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Günther Heeg, Lutz Hillmann (Hrsg.): Willkommen anderswo - sich spielend begegnen

Cover Günther Heeg, Lutz Hillmann (Hrsg.): Willkommen anderswo - sich spielend begegnen. Theater der Zeit (Berlin) 2017. 252 Seiten. ISBN 978-3-95749-118-3. D: 18,00 EUR, A: 18,60 EUR.
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Thema

Das Buch dokumentiert das Theaterfestival „Willkommen Anderswo III – sich spielend begegnen“, das vom 4. bis 7. Mai 2017 am Deutsch-Sorbischen Volkstheater in Bautzen stattfand.

An diesen vier Tagen waren insgesamt neun Projekte von renommierten Theaterhäusern wie Münchener Kammerspielen, dem Maxim-Gorki-Theater und dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg gezeigt. Als Rahmenprogramm wurden Workshops und ein Kolloquium angeboten, das Studierende der Leipziger Theaterwissenschaft organisierten.

Herausgeber

Der Band wurde von Lutz Hillmann, dem Intendanten des Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen und Günther Heeg, dem Professor der Leipziger Theaterwissenschaft herausgegeben und dokumentiert das Festival.

Günther Heeg ist Professor am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig und Vizepräsident der „International Brecht Society“. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Verhältnis von Theaterhistorismus und künstlerischer Praxis des Reenactments, kulturelle Flexionen von Zeiten und Räumen, Tradition und Transkulturalität im japanischen und deutschen Gegenwartstheater, Strukturveränderungen im osteuropäischen Theater, Theater als (Inter)Medium, Körper, Sprache und Bild im Theater des 18. Jahrhunderts, Bertolt Brecht, Heiner Müller, Einar Schleef.

Lutz Hillmann ist seit 1999 Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen. Zudem arbeitet er kulturpolitisch als Vorstandsmitglied des Landesverbands Sachsen im Deutschen Bühnenverein und als stellvertretender Vorsitzender des Kulturbeirats im Kulturraum Oberlausitz.

Entstehungshintergrund

Bautzen ist eine Stadt in Sachsen mit rund 40.000 Einwohnern und die historische Hauptstadt der Oberlausitz. „Am Tage strömen geführten Touristengruppen durch die Gassen hinauf zur Burg.“ (S. 173) In dieser Stadt ist auch „ein Unikat“ zuhause, nämlich das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen. „Nirgendwo sonst in Deutschland existiert eine Institution, unter deren Dach zwei unterschiedliche Kulturen den Auftrag haben, gemeinsam zu arbeiten und aneinander zu partizipieren.“ (S. 14)

Vielleicht hörte der eine oder andere schon mal vom Spreehotel. Das Vier-Sterne-Hotel wurde 2014 von seinem Besitzer zu einem Asylbewerberheim erklärt, was wiederum den „rechten Zorn“ auf sich zog. (S. 175)

Die Stadt Bautzen brachte sich allerdings bundesweit in die Schlagzeilen, als es im Oktober 2016 auf dem Kornmarkt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen jungen Geflüchteten und „besorgten Bürgern“ gekommen ist. (S. 8)

Dies war der Anlass für das Deutsch-Sorbische Volkstheater, das Festival „Willkommen Anderswo III – sich spielerisch begegnen“ zu organisieren. Dabei wurde im Mai 2017 Theaterarbeiten mit geflüchteten und einheimischen Jugendlichen gezeigt, sowie es auch in dem Untertitel des Bandes beschrieben wird.

Aufbau

Nach einem Vorwort der Herausgeber beschreiben in der Einleitung der Herausgeber Lutz Hillmann, Intendant des Theaters, und Michelle Bray, die Regisseurin des Bautzener Projektes, die Bedeutung von Bautzen als Festivalstandort. Anschließend werden die neun Projekte mit den Jugendlichen vorgestellt, einmal von den MacherInnen selbst und einmal von den begleitenden Studierenden der Leipziger Theaterwissenschaft.

Im dritten Kapitel finden die LeserInnen journalistische Beiträge über das Festival. Eins davon ist ein Fotoessay von David Baltzer, der das Festival begleitet hat.

Im vierten Kapitel teilen die Studierende ihre Thesen zum Thema des Kolloquiums „Theater in der Migrationsgesellschaft“ mit.

Als Abschluss analysiert der weitere Herausgeber Günther Heeg, Professor der Theaterwissenschaft in Leipzig, den Weg „von der Theaterarbeit mit Geflüchteten zur transkulturellen Theaterpraxis“.

Somit ist der Aufbau folgendermaßen:

Einleitung mit drei Beiträgen von Lutz Hillmann & Günther Heeg, Lutz Hillmann, Michelle Bray

Die Projekte mit neun Produktionen:

  1. Romeo und Julia auf Platte, Koproduktion des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters und des Steinhauses Bautzen mit Beiträgen von Kornelius Friz (Studierende), Michelle Bray (Regie), Paul Fischer (Musik), mit Auszügen aus dem Stück
  2. Du kannst nicht mehr warten? Maxim-Gorki-Theater Berlin, die Aktionist*innen mit Beiträgen von Finnja Denkewitz & Sophia-Charlotte Reiser (Studierende), mit Texten, Bilder und Impulse der Aktionist*innen und mit einem Ausschnitt der Stellungnahme der Aktionist*innen, die zur Intervention der Podiumsdiskussion zum Abschluss des Festivals verlesen wurde.
  3. Das Andere will kommen, Düsseldorfer Schauspielhaus, Junges Schauspiel, mit Beiträgen von Mai Miyake (Studierende) & dem Leitungsteam und Marlene Hildebrand (Dramaturgie/Regie) & Tanja Meurers (Theaterpädagogik/Organisation) & Nora Pfahl (Choreografie) & Alexander Steindorf (Schauspiel/Regie), mit Auszügen aus dem Stück und Gedanken zum Projekt von den Akteur_innen
  4. Ich, rum um die Welt! Deutsches Schauspielhaus Hamburg, New Hamburg, mit Beiträgen von Johanna Rheinländer (Studierende), Paulina Neukampf (Regie)
  5. Bahnhof Westside, Theater und Orchester Heidelberg, Zu viel Jamal (Spielclub des Theaters und Orchesters Heidelberg), mit Beiträgen von Henrike Schmidt & Dana Soubh (Studierende), Laura Holz (Theaterpädagogik), Ali Ismail (Regie) mit Auszügen der Übersetzung von Dana Soubh, mit einem Auszug aus dem Stück
  6. Cowboys, Münchner Kammerspiele, Kammerklicke mit Beiträgen von Melina Hüttner (Studierende), Karnik Gregorian (Regie), Elke Bauer (Projektleitung/Theatervermittlung), mit Statements der Akteure_innen [sic!]
  7. Life Odyssee, Staatstheater Nürnberg, Freunde & Feste, mit Beiträgen von Maria Gassenmeier (Studierende), Andra-Maria Jebelean (Theaterpädagogik), mit Auszügen aus dem Stück
  8. Zeit für Wunder, Theater Plauen-Zwickau, Grundschule am Wartberg, Wunderkinder, mit den Beiträgen von Teresa Martin (Studierende), Steffi Liedtke (Theaterpädagogik/Regie), Alice Kretzer (Bundesfreiwillige des Theaters Plauen-Zwickau, Produktionassitenz)
  9. Kategorien der Unwahrhaftigkeit, Theater an der Ruhr, Mülheim, Ruhrorter, mit Beiträgen von Claudius Baisch (Studierende), Max Brands (Installation) & Adem Köstereli (Produktionsleitung) & Wanja van Suntum (Installation)

Reportagen. Beobachtungen, Eindrücke, Wirkung mit Beiträgen von Gunnar Decker (Theater der Zeit), Dimo Rieß (Leipziger Volkszeitung), Stefan Petraschewsky (MDR) und einem Fotoessay von David Baltzer.

Theater in der Migrationsgesellschaft. Thesen von den Studierenden der Leipziger Theaterwissenschaft mit den Beiträgen von Johanna Breitbart, Claudius Baisch, Henrike Schmidt, Dana Soubh, Jessica Hölzl, Corinne Besenius.

Ausblick mit dem Beitrag von Günther Heeg.

Anhang mit Kurzbiographien der Autorinnen und Autoren.

Inhalt

Die Einleitung fängt mit dem Vorwort „Für ein Theater als soziale Therapie“ von den Herausgebern an und erläutert, wie es zu diesem Festival gekommen ist. Aus gegebenem Anlass (Oktober 2016) wollte man eine „andere“ Form der Begegnung zwischen Einheimischen und Geflüchteten schaffen.

Die Bereitschaft der angefragten Theaterhäuser, mit einem Projekt an dem Festival teilzunehmen war groß. Auch die finanzielle Unterstützung der Politik. So konnte ziemlich schnell, das Vorhaben umgesetzt werden. Neben den Theateraufführungen standen auch Workshops zu verschiedenen Theaterformen auf dem Programm. Ziel war es, den Jugendlichen vielfältigen Ausdrucksmöglichen des Theaters zu vermitteln, mit denen sie über sich und ihre Träume erzählen können und dadurch bei anderen und bei sich selbst Vorurteile und Klischees zerstreut werden können. So nennen die Herausgeber ihr Vorhaben „Theater als soziale Therapie“.

Ziel dieser Publikation sei wiederum, einem breiten Publikum aus Theaterleuten, in der kulturellen Bildung und Sozialarbeit Tätigen und allen am Thema Interessierten Einblick geben. An diesen vier Tagen des Festivals war es sichtbar, „welche bedeutende Rolle die Theater unseres Landes beim dringend notwendigen transkulturellen Dialog in der zukünftigen Gesellschaft spielen können.“ (S. 9)

Außerdem möchte dieses Buch zeigen, dass das Theaterspielen als kulturelle Praxis von großer Bedeutung für die „Konvivenz“ mit und unter Fremden in der Migrationsgesellschaft ist, die nicht nur Profis, sondern vor allem nichtprofessionelle SpielerInnen adressiert.

In dem zweiten Beitrag „Von Bautzen ausgehend ein Signal“ schreibt der Herausgeber über seine Erfahrungen als Gast auf einem arabischen Theaterkongress zu Ehren eines verstorbenen kuwaitischen Regisseurs. Danach stellt er die Geschichte des Deutsch-Sorbischen Volkstheater vor, dem er vorstehe. Zudem stellt er drei Thesen vor:

  1. Das Bautzener Theater könnte für das Zusammenleben in der Oberlausitz als Beispiel gelten.
  2. Das Theater ist institutionalisierte Vorstellungskraft
  3. Das Theater taugt auch bestens dafür, die Begegnung zwischen den vielen jetzt anwesenden, einander fremden Kulturen zu erleichtern.

Zum Schluss macht er auf die Notwendigkeit der zusätzlichen Finanzierung aufmerksam. Trotz der Kritik der Aktionist*innen des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, dass das Thema Rassismus auf dem Festival nicht bearbeitet wurde, steht für ihn die beglückende Feststellung, dass es funktioniert hat. „Theater bringt uns näher, ohne dass wir uns selbst aufgeben müssen.“ (S. 22)

In ihrem sehr persönlichen Beitrag unterstreicht Michelle Bray auch, dass drei Tage lang Rassismus nicht zum Thema gemacht wurde. „Weder der aggressive, der einem auf Bautzens Straßen entgegenschlagen kann, noch der weniger aggressive, wenn einen wildfremde Menschen fragen, wo man denn eigentlich herkomme.“ (S. 25-26) Allerdings hofft sie sehr, dass das Festival weitergeführt wird, und dass es ein Meilenstein auf dem Weg sei, um „mehr miteinander zu sprechen. Über die Ängste, die Schwierigkeiten und darüber, wo für mich Rassismus anfängt und wo er für dich aufhört.“ Michelle Bray beschreibt auch in ihrem Beitrag, wie die Menschen gucken, wenn sie die Straße entlanggeht, denn people of color (POC) gibt es in Bautzen wenige.

Im zweiten Kapitel des Buches werden dann die Produktionen, die am Festival gezeigt wurden, ausführlich vorgestellt. Die so unterschiedlichen Projekte werden dokumentiert, beschrieben und analysiert. Die Projekte werden unter den folgenden Punkten präsentiert:

  1. Beiträge der Studierende: Die Studierenden der Theaterwissenschaft Universität Leipzig begleiteten „beratend“ die Projekte und berichten über die Institutionen und gegebenenfalls Kooperationspartner. Sie beschreiben und analysieren die einzelnen Projekte in ihrem Entstehungsprozess.
  2. Beiträge der ProjektleiterInnen: Hier beschreiben die ProjektleiterInnen (bis auf ein Projekt, nämlich Maxim-Gorki-Theater Berlin) ihre Projekte aus ihrer eigenen Sicht.
  3. Stimmen der SpielerInnen: Die Aussagen, kurze Statements der AkteurInnen werden hier präsentiert.
  4. Auszüge aus dem Stück
  5. Fotodokumentation: Zum Teil aus den Probenarbeiten und zum Teil aus den Aufführungen stammende Fotos dokumentieren die Projekte.

Hier bekommen die LeserInnen den Überblick und Einblick in das Festivalgeschehen. Auch die unterschiedlichen Sichtweisen auf das gleiche Ereignis werden dadurch sichtbar. Die Arbeitsbedingungen einzelner Projekte, die Voraussetzungen und dazu die Zielgruppen weisen viele Unterschiede auf. Ob mit Kindern oder Jugendlichen gearbeitet wurde, ob die Kooperation mit einer Grundschule oder mit einem Jugendkulturzentrum stattfand, ob in einer Großstadtatmosphäre oder in einer Kleinstadt gelebt wird. So wird es sichtbar, dass diese Gegebenheiten bei den Projekten grundlegend unterschiedlich waren. All diese Produktionen waren in einem Festival zusammengeführt. Die meisten Produktionen haben es gemeinsam, dass Musik, Tanz und Körperlichkeit im Vordergrund stehen. Eine Ausnahme stellt das Projekt des Theaters an der Ruhr, Mühlheim. Sie zeigen auf dem Festival keine Aufführung, sondern eine Installation. Aus diesem Grund wird in dem Buch an verschiedenen Stellen statt von neun immer von acht Produktionen gesprochen.

Im dritten Kapitel „Reportagen. Beobachtungen, Eindrücke, Wirkung“ kommen journalistische Beiträge zusammen. In dem ersten ausführlichen Artikel von Gunnar Decker erfährt man geschichtlich und geographisch viel über Bautzen. Sowohl die Stadt als auch das Deutsch-Sorbische Theater werden vorgestellt, sodass der Standort des Festivals einem näher gebracht wird. Auch die Eindrücke des Autors vom Festivalgeschehen kommen nicht zu kurz. Auch er betont, die Bedeutsamkeit des Tanzes, indem er schreibt, „dass der Geist der Gemeinschaft immer aufs Neue aus dem Tanz geboren wird.“ (S. 172)

Anschließend werden die Fotos von David Baltzer und der Text von Dimo Rieß, der kurz nach dem Festival in der Leipziger Volkszeitung erschienen ist, präsentiert. Dadurch bekommen die Leser deutliche Impressionen vom Festival. Dieses Kapitel schließt mit dem Beitrag vom Stefan Petraschewsky „Transformationsarbeit“. Darin gibt der Autor eine Übersicht über die Theaterlandschaft in Ostdeutschland mit den Zwischentiteln „Flucht, Asyl und Integration im ostdeutschen Nachwendetheater“, „Wir schaffen das! – auch im Theater“, „Heimaterkundung und Identitätsfindung im Nachwendetheater“ und „Theater als Schule der Integration“. Die Forderung im AfD-Wahlprogramm nach klassischen deutschen Stücken auf den Bühnen, damit „sie zur Identifikation mit unserem Land anregen“ (S. 197) beschreibt der Autor als die Erfahrung, „die die Ostdeutschen mit den Geflüchteten teilen; – dieser Wunsch, anderswo willkommen zu sein, anderswo integriert zu sein.“ (S. 197)

Im vierten Kapitel stellen die Studierende der Theaterwissenschaft ihre Thesen vor. In sieben kompakten Texten gehen die AutorInnen den Fragen des Kolloquiums „Theater in der Migrationsgesellschaft“ nach:

  1. Wie wollen wir in Zukunft zusammen leben?
  2. Warum ist Theater prädestiniert dafür, dem Fremden zu begegnen?
  3. Welche kulturpolitischen Weichen müssen dafür gestellt werden?

Bei den sieben Beiträgen handelt es sich um:

  1. Johanna Breitbart: Von Fremden- und Menschenfeindlichkeit
  2. Claudius Baisch: Die Zukunft der Gesellschaft: Zwischen Leitkultur und Integration
  3. Henrike Schmidt: Das Theater als Heterotopie
  4. Dana Soubh: Begegnung im theatralen Raum
  5. Jessica Hölzl: Überlegungen zu einer Kulturpolitik der Öffnung
  6. Corinne Besenius: Wege des transkulturellen Zusammenlebens
  7. Jessica Hölzl: Theater als Spiel-Ort der Möglichkeiten

Jeder der einzelnen Beiträge reißt einen Teil des gesamten Themenkomplexes beispielhaft an. Die Texte ergänzen sich und verschmelzen zu einem Gesamtbild, so findet man keine Wiederholungen oder Widersprüche in diesem Kapitel. Sowohl die gesellschaftlichen und kulturpolitischen Themen als auch die dem Theater betreffende Bezugspunkte werden angesprochen.

Das Buch schließt mit deinem Ausblick von Günther Heeg ab. Hierin geht der Autor auf das von ihm vorgestellte Konzept des transkulturellen Theaters ein. Er unterscheidet dies vom Interkulturalismus, das von gegeneinander abgeschlossenen und unterscheidbaren Kulturen ausgehe (S. 236). Das transkulturelle Theater „setzt an der Fremdheitserfahrung im Inneren der eigenen, der sogenannten Nationalkultur an.“ (S. 239) Weiterhin betont er: „Das Fremde ist kein Gegenstand, der Fremde kein Subjekt. Fremde ist eine Erfahrung, die uns widerfährt.“ (S. 242) Als Abschluss plädiert er für ein Theater für alle und von allen und unterstreicht die Notwendigkeit der Institutionalisierung der transkulturellen Theaterarbeit. Er nennt einige wichtige Aspekte, die gebraucht werden:

  • „Institutionen und Politiker_innen, die dafür (finanzielle) Verantwortung übernehmen“
  • „Die kontinuierliche Verbindung von Theorie, Ausbildung und Praxis“ (S. 244)

Im Anhang findet man die Kurzbiographien von Autorinnen und Autoren.

Diskussion

Das Buch zeigt deutlich, dass endlich die großen Theaterbühnen und die Theaterwissenschaft bei dem Thema angekommen sind. Ob dies dem Trend bzw. der Finanzierung zu verdanken ist, oder der gesellschaftlichen Notwendigkeit, lässt sich noch nicht ganz beantworten.

Festzuhalten ist, dass das Selbstverständnis und „Rollen“-verständnis der Beteiligten in den Projekten selbstdefiniert wurden. So sind bei der Auflistung der ProjektmacherInnen die Begriffe wie Regie, Theaterpädagogik, Spielleitung, Theatervermittlung, Text, Sounddesign, Klassenlehrerin, Erzieherin, Choreographie, pädagogische Fachkraft, Dramaturgie, Lichtkunst, Kostüm, Dokumentation doch immer hierarchisch aber mindestens selbstbestimmt dargestellt. Es ist zu wünschen, dass sich Kunst, Pädagogik und Wissenschaft mehr in Gleichwertigkeit begegnen.

Fazit

Wer sich ein Bild von dem Festival Willkommen „Anderswo III – sich spielend begegnen“ machen möchte, dem liefert das Buch anschauliches Material. Das Theaterfestival fand vom 4. bis 7. Mai 2017 am Deutsch-Sorbischen Volkstheater in Bautzen statt. Es wurden dabei Produktionen aus Theatern mit Einheimischen und Geflüchteten präsentiert.

Zudem beinhaltet das Buch journalistische und wissenschaftliche Beiträge zum Festival und zum großen Überthema des Festivals, nämlich das Theater in der Migrationsgesellschaft.

Das Buch schafft insgesamt einen Einblick und Überblick für die Komplexität des Themas und eignet sich vor allem als Literatur für ein fachfremdes Publikum, aber auch für PraktikerInnen und TheoretikerInnen in den Tätigkeitsfeldern der Theaterpädagogik, Theaterwissenschaft, Kulturpolitik, Verwaltung und Sozialen Arbeit.


Rezensentin
Dr. phil. Özge Tomruk
Theaterwissenschaftlerin, mit Zusatzqualifikationen Action Theater Zertifikat und Lehrgang für Interkulturelle FachreferentInnen
Homepage www.impro-tomruk.de
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Zitiervorschlag
Özge Tomruk. Rezension vom 01.08.2018 zu: Günther Heeg, Lutz Hillmann (Hrsg.): Willkommen anderswo - sich spielend begegnen. Theater der Zeit (Berlin) 2017. ISBN 978-3-95749-118-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23943.php, Datum des Zugriffs 22.09.2018.


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