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Eike Hovermann jun., Melanie Gräßer u.a.: Erzähl eine Geschichte (Würfelspiel für Therapie und Beratung.)

Cover Eike Hovermann jun., Melanie Gräßer, Annika Botved: Erzähl eine Geschichte. Das Würfelspiel für Therapie und Beratung. Mit 12-seitigem Booklet. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2018. ISBN 978-3-621-28595-7. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.

Das Würfelspiel für Therapie und Beratung. Mit 12-seitigem Booklet.
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Thema und Entstehungshintergrund

Der Einstieg in eine Therapie ist häufig der kritischste Teil derselben; gilt es doch, hier die Basis für eine gute Beziehung zu schaffen. Beziehung ist zudem einer der wichtigsten Wirkfaktoren von Therapie, auch unabhängig von der jeweils angewendeten Technik (vgl. Hermer & Röhrle, 2011, Rezension unter www.socialnet.de/rezensionen/10325.php). In der Therapie von Kindern und Jugendlichen gilt dies umso mehr, da diese nicht selten nur auf Drängen von Dritten (Eltern, Lehrkräften, etc.) zur Therapie kommen und dieser entsprechend skeptisch gegenüberstehen.

Folgerichtig ist es üblich, vor allem bei Kindern über gemeinsames Spielen ins Gespräch zu finden und quasi „nebenbei“ die Gründe für das Vorstellig werden zu erfragen. Hierfür haben sich TherapeutInnen in der Regel eine bunte Sammlung aus Spielzeug und Spielen zusammengesucht, mit denen sie entsprechend vorgehen. Kriterien für die Auswahl derartiger Spiele sind beispielsweise einfache Regeln, keine lange Dauer (ca. 15 min.) und Anknüpfungsmöglichkeiten für das therapeutische Gespräch. Sehr geeignet und auch häufig genutzt sind zum Beispiel die so genannten „Story Cubes“, mit denen die Spielenden anhand zufällig gewürfelter Symbole eine ausgedachte Geschichte erzählen sollen. Diese Spielidee wurde von den AutorInnen aufgegriffen und speziell für das therapeutische Setting ausgearbeitet.

Autorinnen

  • Eike Hovermann jun. ist Gründer und Geschäftsführer der Akademie für Kindergarten, Kita und Hort und Autor einiger Erziehungsratgeber.
  • Dipl.-Psych. Melanie Gräßer ist Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) mit eigener Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Lippstadt. Sie verfügt über langjährige Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und -pädiatrie. Ihre Schwerpunkte liegen insbesondere in der Behandlung von chronischen körperlichen Erkrankungen sowie Somatoformen Störungen und Traumata. Sie ist zertifizierte EMDR-Therapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Neben ihrer praktischen Tätigkeit gibt sie seit vielen Jahren Seminare und Supervision im Bereich der Psychotherapieausbildung sowie im Rahmen von Selbsthilfegruppen, zudem ist sie Selbsterfahrungsanleiterin. Sie ist Buchautorin und Entwicklerin therapeutischer Spiele.
  • Annika Botved ist kreative Künstlerin und Illustratorin. 2002 gründete sie penimals. Zu ihren Kunden zählen seitdem Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen.

Das Autorenteam hat bereits einige entsprechende Veröffentlichungen im Beltz-Verlag publiziert (vgl. die Rezensionen unter socialnet).

Aufbau und Inhalt

Das Spiel enthält neun Holzwürfel, 60 Karten, eine Sanduhr und eine Spielanleitung.

Die Therapiewürfel. Mithilfe dieser Würfel soll ermöglicht werden, auf kreative Art und Weise ins Erzählen zu kommen. „Dies können das Erzählen der eigenen Lebensgeschichte, aber auch ganz andere Themen sein“ (S. 2). Jeder Würfel steht für eine eigene Kategorie:

  • Gefühle
  • Wetter
  • Sinnesorgane
  • (Lebens-) Orte
  • Tätigkeiten
  • Tiere
  • Fortbewegung
  • Fantasie
  • Sucht

Die Karten. Es werden jeweils zehn Karten zu einer Kategorie geliefert. Sie dienen als Stichwortgeber für das Spiel und decken wiederum folgende Kategorien ab:

  • Familienbeziehungen
  • Schule
  • Träume / Wünsche / Ziele
  • Ängste
  • Gefühle
  • Personen

Ablauf. Das Spiel kann in verschiedenen Formen gespielt werden: Mit allen Karten oder zu einem vorab ausgewähltem Themenkomplex (z.B. Angst), mit oder ohne Zeitlimit, mit allen oder nur ausgewählten Würfeln. Der grundlegende Ablauf stellt sich wie folgt dar: Eine Person beginnt, zieht eine Karte und liest den Begriff laut vor. Dann wird gewürfelt und mit den gezeigten Symbolen (mit oder ohne Zeitlimit) eine kleine zusammenhängende Geschichte erzählt, die das von der Karte gezeigte Stichwort aufgreift. Zudem kann vorab entschieden werden, ob diese Geschichte frei fantasiert werden kann oder einen Bezug zur Lebensgeschichte der spielenden Person haben soll. Zudem werden noch diverse Anregungen für unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten der Materialien geliefert (z.B. die Würfel zur Erfassung von Stimmungen in der Therapie zu nutzen) und es wird angeregt, den AutorInnen über deren Homepage Rückmeldung für weitere Nutzungsmöglichkeiten zu geben. Das Spiel solle kreativ genutzt werden.

Diskussion

Wie bereits erwähnt, werden die im Handel erhältlichen Story Cubes häufig und gerne in der Therapie mit Kindern und Jugendlichen genutzt. Dieses Erfolgsprinzip wurde hier konsequent weitergestrickt. Wirklich originell ist die Idee nicht, allerdings erfährt sie durch die Einführung der Themenkarten eine sehr sinnvolle Erweiterung, die den therapeutischen Nutzen deutlich besser herausarbeitet. Die Materialien sind, wie beim Beltz-Verlag üblich, qualitativ hochwertig ausgearbeitet worden.

Ob die PatientInnen auf ein therapeutisches Würfelspiel genauso offen reagieren, wie auf die zunächst „unverdächtigen“ Story Cubes, bleibt dahingestellt. Da jedoch Offenheit ein Grundprinzip in jeder Therapie sein sollte, wäre es ethisch eh fragwürdig, ein Vorgehen zu wählen, bei dem PatientInnen quasi „hintenrum“ ausgefragt werden sollen. Ich persönlich kommuniziere ein derartiges Vorgehen immer offen und habe damit auch stets gute Erfahrungen gemacht. Dies spricht dann also umso mehr für die hier vorgestellten Würfel. Bliebe als einziges Argument gegen die Anschaffung die Kosten: Das Spiel ist teurer als die genannten Story Cubes. Die beschriebenen Anpassungen machen eine Anschaffung jedoch auf jeden Fall lohnenswert.

Fazit

Das Spiel „Erzähl eine Geschichte“ entwickelt eine bereits bekannte und bewährte Spielform konsequent für das therapeutische Setting weiter. Die Anpassungen machen eine Anschaffung absolut lohnenswert.


Rezensent
Dr. Alexander Tewes
Leitender Dipl.-Psychologe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) - Haus 4
Psychiatrische Klinik Lüneburg gemeinnützige GmbH im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg
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Zitiervorschlag
Alexander Tewes. Rezension vom 15.05.2018 zu: Eike Hovermann jun., Melanie Gräßer, Annika Botved: Erzähl eine Geschichte. Das Würfelspiel für Therapie und Beratung. Mit 12-seitigem Booklet. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2018. ISBN 978-3-621-28595-7. Das Würfelspiel für Therapie und Beratung. Mit 12-seitigem Booklet. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24008.php, Datum des Zugriffs 21.07.2018.


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