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Dietmar Kruczek: Drogenstrich. Die Karriere des Axel K

Cover Dietmar Kruczek: Drogenstrich. Die Karriere des Axel K. docupoint Verlag (Magedeburg) 2004. 4. Auflage. 222 Seiten. ISBN 978-3-938142-19-6. 12,90 EUR.
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Erster Eindruck und Thema

Das vorliegende Buch macht schon äußerlich einen merkwürdigen Eindruck. Man erkennt ein Paar Männerbeine, die in Frauenschuhen stecken und an einer Bar stehen. Um die Hüfte rankt sich ein Minirock. Das Foto ist schwarz- weiß, über dem Oberkörper der Person steht der Titel des Buches: "Drogenstrich, die Geschichte des Axel K.". Das Wort "Drogenstrich" ist in rot geschrieben und soll wohl von der Schriftart bedrohlich wirken. Aha, es liegt also ein Buch mit ernster Thematik vor. Es geht um das Leben des Axel K, der, so verrät es die Rückseite des Buches, am ersten Oktober 1989 achtzehn wird und das Elternhaus verläßt, um in die großen Städte zu ziehen. Prostitution und Drogen verhelfen ihm dort zu einer zweifelhaften Karriere. Die erste Frage, die man sich automatisch stellt, ist die nach der Notwendigkeit eines solchen Buches. Gibt es nicht schon genügend Bücher über drogenabhängige Kids, deren Leben mit Moralanstrich für Pädagogikzwecke in Buchform gebracht wurde? Christiane F. als wohl bekanntestes Beispiel wurde sogar verfilmt.

Gut, ich sage es direkt: Verfilmt werden muß dieses Buch ganz bestimmt nicht.

Inhalt

Was erlebt Axel K. so wichtiges, das es aufgeschrieben werden muß? Hierfür ist es nicht unwesentlich, die Überschriften der einzelnen Kapitel aufzuzählen:

  1. Von Wittenberg nach Berlin (Ost)
  2. Leipzig/ Halle
  3. Dresden
  4. Berlin (Ost)
  5. Berlin (West)
  6. Hamburg
  7. Kassel
  8. Göttingen
  9. Wittenberg
  10. Berlin
  11. Köln/ Düsseldorf
  12. Köln
  13. München
  14. Von Frankfurt/ Main nach Wittenberg
  15. Nachbemerkung

Axel K. kommt also in diesem Buch viel herum. Aber was passiert ihm noch? Er lernt Leute kennen, und erlebt merkwürdige Dinge. Claudia, Pit, Friedo, Steffen, Pille, Steffi, die Queen, Joachim, Mario, Zilly, sind nur die, die Axel K. bis auf Seite 33 kennengelernt hat. In dieser Zeit hat er bereits mit einer Lesbe (Claudia) Zechen geprellt und in einer Hausruine genächtigt, Pit und Friedo den Kopf verdreht, eine alte Liebschaft (Steffen) wiedergesehen, ist in die Fänge einer Satanssekte geraten (Pille und Steffi), macht mit "der Queen" ("...ein junger Bursche mit auffallen schlanker Figur") die Schwulenszene unsicher und klaut dem Freier Joachim dessen Brieftasche. Im weiteren Verlauf seiner Reisen trifft Axel K. immer mehr Menschen, geht immer mehr "anschaffen", sowohl auf dem Bahnhofstrich, als auch im Bordell. Nebenbei fällt auch die Mauer und Ost und West vereinigen sich. Er kommt mit Drogen in Kontakt und steigert ganz "klassisch" sowohl die Drogenarten (erst Hasch, dann Heroin) als auch die Mengen. Am Ende raucht er massiv Heroin, wird zum Dealen gezwungen (von 15 Herren in schwarzen Anzügen) und entzieht schließlich bei "Bernd" zu Hause in einer kleinen Kammer. Nach fünf Tagen ist der Entzug geschafft und Axel K. feiert mit Bernd Neujahr 1991. In der Nachbemerkung erfährt der Leser, das Axel K., nun mit R. in einer Zweiraumwohnung in Berlin lebt, 1200 DM im Monat verdient und clean ist.

Kommentar

Was macht dieses Buch denn nun lesenswert? Ich würde sagen: Nichts. Die Unmenge an unbedeutenden Begegnungen, die detailliert geschildert werden, die immer wiederkehrenden Probleme (Lügen, Drogen, Anschaffen), die man schon aus besser geschriebenen Werken kennt, machen das Buch nicht gerade zu einer fesselnden Lektüre, sondern wirken eher ermüdend. Dem Protagonisten passiert, abgesehen von ein paar wirklich schlimmen Erlebnissen (die einem aber größtenteils auch irgendwie bekannt vorkommen), immer das Gleiche. Schlimm genug für ihn, aber muß man darüber ein Buch schreiben?

Drogenkarrieren und Prostitution sind sicherlich ein interessanter Stoff für ein Buch, aber es sind die Geschichten, die man noch nicht kennt und die etwas "Besonderes" beschreiben, die den Leser fesseln. Von Axel K. erfährt man nichts an Hintergründen. Kein Familienbild, keine innere Zerrissenheit, keine Sehnsüchte, Wünsche oder Gedanken. Die Familie bzw. Familiengeschichte spielt letztlich kaum eine Rolle in diesem Buch. Vielleicht war das als Kunstgriff gedacht, aber der Autor verschenkt hier ein großes Potential.

Das "Besondere" an der Geschichte, nämlich das Geschehen in den Bereichen der mann- männlichen Prostitution, das Versagen von Hilfeeinrichtungen und der offensichtlich problematische Coming-out-Prozess des Axel K. im "Milieu", ist nicht gut aufbereitet, wird dem Protagonisten nicht gerecht und vermittelt sich dem Leser leider gar nicht.

Zum Schluß möchte ich einen weiteren Kritikpunkt nicht vorenthalten: einerseits ist das Buch sehr moralisierend, andererseits rutscht es an vielen Stellen in einen fast "schmierigen" Schlagzeilenjournalismus. So beschreibt Herr Kruczek, wie sich Axel K. "Opfer" sucht (gemeint sind Freier), die er beklauen kann, oder in Schwulenkneipen auf der Suche nach Sex ist. Eigentlich ist nichts dagegen einzuwenden, in Szenebars jemanden zu suchen, mit dem man Sex haben kann, aber die Art, wie Herr Kruczek in einem völlig altmodisch wirkenden "Ton" die Worte Schwulenkneipe, Homosexuelle oder Bordell benutzt, ist eine schwülstige und vermittelt beim Leser den Eindruck von etwas unsauberen, verbotenen und zwielichtigen.

Fazit

Dieses Buch muss niemand lesen. Weder Kinder, Jugendliche, noch Erwachsene.


Rezension von
Dipl. Soz.Arb. Jan Bluschke
Berlin
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Zitiervorschlag
Jan Bluschke. Rezension vom 31.05.2005 zu: Dietmar Kruczek: Drogenstrich. Die Karriere des Axel K. docupoint Verlag (Magedeburg) 2004. 4. Auflage. ISBN 978-3-938142-19-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2397.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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