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Barbara Baumeister, Trudi Beck (Hrsg.): Schutz in der häuslichen Betreuung alter Menschen

Cover Barbara Baumeister, Trudi Beck (Hrsg.): Schutz in der häuslichen Betreuung alter Menschen. Misshandlungssituationen vorbeugen und erkennen, Betreute und Betreuende unterstützen. Hogrefe (Bern) 2017. 216 Seiten. ISBN 978-3-456-85664-3. 29,95 EUR, CH: 39,90 sFr.
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Thema

In der vorliegenden Publikation wird das Thema der häuslichen Pflege älterer Menschen und dem Risiko dabei, von Gewalt betroffen zu sein, aufgegriffen. Je eingeschränkter die Mobilität und je größer die Hilfe- und Pflegebedürftigkeit sei, desto stärker nimmt dieses Risiko zu. Die Ausführungen sollen einen Beitrag zur Diskussion von häuslicher Betreuung und Pflege auf unterschiedlichen Ebenen in der Schweiz bieten.

Herausgeberinnen

  • Barbara Baumeister, Diplom Psychologin am Department Soziale Arbeit in Zürich.
  • Trudi Beck, Professorin für Soziale Arbeit an gleicher Einrichtung.

Aufbau und Inhalt

Die Publikation ist in drei Teile gegliedert:

  1. „Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung in der häuslichen Betreuung alter Menschen“
  2. „Intervenierende Fachpersonen“
  3. „Häusliche Betreuung“

Zu Teil I

Teil I wird mit einem ersten Kapitel der Herausgeber „Zahlen und Fakten zu Gewalt an alten Menschen“ eingeleitet. Der Begriff „Gewalt“ sei weder wertneutral noch objektiv, er beruhe auf kulturellen Werten und Normen und sei meist mit negativen Assoziationen verbunden. Die Misshandlung älterer Menschen sei bisher wenig erforscht. Die folgenden Ausführungen dazu konzentrierten sich auf die Gewalt in der Familie und unter Intimpartnern. Es werden die Formen von Gewalt und Ursachen sowie Risikofaktoren in der Schweiz benannt.

Von Barbara Braumeister, Trudi Beck und Milena Gehrig wird das folgende Kapitel „Sechs Konfliktmuster: Ergebnisse einer Aktenanalyse“ verfasst (S. 43 ff). Es wurden 572 Fallakten, die zwischen 2009 und 2012 eröffnet wurden, gesichtet und nach der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Sechs unterschiedliche Konfliktmuster konnten herausgearbeitet werden.

Zu Teil II

Teil II „Intervenierende Fachpersonen“ beginnt mit Kapitel drei „Auftrag der Behörden, Fachstellen und Organisationen“ verfasst von den beiden Herausgebern (S. 87 ff). Es beginnt mit einem Interview eines Vertreters der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB). Es folgen Ausführungen aus der Sicht der Polizei und der Medizin, die an spezifischen Fallvignetten verdeutlicht werden.

Kritische Situationen und Herausforderungen: Ergebnisse aus Interviews mit Fachpersonen“ ist der Titel von Kapitel vier. Es wird betont, dass ein vernetztes, interdisziplinäres Vorgehen wichtig sei und Grundkenntnisse über die jeweiligen involvierten Fachgruppen voraussetze (S. 129 ff). Hier wurden sieben Einzelinterviews mit unterschiedlichen Fachpersonen und drei weitere mit Behörden durchgeführt und ausgewertet. Eine besondere Herausforderung bestehe darin, dass die betroffenen Personen von Gewalthandlungen die Hilfe auch annehmen. Sie scheuten sich vor Abhängigkeiten, finanziellen Problemen oder auch Geschwisterkonflikten um Betreuungsleistungen (S. 154).

Zu Teil III

Von Francois Höpflinger wurde das fünfte Kapitel „Zahlen und Fakten zur häuslichen Betreuung“ innerhalb von Teil III „Häusliche Betreuung“ verfasst. So wurden 2008 45 % aller pflegebedürftigen Menschen 65 + zu Hause betreut. Die Mehrheit (55 %) in stationären Einrichtungen. Der Hauptgrund für die starke Stellung der stationären Pflege läge in einer langen sozialpolitischen Tradition einer kommunalen Altersversorgung (S. 162). In den letzten Jahren seien die ambulanten Angebote angestiegen und vielfältiger geworden.

Das letzte Kapitel sechs von Barbara Braumeister, Trudi Beck und Milena Gehrig ist mit dem Titel „Betreuende und Betreute berichten: Ergebnisse aus Interviews mit Betroffenen“ überschrieben. Es zeigten sich insbesondere Unterschiede in den Beziehungsqualitäten, in den Motiven der Pflegeübernahme sowie Differenzierungen in der aktiven Selbsthilfe bzw. der Inanspruchnahme von Hilfen (S. 186).

Fazit

Die vorliegende Publikation ist eine gründliche Aufarbeitung des Schutzes vor Gewalt oder Misshandlung in der häuslichen Betreuung älterer Menschen in der Schweiz. Es werden Gefahren und mögliche Interventionen leicht verständlich diskutiert. Leider sind die Fakten und Zahlen, die genannt werden, meist von 2008 und damit nicht mehr ganz aktuell.


Rezensentin
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische Sozialforschung und Gerontologie
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Zitiervorschlag
Gisela Thiele. Rezension vom 01.06.2018 zu: Barbara Baumeister, Trudi Beck (Hrsg.): Schutz in der häuslichen Betreuung alter Menschen. Misshandlungssituationen vorbeugen und erkennen, Betreute und Betreuende unterstützen. Hogrefe (Bern) 2017. ISBN 978-3-456-85664-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23974.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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