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Lothar Knopp, Olaf Jürgens u.a. (Hrsg.): Pflegestudiengänge auf dem Prüfstand

Cover Lothar Knopp, Olaf Jürgens, Alexandra Krüger (Hrsg.): Pflegestudiengänge auf dem Prüfstand. Stand und Perspektiven der akademischen Pflegeausbildung. hpsmedia GmbH (Nidda) 2017. 184 Seiten. ISBN 978-3-9815325-7-9. D: 29,80 EUR, A: 30,70 EUR, CH: 34,80 sFr.
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Thema

Pflege zu studieren hat sich in den letzten Jahren etabliert. Mit dem Pflegeberufereformgesetz werden primärqualifizierende Studiengänge aus dem Modellstatus herausgeführt.

  • Kann diese Akademisierung eine Antwort auf den Pflegenotstand sein?
  • Zeigen die Studiengänge eine Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt?
  • Welche Positionen besetzen die Pflegeakademiker?

Autoren und Autorin

Lothar Knopp, Olaf Jürgens und Alexandra Krüger bilden das Herausgeberteam. Die Studie entstand am Zentrum für Rechts- und Verwaltungswissenschaften der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Aufbau

Das Buch umfasst 181 Seiten. Beginnend mit dem theoretischen und juristischen Rahmen wird das Forschungsprojekt selbst mit seinem Design und den empirischen Resultaten vorgestellt. Die Diskussion und Schlussfolgerungen sowie ein umfangreiches Verzeichnis an Abbildungen und Tabellen runden das Buch ab.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich an Personen, die Pflegestudiengänge ausgestalten und deren Profile eine Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt stärken wollen oder müssen.

Inhalt

Krüger zeichnet zu Beginn die Akademisierungslinien in Deutschland nach, die sich aus den immer komplexer werdenden Pflegebedürfnissen, den demografischen Wandel, die höheren Anforderungen im Pflegeberuf und berufspolitische Entwicklungen ableiten. Heute existieren etwa 140 Studiengänge an 51 Standorten in Deutschland, primärqualifizierende (duale) als auch weiterqualifizierende Studienformen. Verbleibstudien zeigen zwar zügige Berufseinmündungen und Tätigkeitsfelder, die überwiegend den Studienschwerpunkten (Management, Pädagogik, Wissenschaft) entsprechen, die Bedarfe der Arbeitgeberseite und die zu vermittelnden Kompetenzen bleiben jedoch vage. Der Einsatz limitiert: an Universitätskliniken ist 1 % der Pflegekräfte in patientennahen Tätigkeitsfeldern akademisiert.

Ziel der im Buch vorgestellten Studie war es, die Notwendigkeit einer akademischen Fundierung des beruflichen Handelns in der Pflege darzulegen. Marktpotenzial und Marktgängigkeit sollten deutschlandweit untersucht werden. Drei Befragungen bildeten die Datengrundlage: eine schriftliche Befragung von Hochschulen, die Pflegestudiengänge anbieten, eine Befragung von Einrichtungen, die pflegeakademische Kompetenzen nachfragen und Gespräche mit Experten zur Beurteilung der Komplementarität von Angebots- und Nachfrageseite. 26 Hochschulen haben an der Befragung teilgenommen. Bei den Einrichtungen haben 196 Institutionen die Erhebung beantwortet. 27 leitfadengestützte Interviews mit Experten – Entscheidungsträger in der Personalpolitik – konnten realisiert und inhaltsanalytisch ausgewertet werden. Die Autoren legen die Ergebnisse anhand dieser drei Vorgehensweisen dar. Die qualitativen Daten ergänzen und/oder differenzieren die quantitativen Anteile.

Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, das die Herausforderungen der pflegefachlichen Tätigkeit wie die epidemiologischen und demografischen Veränderungen sich in der zunehmenden Etablierung von Pflegestudiengängen zeigen. Dabei stehen die Kompetenzerweiterungen und die Verbesserung von Versorgungsergebnissen im Vordergrund. Es mangelt aber noch an inhaltlicher Abstimmung mit den Bedarfen der Praxis, hier wird zu erhöhter Vernetzungsaktivität und Kooperation geraten. Kritisiert wurde, dass die Forderung nach einer Akademisierungsrate von 10 bis 20 % von den Hochschulen zu schnell und ohne ausreichende Bedarfsorientierung angegangen wurde und mit dieser Entwicklung Qualitätseinbußen im Studium einhergehen. Dennoch leisten die Studiengänge einen erheblichen Beitrag zur Professionalisierung der Pflege in Deutschland.

Die Tätigkeit in patientennahen Bereichen ist ein Indikator als Antwort der Akademisierung auf die quantitativen Herausforderungen in der Pflege. Der Wert praktischer Erfahrung ist Hochschulen wie auch Einrichtungen deutlich, langfristige Konzepte zum kompetenzgerechten Einsatz von Absolventen in der direkten Pflege sind jedoch rar, sie gelten teilweise als überqualifiziert oder ungeeignet. In den Leitungsebenen hingegen lösen die Absolventen zunehmend Personen ab, die eine Weiterbildung durchlaufen haben.

Zur Marktgängigkeit der Pflegestudiengänge wird ein heterogenes Bild nachgezeichnet: es existieren Vorbehalte gegen die Absolventen durch einen geringen Bekanntheitsgrad der Studiengänge und die uneinheitlichen Abschlüsse. Bei der berufsgruppenspezifischen Eingruppierung zum Lohn werden die akademischen Qualifikationen selten berücksichtigt. Dennoch sehen Einrichtungen für Bachelorabsolventen Potenzial in der Übernahme von Tätigkeiten auf höherer Ebene nach längerer Betriebszugehörigkeit.

Gleichbleibende Studierendenzahlen deuten auf eine Etablierung der Pflegestudiengänge hin. Praxiseinrichtungen wünschen sich mehr Homogenität in den Curricula, um Tätigkeitsfelder besser definieren zu können. Zudem sollte der praktische Anteil stärker in den Vordergrund rücken, begleitet von stärkerer Netzwerkarbeit und engem Kontakt bereits vor Studienabschluss. Gerechtere Entlohnung ist eine weitere Forderung.

Neben diesen Ergebnissen halten die Autoren fest, das sich die Rahmenbedingungen für berufliche Pflegende – ob mit oder ohne akademischen Abschluss – deutlich verbessern müssen: qualifizierte Ausbildung auf allen Ebenen, besserer Bezahlung, höherer Personalschlüssel insbesondere im Setting Altenpflege, bessere Bedingungen für Praxisanleitung und eine Stärkung der Wertschätzung.

Diskussion

Die Perspektive eines rechtswissenschaftlichen Instituts irritiert nur auf den ersten Blick – auf den zweiten ergibt sich eine erfrischend neutrale Darstellung der Befunde ohne berufspolitische oder professionsinterne Färbung.

Im Studiendesign wurden Befragungen und Experteninterviews gewählt. Die Grenzen der Vorgehensweisen wie ein geringer Rücklauf und mögliche systematische Verzerrungen der Ergebnisse werden (knapp) diskutiert. Alle verwendeten Instrumente sind im Anhang des Buches abgedruckt

Insgesamt entsteht ein differenziertes Bild aus den Sichtweisen der Hochschulen und Institutionen. Deutlich wird, dass nicht alle Kompetenzen, die Hochschulen für essentiell halten, auf dem Arbeitsmarkt verwertbar sind bzw. die Anforderungen der Praxiseinrichtungen einen anderen Fokus aufweisen. Dies sind wichtige Erkenntnisse, um den Prozess der Akademisierung an die Berufswelt zu adaptieren.

Fazit

Mit genügend Eigeninitiative können Pflegeakademiker in Zukunft damit rechnen, im Gesundheitswesen ein auf ihre Kompetenzen zugeschnittene Stelle zu bekommen – so fassen die Autoren ihre Studienergebnisse zusammen.


Rezensentin
Dr. sc.hum. Nina Fleischmann
M.A. Public Health und Pflegewissenschaft
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Zitiervorschlag
Nina Fleischmann. Rezension vom 02.07.2018 zu: Lothar Knopp, Olaf Jürgens, Alexandra Krüger (Hrsg.): Pflegestudiengänge auf dem Prüfstand. Stand und Perspektiven der akademischen Pflegeausbildung. hpsmedia GmbH (Nidda) 2017. ISBN 978-3-9815325-7-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24068.php, Datum des Zugriffs 14.12.2018.


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