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Klaus Moser, Roman Souček u.a.: Onboarding - neue Mitarbeiter integrieren

Cover Klaus Moser, Roman Souček, Nathalie Galais, Colin Roth: Onboarding - neue Mitarbeiter integrieren. Hogrefe Publishing GmbH (Göttingen) 2018. 159 Seiten. ISBN 978-3-8017-2849-6. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 32,50 sFr.

Praxis der Personalpsychologie, Band 37.
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Autoren und Autorin

  • Prof. Dr. Klaus Moser, geboren 1962, studierte Psychologie und Wissenschaftslehre. Von 1995-1998 war er Professor an der Universität Gießen und ist seit 1998 Professor für Psychologie, insbesondere Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg.
  • Dr. Roman Souček,, geboren 1976, ist seit 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Psychologie, insbesondere Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg.
  • Dr. Nathalie Galais, geboren 1969, hat 2003 promoviert und ist ebenfalls Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Psychologie der Universität Erlangen-Nürnberg.
  • Dr. Colin Roth, geboren 1978, war von 2003-2008 bei der GfK SE, von 2008-2010 Post-Doc an der University of Central Florida und hat 2009 das Beratungsunternehmen Black Box/Open und 2016 das Softwareunternehmen Feedbit gegründet.

Entstehungshintergrund

Als „Onboarding“ wird die erfolgreiche Einführung und Integration neuer Mitarbeiter bezeichnet. Dies ist eine Kernaufgabe der Personalarbeit jeden Unternehmens. Einerseits lassen sich damit Fehler, Unfälle und Stress vermeiden und andererseits werden damit Commitment und Teamgeist der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefördert. Dieses Buch soll deutlich machen, dass Onboarding schon bei der Rekrutierung beginnt und je nach Zielgruppe unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden müssen.

Aufbau

Das Buch ist in sechs inhaltliche Kapitel sowie einen Anhang gegliedert. Dieser Anhang umfasst Literaturempfehlungen (drei Bücher), Literatur sowie einen Interviewleitfaden zum Onboarding. Zudem befinden sich zwei folierte Karten im Buchrücken, ein Fragebogen zur Rollenklarheit bei der Arbeit und eine Onboarding-Checkliste. Beispiele sind in grün umrandete Kästen gesetzt und Definitionen sind grün unterlegt. Dies alles macht das Buch übersichtlich und erleichtert ebenso wie die Marginalien das Lesen und Verständnis.

Inhalte

Kap. 1 „Einleitung: Grundlagen und Stellenwert“. Dieses bereits umfangreichere Kapitel ersetzt das Vorwort und erklärt zunächst die „Organisationale Sozialisation“. Dann wird Onboarding gegenüber anderen Begriffen wie Einarbeitung oder Orientierung abgegrenzt und der Stellenwert sowie die Aktualität diskutiert.

Kap. 2 „Modelle und Zielkriterien“. Geschildert werden die fünf Ziele, die durch Onboarding erreicht werden sollen. Dieses sind zunächst Sicherheit und Compliance, also die Einhaltung von Regeln durch die Mitarbeiter. Ein zweites Ziel sind Kenntnisse und Fertigkeiten, wobei hier auch Reifung und Lernen besprochen werden. Das nächste Ziel ist das „Fitting“, also die Passung und das Commitment, also die innere Verpflichtung, der Mitarbeiter. Rolle und Identität werden als viertes Ziel genannt und Stressprävention und -bewältigung als fünftes Ziel.

Kap. 3 „Analyse und Handlungsempfehlungen“. Diese Zielkriterien für das Onboarding sollen jetzt im Rahmen der Personalentwicklung analysiert werden. Maßgeblich wird hierzu eine Bedarfsanalyse herangezogen, ergänzt um Aktivitäten und Maßnahmen sowie ein weiteres Zwischenfazit.

Kap. 4 „Maßnahmen und Vorgehen“. Wie sollten neue Mitarbeiter integriert werden? Hierzu werden zwölf Instrumente vorgestellt. Im Einzelnen: realistische Tätigkeitsvorschau, informelle Rekrutierungsmethoden, Integration durch Vorgesetzte, Integration durch Kollegen, Einführungsprogramme, Patensysteme, Mentoring, Coaching und Supervision, Trainee-Programme, Teamentwicklung, Social Media und die Integration neuer Mitarbeiter sowie monetäre Anreize. Nicht ganz erschließt sich, was das relativ umfangreiche Unterkapitel zu den informellen Rekrutierungsmethoden mit dem Onboarding zu tun hat, da es doch eher eine Vorstufe ist. Das Zwischenfazit der Autoren für dieses Kapitel fällt sehr umfangreich aus, weil es die Integration neuer Mitarbeiter im Kontext darstellt. So wird unter anderem das „Inform-Welcome-Guide-Modell (IWG)“ vorgestellt.

Kap. 6 „Fallbeispiele“. Obwohl bereits in den vorangegangenen Kapiteln zahlreiche Beispiel geschildert wurden, werden jetzt zusammenfassend Praxisbeispiele dargestellt. Kap. 6.1 ist eine „Fallaufgabe: Beispiele von Integrationsprogrammen“, in dem weitgehend US-amerikanische Firmen referiert werden. Es folgen zwei kurze Beispiele zum „Einzelcoaching in einem mittelständischen Unternehmen“ und „Herausforderungen an das Onboarding in einem internationalen Marktforschungsunternehmen“ (GfK SE, bei dem einer der Autoren früher tätig war).

Diskussion

Interessant ist die Auseinandersetzung mit der „proteischen Karriere“, was so viel wie unbeständig oder instabil wie der Meeresgott Proteus bedeutet; als Wanderjahre bei den Handwerksgesellen gibt es sie seit Jahrhunderten.

Kritisch anzumerken ist, dass nicht alle Überschriften wirklich sinnstiftend sind. Ebenso ist es nicht unbedingt nachvollziehbar, wie die fünf Ziele in Kapitel 2 ausgewählt wurden. Es sind sehr umfassende Ziele, die eher einer Tour d´Horizon durch verschiedene wissenschaftliche Disziplinen wie BWL, Berufspädagogik oder Sozialpsychologie geschuldet erscheinen als einer stringenten Zielformulierung. Daher ist es zu begrüßen, dass im abschließenden Zwischenfazit von Kriterien die Rede ist, die nicht alle immer gleichermaßen herangezogen werden sollten.

Ebenso kritisch erscheint die weite Auslegung des Begriffs „Onboarding“, der auch die Rekrutierung einschließt. Dies ist die Umkehrung des im HRM verbreiteten weiten Rekrutierungsverständnisses, nach dem erst mit der erfolgreichen Einarbeitung, Integration und dem Bestehen der Probezeit das Rekrutierungsverfahren abgeschlossen ist. Denn in Kapitel 5 differenzieren die Autoren selbst zwischen Rekrutierung und Onboarding: „… aber sie (Onboarding-Maßnahmen) können nicht alles heilen, was eine misslungene Personalauswahl eingebrockt hat.“ (S. 116) Richtig ist: die Integration neuer Mitarbeiter ist ein wichtiges Thema der Personalentwicklung – und das seit Jahrzehnten. Kein größeres Unternehmen dürfte ein neues Ausbildungsjahr ohne Einführungswoche und Paten beginnen. Obwohl es also nicht unbedingt ein neues Thema ist, ist es sinnvoll, unter den derzeitigen Rahmenbedingungen die Integrationsmöglichkeiten zu untersuchen.

Fazit

„Onboarding – schon wieder ein Anglizismus!“ wird so mancher denken. „Ist das nötig?“ Zunächst einmal ist der Begriff „an Bord kommen“ im angloamerikanischen HRM eine weit verbreitete Floskel, genauso wie das Versenden von Gütern immer noch „Shipping“ heißt, auch wenn gar kein Schiff damit betraut ist. Ob nun ein Anglizismus nötig ist oder nur für höheres Interesse sorgen soll, mag dahingestellt bleiben. Angesichts eines Arbeitnehmermarktes gilt der alte Werbeslogan: „Nie war Onboarding so wertvoll wie heute.“ Das Buch gibt hierüber einen guten Überblick für die heutige Situation, indem differenziert wird und wesentliche Maßnahmen vorgestellt werden.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management, an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 13.04.2018 zu: Klaus Moser, Roman Souček, Nathalie Galais, Colin Roth: Onboarding - neue Mitarbeiter integrieren. Hogrefe Publishing GmbH (Göttingen) 2018. ISBN 978-3-8017-2849-6. Praxis der Personalpsychologie, Band 37. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24056.php, Datum des Zugriffs 20.04.2018.


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