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Kathleen A. Moore, Petra Buchwald (Hrsg.): Stress and anxiety

Rezensiert von Prof. Dr. phil. Barbara Wedler, 18.08.2018

Cover Kathleen A. Moore, Petra Buchwald (Hrsg.): Stress and anxiety ISBN 978-3-8325-4507-9

Kathleen A. Moore, Petra Buchwald (Hrsg.): Stress and anxiety. Coping and resilience. Logos Verlag (Berlin) 2018. 234 Seiten. ISBN 978-3-8325-4507-9. D: 39,00 EUR, A: 40,10 EUR.
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Thema

Kathleen A. Moore/ Petra Buchwald (Hrsg.): Stress and Anxiety. Coping and Resilience. Logos Verlag Berlin GmbH. 2017

Herausgeberinnen

Die Herausgeberinnen setzen sich seit Jahren in ihrem Forschungskontext mit der Verbindung von Stress und Angst auseinander. Prof. Dr. P. Buchwald arbeitet am Institut für Bildungsforschung an der Bergischen Universität Wuppertal.

Entstehungshintergrund

Dieses Buch vereint in sich diverse peer-reviewed Artikel, die sich auf unterschiedlichen Ebenen mit Stress und Angst, Coping sowie Resilienz auseinandersetzen.

Aufbau

Die Herausgeberinnen unterteilen diesen Sammelband in drei Hautteile, denen sie jeweils (Teil 1 und 2) sieben Artikel bzw. im Teil 3 fünf Artikel zuordnen

  1. Stress and Anxiety – Coping and Resilience
  2. Stress and Anxiety – Educational Settings
  3. Stress and Anxiety – Applied Settings

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Zu Teil 1

In Teil 1 beginnen Moore/ Russell/ Bouchoucha mit der Frage: Resilience and Coping: Cut from the same cloth? Ausgehend von einer Studie wollen die Autorinnen explorieren, welche Verbindung zwischen Coping und Resilienz besteht und wie diese stabilisiert werden kann. Überprüft wurden diese Zusammenhänge im Arbeitskontext und bei vorhandenen Beziehungsproblemen. Grundsätzlich konnte bestätigt werden, dass proaktives Coping stark mit Resilienz korreliert.

M. Reinhardt/ A. Örkényi/ G. Kökönyei setzen sich in ihrem Beitrag auseinander mit „Perceived environmental assets of resilience in relation to complex mental health in a representative Hungarian adolescent sample“. Die VerfasserInnen nutzen als theoretische Basis das Resilienzmodell von Hanson & Kim sowie das Modell zur psychischen Gesundheit von Keys & Waterman. Methoden und Ergebnisse der Untersuchung werden detailliert beschrieben. Ein wesentliches Ergebnis stellt der positive Zusammenhang zwischen entwicklungsfördernder Unterstützung durch die Familie, Schule, Freunde sowie Gemeinde und der geistigen Gesundheit dar. Diese Jugendlichen haben weniger psychologische Schwierigkeiten und verfügen über mehr prosoziale Skills. Als Nebeneffekt konnte die Forschungsgruppe den RYDM-EA als Forschungsinstrument positiv evaluieren.

Bl. E. Barcelata Equiarte & R. Rodríguez Alcántara beschreiben „Personal and contextual resilience factors linked to psychological adjustment outcomes in adolescents from marginalized settings“. Anhand einer geförderten Querschnittsstudie an Highschool-Schülern aus Mexiko City analysieren die Verfasserinnen den Anteil an Coping, wahrgenommener Kontrolle, Selbstwirksamkeit, positivem Denken sowie sozialer Unterstützung an psychischer Gesundheit. Als bedeutendste Faktoren konnten die wahrgenommene Kontrolle sowie die Unterstützung durch die Familie herausgearbeitet werden. Im Ergebnis empfehlen die Autorinnen ein integratives Interventionsprogramm in den Settings Familie und Schule, um in hochriskanten Lebensräumen die vulnerable Phase der Adoleszenz entwicklungsfördernd begleiten zu können.

Die Grundannahme der folgenden Studie geht auf Bolby zurück, der nachweisen konnte, dass bei Bedrohung bzw. Distress das Familiensystem aktiviert wird. Diesen Gedanken fokussierend untersuchen L. Batinic & Z. Kamenov dyadisches Coping junger Paare bzgl. der Akteur- und Partnereffekte auf deren Bindung in ihrem Beitrag: „Actor and partner effects of attachment on young couples' dyadic coping“.

Bahun & A. Huic betrachten die „Relationship satisfaction of mental health patients. The role of individual and dyadic coping with stress“. Die Autorinnen gehen davon aus, dass zufriedenstellende Partnerbeziehungen eine große Stütze für die geistige Gesundheit sind. Die Studie belegt, dass adaptive Copingstrategien stärker verknüpft sind mit befriedigenden Paarbeziehungen. Wie sich zeigte, ist dyadisches Coping wichtiger für die geistige Gesundheit als das reine Verhalten von Partnern.

Emina Nezirevic, Masa T. Grabovac & Anita L. Korajlija suchen Antworten auf die Frage: „Recovery from work – is it yet another name for work-stress coping strategies?“. Generell wird die Rückkehr an den Arbeitsplatz positiv bewertet. Insgesamt betonen die VerfasserIn, dass auf diesem Gebiet noch weitere Forschungen notwendig sind.

Traumatisierte Kinder können im Alter Copingstrategien des Glaubens an das Paranormale sowie des New Age entwickeln. E. Lowrie et al. erforschen die „Endorsement of paranormal and New Age beliefs as a unique form of coping“. Im Ergebnis der vorgestellten Studie konnten diverse, zugrunde liegende Faktoren identifiziert werden, wie aktives und maladaptives Coping, der Mangel an Unterstützung und Kontrolle sowie praktische Fähigkeiten. Zur theoretischen Untermauerung dieser Aussagen sind weitere Forschungen notwendig.

Zu Teil 2

Teil 2 beginnt mit der Bertachtung „The role of personality, self-concept and defensive motivation in predicting maths anxiety“ von I. Marusic & J. Matic. Als Resultat fanden die Forscherinnen die Beziehungen von maladaptiven Mustern akademischer Überzeugungen, Motivation sowie Verhalten auf die Angst vor Mathematik. Wobei eine genderspezifische Erhöhung der Werte von Neurotizismus sowie defensivem Pessimismus bei weiblichen Probanden nachweisbar war. Zusammenfassend werden geschlechterspezifische Interventionen in der Schule gefordert.

Der hochbedeutsamen Thematik von „Competition in class hinders scholastic well-being effects on test anxiety in secondary school students“ gehen Fr. Hoferichter & D. Rauhefelder in ihrer Studie an Berliner SchülerInnen auf den Grund. Wettbewerb fördert Sorgen sowie Angst und Empfindlichkeit der SchülerInnen. Deshalb empfehlen die Forscherinnen das Lernen in angstfreien Räumen. Gleichzeitig verweisen sie auf die Notwendigkeit weiterer und Langzeitstudien.

V. Putarek/ V. Vlahovic-Stetic/ M. Kozina untersuchen „Predictors and outcomes of test anxiety“. Prüfungsangst senkt die Motivation und fördert eine dysfunktionale Haltung gegenüber der Schule. Hervorzuheben sind die Aussagen über die Persönlichkeit der Schüler mit Prüfungsangst. Ihre Kognitionen sind generell verzerrt und sie neigen verstärkt zu Depressionen.

In Bezug auf moderne Lernformen tragen Chr. Heckel & T. Ringeisen mit „Enjoyment and boredom in academic online learning. Relations with appraisals and leaning outcomes“ einen wichtigen Beitrag bei.

Einen anderen Blick auf Lernen werfen P. G. Fitchett/ R. G. Lambert & Chr. J. McCarthy mit ihrer Untersuchung von Lehrer- und Schulcharakteristika als Indikatoren für berufsbedingten Stress: „Examination of teacher and school charracteristics as predictors of occupational stress“. In den Fokus wird des Beitrages steht das Lehrpersonal.

Can social problem-solving help students alleviate stress?“ erforschen I. Jakovcic/ I. Zivcic-Becirevic & G. Birovljevic. Als Zielgruppe wählten sie Studierende, die innerhalb der letzten fünf Jahre unter Symptomen von Stress und Angst litten. Diese Symptome traten verstärkt bei Studierenden auf, die nicht mehr bei ihren Eltern lebten. Bedeutsam sind die Hinweise für präventive Ansätze im Studium.

E. Wauthia, L Bogeart & M. Rossignol konzentrieren sich auf „Alerting, orienting and conflict monitoring in children with anxiety disorders: evidence from an emotional attention network task“. Die drei benannten Systeme, welche durch unterschiedliche kognitive Modelle postuliert werden, üben jeweils unterschiedliche Funktionen auf das Aufmerksamkeitsverhalten aus. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass Kinder, die unter einer Angststörung leiden, funktionale Einschränkungen in den Bereichen des Warn- und Orientierungssystems bei der Verarbeitung emotionaler Stimuli aufweisen.

Zu Teil 3

Eingeleitet wird Teil 3 mit dem Artikel von O. Nahum zum Thema: „Stress research in sport psychology: Three limitations and future directions“. Forschung im Bereich der Sportpsychologie unterliegt seit Jahrzehnten massiver Kritik. Im Ergebnis der Analyse der bisherigen Forschungen kristallisieren sich drei Forschungsrichtungen für die Zukunft heraus. Weiterhin wird auf die Erweiterung der des theoretischen Rahmens plädiert.

Eine ebenso interessante Forschung stellt M.A. Rodriguez vor. „The experience of stress and anxiety in older adults with Type II Diabetes“. Wie die Studie zeigt, wird Diabetes oft mit Angst assoziiert. Die befragten Personen erlebten die Diagnose als sehr stressvoll. Für die Prävention bedeutet diese Erkenntnis einen anderen Umgang mit Menschen im frühen Stadion von Diabetes Typ II.

D. Curzik & N. Jokic-Begic sensibilisieren für sich abzeichnende kognitive Stile und Angstsensitivität als Entsprechung abweichender Coping-Strategien bezüglich Panikstörungen einer nicht-klinischen Untersuchungsgruppe mit ihrer Untersuchung zu: „The looming cognitive style ans anxiety sensitivity as correlates of different coping strategies in panic disorder in a non-clinical population – implications for CBT“.

Die Entwicklung entsprechender Messinstrumente für Stress bilden den Schwerpunkt des Artikels: „Minority stress measure development: theoretical concerns and suggested resolutions“ von Sh.M. Schrager & J. T. Goldbach, wobei das Augenmerk auf Stresskonstrukte von Minderheiten liegt. Dabei werfen die AutorInnen theoretische Bedenken auf, bieten auf diese aber auch Lösungsansätze an.

Als letzten Beitrag stellt Sh. Kreitler seine Forschungsergebnisse zu „The relation of the big five factors with stress vulnerability and specific stressors“ und widmet sich somit in Teilen der Persönlichkeitspsychlogie. Untersucht wurde die Beziehung zwischen den ‚Big Five‘, den fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit, und Stressvulnerabilität, als auch spezifischen Stressoren.

Diskussion und Fazit

Im Focus aller Beiträge stehen die Phänomene Stress, Angst und Coping. Die AutorInnen betrachten diese Phänomene in unterschiedlichen Settings, in verschiedenen Altersgruppen sowie unter theoretischen Aspekten. Alle Beiträge zeichnen sich durch die klare Beschreibung der Zielgruppe, der Forschungsmethodik sowie detaillierte Darstellung der Forschungsergebnisse aus. Dank dieser Genauigkeit können die RezipientInnen reflektieren, transferieren – einen Abgleich zur eigenen Realität versuchen. Besonders die weiterführenden Forschungshinweise animieren zum Entwickeln eigener Forschungsfragen z.Bsp. bzgl. Prüfungsangst der Studierenden etc. Anregungen für eigene Studien, für Präventionsansätze finden sich in allen Beiträgen. Doch aufgrund der Sprache und der Spezifik der Studien wird dieser Sammelband eher von Professionellen und Studierenden gelesen werden.

Fazit: Dieser Sammelband ist mehr als das thematische Zusammenfügen themenspezifischer Artikel. Die vorgestellten Studien enthalten eine Fülle von Erkenntnissen zu Stress, Angst und Coping. Und damit begleitend geht es auch immer um Resilienz und Vulnerabilität. Jugendliche, Erwachsene, Studierende, Lehrende u.v.m. werden angesprochen, finden ein persönliches Äquivalent in den vorgestellten Studien. Das macht diese Beiträge lebendig und spiegelt in besonders hoher Qualität praxisrelevante Forschung wieder. Deshalb sollten Human- und SozialwissenschaftlerInnen unbedingt (mit ihren Studierenden) diesen Sammelband durcharbeiten.

Rezension von
Prof. Dr. phil. Barbara Wedler
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Es gibt 78 Rezensionen von Barbara Wedler.

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Zitiervorschlag
Barbara Wedler. Rezension vom 18.08.2018 zu: Kathleen A. Moore, Petra Buchwald (Hrsg.): Stress and anxiety. Coping and resilience. Logos Verlag (Berlin) 2018. ISBN 978-3-8325-4507-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23930.php, Datum des Zugriffs 08.08.2022.


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