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Anton Došen: Psychische Störungen und Verhaltens­auffälligkeiten (...)

Cover Anton Došen: Psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. Ein integrativer Ansatz für Kinder und Erwachsene. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2018. 2., überarbeitete Auflage. 515 Seiten. ISBN 978-3-8017-2828-1. 49,95 EUR, CH: 65,00 sFr.
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Thema

Das Buch liefert einen fundierten Überblick zur Entstehung, Diagnostik und der multimodalen Behandlung von psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Erwachsenen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung. Dem diagnostischen und therapeutischen Vorgehen liegt ein Konzept der emotionalen und der Persönlichkeitsentwicklung zugrunde, welches psychologische und psychiatrische sowie heilpädagogische und biologische Erkenntnisse integriert (Klappentext). Hier handelt es sich um eine Neuauflage, in der aktuelle empirische Befunde, Forschungsergebnisse und Entwicklungen im Bereich der emotionalen Entwicklung aufgenommen wurden.

Autor

Anton Došen ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Facharzt für Erwachsenenpsychiatrie, mittlerweile ist er emeritierter Professor der Radboud University Nijmegen.1992 gründete Došen gemeinsam mit anderen Expert*innen die European Association in Mental Health in Intellectual Disability (MHID), die deutsche Vereinigung heißt Deutsche Gesellschaft für Seelische Gesundheit bei Menschen mit geistiger Behinderung (DGSGB).

Aufbau

Bei dem hier vorgelegten Buch handelt es sich um die zweite überarbeitete Auflage. Die erste Auflage erschien im Jahr 2010. In den Niederlanden ist das Buch mittlerweile in der 5. Auflage erschienen.

Das Buch hat einen Umfang von 515 Seiten und gliedert sich in sechs Teile, die sich wiederum in 25 Kapitel untergliedern:

  1. Allgemeine Aspekte

  2. Praxis der Diagnostik und Behandlung

  3. Psychische Störungen und Dysfunktionen bestimmter Regionen des Zentralnervensystems

  4. Psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten auf unterschiedlichem Entwicklungsniveau

  5. Spezielle Störungen und Syndrome

  6. Seelische Gesundheit bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung

Ergänzt werden:

  • Literatur
  • Anhang 1: SEO – Schema der emotionalen Entwicklung (0–12 Jahre)
  • Anhang 2: SEO – Interviewleitfaden zum emotionalen Entwicklungsstand
  • Anhang 3: SOPD – Skala für entwicklungspsychiatrische Diagnostik
  • Anhang 4: SOPD – Auswertungsbogen
  • Anhang 5: Verhaltensauffälligkeiten bei unterschiedlichem Entwicklungsniveau
  • Stichwortregister

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Jeder Teil beginnt mit einer Einleitung und endet mit einem Fazit. Der Anhang aus fünf Teilen, plus einem Literaturverzeichnis (30 Seiten!) und einem Stichwortregister machen das Buch komplett. Der Text ist gut gegliedert. Am rechten oberen Seitenrand findet man die Überschrift des jeweiligen Abschnittes, am linken oberen Rand die Kapitelnummer. Fallvignetten sind durch einen grauen Strich hervorgehoben, 22 Tabellen und zahlreiche Fußnoten erläutern Sachverhalte und lockern den Fließtext auf.

Zum ersten Teil

Der erste Teil „Allgemeine Aspekte“ umfasst vier Kapitel. Das erste Kapitel handelt von psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten (Häufigkeit, Vorkommen, Diagnostik und Klassifikation sowie die Ätiologie, Pathogenese und Behandlung).

Um die Erklärung der Begriffe „intellektuelle Beeinträchtigung“ und „psychische Gesundheit“ bei Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung, um Störungen der psychischen Gesundheit, um problematisches Verhalten und um psychiatrische Störungen dreht sich das zweite Kapitel.

Inhalt des dritten Kapitels sind psychiatrische und heilpädagogische Sichtweisen. Dabei werden sowohl die Entwicklungsdimension in der Betrachtung von Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen als auch die Entwicklungsorientierung betrachtet. Der Autor stellt das entwicklungsdynamische und entwicklungspsychiatrische Konzept der intellektuellen Beeinträchtigung vor. Diese mündet aus Sicht der Entwicklungsperspektive im integrativen Ansatz. Daran anschließend folgt die heilpädagogische Perspektive psychosozialer Verhaltensprobleme bei Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung, dabei werden die Art des Verhaltens, die Eigenschaften der Person und die Beschaffenheit der Situation untersucht. Das dritte Kapitel endet mit der Klassifikation und Beschreibung sowie der Unterstützung in Form von Behandlung und Begleitung.

Das letzte Kapitel im ersten Teil bespricht das multidimensionale Modell der emotionalen und Persönlichkeitsentwicklung und der Bedeutung für die Diagnostik. Im Mittelpunkt stehen Persönlichkeitsmerkmale auf verschiedenen Entwicklungsniveaus, die emotionale Entwicklung und die basalen Bedürfnisse und Motivationen.

Zum zweiten Teil

Der zweite Teil „Praxis der Diagnostik und Behandlung“ bespricht in drei Kapiteln die Praxis der Diagnostik (5), die integrative Diagnostik (6) und die Behandlung (7). Vor der Behandlung steht eine intensive Anamnese, die die Beobachtung des Verhaltens sowie jeweils körperliche, psychologische und heilpädagogische Untersuchungen einschließt. Dazu gehören die kognitive Entwicklung, das soziale Entwicklungsniveau und das adaptive Verhalten, das emotionale Entwicklungsniveau und die Persönlichkeitsentwicklung. Hinzu kommt eine neuropsychologische Untersuchung, eine Verhaltensanalyse, eine psychiatrische Untersuchung, zu der eine Symptomatologie sowie Untersuchungsskalen gehören. Erforderlich ist auch die Untersuchung der schulischen und beruflichen Leistungsfähigkeit, das Herausfinden persönlicher Stärken, die Untersuchung des Lebensumfeldes, eine Untersuchung bei Problemverhalten und anderen Verhaltensauffälligkeiten. Am Anfang des diagnostischen Prozesses der integrativen Diagnostik steht die Problembeschreibung, bei der zwischen dem normalem und auffälligem Verhalten sowie der psychische Störung differenziert wird. Dieser Teil endet mit der Strategie der Behandlung in Bezug auf den Hilfebedarf, den Behandlungsmethoden in Bezug auf Förderung und Training, die heilpädagogische Behandlung in Bezug auf Erziehung und Begleitung sowie die Evaluation der Behandlung.

Zum dritten Teil

Einen Umfang von vier Unterkapiteln findet man im dritten Teil mit dem Titel „Psychische Störungen und Dysfunktionen bestimmter Regionen des Zentralnervensystems“. Den Anfang machen Funktionsstörungen als Grundlage von Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Störungen (8). Behandelt werden Funktionsstörungen der Großhirnhemisphären, Störungen der rechten Hemisphäre, nonverbale Lernstörungen, Störungen des sog. Corpus callosum, sensorische Störungen, Verhaltensauffälligkeiten und psychische Störungen, Sehstörungen, Hörstörungen sowie deren Kombination, sensorische Integrationsstörungen, Schlafstörungen (inkl. Diagnostik und Behandlung), Sprech- und Sprachstörungen, Verhaltensprobleme und psychische Störungen, rezeptive Sprachstörungen, das Landau Kleffner Syndrom (gemeint ist eine erworbene Aphasie mit Epilepsie) sowie das Fetale Alkoholsyndrom.

Zu den Regulationsstörungen (9) gehören Regulationsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten, Regulationsstörungen und psychische Störungen und das Gilles de la Tourette Syndrom. Das zehnte Kapitel handelt von der Epilepsie und psychische Störungen bei Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung, vorkommenden Verhaltensproblemen und psychischen Störungen. Der dritte Teil schließt mit psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen mit Autismus Spektrum Störung und anderen tiefgreifenden Entwicklungsstörungen ab. Die Autismus Spektrum Störung ist eine Störung der neuronalen Entwicklung mit Auswirkungen auf die emotionale Entwicklung. Zu den anderen tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gehören das Rettsyndrom, die Desintegrationsstörung, das Asperger Syndrom sowie multiple Complex Developmental Disorder (MCDD).

Zum vierten Teil

Der vierten Teil „Psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten auf unterschiedlichem Entwicklungsniveau“ differenziert psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Personen mit schwerster intellektueller Beeinträchtigung, schwerer intellektueller Beeinträchtigung, mittelgradiger intellektueller Beeinträchtigung und mit leichter intellektueller Beeinträchtigung.

Im Mittelpunkt stehen Störungen der psychophysiologischen Homöostase, Kontaktstörung, selbstverletzendes Verhalten, stereotypes Verhalten, Störungen des Bindungsprozesses, zu dem auch psychotische Zustände und maladaptives Verhalten zählen sowie affektive Störungen und Angst-und Zwangsstörungen.

Zum fünften Teil

Der fünfte Teil „Spezielle Störungen und Syndrome“ gliedert sich in neun Unterkapitel. Dazu gehören Störungen der Entwicklung des Selbst (16), zu der auch im Besonderen die reaktive Bindungsstörung und die Mentalisierungsstörung gehören. Das siebzehnte Kapitel stellt aggressives (und autoaggressives) Verhalten und Impulskontrollstörung bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung in den Fokus, Hier werden Formen der Aggressivität, biologische und psychiatrische Aspekte der Aggressivität, Funktionsstörungen und Aggressivität, Entwicklungsaspekte und Aggressivität sowie der Impulsivität und Impulskontrollstörungen besprochen. Das Kapitel schließt mit der Diagnostik und Behandlung.

Anschließend werden psychotische Zustände bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung betrachtet. Den Einstieg bildet die Begriffsbestimmung „Psychose“ bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, daran schließen sich biologische und kognitive Erklärungen des Störungsbildes an. Unterschieden wird zwischen Psychosen und psychotischen Zuständen in Bezug auf Kinder und Erwachsene sowie in Bezug auf den Ausprägungsgrad (schwer oder mittelgradig) der intellektuellen Beeinträchtigung. Anschließend wird die Schizophrenie bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen besprochen. Zu den affektiven Störungen bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung gehören die depressiven Störungen, bipolare Störungen und Rapidcycling Störungen, dysthyme Störungen und Entwicklungsdepressionen. Es gibt einen biologischen Hintergrund bei Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörung und Zwangsstörungen von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung.

Das 21. Kapitel „Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörungen bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung“ legt seinen Schwerpunkt auf ADHS bei Kindern ohne intellektuelle Beeinträchtigung und ADHS bei Kindern mit intellektueller Beeinträchtigung sowie in Bezug auf ADHS bei Erwachsenen. Von Persönlichkeitsstörungen bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung handelt das 22. Kapitel dieses Buches. Beschrieben werden epidemiologische Untersuchungen, die Symptomatologie und Pathogenese, Richtlinien für die Diagnostik sowie die Diagnostik und Behandlung verschiedener Persönlichkeitsstörungen wie z.B. die Borderline-Persönlichkeitsstörungen, die antisozialen Persönlichkeitsstörungen und die depressiven Persönlichkeitsstörungen.

Am Ende des Kapitels werden genetische Syndrome und psychische Störungen erläutert. Es beginnt mit dem Down Syndrom und Depressionen bei Menschen mit Down Syndrom sowie der Diagnose Alzheimer Demenz bei Menschen mit Down Syndrom. Dazu werden noch das Fragile X-Syndrom, das Prader Willi Syndrom, das Velo cardiofaciales Syndrom, das Lesch Nyhan Syndrom, das Cornelia de Lange Syndrom, das Rett Syndrom, das Williams Syndrom, das Smith Magenis-Syndrom sowie das Angelman-Syndrom beschrieben. Schlussendlich behandelt das 24. Kapitel psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten bei älteren Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. Thematisiert werden Demenzen, Depressionen, psychotische Zustände sowie Angststörungen.

Zum sechsten Teil

Das Buch schließt mit dem letzten sechsten Teil unter der Überschrift „Seelische Gesundheit bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung“, zu dem das Kapitel „Versorgungsaspekte“ gehört. Hier werden zum einen die Organisation der Versorgung und zum anderen ein geschichtlicher Überblick der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung in den Niederlanden besprochen. Es wird darauf hingewiesen, dass es eine Kluft zwischen der Versorgung von Menschen mit leichter intellektueller Beeinträchtigung und Menschen mit mittelgradiger oder schwerer intellektueller Beeinträchtigung gibt. Zum Gegenstand wird auch die Versorgungssituation bei Kindern mit einem Entwicklungsrückstand gemacht.

Der Autor stellt konzeptionelle Überlegungen zur integrierten Versorgung vor, dabei geht es um die Sorge (im Sinne von Fürsorglichkeit) für seelische Gesundheit und Behandlung von psychischen Störungen. Im Sinne eines Ausblicks formuliert er zwei separate Themengebiete, die es zu unterscheiden gilt: Die sensible Wahrnehmung der Häufigkeit psychischer Störungen (auf wissenschaftlichen Kongressen ist von 74 % der Fälle des o.g. Personenkreis zu hören (S. 435)). Aus Sicht des Autors werden Verhaltensweisen zu oft als Symptome wahrgenommen, mit der Gefahr zu stigmatisieren und zu einer Psychiatriesierung führen, mit übermäßigem Medikamentengebrauch und falschen Behandlungen. Das zieht Folgen für die Lebensorganisation, die Lebensplanung und das Umfeld nach sich. In diesem Zusammenhang hebt er hervor, dass es nicht allein um die Behandlung geht, sondern vor allem auch darum, allgemeine und spezielle Bedingungen für eine psychisch gesunde Entwicklung berücksichtigen.

Das Buch von Anton Došen endet mit der Forderung nach multidisziplinären Teams und der Beschreibung deren Aufgaben. Es bedarf einer Professionalisierung und der Förderung einer gesunden Entwicklung und Prävention von Störungen.

Im Anhang, der aus fünf Teilen besteht, befassen sich die Teile 1–4 mit SEO, das Schema der emotionalen Entwicklung im Alter von 0–12 Jahren, dort findet sich ein dazugehöriger Interviewleitfaden zum emotionalen Entwicklungsstand, die Skala für entwicklungspsychiatrische Diagnostik (SOPD) sowie den dazu gehörigen Auswertungsbogen. Der Anhang 5 beschreibt Verhaltensauffälligkeiten bei unterschiedlichen Entwicklungsniveaus.

Diskussion

Der Umfang des inhaltlichen Teils weist auf die Breite des Themas hin. Das Buch gibt einen guten Überblick, die Inhalte sind dabei so aufbereitet, dass auch in die Tiefe gegangen wird. In fünf Stufen stellt das Schema der emotionalen Entwicklung (SEO) die emotionale Entwicklung intellektuell behinderter Menschen in den Mittelpunkt. Dabei weist der Autor ausdrücklich darauf hin, dass auch bei behinderten Menschen alle Facetten und Bedürfnisse Berücksichtigung finden müssen. Der dezidierte Aufbau der einzelnen Kapitel mit Einleitung und Fazit erlaubt es, sich einen sehr guten Überblick über diese umfassende Materie zu verschaffen, das wird unterstützt durch das Stichwortregister, welches die gezielte Suche ermöglicht. Mit diesem Werk ist ein Grundlagenwerk entstanden, das Inhalte umfassend vertiefend ausführt, man kann es darüber hinaus auch sehr gut als Nachschlagewerk nutzen und gezielt nach Inhalten suchen.

Das Buch schließt mit Gedanken zur seelischen Gesundheit bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung ab. Ein Kapitel, in dem es um Störungen der Entwicklung des Selbst geht und in dem die Themen Bindung und Mentalisierung aufgenommen wurden, ist in Bezug auf die erste Auflage von 2010 hinzugefügt.

Im Sinne eines Ausblicks werden zwei separate Themengebiete, die es zu unterscheiden gilt, formuliert:

  • Erstens: Die sensible Wahrnehmung der Häufigkeit psychischer Störungen (auf wissenschaftlichen Kongressen ist von 74 % der Fälle des o.g. Personenkreis zu hören (S. 435)): zu oft werden Verhaltensweisen als Symptome wahrgenommen, die stigmatisieren und zu einer Psychiatriesierung führen können und mit der Gefahr einhergehen, dass es zu einem übermäßigen Medikamentengebrauch oder zu falschen Behandlungen kommt. Dieses Vorgehen hat direkte Auswirkungen auf die Lebensorganisation, die Lebensplanung und das Umfeld.
  • Zweitens: Der Autor appelliert, darauf zu achten, dass es nicht allein um die Behandlung geht, sondern vor allem auch darum, allgemeine und spezielle Bedingungen für eine psychisch gesunde Entwicklung zu berücksichtigen. Diese beiden Aussagen sind sehr wichtig und ich freue mich, dass der Autor darauf hinweist. Sie decken sich mit meinen beruflichen Erfahrungen. Es ist eine einseitige Betrachtung, wenn ein Mensch mit intellektuellen Beeinträchtigungen auf das Pathologische reduziert wird. Eine ganzheitliche Perspektive nimmt gleichzeitig Bedingungen der Gesundheit in den Fokus.

Im Konzept der Salutogenese von Aaron Antonovsky ist dieses ein zentraler Aspekt, der wichtiger Bestandteil in meinen Vorträgen und Fortbildungen www.abc-autismus.de ist. In dem Konzept von Antonovsky wird Kohärenz unter drei Aspekte genannt: Die Fähigkeit, die Zusammenhänge des Lebens zu verstehen – das Gefühl der Verstehbarkeit, die Überzeugung, das eigene Leben gestalten zu können – das Gefühl der Handhabbarkeit und das Gefühl der Sinnhaftigkeit – Bedeutsamkeit. Im Sinne von Antonovsky ist Gesundheit ein mehrdimensionales Geschehen, was stark mit den sozialen und kulturellen Kontexten verbunden ist. Dieses Verständnis und die genannten Aspekte stehen im engen Zusammenhang mit der TEACHH Philosophie und der Arbeit danach: die Umgebung wird derart vorbereitet, dass behinderte Menschen Sicherheit, Bedeutsamkeit und Selbstwirksamkeit erleben. Das Arbeiten mit Strukturierung und Visualisierung ist kein Selbstzweck, sondern dient dem Menschen, sich zu entwickeln, Anforderungen zu verstehen und sich als größtmöglich selbstständig und unabhängig erleben zu können. Das schafft Gesundheit, Lebensqualität und Partizipation!

Fazit

Das Buch liefert einen fundierten Überblick zur Entstehung, Diagnostik und multimodalen Behandlung von psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Erwachsenen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung. Dem diagnostischen und therapeutischen Vorgehen liegt ein Konzept der emotionalen und der Persönlichkeitsentwicklung zugrunde, welches psychologische und psychiatrische sowie heilpädagogische und biologische Erkenntnisse integriert (Klappentext).
Es gliedert sich in sechs Teile, ausgehend von allgemeinen Aspekten, über die Praxis der Diagnostik und Behandlung, über psychische Störungen und Dysfunktionen bestimmter Regionen des Zentralnervensystems sowie psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten auf unterschiedlichem Entwicklungsniveaus hin zu speziellen Störungen und Syndromen. Die Darstellung von Möglichkeiten der Förderung der seelischen Gesundheit bei Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung am Ende des Buches zeigt Perspektiven auf. Dieses Buch ist eine unverzichtbare Hilfe für Psycholog*innen, Psychiater*innen und (Heil-)Pädagog*innen, die mit Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung arbeiten.


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 06.06.2018 zu: Anton Došen: Psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. Ein integrativer Ansatz für Kinder und Erwachsene. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2018. 2., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-8017-2828-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/23986.php, Datum des Zugriffs 20.08.2018.


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