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Hans-Werner Sinn: Auf der Suche nach der Wahrheit

Cover Hans-Werner Sinn: Auf der Suche nach der Wahrheit. Autobiografie. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2018. 672 Seiten. ISBN 978-3-451-34783-2. D: 25,00 EUR, A: 25,80 EUR, CH: 33,90 sFr.
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Horizonteröffnung

Auf der Homepage des Autors findet sich zum hier betrachteten Buch, das schon wenige Monate nach Erstpublikation in zweiter Auflage erschien, folgende „Ansage“:

„Aus kleinen Verhältnissen an die Spitze der Ökonomen-Zunft. Jetzt ist die Autobiographie von Hans-Werner Sinn im Verlag Herder erschienen.
Hans-Werner Sinn hat wie kein anderer in den letzten Jahrzehnten die wirtschafts- und sozialpolitischen Debatten in Deutschland und Europa geprägt. Sinn gilt als einer der wichtigsten Köpfe des Landes. Zu seinem Weg gehört die Mitgliedschaft zur Jugendorganisation der SPD, den Falken, ebenso wie der Einfluss durch die 68er oder die Bewunderung für Willy Brandt. Das Studium der Volkswirtschaftslehre veränderte seine geistige Prägung; alles Ideologische ist ihm bis heute ein Gräuel. Vielmehr folgt er den Regeln der Wissenschaft, bei denen es ihm vor allem auf die fortwährende Suche nach der Wahrheit ankommt – das Credo seines Lebens.
Seine Leistungen auf der wissenschaftlichen Weltbühne sind herausragend, doch Sinn blieb nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaft. Er hat mit seinen wirtschaftspolitischen Überlegungen die Republik verändert. Ob Kritik an den ökonomischen Regeln der Wiedervereinigung, ob Standortdebatte, Reform des Sozialstaates, Bewältigung der Eurokrise, Migration oder Brexit – Hans-Werner Sinn mischte und mischt sich noch immer ein, durchaus kontrovers. In seiner Autobiografie ‚Auf der Suche nach der Wahrheit‘, die anlässlich seines 70. Geburtstages erscheint, zieht er Bilanz seines außergewöhnlichen Lebens.“

Hans-Werner Sinn hat, wie obiges Beispiel illustriert, seit Jahren und Jahrzehnten einen ausgeprägten, für einen Wissenschaftler sogar sehr ausgeprägten Sinn zur Selbstdarstellung – modischer ausgedrückt: zur Erhöhung seiner Visibility. „Schreib Gutes und sorg dafür, dass es gelesen wird“ ist seine Maxime spätestens seit 1991. Damals erschien sein erstes populärwissenschaftliches Buch „Kaltstart – Volkswirtschaftliche Aspekte der deutschen Vereinigung“ (Tübingen: Mohr-Siebeck, Tübingen; Zweitautorin seine Ehefrau Gerlinde Sinn, ebenfalls Ökonomin). Anlässlich dessen arrangierte er ein Fotoshooting, bei dem ein Bild entstand, über das anschließend in Kreisen seiner Kritiker(innen) ausführlich diskutiert wurde: Im Schneetreiben einer Winterlandschaft stehen sich eine größere Daimler-Limousine und ein Trabi mit geöffneten Motorhauben gegenüber und vom einem zum anderen Fahrzeug liegt ein Massekabel (schwarz).

Die Sinn-Spötter(innen), in den Künsten der Ikonographie und der Psychoanalyse gleichermaßen bewandert, hatten zu diesem Bild vor allem zwei Anfragen. Die erste galt und gilt nach wie vor dem schwarzen Massekabel. Warum wurde dieses als Erstes gelegt? Wo doch Fachleute dringend raten, man solle zuerst über das rote Kabel die Pluspole miteinander verbinden, um beim Überbrücken Schäden durch Kurzschlüsse zu vermeiden. Von welcher Art Kurzschlüssen will das Bild in aller Subtilität künden? Von denen bei der Wiedervereinigung in ökonomischer oder von denen in „Kaltstart“ in analytischer Hinsicht begangenen?

Mehr aber noch zur Nachfrage regte ein anderes Detail des besagten Fotos an: Der Trabi trägt das Kfz-Kennzeichen STA, von Stadt und Landkreis Starnberg, dem Synonym für „Millionärsgegend“ schlechthin. Will uns Hans-Werner Sinn mit Hilfe schlauen Geschicks des Unbewussten in Kenntnis setzen davon, dass die finanziellen Mittel aus dem Daimler-Land, die fürs Trabi-Beitrittsgebiet gedacht waren, zu einem Gutteil den Reichen Westdeutschlands zugute kamen? Im Rückblick bestreitet er das keineswegs (vgl. etwa Sinn & Sinn, 2009).

Besagtes Bild scheint für den Autor weiterhin von hoher Symbolkraft. In der ZEIT-Ausgabe vom 15.2.2018 fand sich ein ganzseitiger Auszug des hier betrachteten Buches mit einer Großdarstellung des über ein Vierteljahrhundert alten Bildes (online einsehbar unter www.zeit.de/). Solche auszugsweisen Vorabdrucke sind in der ZEIT üblich und als deren Wertschätzung einer Publikation zu verstehen.

Thema und Entstehungshintergrund

In seiner Danksagung am Ende des Buches lässt uns der Autor Folgendes wissen:

„Den Anstoß zu diesem Buch gab Jens Schadendorf, mein seit langem vertrauter und geschätzter Lektor, der zuvor schon mehrere meiner Bücher betreut hatte, das erste vor rund fünfzehn Jahren. Er überzeugte mich, dass meine Pensionierung und mein siebzigster Geburtstag ein guter Anlass sein würden, eine Autobiographie zu verfassen.
Ein Leben ist länger als ein Buch. Insofern war ich dankbar, dass Jens Schadendorf mir in einer Vielzahl persönlicher Gespräche half eine – wie ich hoffe – richtige Auswahl an zentralen Themen zu finden und meine umfangreiche Stoffsammlung zu gliedern.“ (S. 631)

Und wenig später fügt er hinzu:

„Diese Autobiographie ist keine Chronik, sondern ein subjektiver Rückblick, bei dem ich meine eigenen inhaltlichen Schwerpunkte setze und über eigene Befindlichkeiten berichte. Alle Fakten, die ich dabei nenne, habe ich jedoch nach bestem Wissen und Gewissen und häufig auch nach weitergehender Recherche zusammengetragen.“ (S. 632)

„Autobiographie“ und „Memoiren“

Bei einer Autobiographie ist der Autor zugleich „Gegenstand“ seiner Betrachtungen, er ist Erzähler und Protagonist zugleich. Autobiographien berichten, anders als Tagebücher, vom Heute aus über das Gestern; sie sind retrospektive Darstellungen, die allen Verzerrungen unterliegen können, von denen uns die (Tiefen-)Psychologie Ausführliches zu berichten weiß. Im vorliegenden Falle dürften solche Verzerrungen hinsichtlich berichteter Fakten – nicht hinsichtlich deren Beurteilung – durch den sich erinnernden Autobiographen gering ausfallen; in vielem kann sich Hans-Werner Sinn auf Geschriebenes und Zeitzeug(inn)en stützen

Trotz ihrer explizit subjektiven Perspektive kommt die Autobiografie mit einem größeren Objektivitätsanspruch daher als der autobiografische Roman, wie wir ihn mit Johann Wolfgang Goethes „Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit“ Beispiel vor uns haben. Als solchen darf man das vorliegende Werk keineswegs verstehen. Eine ganz andere Frage aber ist, ob das hier betrachtete Buch nicht auch die Kriterien von „Memoiren“ als literarische Form erfüllt. Zu den bekanntesten Memoiren gehören die sechs Bände „The Second World War“ von Winston Churchill.

Wenn die Literaturwissenschaft eine „Autobiographie“ von „Memoiren“ unterscheidet, weist sie zum einen darauf hin, dass Memoiren mehr als Biographien Gewicht legen auf die Darstellung zeitlicher Ereignisse. Von denen ist im vorliegenden Buch reichlich die Rede. Als zweites Unterscheidungskriterium nennt die Literaturwissenschaft, dass bei Memoiren die (bedeutende) soziale Rolle des erwachsenen Autors – Winston Churchills war ab 1940 für die ganze Kriegszeit Premier Großbritanniens – im Vordergrund steht, weniger oder gar nicht das Heranwachsen des Autors wie bei einer Autobiographie. Im vorliegenden Buch sind beide Elemente gleich stark vertreten.

Autor

Hans-Werner Sinn wurde 1948 in Brake bei Bielefeld als einziges Kind „kleiner Leute“, an denen der 2. Weltkrieg seine Spuren hinterlassen hatte, geboren. Ganz in der Tradition seiner SPD-nahen Herkunftsfamilien wurde er schon früh Mitglied bei den Falken und in der SPD. In Münster studierte er von 1967 bis 1972 Volkswirtschaftslehre und ging 1974 als Assistent an die Abteilung Volkswirtschaftslehre der Universität Mannheim, die damals schon – wie die gesamte Universität Mannheim in Konkurrenz zur altehrwürdigen Ruperto-Carola in Heidelberg – ihr mathematisch-naturwissenschaftliches Profil schärfte. Hans-Werner Sinn wurde 1978 in Mannheim promoviert und habilitierte sich dort 1983; für beide Qualifizierungsarbeiten wurde er ausgezeichnet.

Die Abteilung Volkswirtschaftslehre der Universität Mannheim war damals schon ein Hort der mathematischen Wirtschaftstheorie (zu ersten Einblicken vgl. John, 1997; Predöhl, 1967). Es war, so paradox dies im Nachhinein klingen mag, einer aus Heidelberg, wohin Hans-Werner Sinn zu Mannheimer Assistenzzeiten den Emeritierten heimkutschierte, der die mathematische Wirtschaftstheorie nach Mannheim brachte: Walter Georg Waffenschmidt, habilitiert 1921 in Heidelberg und dort 1927 zum außerplanmäßigen Professor für Nationalökonomie sowie 1947 zum Honorarprofessor ernannt. Von 1946 bis zu seiner Emeritierung 1956 war er Ordinarius und zwischenzeitlich Rektor an der Staatlichen Wirtschaftshochschule Mannheim, der Vorgänger-Institution der heutigen Universität Mannheim.

Hans-Werner Sinn erhielt Ehrendoktorwürden in Magdeburg, Helsinki, Leipzig und Prag sowie verschiedene in- und ausländische Rufe. Bis zu seiner Emeritierung 2016 war er seit 1984 Professor für Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München, Präsident des ifo Instituts (seit 1999) und Direktor des (von ihm 1991 gegründeten) Center for Economic Studies (CES), dessen Aufgabe im Wesentlichen darin bestand und besteht, internationale Gastwissenschaftler(innen) an die volkswirtschaftliche Fakultät der LMU zu holen. Auf der Basis des CES gründete er das erste für alle Doktoranden der Fakultät verpflichtende Graduiertenprogramm für Volkswirte in Deutschland.

Das ifo Institut wurde im Jahr 1949 als Informations- und Forschungsstelle (Ifo) für Wirtschaftsbeobachtung mit Mitteln des Bayerischen Innenministeriums gegründet. Unter der Präsidentschaft Hans-Werner Sinns wurde es zu einem „An-Institut“ der LMU, was auch durch die Namensergänzung „an der Universität München“ und die enge Kooperation mit dem CES deutlich wurde. Hans-Werner Sinn war ein bedeutender Wissenschaftsmanager schon zu Zeiten, da man einen solchen Begriff an deutschen Universitäten für reines Teufelszeug hielt.

Von 2000 bis 2010 war er Aufsichtsratsmitglied der in München ansässigen HypoVereinsbank; in dieser Periode, genauer im März 2003 wurde die Hypo Real Estate, die Immobilienfinanzierungstochter der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank, abgespalten und an die Börse gebracht. Im DAX war sie 2005, faktisch bankrott vier Jahre später. Ihre Rettung kostete die deutschen Steuerzahler(innen) einen zweistelligen Milliardenbetrag an Ausfällen und einen dreistelligen für Bürgschaften. Als hauptsächliche Ursache des schnellen Niedergangs wird die Finanzkrise von 2008, eine globale Banken- und Finanzkrise als Teil der Weltwirtschaftskrise ab 2007 genannt. Vorhergesagt (prognostiziert) hat diese Doppelkrise von den Volkswirtschaftler(innen) nur eine kleine Minderheit; Ann Pettifor (2018; vgl. Heekerens, 2018) etwa oder Max Otte (2006). Hans-Werner Sinn gehörte nicht zu ihnen; der wartete erst danach mit Im-Nachhinein-Erklärungen auf: etwa in „Kasino-Kapitalismus. Wie es zur Finanzkrise kam, und was jetzt zu tun ist“ (Berlin: Econ, 2009).

Hans-Werner Sinn hatte zahlreiche Gastprofessuren im Ausland inne (u.a. in Stanford und Princeton) und war national wie international in führender Funktion für finanzwissenschaftliche Fachverbände tätig. Seit 1989 ist er Honorarprofessor der Universität Wien sowie seit 2016 ständiger Gastprofessor an der Universität Luzern. Zudem ist er Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist er durch wirtschaftspolitische Sachbücher, viele davon Bestseller, und vor allem wegen seiner „pointierten“ Auftritte in den Medien (darunter in Talkshows).

Und damit hört er bis heute nicht auf. Er ist in Pension, aber keineswegs im Ruhestand. Ganz im Gegenteil: „eine Emeritierung [ist] für einen Professor so etwas Ähnliches … wie ein dauerhaftes Forschungssemester“ (S. 632). Allein im Juni 2018 hat er sich fünf Mal öffentlich geäußert; nachzulesen bzw. nachzusehen und nachzuhören auf seiner äußerst professionell gestalteten Homepage. Die zentralen Themen sind die Flüchtlings- und die Euro-Politik – und deren Zusammenhang:

„Merkel unterstützt Macrons Forderung nach einem Eurozonenbudget, und dafür unterstützt Macron Merkel bei der Flüchtlingspolitik. Die deutsche Kanzlerin ist bereit, Milliarden und Abermilliarden dafür zu zahlen, dass die anderen EU-Partner zustimmen, dass Deutschland Flüchtlinge, die aus sicheren Drittländern stammen, an der Grenze zurückweisen kann. Dann hat sie die Bedingung, die Horst Seehofer ihr gesetzt hat, erfüllt. Aber die Kanzlerin zahlt für etwas, das bereits geltendes Recht ist und das sie auch so realisieren könnte.“ („Merkel und die Spaltung Europas“. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. 6. 2018, S. 21)

Aufbau und Inhalt

Den Kern des Buches machen 13 Kapitel aus, die von einem Vor- und Nachwort gerahmt sind.

Man(n und frau) sollte die Buchlektüre mit dem Nachwort (Epilog – Die Rolle des Ökonomen in einer mündigen Gesellschaft) beginnen. Denn dort legt der Autor dar, warum er den Elfenbeinturm der Wissenschaft, den er in seinem Eigenwert durchaus schätzt, immer wieder verlässt, um sich in den öffentlichen (politischen, gesellschaftlichen) Diskurs einzubringen. Wohl wissend, dass ihm dies auch öffentliche Kritik einbringt. Dem tritt er offensichtlich mit geharnischtem Selbstbewusstsein entgegen. Seine beiden Grundhaltungen mögen ein paar Zeilen aus dem Nachwort illustrieren.

Da geht es zum einen um die Frage, weshalb Volkswirtschaftler(innen) den Elfenbeinturm verlassen und an wen sie sich dann wenden sollten:

„Nein, der vom Bürger bezahlte Volkswirt, ja der Sozialwissenschaftler an sich, darf gar nicht alle Beschränkungen berücksichtigen, denen ein Politiker ausgesetzt ist, weil sein Finanzier [der Steuerzahler] grundsätzlich nicht daran interessiert ist, welcher Politiker die richtige Politik macht, sondern nur daran, dass sie gemacht wird. … Es folgt aus diesem Gedankengang, dass es für einen Volkswirt tatsächlich wenig Sinn macht, Politiker direkt zu beraten. Zumindest in der Regel, Ausnahmen habe ich auch erlebt. Besser ist es vielmehr, das Volk, die Bürger, die Menschen zu informieren, damit sie das Problem diskutieren und sich dann eine Meinung bilden können, die in der Folge zu entsprechenden Wahlentscheidungen führt. Dann, und nur dann, bewegt sich etwas in der Politik. Das jedenfalls ist meine immer wieder gemachte Erfahrung. Und genau das ist es auch, was mein Bestreben erklärt, belastbare Erkenntnisse in meinen Texten und gesprochenen Worten so auszudrücken, dass möglichst viele sie verstehen.“ (S. 626)

Ein zweiter Punkt betrifft die Frage, was Hans-Werner Sinn denn unter „Suche nach der Wahrheit“ versteht. Da gibt es im Vorwort ein erhellendes Statement:

„Mein Leitmotiv in der volkswirtschaftlichen Forschung ist die Suche nach der Wahrheit. Aber fast würde ich diesen Ansatz auch als Jagd auf alles Ideologische bezeichnen wollen. Denn in der Tat: Wann immer ich einen Ideologieverdacht hege, werde ich nervös und beginne, die Dinge genauer zu untersuchen. Und wenn dann Informationen und Zusammenhänge zutage treten, die meine Skepsis belegen, und wenn mein Adrenalinspiegel noch dazu weit genug angestiegen ist, dann raffe ich mich auf, überwinde meine Trägheit, schreibe auf, was ich gefunden habe, und spreche darüber.“ (S. 627)

Beispiele für den heiligen Zorn, den „Ideologisches“ bei Hans-Werner Sinn so entfachen kann, dass daraus Bücher entstehen, sind: „Ist Deutschland noch zu retten?“ (München – Berlin: Econ / Ullstein, 8., aktualisierte Auflage 2004) wider die „Sozialstaats-Ideologie“ und „Das grüne Paradoxon. Plädoyer für eine illusionsfreie Klimapolitik“ (Berlin: Econ, 2008) gegen die „Grünen-Ideologie“. Man (und frau) ahnt, wo Hans-Werner Sinns Lieblingsfeinde beheimat sind und in welchen Kreisen man mehr Schlechtes als Gutes über ihn redet.

In seinem Vorwort (Anstatt eines Vorworts – ‚Auf der Suche nach der Wahrheit‘) zeichnet der Autor die wesentlichen Inhalte des Buches mit groben Strichen:

„Sie [die Autobiographie] beschreibt zum einen die Reise eines kleinen Jungen aus anfänglich armer Familie, dem es gelang – früh unterstützt durch fürsorgliche Eltern und Großeltern sowie durch exzellente Lehrer und Professoren im In- und Ausland-, seinen Weg in die vorderen Ränge der ökonomischen Wissenschaft und öffentliche Wirtschaftsdebatten zu finden…
Sie beschreibt damit zum anderen eine Reise des Aufbruchs in eine neue Welt, die von Ideologien nichts wissen will. Und diese Reise war weit…
Dieses Buch beschreibt ferner die Reise in das, was wissenschaftlich ambitionierte Volkswirtschaftslehre früher war und heute ist und sein muss, damit sie erfolgreich bleibt – an Universitäten, in Forschungsnetzwerken oder an Wirtschaftsforschungsinstituten wie dem ifo Institut…
‚Die Suche nach der Wahrheit‘ ist ebenfalls eine Reise an internationale Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds oder die Europäische Zentralbank und Top-Universitäten in den USA, Großbritannien oder eben Kanada, dieses Land, das meine Frau Gerlinde und ich durch zwei längere Forschungsaufenthalte über alle Maßen schätzen gelernt haben.
Und so ist denn dieses Buch – last but not least – auch eine Reise des Lebens, das ich so nur zusammen mit meiner Frau erfahren, bestehen und gestalten konnte.“ (S. 21-22)

Das Buch schließt mit einer Danksagung, einem Werk- und Personenverzeichnis, Stimmen zum Autor (aus den höheren Kreisen von Wirtschaft und Politik) und einer Chronologie – auch in Bildern (letztere vom Kindergarten 1952 bis zur Ehrenpromotion in Prag 2017).

Diskussion und Fazit

Das vorliegende Buch dürfte für Leser(innen) aus der Sozialen Kultur ein Stein des Anstoßes sein, kann aber gerade für sie viele Anstöße geben. Mit vielem, was der Autor schreibt, greift der Autor Werte der Sozialstaatsverfechter(innen) und der Anhänger(innen) einer Grünen-Politik an. Zugleich aber regt er beide Gruppen dazu an, ihre jeweiligen Konzepte durch eine volkswirtschaftliche Brille zu betrachten. Man braucht als Angehörige(r) der Sozialen Kultur einige Ambiguitätstoleranz beim Lesen des Buches.

Fazit: Ich empfehle Angehörigen der Sozialen Kultur dessen Lektüre, gerade weil es in vielen Passagen eine Provokation darstellt und verstörend wirkt. Aber „Provokation“ meint ja „Herausforderung“ und Verstörungen können ja äußerst hilfreich sein.

Literatur

  • Heekerens, H.-P. (2018). Rezension vom 12.06.2018 zu Pettifor, A. (2018). Die Produktion des Geldes. Die Macht der Banken zerschlagen. Hamburg: Hamburger Edition. socialnet Rezensionen (www.socialnet.de/rezensionen/23791.php).
  • John, R. (1997). Unveröff. Skript zur Vorlesung „Mathematische Methoden in der Wirtschaftstheorie“ an der Universität Bonn (online verfügbar unter www.wiwi.uni-bonn.de/john/mmw.pdf; letzter Aufruf am 1.7.2018).
  • Otte, M. (2006). Der Crash kommt. Berlin: Econ.
  • Pettifor, A. (2018). Die Produktion des Geldes. Die Macht der Banken zerschlagen. Hamburg: Hamburger Edition (socialnet Rezension: www.socialnet.de/rezensionen/23791.php; letzter Aufruf am 30.6.2018).
  • Predöhl, A. (1967). Die Grenzen der mathematischen Wirtschaftstheorie. JCSW, 8, 573–582 (online verfügbar unter www.jcsw.de; letzter Aufruf am 1.7.2018).
  • Sinn, H.-W. & Sinn, G. (2009). Der verpatzte Karlstart. Frankfurter Allgemeine vom 9.11.2009 (online verfügbar unter www.faz.net/; letzter Aufruf am 30.6.2018).

Rezensent
Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Heekerens
Hochschullehrer i.R. für Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Pädagogik an der Hochschule München
Homepage de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Heekerens
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Zitiervorschlag
Hans-Peter Heekerens. Rezension vom 26.07.2018 zu: Hans-Werner Sinn: Auf der Suche nach der Wahrheit. Autobiografie. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2018. ISBN 978-3-451-34783-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24060.php, Datum des Zugriffs 15.09.2019.


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ISSN 2190-9245

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