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Herlinde Steinbach: Gesundheits­förderung in der Pflege

Cover Herlinde Steinbach: Gesundheitsförderung in der Pflege. Facultas Verlag (Wien) 2018. 120 Seiten. ISBN 978-3-7089-1598-2. D: 16,40 EUR, A: 16,90 EUR, CH: 21,70 sFr.
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Thema

Die WHO sieht die Verankerung von Gesundheitsförderung im täglichen Leben als ein wesentliches Ziel an. Beruflich Pflegende stehen hier vor besonderen Aufgaben: je nach Setting leiten sie Patienten zur Gesundheitsförderung an, setzen Maßnahmen dazu um oder schaffen Strukturen, in denen gesundheitsförderliches Leben und Arbeiten möglich wird.

Autorin

Herlinde Steinbach ist diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und akademische Lehrerin in Österreich.

Zielgruppe

Zielgruppe sind die Angehörigen der Gesundheitsberufe. Steinbach legt Wert auf Anwendbarkeit der Inhalte im beruflichen Alltag.

Aufbau

Dieser handliche Leitfaden gibt auf 119 Seiten einen Überblick über Begriffe, Konzepte, Methoden und Settings der Gesundheitsförderung in Pflege und Beratung. Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Die Pflegeberufe folgen laut Steinbach dem neuen Verständnis von Gesundheit im salutogenetischen Ansatz. Gesundheitsförderliche Aufgaben sind im reformierten Berufsgesetz des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege festgehalten. Steinbach skizziert die Definition von Gesundheit aus verschiedenen Perspektiven und Einflussfaktoren. Sie arbeitet zudem die Unterschiede zwischen Prävention und Gesundheitsförderung heraus und zeigt Ansätze und Grenzen auf.

Das Modell der Salutogenese nach Antonovsky wird dargestellt. Kernstück dieses Modells ist das Kohärenzgefühl: ein umfassendes Gefühl des Vertrauens darauf, das Ereignisse im Leben vorhersehbar und erklärbar sind und ausreichend Ressourcen da sind, um die Anforderungen des Lebens zu bewältigen. Für die Pflegeberufe ist es für eine angemessene Pflege wichtig, die individuellen Widerstandsressourcen des Patienten zu kennen und dieses Wissen gezielt einzusetzen. Der Blick auf Ressourcen statt auf Defizite ist hilfreich.

Eine grundlegende Annahme der Gesundheitsförderung ist die der Risiken in der Lebenswelt und den Umgang der Menschen mit Risiken. Persönlichkeitsmerkmale, gesellschaftliche Faktoren, Arbeitsbedingungen und private Lebensformen beeinflussen dabei Gesundheitsrisiken. Gesundheitskompetenz als aktiver und konstruktiver Umgang mit gesundheitsrelevanten Informationen wird in persönliche Gesundheit, Orientierung im Gesundheitssystem, Konsumverhalten, Arbeitswelt und Gesundheitspolitik gegliedert.

„Wo macht man das?“ ist Steinbachs Frage nach den Settings der Gesundheitsförderung. Sie nimmt dabei den Setting-Ansatz in den Blick. Allen Settings, in denen Pflege stattfindet, gemein ist der unmittelbare, persönliche Kontakt mit Menschen. Im intramuralen (stationären und ambulanten) Setting gelten dabei aber andere Rahmenbedingungen als im extramuralen Bereich oder der Langzeitpflege. Wieder anders sind die Kontextfaktoren in der Arbeitsmedizin und der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Jedes gute Konzept braucht auch adäquate Methoden der Anwendung. Zwei essentielle Methoden sind die Beratung und der Gesundheitsprozess. Verschiedene Theorien der Verhaltensänderung werden kurz umrissen. Der Gesundheitsprozess wird in seinen Parallelen und Unterschieden zum Pflegeprozess gezeigt und anhand eines Fallbeispiels praxisnah ausgeführt. Weitere Methoden sind die polarisierten Gesichtspunkte, die Werterweiterung und Rollenspiele.

Im letzten Abschnitt führt Steinbach die Tätigkeitsfelder aus, in denen Pflegende Public-Health-bezogene Aufgaben leisten: Community Nurses, Family Health Nurses und School Nurses. Dabei stehen der Bevölkerungsbezug, die Orientierung an Gesundheit, der Soziallagenbezug und die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Mittelpunkt.

Diskussion und Fazit

Das Buch schildert die Gesundheitsförderung in der Pflege in Österreich – entsprechend musste ich einige Begrifflichkeiten wie „extramural“ nachschlagen. Eine Übertragung in den deutschen Kontext erfordert eine sorgfältige Prüfung des Kontextes und Systematiken des Gesundheitswesens. Steinbach gibt einen Überblick über die Themen und wird ihrem Anspruch an Praxisnähe gerecht. Gern würde ich einer zweiten Auflage Hinweise zum Weiterlesen und tieferer Auseinandersetzung mit dem Thema sehen.

Jedem Kapitel sind „Tipps für die Pflege“ angegliedert. Leitfragen zum eigenen gesundheitsförderlichen Verhalten unterstützen die individuelle Reflexion des Lesers.

Fazit: Leicht lesbarer Einstieg in das Thema Gesundheitsförderung für beruflich Pflegende.


Rezensentin
Dr. sc.hum. Nina Fleischmann
M.A. Public Health und Pflegewissenschaft
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Zitiervorschlag
Nina Fleischmann. Rezension vom 26.07.2018 zu: Herlinde Steinbach: Gesundheitsförderung in der Pflege. Facultas Verlag (Wien) 2018. ISBN 978-3-7089-1598-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24029.php, Datum des Zugriffs 20.10.2018.


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ISSN 2190-9245

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