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Tomasz G. Pszczółkowski: Deutschland und die Deutschen in Forschung und Lehre

Cover Tomasz G. Pszczółkowski: Deutschland und die Deutschen in Forschung und Lehre. Studien zur kulturwissenschaftlichen Landeskunde. Instytut Germanistyki Uniwersytetu Warszawskie 2017. 368 Seiten. ISBN 978-83-89919-39-7.

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Thema und Entstehungshintergrund

Ungeachtet der geographischen Nähe und vielseitiger historischer Verflechtungen lassen sich Unterschiede zwischen der polnischen und der deutschen Kultur wahrnehmen. In den bisherigen 20 Jahren seines Schaffens hat sich Tomasz G. Pszczółkowski mit mehreren Aspekten von Unterschied und Gemeinsamkeit auseinandergesetzt. Der vorliegende Band beinhaltet eine Selektion seiner Beiträge zum Thema. Diese befassen sich mit deutscher-polnischer Geschichte, Betrachtungen über Selbst- und Fremdbilder der Deutschen, Überlegungen zu kulturwissenschaftlichen Traditionen und Interessen.

Autor

Tomasz G. Pszczółkowski ist Germanist und Politikwissenschaftler. Als Professor für interkulturelle Kommunikation und Deutsche Geschichte an der Universität Warschau befasst er sich über verschiedene Ansätze mit dem deutsch-polnischen Kulturvergleich.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Buch umfasst 24 Beiträge in fünf Kapiteln.

  1. Zunächst (bis S. 88) befasst sich der Autor mit der deutschen Geschichte aus auslandsgermanischer Sicht.
  2. Im 2. Kapitel zeichnet er Selbst- und Fremdbilder der Deutschen nach (bis S. 166).
  3. Der folgende Part behandelt die Methodologie der kulturwissenschaftlichen Länderforschung (bis S. 244).
  4. Im 4. Kapitel beschäftigt sich Pszczółkowski mit Deutschlandkunde als politische Landeskunde und ihrer Didaktisierung (bis S. 302).
  5. Das 5. Kapitel stellt Kulturkomparatistik als Weg zur Erkenntnis seiner selbst und des Anderen dar (bis S. 368).

Mit diesem Buch versammelt der Verfasser seine wissenschaftlichen und didaktischen Interessen der letzten 20 Jahre seiner wissenschaftlichen Arbeit. Der interessierte Leser kann sich verschiedenen Aspekten des nationalen Kulturvergleichs aus der Perspektive verschiedener politischer Stimmungsbilder nähern. Insbesondere die auslandsgermanistische Sicht von Deutschland und seinen Menschen kann eine Vergleichsfolie für weitere deutsch-polnische kulturkomparatistische Untersuchungen bieten.

Ausgewählte Inhalte

Da es aufgrund des Umfangs und der Vielfältigkeit der Inhalte dieses Buchs kaum möglich ist, alle Inhalte angemessen wiederzugeben, werden im Folgenden exemplarisch interessante Kapitel mit Bezug auf Gesellschafts- und Sozialwissenschaft herausgegriffen.

Das Unterkapitel zu „Drei deutsche Nachkriegsgesellschaften“ geht der Autor auf mentale Kontinuitäten und Brüche in der BRD, der DDR und dem wiedervereinten Deutschland aus polnischer Sicht ein (S. 137 – 149). In diesem Zusammenhang bemerkt Pszczółkowski einen Wandel der Erinnerungskulturen. Bemerkenswert wie interessant ist der Versuch der Darstellung der nachbarschaftlichen Wahrnehmung der Deutschen.

Das Subkapitel „Die Rolle der Gesellschaftswissenschaften im europäischen Einigungsprozess“ (S. 167 – 185) befasst sich mit der Geschichte des Faches im Prozess der Annäherung Ost- und Westeuropas nach Wegfall des „Eisernen Vorhangs“. Pszczółkowski betonte den besonderen Beitrag, den diese Fächer für die kulturelle Integration leisten konnten und können. Dabei grenzt er deren pluralistischen Ansatz auf der Suche allgemein verbindliche Theoremen von einem einschränkenden, von Weltanschauungen geprägten Wissenschaftsmodell ab.

Im Unterkapitel zur „Bedeutung der Biographiegespräche zwischen Polen und Deutschen“ (S. 357 – 368) geht der Autor auf ein deutsch-polnisches Biographie-Projekt ein, das gemeinsam von der Humanistischen Akademie „Aleksander Gieysztor“ und dem ost-west-forum Gut Gödelitz initiiert und etabliert wurde. Ziel der Biographiegespräche ist es, Deutsche und Polen über die persönliche Begegnung einander näher zu bringen und gegenseitige Vorurteile abzubauen, um Verständigungsebenen zwischen Polen und Deutschen zu schaffen.

Diskussion und Fazit

Selbstkritisch befasst sich der Autor mit der genretypischen Schwierigkeit einer thematisch kohärenten Sammlung von Beiträgen. Den Griff zur Kompilation begründet er mit dem Anliegen seine bisherigen Forschungen aus zeitlicher Distanz gedanklich zu subsumieren und die damit zusammenhängenden methodischen Ansätze wie auch Ideen und Meinungen zur Diskussion zu stellen. Diese adressiert Pszczółkowski an einen deutschsprachigen interdisziplinären Leserkreis, besonders möchte er Germanisten, Historiker, Politologen, Kultur- und Sozialwissenschaftler ansprechen mit dem vordergründigen Anliegen, Wissenschaft mit dem Bezug auf die konkreten Bedürfnisse von an ihr Interessierten zu betreiben.

Mit „Deutschland und die Deutschen in Forschung und Lehre“ hat Tomasz Pszczółkowski einen thematisch breiten Überblicksband über relevante und aktuelle Themen zum Bezug beider Nachbarländer vorgelegt. Der Band trägt dem Wunsch des Autors Rechnung, dass seine Erkenntnisse zum Nachdenken über Wege, Umwege und mitunter auch Irrwege der Deutschlandkunde anregen.

Zugleich können sich auch die kulturwissenschaftlichen Traditionen und Interessen, insbesondere aktuelle Entwicklungen und akademische Strukturen unterscheiden. Grundsätzlich stellen sich beim Vergleich immer methodologische Fragen der Komparatistik. Der Band ist für den anvisierten Leserkreis gut geeignet zur Einführung in den transnationalen Kulturvergleich wie auch zur Diskussion zu Fragen der Stereotypenforschung und Imagologie.


Rezensentin
Dr. Felicitas Söhner
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Zitiervorschlag
Felicitas Söhner. Rezension vom 05.03.2018 zu: Tomasz G. Pszczółkowski: Deutschland und die Deutschen in Forschung und Lehre. Studien zur kulturwissenschaftlichen Landeskunde. Instytut Germanistyki Uniwersytetu Warszawskie 2017. ISBN 978-83-89919-39-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24079.php, Datum des Zugriffs 18.10.2018.


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