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Anton A. Bucher: Psychologie des Glücks

Cover Anton A. Bucher: Psychologie des Glücks. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2018. 2., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. 301 Seiten. ISBN 978-3-621-28394-6.

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Thema

Anton Bucher präsentiert in seinem Buch die neuesten Erkenntnisse aus der Glücksforschung und geht den Fragen nach, inwiefern Glück messbar ist, was glücklich macht, was es bewirkt und ob es sich bewußt steigern läßt. Darüber hinaus werden praktische Ansätze und Verfahren vorgestellt, wie sich in der Therapie (Glücks-)Ressourcen mobilisieren lassen.

Autor

Anton Bucher ist Professor am Fachbereich Praktische Theologie der Universität Salzburg mit dem Schwerpunkt psychologische Aspekte der Spiritualität (Verlagsangabe).

Aufbau und Inhalt

Das Buch setzt vier große Schwerpunkte

1. Was ist Glück?

  • Qualitative Annäherungen an das Glück
  • Lässt sich Glück, das »unermessliche«, messen?

2. Was macht glücklich?

  • Glücksfaktoren 1: Biologische Variablen
  • Glücksfaktoren 2: Soziodemographische Variablen
  • Glücksfaktoren 3: Nahbeziehungen und Tätigkeiten
  • Glücksfaktoren 4: Religiosität und Spiritualität

3. Was bewirkt Glück?

  • Effekte des Glückserlebens

4. Läßt sich Glück erhöhen?

  • Glückssteigerungsstrategien im Alltag
  • Glückssteigerung in Therapie und Beratung.

Im ersten Teil seines Buches nähert sich der Autor dem Glücksbegriff aus diversen Perspektiven an und berücksichtigt dabei ebenso philosophische und literarische Zugänge und Definitionsversuche, aber auch Aussagen aus dem Kontext subjektiver Glückskonzepte, indem er auf die relevanten qualitativen Studien dazu Bezug nimmt. Hier finden u.a. auch lebensphasisch-orientierte Untersuchungen Berücksichtigung. Viele Veröffentlichungen zu Glück lassen kulturspezifische Unterschiede in den Vorstellungen und im Erleben von Glück unberücksichtigt, Bucher nimmt diese explizit in einem eigenen Abschnitt zumindest exemplarisch für China und Südafrika auf. Ergänzt werden die Ausführungen durch Hinweise auf wichtige Untersuchungen zu glücklichste Episoden bei Erwachsenen und Jugendlichen. Es werden weiterhin wichtige Glücksarten unterschieden und der Glücksbegriff von verwandten Konstrukten wie Zufriedenheit, Wohlbefinden abgegrenzt. Abschließende Ausführungen widmen sich dem Gegenteil von Glück, also dem Pech, der Traurigkeit, der Unlust etc.?

In diesem Zusammenhang rückt auch die Frage der Messbarkeit von Glück in den Fokus. Bucher skizziert die gängigsten und bekanntesten Messverfahren, z.B. von Cantril, Bradburn, Watson, McGreal und Joseph, Dambrun, Ryff, Diener, Dalbert u.a.. Wichtig ist dem Autor aber auch eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Glücksmessversuchen und -systemen und den entsprechenden Messfehlern, z. B in Hinblick auf trügerische Erinnerungen, Rahmenbedingungen, wie z.B. Befragungen bei Sonnenschein oder Regen, sog. aufsehenerregende Ereignisse, Stimmungskongruenz kulturelle Standards zu Glück oder auch spezifische Persönlichkeitseigenschaften. Abschließend setzt sich der Autor noch mit der Erlebnisstichprobenmethode und der Tagesrekonstruktionsmethode im Kontext der Glücksmessung auseinander.

Im zweiten Kapitel untersucht Bucher vier Glücksfaktoren. Zunächst geraten biologische Variablen als Glücksfaktoren in den Blick und es werden u.a. genetische und neurobiologische Aspekte genauer beleuchtet. Der Autor kommt in diesem Zusammenhang zur Schlussfolgerung, dass biologische Faktoren, speziell Gene, das Glückserleben beträchtlich beeinflußen, aber auch Persönlichkeitseigenschaften, die dieses sowohl begünstigen (Extraversion) als auch erschweren (Neurotizismus) können. Noch bedeutsamer im Sinne von Glücksrelevanz ist die emotionale Intelligenz.

Sozialdemographische Variablen sind die zweiten Glücksfaktoren, die untersucht werden. Hier geht es um geschlechtsspezifische und lebensphasische Unterschiede, aber es werden auch Zusammenhänge zwischen Kindheitserfahrungen und Glück im Erwachsenenalter analysiert, Glück im höheren und hohen Alter, Glück im Raumbezug, z.B. zur Natur. Auch die Frage nach dem Glück im globalen Vergleich wird betrachtet, im politischen Kontext und im Zusammenhang mit Einkommen und Materialismus.

Nahbeziehungen und Tätigkeiten stellen weitere relevante Glücksfaktoren dar, die in einem weiteren Unterkapitel analysiert werden. Besonders im Blick sind Liebes- und Freundschaftsbeziehungen, Geburt und Elternschaft, Freizeitverhalten, Ehrenamt, Arbeit(-slosigkeit) und -zufriedenheit und das Flow-Konzept von Csikszentmihalyi.

Religiosität und Spiritualität sind weitere Glücksfaktoren, die einer genaueren Untersuchung unterzogen werden. Dazu werden das Christentum, der Islam, das Judentum und der Islam beleuchtet. Dabei geht es nicht nur um die jeweiligen theoretischen Befunde, sondern auch um die ganz konkrete spirituelle Praxis.

Der dritte Teil des Buches geht der Frage nach, was Glück tatsächlich bewirkt und der Autor stellt u.a. fest:

  • Glück stärkt Gesundheit.
  • Glückliche leben (zumeist) länger.
  • Es kann der Gesundheit förderlich sein.
  • Glück kann zur Erweiterung und dem Aufbau positiver Emotionen beitragen.
  • Glück fördert – und reduziert zugleich – kognitive Fähigkeiten.
  • Glück erleichtert das Lernen und beschleunigt das Memorieren.?
  • Glück erhöht Kreativität und auch Kreativität beglückt.
  • Unter bestimmten Umständen kann Glück allerdings auch kognitive und soziale Fertigkeiten beeinträchtigen.
  • Glück fördert Moralität.
  • Glück begünstigt beruflichen Erfolg und Produktivität.
  • Glück begünstigt beglückende Denk- und Verhaltensweisen.
  • Glückliche interessieren sich für Beglückendes.
  • Glücklichere vergleichen sich seltener nach oben.
  • Glückliche grübeln seltener.
  • Glückliche denken positiver und optimistischer.

Der vierte Teil des Buch untersucht die Frage, ob Glück sich erhöhen läßt? Dabei werden einerseits bewährte Glückssteigerungsstrategien im Alltag, andererseits dezidierte Glückstherapien erörtert. Glückssteigerungsstrategien, die genauer betrachtet werden, sind unterschiedlichste subjektive Glückssteigerungsstrategien, also Gespräche mit Vertrauten, Musik hören, Baden, Sport, Ausgehen etc.. Untersucht werden auch chemische Substanzen als „Glücksbringer“.

Eingehender betrachtet wird im Anschluß zunächst die Glückssteigerungswissenschaft nach Michael Fordyce und im Anschluß ausgewählte Glücksstrategien der Positiven Psychologie und hier insbesondere Strategien zur Vermehrung positiver Emotionen wie Savoring, Achtsamkeit oder Dankbarkeit, das Glück, das sich aus engagierter Aktivität und aus sinnstiftender Tätigkeiten und aus beglückenden Sicht- und Denkweisen ergibt. Es wird auch eine kritische Auseinandersetzung mit falschen Glücksstrategien nicht ausgelassen.

Das Schlusskapitel fasst wesentliche Erkenntnisse zur Glückssteigerung in Therapie und Beratung zusammen.

Diskussion und Fazit

Das vorliegende Buch ist ein unverzichtbares und spannendes Handbuch für alle, die sich mit aktuellen Fragen und Antworten der Glücksforschung befassen (möchten). Es stellt aktuelle Forschungsergebnisse vor, bringt zu zueinander in Verbindung und reflektiert sie kritisch. Besonders bemerkenswert ist, dass sich der Autor um eine differenzierte Darstellung von Ergebnissen und Ansätzen in Hinblick auf Geschlechter- und Kulturunterschiede bemüht. Das unterscheidet dieses Buch wohltuend von vielen anderen möglicherweise verwandten Werken. Ich halte dieses Buch aufgrund seiner hohen Aktualität, seiner breit gefächerten und kritischen Perspektive(n) und seiner fundierten Differenziertheit für sehr empfehlenswert!

Sehr positiv hervorzuheben ist zudem, dass das Buch zusätzlich und kostenfrei als ebook zum Download bereit steht.


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 03.07.2018 zu: Anton A. Bucher: Psychologie des Glücks. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2018. 2., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-621-28394-6. Mit E-Book inside. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24065.php, Datum des Zugriffs 26.09.2018.


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