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Katja Baumer: Elterngespräche mit Trennungs-, Scheidungs- und Patchworkfamilien

Cover Katja Baumer: Elterngespräche mit Trennungs-, Scheidungs- und Patchworkfamilien. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2017. 102 Seiten. ISBN 978-3-8497-0181-9. D: 9,95 EUR, A: 10,30 EUR.
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Thema

Kinder und Jugendliche mit getrennten Eltern und jene, die in Patchworkfamilien leben, werden immer mehr. Die Herausforderungen, die die Kinder und Jugendlichen aufgrund dieser Lebenssituation bewältigen müssen, beeinflussen oftmals auch den schulischen Alltag. PädagogInnen sind in den Gesprächen mit den Eltern gefordert, Lösungswege zu finden, die die Kinder und die Eltern im Schulalltag unterstützen. Dies soll durch eine ressourcenorientierte systemische Gesprächsführung gelingen.

Autorin

Katja Baumer ist Gymnasiallehrerin und systemische Beraterin.

Entstehungshintergrund

Das vorliegende Buch stammt aus der Reihe „Spickzettel für Lehrer“.

Aufbau

Dieser Ratgeber gliedert sich in acht Kapitel, die sich einerseits mit Grundlagen der systemischen Beratungspraxis anderseits mit der praktischen Umsetzung systemischer Gesprächsführung mit Eltern nach Trennung/Scheidung und in Patchworkfamilien im Hinblick auf Schwierigkeiten ihres Kindes im pädagogischen Alltag, auseinandersetzen. Die Deutsche Nationalbibliothek bietet das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

1. Grundlagen

Systemische Betrachtungsweisen haben den Vorteil, dass sie bei den GesprächspartnerInnen Reflexionsgespräche anregen sollen, um zu einer Lösung zu kommen.

Folgende Begrifflichkeiten, die bedeutsam für das Verständnis und die Anwendung systemischer Sichtweisen sind, werden näher erläutert: System, Muster, Zirkularität, Konstruktivismus, Pacing und Leading und systemische Fragestellung werden kurz erklärt. Übungen und Aufgabenstellungen aus pädagogischen Beratungsgesprächen stellen die Verbindung zwischen Theorie und Praxis dar.

In diesem Kapitel wird auch auf die Haltung der BeraterIn im Kontakt mit den Eltern eingegangen. Allparteilichkeit, Wertschätzung, Einhaltung von Regeln, die im Kontext Schule vorgegeben sind sowie aktives Zuhören werden beschrieben. Einen großen Stellenwert nimmt auch die Ressourcenorientierung ein, die eine wesentliche Grundhaltung systemischen Arbeitens darstellt: Eltern und ihre Kinder werden als Menschen gesehen, die über Ressourcen verfügen, um Lösungen zu finden und hilfreiche Wege zur Veränderung der Schwierigkeiten einschlagen zu können. Es werden Möglichkeiten vorgestellt, wie sich Ressourcen erkennen, benennen und nutzen lassen.

2. Ein Elternpaar, das sich getrennt hat

Bei Eltern, die sich getrennt haben, sind u.a. negative Kommunikationsmuster, die sich in der gemeinsamen Zeit gebildet haben, nach wie vor aufrecht. Diese können auch bei Gesprächen mit LehrerInnen auftreten, ohne dass ein Auslöser zu erkennen ist. In diesen Situationen wird das Ansprechen der Konflikte durch die/den PädagogIn als hilfreich angesehen, um dann wiederum nach einer gemeinsamen Lösung suchen zu können – denn Emotionen haben Vorrang! Hierfür werden unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten für die pädagogische BeraterIn vorgeschlagen: Einnehmen einer Metaposition, wertneutrale Artikulation der eigenen Betroffenheit, Erlaubnis, unterbrechen zu dürfen, wenn der Streit emotionaler werden sollte sowie der eigenen Wahrnehmung Ausdruck zu verleihen. Zusätzlich werden systemische Fragen aufgelistet, die dem Gespräch wiederum eine positive Wendung geben können.

Das Vereinbaren von Kommunikationsregeln und die Akzeptanz der aktuellen Situation stellen ebenfalls eine gute Grundlage für das Gelingen der Gespräche mit den Eltern dar.

3. Ablauf von Beratungsgesprächen

In diesem Kapitel werden die einzelnen Phasen eines Beratungsgesprächs beschrieben:

  • Beziehung aufbauen
  • Anliegen konkretisieren – Austausch über Wünsche und Ziele aller Beteiligten
  • Bearbeitungs- und Lösungsebene finden
  • Impulse geben
  • Vereinbarungen treffen, Gespräch abschließen

Diese Phasen laufen jedoch nicht immer linear ab, sondern können sich auch überschneiden:

Systemische Fragen, Mediationsmethoden sowie ein Überblick über systemische Gesprächsführung runden dieses Kapitel ab.

4. Patchwork

Ein kurzer Diskurs über Patchwork aus systemischer und aus Lehrersicht sowie die Situation der Kinder in Bezug auf die Anforderungen der Schule stehen im Mittelpunkt dieses Kapitels.

5. Beispiele aus dem pädagogischen Alltag

Hier werden unterschiedliche Fallbeispiele aufgegriffen und unter den Gesichtspunkt „systemische Ideen“ systemische Lösungsvorschläge angeboten.

6. Hilfreiches zur Selbstbeobachtung

Die Haltung des Pädagogen ist ausschlaggebend, ob sich Eltern akzeptiert fühlen und sich auf den Beratungsprozess einlassen.

Um die eigenen Vorurteile und Werthaltungen zu hinterfragen, werden den PädagogInnen Fragen und selbstreflexive Übungen angeboten, die hilfreich sind, um mit Eltern wertschätzend und auf Augenhöhe zu kommunizieren, mit dem Ziel, Lösungen für die Schwierigkeiten ihrer Kinder im schulischen Kontext zu finden.

7. Was tun, wenn das Gespräch in eine Sackgasse gerät?

In diesem Kapitel rät die Autorin zu einer kleinen Pause und regt zu unterschiedlichen Übungen an (Achtsamkeitstraining, Selbstoffenbarung, Ergebnis vorwegnehmen, Worst-Case-Frage).

8. So geht's bestimmt schief

Im letzten Kapitel werden Verhaltensweisen angeführt, die sicher zum Mißlingen einer Beratung führen.

Diskussion

Dieses Buch ist in der Reihe „Spickzettel für Lehrer – Systemisch Schule machen“ erschienen. Wie schon der Name sagt, handelt es sich um einen kleinen Helfer für Elterngespräche mit Trennungs-, Scheidungs- und Patchworkfamilien.

Immer mehr PädagogInnen sind im beruflichen Alltag mit Kindern und Jugendlichen konfrontiert, deren familiäre Veränderungssituation sich auch auf die Schule auswirkt. Trennungen von Eltern und damit verbunden sich ändernde Familien- und Lebenssituationen für Kinder sind keine Ausnahmen, sondern betreffen jedes 3 Kind – Tendenz steigend. So wie jede Veränderung oder jeder Übergang im Leben von Kindern Auswirkung auf das pädagogische System hat, so trifft dies auch auf Trennungen zu. Die Autorin nähert sich dieser Thematik mit einer positiven Grundhaltung und gibt Anregungen, um gemeinsam mit den Trennungs- und Patchworkeltern Lösungen für Schwierigkeiten, die Kinder aufgrund der familären Änderung in der Schule zeigen, zu finden.

Mit diesem Buch bekommen PädagogInnen ein Werkzeug für eine ressourcenorientierte systemische Gesprächsführung in die Hand. Beim Lesen entsteht immer Verständnis für die jeweilige Lebenssituation, das Buch hilft, individuelle Lösungen zu finden und unterstützt Kinder und ihre Eltern im Schulalltag.

Die systemische Sichtweise kann in der Kürze des Buches nicht in ihrer Komplexität dargestellt werden, das Büchlein regt aber an, sich in diese Perspektive zu vertiefen. Denn ein Wechsel zur systemischen Sicht bedeutet in Lösungen und nicht in Problemen zu denken, Ressourcen und nicht Defizite in den Vordergrund zu rücken.

Fazit

Alles in allem eine gute Anregung, sich mit der Situation von Eltern in Trennungs- bzw. Scheidungsprozessen näher zu befassen und Basiswissen für ressourcenorientierte Gesprächsführung zu erhalten! Durch die übersichtliche Struktur eignet es sich als schnelles Nachschlagewerk. Für Vertiefung ist weiterführende Literatur zu empfehlen.


Rezensentin
Mag. Dagmar Bojdunyk-Rack
Geschäftsführerin RAINBOWS-Österreich
Homepage www.rainbows.at
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Zitiervorschlag
Dagmar Bojdunyk-Rack. Rezension vom 26.04.2018 zu: Katja Baumer: Elterngespräche mit Trennungs-, Scheidungs- und Patchworkfamilien. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2017. ISBN 978-3-8497-0181-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23976.php, Datum des Zugriffs 23.10.2018.


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