Martin J. Eppler, Friederike Hoffmann et al.: Creability (Ideenentwicklung in Teams)
Rezensiert von Prof. Dr. Paul Brandl, 16.05.2018
Martin J. Eppler, Friederike Hoffmann, Roland A. Pfister: Creability. Gemeinsam kreativ - innovative Methoden für die Ideenentwicklung in Teams. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2017. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. 269 Seiten. ISBN 978-3-7910-3837-7. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.
Thema und Zielsetzung
Eigentlich könnte die Überschrift „gemeinsame Arbeit – kreativere Ideen – bessere Lösungen“ lauten. Das Buch führt durch den ganzen Kreativprozess und stellt teils lange bekannte, großteils aufgearbeitete, teils unbekanntere Kreativitätsmethoden recht anwendungsorientiert vor.
Das Buch ist für ein weites Anwendungsspektrum nicht nur im Bereich der Sozialwirtschaft vom Change Management bis zur Dienstleistungsentwicklung geeignet. Es kann von StudentInnen und erst recht auch von (langjährigen) ProjektmitarbeiterInnen im Rahmen der Optimierung und insbesondere der Neugestaltung von Dienstleistungen und damit auch von Prozessen eingesetzt werden kann.
Aufbau und Inhalt
Der lösungsorientierte Ansatz wird von Beginn weg verfolgt, sei es ausgehend vom Formulieren der Projekttitel, sei es durch einen ungewohnten Einstieg in die erste Sitzung eines neuen Projektes an Hand des Einsatzes von Kreativitätstechniken.
Es folgt der Creability-Bezugsrahmen, mit dem Teams systematisch kreativer sein können. Es sind dies zunächst die drei Phasen der Ideenentwicklung: Aktivieren – Entwickeln – Ausarbeiten. Abgeschlossen wird dieser Dreischritt mit der Bewertung der Ideen.
Anschließend werden die fünf Creability-Prinzipien diesem Prozess in Kreativitätssitzungen folgend zugeordnet:
- Verstehen
- Verflüssigen
- Verändern
- Verbinden
- Veredeln
Die Phasen und Prinzipien werden zu einem Diamanten grafisch zusammengefügt. Ein darauf aufbauender, umfangreicher Werkzeugkasten bildet den Hauptteil des Buches. Dabei wird zu jedem Werkzeug (Tool) ein Methodensteckbrief, der Verwendungskontext, die Vorgehensweise, ein Anwendungsbeispiel, Erfolgsfaktoren und Einsatzvarianten beschrieben. Es liegt dann am Leser, die für ihn und die Situation passende Methode auszuwählen und zu adaptieren.
Nun die Kreativitätstechniken im Überblick:
- Bei den Aktivierungsmethoden sind etwa das Perspektiven-Diagramm, die Skizzenpost, das Dilemmagramm oder die Reframing-Matrix zu finden. Auch auf den Raum für Kreativität wird eingegangen, interessant ist auch der Kreativitätsblock als Unterstützung.
- Bei den Entwicklungsmethoden findet sich etwa ein Kreativroulette, Sweet Spot, SCAMPER, ein Kreativitätsschieber, das gut bekannte Prototyping sowie auch die altbewährte 635-Methode. Die Entscheidung für eine Methode wird entsprechend der Aufgabenstellung und den persönlichen Hintergründen der TeilnehmerInnen zu treffen sein.
- Die Ausarbeitungsmethoden starten mit einer „Zweier Mind-Map“, dem Writer's Room und der Ideenwand. Auch die Ideenblaupause sowie die Iterationsspirale sind weitere anwendbare Varianten.
Abgerundet wird die Methoden-Werkzeugkiste mit einem Kapitel zu „Ideen bewerten“, das drei Methoden beschreibt: Ideenbewertungs-Venn, PPCO (geht auf Aristoteles zurück) und die How-Wow-Now-Matrix.
Fazit
Das Buch ist mittlerweile in seiner zweiten Auflage erschienen. Der Erfolg dürfte an der konsequenten Ausrichtung des Buches liegen, das ja nicht nur Kreativitätstechniken einfach vorstellt, sondern diese in einen Verwendungskontext entlang des Kreativitätsprozesses stellt sowie mit Anwendungsbeispielen und Einsatzvarianten verbindet. Damit eröffnen sich auch für den Einsteiger bzw. Moderatorenteams eine Unzahl von Anwendungsmöglichkeiten. Das Buch kann auch zum Stöbern nach neuen Methoden „herhalten“ oder als inspirierendes Nachschlagewerk dienen. Es liegt letztlich wie bei allen derartigen Büchern am jeweiligen Leser, sein Methodenrepertoire nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zu erweitern. Möglichkeiten für Anstöße gibt es genug.
Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
war Professor für Organisationsentwicklung und Prozessmanagement an der FH Oberösterreich, Department für Sozial- und Verwaltungsmanagement und ist Berater insbesondere für die prozessbasierte Optimierung und Neugestaltung von sozialen Dienstleistern
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