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Silke Birgitta Gahleitner: Das pädagogisch-therapeutische Milieu ... (Kinder und Jugendliche)

Cover Silke Birgitta Gahleitner: Das pädagogisch-therapeutische Milieu in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Trauma- und Beziehungsarbeit in stationären Einrichtungen. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2017. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. 152 Seiten. ISBN 978-3-88414-676-7. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR.
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Thema und Entstehungshintergrund

Thema dieses Buches ist es, Erfahrungen aus einer langjährigen Praxis in der Arbeit im psychosozialen Arbeitsbereichen stationärer Kinder- und Jugendhilfe mit allen psychosozialen Berufsgruppen in diesem Tätigkeitsbereich zu teilen. Er soll ausdrücklich als Brücke zwischen Theorie und Praxis verstanden werden und ist aus einer Verknüpfung zwischen Forschung, Lehre und Praxis entstanden. Es handelt sich um eine zweite überarbeitete und aktualisierte Auflage des 2011 erstmalig unter dem Titel „Das therapeutische Milieu in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ erschienenen Werkes der Autorin. Frühere Rezensionen dieser Ausgabe finden sich unter

Die Änderung des Titels trägt einer inhaltliche Akzentverschiebung der fachlichen Einordnung, der diesem Buch zu Grunde liegenden eigenen Forschungsergebnisse und weiterer Literaturquellen, Rechnung. Diese liegt darin, dass damit eine explizit pädagogische Betreuungskonzeption, der im Fokus stehenden stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, betont werden und damit dem Eindruck einer „Therapeutisierung des Alltags“ (S. 10) begrifflich entgegengewirkt soll. Zusammen mit den Aktualisierungen und zahlreichen Ergänzungen der Belegliteratur dürfte dies den Anlass für diese Neuauflage gegeben haben. Darüber hinaus soll dieses Buch ausdrücklich „einer Berufsgruppe, die anspruchsvolle und herausfordernde Arbeit leistet, ‚Lust‘ auf mehr […] machen und ihr den Respekt und die Anerkennung ein[…]bringen, die sie dafür verdient“ (S. 12).

Autorin

Silke B. Gahleitner lehrt seit 2006 als Professorin für Klinische Psychologie und Sozialarbeit mit dem Schwerpunkt Psychotherapie und Beratung an der Alice-Salomon-Hochschule. Von 2012 bis 2015 verbrachte sie einen Forschungsaufenthalt an der Donau-Universität Krems. Sie studierte Soziale Arbeit, promovierte in klinischer Psychologie und habilitierte sich 2015 in den Erziehungswissenschaften. Sie ist aktiv in der Sektion klinische Sozialarbeit der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit und arbeitete in eigener Praxis als Beraterin und Psychotherapeutin sowie in einer sozialtherapeutischen Einrichtung für traumatisierte Mädchen.

Aufbau und Inhalt

Der Aufbau und Inhalt sind identisch mit dem der ersten Auflage. Die Darstellung im Inhaltsverzeichnis umfasst jedoch zusätzlich die Gliederung der jeweiligen Unterkapitel und erleichtert somit ein gezieltes Suchen und Finden.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Einleitung

Die überarbeitete Auflage beginnt nach einer persönlichen Danksagung mit einer inhaltlichen Einleitung. Diese umreißt auf der Basis neuerer Datenlagen, den Kontext stationärer Kinder- und Jugendhilfe, sowie die Situation von Kinder- und Jugendlichen, die diese Hilfen in Anspruch nehmen. Darüber hinaus wird darauf verwiesen und mit zahlreichen neuen Literaturnachweisen belegt, dass sich „insbesondere die Traumapädagogik darum bemüht hat, die Theorie-Praxisverknüpfungen für Fachkräfte in der stationären Kinder- und Jugendhilfe und darüber hinaus zugänglich zu machen.“ (S. 9). Ausdrücklich wird dargelegt, wie die Autorin insbesondere das Kernthema dieses Buches, die Alltagsgestaltung mit belasteten Kindern und Jugendlichen in einem spezifischen „Milieu“ in der Überarbeitung dieses Buches, die sich auch im veränderten Titel ausdrückt, verstanden wissen möchte: als „zwischenmenschliche, räumliche und institutionelle pädagogische Perspektive, die für fachliche Kontinuität und Stabilität in personeller wie in struktureller Hinsicht steht“ (S. 10). Damit rückt sie die explizit pädagogische Perspektive der (Alltags-) Begleitung als fachliches Geschehen in den Blickpunkt und benennt gleichzeitig dessen „Wirkfaktoren“ nämlich die Kontinuität und Stabilität des den/die Jugendliche umgebenden Milieus und des Erlebens von zwischenmenschlicher Beziehung als Wirkfaktor. Konkret nennt sie partizipative geteilten Lebensalltag, Fachkompetenz, methodisch, disziplinäre und personelle Vielfalt sowie psychosoziale Vernetzungskompetenz. Ausführliche Zitate und Aussagen aus den Interviews sollen, so die Autorin zum didaktischen Aufbau des Buches, diese Postulate der Wirkfaktoren veranschaulichen und methodisch eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis schaffen. Diesen Anspruch sollen jeweils ein durchlaufendes und ergänzende Fallbeispiele realisieren.

Erik – eine „Jugendhilfekarriere“ mit vielen Abbrüchen

In diesem ersten Kapitel lernt die / der Leser_in den Jugendlichen Erik kennen, der das „durchlaufende Fallbeispiel“ darstellt. Anschaulich wird zunächst die Perspektive Eriks und dann unter der Überschrift „Was wirkt“ die Perspektive seines Betreuers in beschreibenden Elementen und Interviewausschnitten dargestellt. Es schließt sich unter der Überschrift „Beziehung als Schlüsselfaktor für einen Neuanfang“ eine Einordnung der explizierten Perspektiven in fachliche Diskurse an bzw. wird in Beziehung gesetzt zu anderen Beispielen der Untersuchung. Hier begründet sich z.B. auch die Wahl des Begriffes „Milieutherapie“ im Anschluss an ein kinderpsychiatrisches Konzept von Fritz Redl.

Das „pädagogisch-therapeutische Milieu“

Nach der Einführung in die Thematik über das Fallbeispiel und seine Einordnung in einen fachlichen Kontext widmet sich dieses Kapitel der ausführlichen Begründung der gegenüber der ersten Auflage erweiterten Begriffswahl des „pädagogisch-therapeutischen Milieus“. Unter der Überschrift „Wozu wird das ‚pädagogisch-therapeutische Milieu‘ gebraucht“, begründet die Autorin dies mit dem regelhaften Vorkommen „multipler, komplexer Entwicklungsstörungen“ in Einrichtungen stationärer Jugendhilfe, die in ihren Ausprägungen im Gruppenalltag auch komplex z.B. als Selbstverletzung, Sucht, dissoziales Verhalten usw. sichtbar werden und damit Fachkräfte in diesen Einrichtungen fordern und auch überfordern können (S. 22 f.). Dies führe neben den Belastungen für die Fachkräfte auch zu (weiteren Beziehungs-) Abbrüchen in Hilfeverläufen. Gleichzeitig betont die Autorin mit Verweis auf Jugendhilfestudien, dass nicht eine mögliche Überforderung der Fachkräfte, sondern die strukturelle Verknappung der Dauer und Fragmentierung der Hilfen aus ökonomischen Gründen entgegen fachlicher Einschätzung, die Kontinuität der Hilfebeziehung betreffend, einen Hauptgrund für die in dieser Perspektive nicht zur Wirkung kommenden pädagogischen Hilfen darstelle. Sie verweist dabei darauf, dass 83 % der Jugendlichen, die die Hilfe planmäßig beendet haben, dies als „sehr erfolgreich“ (S. 24) bezeichnen. Die Hypothese der therapeutischen (im Sinne einer alte Erfahrungen korrigierenden) Bedeutung der kontinuierlichen vertrauensvollen Beziehung im Gruppenalltag als Wirkfaktor im Rahmen eines „pädagogisch-therapeutischen Milieus“, welche im Spannungsfeld zu strukturellen Entscheidungen im Feld der Jugendhilfe steht, wird anschließend am Beispiel der Fallstudie „Erik“ illustriert und mit ergänzenden Verweisen in einen erweiterten Hilfesystemkontext eingeordnet. Ergänzt werden die Ausführungen durch Exkurse („Daten und Fakten“) zu Kindern in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe und Informationen zu § 35a „KJHG“. Im Rahmen der Überarbeitung hätte hier die inzwischen übliche Einordnung in das SGB als SGB VIII vorgenommen werden können, um Irritationen bei „Neueinsteiger_innen“ in die Thematik zu vermeiden.

Ein weiterer Teil dieses Kapitels widmet sich der Geschichte und der Charakterisierung dieses Konzeptes. Prägnant und mit vielen Literaturbelegen wird dargelegt, dass seit ihren Anfängen, Hilfe für nach heutigen Maßstäben „multiproblembelastete“ (S. 27) Kinder, im Fokus Sozialer Arbeit und auch Pädagogik standen. Einer vertrauensvollen Beziehung in einem schützenden sozialen Raum wurde mindestens eine entlastende, wenn nicht sogar heilende Wirkung zugesprochen und Gahleitner stellt dar, dass auch neuere Konzepte der Sozialpädagogik an diese Tradition wieder anknüpfen. Im Rahmen der Neuauflage dieses Buches hätte man sich vielleicht auch wünschen können, dass auf ein weiteres neueres Theoriemodell Sozialer Arbeit, nämlich „Integration und Lebensführung“ (Sommerfeld et al. 2011) hingewiesen wird bzw. eine Verknüpfung diesbezüglich hergestellt wird. Denn dieses Modell bezeichnet z.B. die Schaffung sozialer Erfahrungsräume in den Lebenswelten von Klient_innen, um neue individuelle Muster und Strategien erwerben zu können, als zentrale Aufgabe Sozialer Arbeit. Damit rückt es ebenfalls die Verbindung von zwischenmenschlicher (Beziehungs-) Erfahrung in einem sozialen Raum, der auf der einen Seite lebensweltlich aber auch durch professionelle Interventionen geprägt ist, in den zentralen Fokus des professionellen Handelns.

Der letzte Teil dieses Kapitels konkretisiert die Überlegungen der vorherigen Kapitelteile auf das Setting der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Ausgehend von der Perspektive der Bewohner_innen der KATA_TWG kristallisieren sich lt. der Autorin folgende zentrale Erfolgsfaktoren in Bezug auf ein „funktionierendes pädagogisch-therapeutisches Milieu“ heraus:

  • „Bindungs- und Beziehungsorientierung in einem partizipativ geteilten Lebensalltag
  • Dialogisch orientierte Fachkompetenz und personelle, disziplinäre sowie methodische Vielfalt
  • Psychosoziale Vernetzungskompetenz (lebenswelt- und umfeldorientiert, innerinstitutionell und interinstitutionell)“ (S. 34).

Diese drei Aspekte werden in den darauffolgenden drei Kapiteln weiter vertieft und durch fachlich passende Exkurse ergänzt.

Bindungs- und Beziehungskompetenz im Betreuungsalltag

Dieses Kapitel zeigt an ganz praktischen Beispielen, wie Bindungs- und Beziehungskompetenz im Alltag einer stationären Jugendwohngruppe umgesetzt werden kann. Hier wird z.B. der Umgang mit einer alltäglichen Szene, als Beziehungskompetenz in diesem Sinne kodiert und mit Hilfe weiterführender Literatur entsprechend gedeutet und vertieft. Das Kapitel schließt mit einem Resümee in Bezug auf die Definition von Qualität, die als „Herstellung einer schützenden Inselerfahrung“ definiert wird. Mit Blick auf die zuvor entwickelten äußerst plausiblen Überlegungen und mit Blick auf das Zielperspektiven Sozialer Arbeit als Hilfe zur Selbsthilfe auch über den Rahmen einer stationären Jugendhilfeeinrichtung hinaus, kann allerdings gefragt werden, ob es bei einer „Inselerfahrung“ bleiben kann. Oder sollte es im Rahmen der Definition von Qualität und Zielperspektiven nicht auch darüber hinaus gehen, indem z.B. die Inselerfahrung als therapeutische Basis fachlich genutzt werden, um an der systematischen (fachlich begleiteten) Ermöglichung weiterer Erfahrungen auch außerhalb der konkreten Jugendhilfeeinrichtung zu arbeiten?

Traumasensibilität als zentrale Problem- und Fachkompetenz

Dieses Kapitel fokussiert auf Traumasensibilität als zentrale Handlungskompetenz im Rahmen des beschriebenen Settings, das dem Konzept eines milieutherapeutischen Ansatzes verschrieben hat. Auch werden allgemeine Aspekte in Bezug auf was ist ein „Trauma“, „Traumafolgestörungen“ „Traumabewältigung“ und „Ressourcen orientierte Unterstützung“ allgemein referiert und dann am Beispiel der Falles Erik konkretisiert. Ergänzende Exkurse finden sich als Zusatzinformationen.

Die Vielfalt psychosozialer Vernetzungskompetenz

In ähnlicher Weise wie das vorherige ist auch dieses Kapitel aufgebaut. Allgemeine Aspekte von „Sozialem Netzwerk“ werden referiert und in den Unterkapiteln „Innerinstitutionelle Zusammenarbeit“ und „Interinstitutionelle Zusammenarbeit“ konkretisiert. In jedem Kapitel werden spezifische Einflussfaktoren benannt z.B. „Ineinandergreifen verschiedener Betreuungsangebote“ (S. 66) oder „Betreuungsnetz aus Klinik, WG und Schule“. Hierzu finden sich jeweils good-practice Beispiele aus der KATA_TWG Untersuchung, diesmal jedoch mit anderen Fallvignetten als beispielhaften Illustrationen. Das Kapitel schließt mit dem eher allgemeinen Fazit aus struktureller Perspektive, dass eine gelungene Vernetzungsarbeit Ressourcen „bietet“ aber auch „benötigt“ (S. 79).

Die Praxis vor Ort: Trauma- und beziehungssensible Diagnostik in der stationären Kinder – und Jugendarbeit

Das Kapitel beginnt mit einer Fallvignette einer Bewohnerin aus einer Mädchenwohngruppe. Anschließend wird das Konzept einer aufbauenden Diagnostik vorgestellt, welches klassifikatorische, biografische und lebensweltorientierte Verfahren miteinander verknüpft. Die literaturgestützte Argumentation, dass diese Kombination diagnostischer Verfahren sowohl die Ansprüche an Diagnostik aus Ausgangspunkt professioneller Interventionsplanung erfülle, als auch die Bedarfe bzw. Sensibilitäten von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt, die schwierigsten Lebenssituationen ausgesetzt waren, verdeutlicht die Autorin an der zuvor beschriebenen Fallvignette.

Die Praxis vor Ort: Trauma- und beziehungssensible Intervention in der stationären Kinder- und Jugendarbeit

In ähnlicher Weise wie das Kapitel „Diagnostik“ ist das Kapitel „Intervention“ aufgebaut. Es beginnt mit einer Abgrenzung psychosozialer Intervention bei traumatisierten Kindern von einem therapeutischen Setting zu einem pädagogischen Setting. Der Unterschied liegt laut Gahleitner darin, dass es in einem pädagogischen Setting aufgrund der hohen Komplexität der Gesamtsituation des Kindes bzw. der Jugendlichen nicht darum gehe, ein Trauma zu „heilen“ sondern die Gesamtsituation zu stabilisieren und das Kind bzw. den Jugendlichen auf ein Leben außerhalb der Einrichtung vorzubereiten. Dementsprechend sind dann auch die Interventionsschritte aufeinander aufgebaut:

  1. Umfassende Sicherheit herstellen
  2. Trauma- und Problembewältigung unterstützen
  3. Integration in den Lebensalltag nach der Einrichtung.

Als Ebenen der Umsetzung werden ein sog. „kreativer Übergangsraum“, ein geschütztes Einzelsetting sowie der Gruppenalltag benannt und als verbindendes Element die Sicherheit gebende, personell kontinuierliche Beziehung zu den Pädagogen in der Einrichtung beschrieben. Diese Schritte, Ebenen und das Postulat des Wirkprinzips „Beziehung“ werden gestützt auf ältere und neuere Literatur expliziert und an der Fallvignette des Kapitels davor illustriert. Schaubilder und beeindruckende Kinderbilder aus dem „kreativen Übergangsraum“ tragen weiterhin zur Veranschaulichung bei.

Abschließende Überlegungen: Anerkennung, Würde und Respekt als grundlegende Paradigmen der stationären Kinder- und Jugendarbeit

Dieses Kapitel ist den politischen Rahmenbedingen gewidmet, unter denen die fachliche Leistung ein pädagogisch-therapeutisches Milieu zu ermöglichen aktuell stattfindet bzw. deren Kritik. Mit Hilfe neuerer Literatur aus der Traumaforschung und illustrierenden O-Tönen von Bewohner_innen und Betreuer_innen aus der KATA-TWG Studie betont Gahleitner einerseits die Wichtigkeit der dargestellten fachlichen Arbeit für die betroffenen Kinder- und Jugendlichen. Andererseits kritisiert sie nachdrücklich die Erbringungsbedingungen dieser in den einzelnen Kapiteln dargestellten, herausfordernden, hochanspruchsvollen Arbeit der Fachkräfte, die sich vor allem in der Verknappung der Mittel zeige.

Diskussion und Fazit

Die Verwobenheit der Entstehung biopsychischer und sozialer Daseinszustände von Menschen und die Bedeutung dieser Zusammenhänge für die praktische Bearbeitung daraus entstehender Problematiken unter real-konkreten Bedingungen werden eindrucksvoll und plastisch beschrieben und durch die immer wieder einfließenden Fallschilderungen greifbar. Die schon in der ersten Auflage vorhandenen und in der zweiten Auflage weiter ergänzten, zahlreichen Literaturhinweise machen das Buch darüber hinaus zu einer ertragreichen Bibliografie für alle, die sich in die Thematik einarbeiten oder sich fachlich vergewissern möchten.

Den Anspruch des Buches, Menschen in diesen Tätigkeitsfeldern Mut für ihre Arbeit zu machen bzw. aus fachlicher Sicht aber dennoch in verständlicher Sprache, darauf hinzuweisen, welch hoch komplexe anspruchsvolle Arbeit von Fachkräften der Sozialen Arbeit in diesen Einrichtungen geleistet wird auch die zweite Auflage des Buches sehr gerecht. Ob es allerdings Mut macht, unter den (kursorisch) beschriebenen Arbeitsbedingungen dies zu tun, bleibt offen. Allerdings könnte die Lektüre des Buches auch die sozialarbeitswissenschaftliche Forschung dazu anregen, sich die Wirkungen der Erbringungsbedingungen auf die fachliche Arbeit und damit auf Hilfe- und Unterstützung suchende Klient_innen genauer anzusehen und auf empirischer Basis weiter zu explizieren, so wie dies in anderen Handlungsfeldern auch schon geschieht (Beckmann et al. 2018; Hansjürgens 2018).

So kann zusammenfassend konstatiert werden, dass sich auch die zweite Auflage des Buches aus mehreren Perspektiven (z.B. Praxis, Politik, Forschung) mit Gewinn lesen lässt. Daher ist es vor allem für Studierende oder Praktiker_innen aber auch Forscher_innen interessant, die einen Zugang zu einer komplexen Materie, mit der Option sich mit Hilfe der zahlreichen Literatur weiter darin zu vertiefen, suchen. Die verschiedenen Möglichkeiten dieses Buch zu lesen, regen die Auseinandersetzung mit der Thematik an und machen dadurch Lust auf mehr. Allein das ist schon ein Gewinn.

Literaturverzeichnis

  • Beckmann, Kathinka; Ehlting, Thora; Klaes, Sophie (2018): Berufliche Realität im Jugendamt. Der ASD in strukturellen Zwängen. Berlin, Freiburg im Breisgau: Verlag des Deutschen Vereins für Öffentliche und Private Fürsorge e.V; Lambertus-Verlag (Jugend und Familie, 16).
  • Hansjürgens, Rita (2018): „In Kontakt kommen“. Analyse der Entstehung von Arbeitsbeziehungen in Suchtberatungsstellen. Baden-Baden: Tectum-Verlag
  • Sommerfeld, Peter; Hollenstein, Lea; Calzaferri, Raphael (2011): Integration und Lebensführung. Ein forschungsgestützter Beitrag zur Theoriebildung der Sozialen Arbeit. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verlagfür Sozialwissenschaften

Rezensentin
Rita Hansjürgens
M. A., Dipl. Sozialarbeiterin, Lehrkraft für besondere Aufgaben, Katholische Hochschule NRW, Abt. Paderborn
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Zitiervorschlag
Rita Hansjürgens. Rezension vom 07.08.2018 zu: Silke Birgitta Gahleitner: Das pädagogisch-therapeutische Milieu in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Trauma- und Beziehungsarbeit in stationären Einrichtungen. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2017. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-88414-676-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23969.php, Datum des Zugriffs 19.12.2018.


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ISSN 2190-9245

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