit wird auch von Gohde und Wolff beschrieben: „Zwischen diesen gegensätzlichen Tendenzen sich der Erstellung von Akten zu entziehen und gleichzeitig dem Bedürfnis im Sinne der Klienten ‚bessere Berichte‘ zu schreiben – scheinen viele Jugendgerichtshelfer gefangen wie der sprichwörtliche Esel zwischen zwei Heuhaufen“ (Gohde und Wolff 1990, 317)

[2] Aus konversationsanalytische Perspektive unterscheiden sich institutionalisierte Gespräche von Alltagsgesprächen dadurch, dass bestimmt alltagssprachliche Regeln und Methoden nicht oder nur modifiziert gelten. Dafür gelten andere Regeln und Methoden ( vgl. Wolff/Müller 1997)

[3] Interveniert wird in eine offene Zukunft. Die Familiensituation kann sich zum Beispiel durch Scheidungen, Krankheiten etc. verändern. Dennoch können Entscheidungen dringend sein, die aber im Nachhinein evaluiert werden müssen. Oevermann (1996) spricht von einer „widersprüchlichen Einheit von Entscheidungszwang und Begründungsverpflichtung“ im professionellen Handeln.


Rezensent
Dr. Hermann Müller
Universität Hildesheim, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik
Homepage HermannMuellerHildesheim.de
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Zitiervorschlag
Hermann Müller. Rezension vom 25.01.2018 zu: Ulrike Urban-Stahl, Maria Albrecht, Svenja Gross-Lattwein: Hausbesuche im Kinderschutz. Empirische Analyse zu Rahmenbedingungen und Handlungspraktiken in Jugendämtern. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2017. ISBN 978-3-8474-2100-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23922.php, Datum des Zugriffs 20.02.2018.


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