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Dagmar Domenig, Urs Schäfer: Auffallend herausfordernd!

Cover Dagmar Domenig, Urs Schäfer: Auffallend herausfordernd! Begleitung zwischen Selbstbestimmung und Überforderung. Seismo-Verlag (Zürich) 2018. 160 Seiten. ISBN 978-3-03777-186-0. D: 25,00 EUR, A: 25,00 EUR, CH: 29,00 sFr.
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Herausgeberin und Herausgeber

Dr. Dagmar Domenig ist Juristin, Sozialanthropologin und Pflegefachfrau. Ihre Schwerpunktthemen sind Migration und Gesundheit, transkulturelle Kompetenz, Umgang mit Verschiedenheit im Gesundheits- und Sozialwesen. Seit 2011 ist sie Direktorin der Stiftung Arkadis in Olten (Schweiz).

Urs Schäfer ist seit 27 Jahren im Nonprofit-Marketing tätig. Die ersten 10 Jahre als Kommunikationsplaner und Berater, danach als Fundraiser, Marketing- und Kommunikationsleiter bei diversen lokalen, nationalen und internationalen Nonprofit-Organisationen. Derzeit arbeitet er als Leiter Marketing und Kommunikation bei er Stiftung Arkadis in Olten und ist in dieser Rolle unter anderem auch für die Herausgabe der Fachpublikationen verantwortlich.

Thema

Das Thema des Buches ist auf dem rückseitigen Umschlag deutlich konturiert: Es geht um herausforderndes Verhalten von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und wie diese Menschen begleitet und betreut werden können, auch wenn sie „ihre Betreuungspersonen bis an deren Grenzen herausfordern?“

Wie kann das herausfordernde Verhalten gedeutet werden und wie kann interveniert werden und zwar zum Nutzen aller Beteiligten. Das vorliegende Buch befasst sich mit spezifischen Beeinträchtigungen, nämlich Autismus, Prader-Willi-Syndrom und Demenz sowie mehrfachen Behinderungen. Es soll Fachpersonen helfen, nicht nur herausforderndes Verhalten der betreuten Personen zu verstehen und entsprechende Konsequenzen daraus ziehen, sondern auch den eigenen Umgang damit zu reflektieren.

Darüber hinaus möchte es „Empfehlungen für einen besseren Zugang zu und Umgang mit sich herausfordernd verhaltenden Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung“ (S. 10) geben; denn pädagogisches Verhalten heißt nicht, nur auf herausforderndes Verhalten zu reagieren, sondern zu versuchen, Gründe für dieses Verhalten herauszufinden und alternative Kompetenzen zu fördern und zu stärken (vgl. S. 30). Diesem Credo widmen sich alle Beiträge auf unterschiedliche, sich gegenseitig unterstützende Weise.

Entstehungshintergrund

Das Herausgeber-Werk ist eine Zusammenfassung der Beiträge bei der Fachtagung „Auffallend herausfordernd“ der Stiftung Arkadis aus dem Jahr 2016, wobei schon im Vorwort betont wird, dass es keine Patentrezepte gibt, sondern dass sich die herausfordernden Verhaltensweisen aus einem komplexen Zusammenspiel von Personen-Faktoren und Umwelt- bzw. Rahmenbedingungen ergeben. Entsprechend heterogen sind die inhaltlichen und methodischen Herangehensweisen der verschiedenen Autoren zu dieser Thematik. Es ist der vierte in der Reihe „Teilhabe und Verschiedenheit“ erscheinende Band.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in sieben (schriftliche) Beiträge verschiedener Autoren, die unterschiedliche methodische und inhaltliche Zugänge zur Thematik anbieten bei unterschiedlichen Arten von Beeinträchtigungen. Das Vorwort und die Einleitung sind insofern lesenswert, weil sie gut in den Gesamttenor der Aufsätze einstimmen. Ein Comic „Besuch im Zoo“ befindet sich ebenfalls in diesem Buch (S. 80-96) und zeigt eine Alltagssituation einer Betreuungsperson mit einem Kind, das sich verbal nicht verständlich machen kann.

Bei allen Beiträgen zu herausforderndem Verhalten geht es um die genaue Wahrnehmung dieses spezifischen Verhaltens, um dessen Interpretation; denn diese machen etwas mit dem Beobachter, der ja die Menschen mit herausforderndem Verhalten begleiten und fördern soll bzgl. Selbstbestimmung und Teilhabe. Und diese Begleiter und Betreuer sind nicht selten überfordert. Insofern wird die gemeinsame Reflexion betont, die mit den anderen Zugängen ein Verstehen des herausfordernden Verhaltens ermöglichen soll.

Die Einleitung (S. 9-14) leitet und führt den Leser, gibt die Logik der Fachtagung wieder und macht somit auch den Aufbau des Buches sehr gut durchschaubar. Um die verschiedenen Beiträge etwas zu ordnen, kann man vier Teile erkennen:

  1. Allgemeine Erkenntnisse zu herausforderndem Verhalten, dem Versuch einer definitorischer Eingrenzung und Strukturierung auch mittels empirischer Daten, die in Faktoren verdichtet und tabellarisch dargestellt sind; wie man mit einem solchen Verhalten umgehen kann und welche Auswirkungen dies auch auf die Begleitung haben kann. Gründe zum Verstehen des Verhaltens zu finden, ist der pädagogische Impetus.
  2. Konkrete (therapeutisch-pädagogische) Maßnahmen bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung bzw. ohne die Möglichkeit, Lautsprache anzuwenden, die aufgrund ihrer spezifischen Beeinträchtigung herausforderndes Verhalten zeigen.
  3. Das Prader-Willi-Syndrom steht in zwei weiteren Beiträgen im Mittelpunkt einerseits mit der Wissensaneignung, was dieses Syndrom kennzeichnet, wie daraus ableitend präventiv, aber auch nach einer Krise gehandelt werden kann und wie wichtig die jeweilige Reflexion ist. Methodisch einmal ganz anders und sehr interessant ist die filmische Dokumentation auch mittels Interviews von betroffenen Menschen, um auch daraus zu zeigen, wie Außenstehende und Betroffene das Verhalten bzw. ihr Verhalten sehen und was an Interventionen bei wem wie ankommt.
  4. Demenz als Krankheit mit statistischen Daten – auch spezifisch für Menschen mit Demenz und kognitiver Beeinträchtigung. Die auffindbaren Faktoren, die die Demenzentwicklung beeinflussen, werden von den einzelnen Fachwissenschaften unterschiedlich gewichtet und erbringen somit auch unterschiedliche Ergebnisse. Dennoch ist es das Ziel, das Wohlbefinden und die Gesundheit der von Demenz betroffenen Menschen zu stärken.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Wenn man die oben aufgeführte Strukturierung aufnimmt, befassen sich die ersten beiden Beiträge (Klauss sowie Büschi & Calabrese) einerseits kritisch reflektierend mit der Definition herausfordernden Verhaltens. Anhand empirischer Ergebnisse werden auffällige Verhaltensweisen tabellarisch und faktoriell vorgestellt und interpretiert. Es geht – auch in den weiteren Beiträgen – um die Interpretationen und Reaktionen der Betreuungspersonen, die diese Verhaltensweisen und ihre innere Logik und Bedeutung begreifen sollen, um darauf basierend „pädagogisch zu handeln und Entwicklungschancen zu eröffnen“ (S. 22). Als Methode wird die funktionale Verhaltensanalyse vorgestellt, die u.a. eine genaue und systematische Beobachtung des aktuellen Verhaltens, aber auch der vorangehenden (aufgrund von Biografiearbeit; Bindungserfahrungen und Traumatisierungen) und folgenden Reizkonstellationen und Entwicklungsbedingungen (vgl. Došen, 2010) impliziert; regelmäßige Reflexion im Team erscheint notwendig.

Andererseits wird wahrgenommen, dass Menschen mit entsprechenden Verhaltensweisen Gefahr laufen, „institutionell ausgeschlossen zu werden“ (S. 34). Diese Sichtweise impliziert, den Kontext zu beachten und zu variieren, um die institutionellen Angebote den Bedürfnissen und Möglichkeiten dieser Menschen anzupassen. Hierfür wurden Interviews durchgeführt mit 10 betroffenen Menschen und 10 Bezugspersonen. Verhaltensweisen wurden kategorial zusammengefasst (Tabelle 1, S. 38) und Erklärungsansätze formuliert (Tabelle 2, S. 39). Personen- und kontextbezogene Faktoren werden extrahiert und expliziert und umgesetzt in Maßnahmen für die Menschen mit herausforderndem Verhalten wie auch für die Mitarbeiter, die von diesem Verhalten betroffen sind sowie strukturelle Maßnahmen.

Als Kernpunkte aus den ersten beiden Beiträgen kann man extrahieren, dass personen- und kontextbezogene Faktoren das Verhaltensgemenge komplex machen, dass daraus aber nur mittels genauer Recherche und Reflexion Maßnahmen zur präventiven Arbeit, zu pädagogischen Interventionen sowie zu strukturellen Maßnahmen gewonnen werden können.

Theunissen nimmt in seinem Beitrag zum herausfordernden Verhalten bei Autismus ebenso die funktionale Problemsicht auf wie auch die sorgfältige Anamnese und Aufbereitung der Lebensgeschichte (S. 57 ff.), fügt Beispiele an, um zu zeigen, „wie schwierig es ist, zu einheitlichen Einschätzungen eines Verhaltens zu gelangen“ (S. 63). Die pädagogische Herausforderung beinhaltet dann auch therapeutische Interventionen. Die Positive Verhaltensunterstützung (PVU) gilt als erfolgversprechend und wird explizit dargestellt mit fünf zentralen Bezugspunkten: mit der angewandten Verhaltensanalyse ergänzt durch eine funktionale Problemsicht; der Stärkenperspektive; mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen; systemischen, sozioökologischen oder gemeindespsychologischen Ansätzen; und mit der Leitidee der Inklusion. Zentrale Erkenntnisse der PVU werden tabellarisch zusammengefasst (S. 69) und auf die Praxis bezogen, wobei der Alltag reflektiert wird und sich daraus dann die personenzentrierte Planung ergibt mit Einbeziehung von Unterstützerkreisen, medizinischem Assessment, einer verstehenden Diagnostik, einer funktionalen Problemanalyse. Handlungsebenen der PVU werden – sehr praktisch orientiert – expliziert. Gruppenbezogene Angebote sind ergänzend hilfreich. Theunissen betont, dass bei Anwendung der PVU die Beziehung zwischen den beteiligten Personen eine zentrale Rolle spielt (S. 76).

Diesen Ansatz der verstehenden Diagnostik und wie man als Betreuungsperson mit Menschen umgehen und eine Beziehung aufbauen kann, die aufgrund nicht vorhandener Lautsprache herausforderndes Verhalten zeigen können, nimmt auch der nächste Autor, Wolfgang Praschak, auf. Diese alternative Form der Verständigung nennt er „prägestisch“. Es geht dem Autor mit dieser Form der Verständigung zunächst einmal um die Herstellung einer Beziehung und um „die Gestaltung von Entwicklungsmöglichkeiten, die sich vornehmlich auf die alltäglichen Besorgungen beziehen und elementare Bildungsprozesse erlauben“ (S. 102).

Bei den beiden Beiträgen zum Prader-Willi-Syndrom als Herausforderung geht es auch um den Prozess des Verstehens. Hödebeck-Stuntebeck geht intensiv und breit gefächert auf das Syndrom ein, auf genetische Ursachen, auf organische, kognitive, psychische, emotionale und soziale Besonderheiten und versucht eine Art Erklärung für das herausfordernde Verhalten (Abb. 4: Ursachenkette bei Verhaltensproblematiken, S. 115). Die Verhaltensanalyse mit der Lebensgeschichte und sozialen Bedingungen steht der Modifikation des Verhaltens voran. Krisensituationen sind ebenso energievoll wie herausforderndes Verhalten und führen zu negativen Auswirkungen und Überforderung bei den Betreuenden. Also gilt es präventiv zu arbeiten und zu wissen, wie man in Krisensituationen handeln kann. Hier bietet der Autor konkrete Handlungshinweise (S. 120 f.). Stringent mit den anderen Beiträgen wird auch hier auf die Notwendigkeit sowohl der Team-Reflexion als auch der Beachtung der Wechselwirkung von Person und Umwelt Wert gelegt.

Interessant ist das Vorgehen von Anna Weber, die ein Filmprojekt durchführte und dazu mit einigen Betroffenen Interviews durchführte, zunächst mit drei, später mit fünf „Protagonistinnen und Protagonisten“ (S. 127). Die Interviews betreffen „Selbst- und Fremddarstellungen, die Beziehung zwischen den Betroffenen und dem Betreuungspersonal, der Umgang mit dem komplexen Syndrom (permanentes Bedürfnis zu essen, Emotionalität/herausforderndes Verhalten, Übergewicht/Körperbewusstsein/mangelnde Bewegung), Ambivalenzen und Herausforderungen für das Betreuungspersonal sowie Wünsche und Visionen“ (Fußnote 6, S. 127). Die Ergebnisse der Interviews – auch das Betreuungspersonal wurde interviewt – werden zusammengefasst: Hauptgrund für das Leben in einer PWS-Wohngruppe lag aus Sicht der Betroffenen „in der Regulierung des Essens und der Reduktion ihres Übergewichts“ (S. 130). Darüber hinaus stellt der Umgang mit starker Emotionalität für das Betreuungspersonal eine große Herausforderung dar, mündet in Rollenkonflikten und weist auf die Notwendigkeit institutioneller Unterstützung hin. Gerade auch hier sind Team-Reflexionen besonders wichtig. Klare Strukturen, Ablenkung und/oder Herausforderungen in Krisensituationen können ebenso helfen wie das Ermöglichen von Partizipation; die Autorin betont: „Wahlmöglichkeiten zu haben ist ein fundamentaler Aspekt von Lebensqualität“ (S. 137).

Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Demenz und kognitiver Beeinträchtigung der Autorin Martina Schäufele bildet den schriftlichen Abschlussbeitrag. Das Krankheitsbild mit der Problematik der Diagnostik wird dargestellt, Ursachen werden hinterfragt, der Zusammenhang zwischen Demenz und geistiger Behinderung, die Häufigkeit, der Verlauf und das Leben mit Demenz bilden einen Überblick über diese zunehmende Krankheit. Das herausfordernde Verhalten bei Demenz bildet den zweiten Teil dieses Beitrags. Die Entstehung dieses Verhaltens wird aufgrund folgender Faktoren gesehen: psychologische, biologische Faktoren, Umgebungsfaktoren (dazu gehören auch andere Menschen) und aktuelle Bedürfnisse. Arten und Häufigkeit von herausforderndem Verhalten sind in Abb. 2 (S. 154) aufgelistet, wobei Apathie und Angst am häufigsten genannt sind. Für die Betreuungspersonen bzw. die Institution sind die Risikofaktoren Reizbarkeit, nächtliche Unruhe, starke Erregungszustände, Bewegungsdrang, Wahnvorstellungen. Eine verstehende Diagnostik ist auch hier maßgebend für Interventionen bzw. den Umgang mit dementiell erkrankten Menschen. Um die Überforderung der Pflegepersonen zu reduzieren ist Wissensvermittlung nötig, eine Erhöhung der Toleranz gegenüber herausforderndem Verhalten, Sensibilisierung für die Bedürfnisse der dementiell Erkrankten und die Schulung eines geeigneten Umgangs. Aus den vorliegenden Untersuchungen „gab es Hinweise, dass … vor allem die personelle Ausstattung (ein besserer Pflegeschlüssel) und die Qualifikation des Personals (das heißt Schulungen zum adäquaten Umgang mit Menschen mit Demenz, regelmäßige Fallarbeit und Supervision) sich positiv in den beobachteten Effekten niederschlug“ (S. 160); mit diesen Effekten sind u.a. gemeint: Milderung des herausfordernden Verhaltens, Verbesserung und Förderung der Alltagskompetenzen, die Stärkung des subjektiven Wohlbefindens.

Diskussion

Das vorliegende Herausgeber-Werk bietet einen prägnanten Einblick in die Problematik herausfordernden Verhaltens, in die Notwendigkeit seiner Analyse aus unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen, die z.T. empirisch (belegt) sind, methodisch komplex und kreativ, pädagogisch-therapeutisch bei zumindest drei Beeinträchtigungsarten: Autismus, Prader-Willi-Syndrom und Demenz. Die einzelnen Beiträge sind kompakt, man könnte auch sagen „knackig“ formuliert und auf den Punkt gebracht ohne viel Geschnörkel, sehr gut lesbar, verständlich, nachvollziehbar und sie regen zu eigener Reflexion an.

Die funktionale Verhaltensanalyse zieht sich mehr oder weniger deutlich durch alle Beiträge, womit gesagt ist, dass die Person mit ihrem herausfordernden Verhalten etwas ausdrücken will (oder muss), das der Beobachter, der Betreuer und Begleiter verstehen lernen soll, muss und kann. Daraus sind dann auch Handlungsansätze ableitbar und im Buch nachvollziehbar dargestellt. Die Reflexion wird hierbei großgeschrieben, die ein besseres Verständnis von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen leisten kann, die einfach nur verschieden sind mit ihrem herausfordernden Verhalten und das somit auch „die Türen zu ihrer Welt öffnet“ (S. 13).

Die unterschiedlichen inhaltlichen wie methodischen Ansätze, die einen Zugang zum Verständnis der betreffenden Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen ermöglichen, bieten implizit wie explizit Hinweise auf pädagogisches Handeln – retrospektiv wie auch prospektiv, ätiologisch mit verstehender Diagnostik wie auch therapeutisch-pädagogisch intervenierend (u.a. bei Krisen) und präventiv.

Trotz einer „Einengung“ auf die Beeinträchtigungsarten Autismus (incl. Mutismus), Prader-Willi-Syndrom und Demenz bietet das Buch einen umfassenden Ein- und Überblick über die Notwendigkeit der verstehenden Diagnostik und der daraus abzuleitenden Maßnahmen für die Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, die Begleit- und Bezugspersonen sowie den Kontext, in dem das herausfordernde Verhalten auftritt und aufgetreten ist. Kernelemente sind also:

  • die Wechselwirkung zwischen Person und Kontext
  • die Notwendigkeit der ausführlichen Analyse des Hintergrundes von herausforderndem Verhalten bei der Person und im Kontext
  • die funktionale Problemsicht resp. Verhaltensanalyse
  • die verstehende Diagnostik (mit humanistischem Menschenbild)
  • Förderung von alternativen, positiven Verhaltensweisen
  • Regelmäßigkeit der (gemeinsamen) Team-Reflexion
  • Schaffung klarer Strukturen
  • Qualifizierung des Betreuungs-/Pflegepersonals

Fazit

Die einer Leitidee folgenden Beiträge, die den klaren Tenor des Buches aus verschiedenen inhaltlichen und methodisch angelegten Perspektiven unterstützen, machen einerseits neugierig, sind andererseits anregend und so geschrieben, dass das Lesen kurzweilig ist. Insofern ist das Buch sehr empfehlenswert – und nicht nur für Pädagogen oder agogisch Tätige.

Zielgruppen des Buches könnten einerseits Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen sein, insbesondere aber ist das Buch wissenschaftlich interessant für Pädagogen, Sozialpädagogen/Sozialarbeiter, Psychologen, Mediziner, Sonderpädagogen.

Dadurch dass das Buch nicht nur analysiert und diagnostiziert, sondern auch (positive) pädagogische Interventionen und strukturelle Maßnahmen auch exemplarisch mit Beispielen aus der Praxis darstellt, ist es eine Fundgrube für praktisch tätige Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Sonderpädagogen, Mitarbeiter jeglicher beruflicher Herkunft in Wohnheimen, weil die Beiträge eine klare Sprache haben, prägnant sind und wissenschaftliche Erkenntnisse erklären und handhabbar für den Praktiker machen. Das Buch bietet neben dem nötigen Wissen auch praktische Hinweise zum Können, d.h. zur Anwendung des Wissens, den Umgang mit herausforderndem Verhalten und macht ebenfalls deutlich, dass die Haltung wichtig ist gegenüber Menschen mit herausforderndem Verhalten und wie diese Haltung zu erhalten ist.

Das Buch zu lesen, hat Spaß gemacht, weil es mit persönlichem Engagement geschrieben ist und klare praktisch umsetzbare Hinweise gibt.

Literatur

Došen, A. (2010): Psychische Störungen, Verhaltensprobleme und intellektuelle Behinderung. Ein integrativer Ansatz für Kinder und Erwachsene. Göttingen, Hogrefe.


Rezensent
Prof. Dr. phil Ekkehard Rosch
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Zitiervorschlag
Ekkehard Rosch. Rezension vom 16.10.2018 zu: Dagmar Domenig, Urs Schäfer: Auffallend herausfordernd! Begleitung zwischen Selbstbestimmung und Überforderung. Seismo-Verlag (Zürich) 2018. ISBN 978-3-03777-186-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24047.php, Datum des Zugriffs 10.12.2018.


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ISSN 2190-9245

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