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Tanja Betz, Sabine Bollig u.a. (Hrsg.): Institutionali­sierungen von Kindheit

Cover Tanja Betz, Sabine Bollig, Magdalena Joos, Sascha Neumann (Hrsg.): Institutionalisierungen von Kindheit. Childhood Studies zwischen Soziologie und Erziehungswissenschaft. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2018. 232 Seiten. ISBN 978-3-7799-1557-7. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 45,90 sFr.
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Thema

Childhood Studies etablierten sich im deutschsprachigen Raum aus der Soziologie der Kindheit sowie der Erziehungswissenschaft in wechselseitiger Bereicherung und Beeinflussung. Die Institutionalisierung von Kindheit, ein in aktuellen Expertisen deutlich beschriebenes Phänomen, wird in vorliegendem Buch als Prozess fokussiert; erziehungswissenschaftlich stärker an Erziehung, Bildung und Hilfe im Konstrukt der Adressaten, soziologisch an Gesellschaftlichkeit und Konstitution von Kindheit orientiert.

Zentrale Konzepte des Buches sind generationale Ordnung, Agency, Körper, Räume, Felder, Diskurse und Wohlfahrtsstaatlichkeit.

Autorinnen und Autoren

Alle Beiträge sind entstanden im Kontext bzw. Anschluss der internationalen Konferenz „Kindheitsforschung zwischen Soziologie und Erziehungswissenschaft“, die 2015 zu Ehren von Michael-Sebastian Honig, stattfand. Er gilt als ein Begründer sozialwissenschaftlicher Kindheitsforschung in Deutschland.

Die Autorinnen und Autoren Meike Sophia Baader, Tanja Betz, Sabine Bollig, Micha Brumlik, Doris Bühler-Niederberger, Peter Cloos, Heike Deckert-Peaceman, Cornelie Dietrich, Florian Eßer, Inka Fürtig, Heinz Hengst, Helga Kelle, Johanna Mierendorff, Sacha Neumann und Jutta Wiesemann vertreten das Fach Soziologie oder Erziehungswissenschaft an deutschen Universitäten, bzw. Sascha Neumann in Luxemburg.

Aufbau und Inhalte

Gegliedert ist das Buch in drei Bereiche und 13 Beiträge, wobei an dieser Stelle nicht auf jeden einzelnen Beitrag eingegangen werden kann, vielmehr ist hier ein Überblick gegeben. Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Orientiert an den unterschiedlichen Ausrichtungen der Verknüpfung von Erziehungswissenschaft und Soziologie zeigt die Veröffentlichung einen stringenten Aufbau:

Teil I Institutionalisierungen von Kindheit im Blickfeld von Erziehungswissenschaften und Soziologie. Hierzu zählen folgende Beiträge:

  • Vom Sozialisationsansatz zur Kindheitssoziologie – und zurück? Der Beitrag der Soziologie zur Erforschung von Kindheit (Bühler-Niederberger)
  • Generationale Ordnung als Proprium von Erziehungswissenschaft und Kindheitssoziologie (Kelle)
  • Zur Dialektik der Kindheit. Konstrukt, ontologische Universalie oder transzendentale Voraussetzung (Brumlik)

Teil II Konzeptionelle Zugänge zu Instituionalisierungsprozessen

  • „Mit einander sprechen, das ist r(w)ichtig“. Generationale Ordnung, Generationenverhältnisse und Erziehung in der BRD seit den 1970er Jahren (Baader)
  • Multiples Werden, lebenslanges Lernen (Hengst)
  • Making Places. Zu den Orten und Räumen „betreuter Kindheiten“ (Bollig)
  • Potenziale eines wohlfahrtsstaatstheoretischen Zuganges in der Kindheitsforschung (Mierendorff)

Teil III Institutionalisierungen von Kindheit im Kontext pädagogischer Felder: Empirische Erkundungen

  • Die Kinder und Kindheiten der Frühpädagogik. Überlegungen zur Kontureines Forschungsprogramms (Cloos)
  • Krippenkindheit. Eine feldtheoretische Annäherung (Neumann)
  • „Das Kind im Nest der schulischen Familie“. Zum Verhältnis von privatem und öffentlichem Raum in der deutschen Grundschulpädagogik am Beispiel der insenierung des Schulanfangs (Deckert-Peaceman)
  • Kindheit zwischen Smartphone und pädagogischem Schulalltag (Wiesemann und Fürtig)
  • Heimkindheit – Verkörperte Sorge (Eßer)

Alle Beiträge lösen das Versprechen des Titels ein und verknüpfen Befunde der Soziologie und Erziehungswissenschaft. Wesentliche Termini sind geklärt, wichtige interdisziplinäre Zusammenhänge aufgezeigt und jeweils mindestens im letzten Abschnitt wird auf noch zu führende Debatten oder Forschungsfragen verwiesen. Ausgehend von den soziologischen Vorleistungen für „childhood studies“ sowie die Verankerung deutschsprachiger Kindheitsforschung in Erziehungswissenschaften gelingt es in den einzelnen Abschnitten, die fruchtbare Verknüpfung aufzuzeigen und Befunde sowie methodische Fragestellungen stellen den wissenschaftlichen Diskurs in beeindruckender Breite dar.

Das Buch verspricht eine konzeptionelle Klammer mit doppelter Funktion, in der Perspektiven und Forschungserträge beider Disziplinen aufeinander bezogen werden. Gleichzeitig bilanzieren sie die Entwicklung des Forschungsfeldes mit dem Ziel, den verbindenden „Erkenntnisgegenstand Kindheit im Kontext seiner pädagogischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Formierung auszuloten“ (S. 11).

Zielgruppe

Das Buch wendet sich an die akademische Zielgruppe der Lehrenden und Masterstudenten im Kontext von Kindheit. Die einzelnen Beiträge setzen eine Kenntnis des Feldes, wenigstens aus einer der beiden Disziplinen, voraus.

Diskussion

Erfreulich ist die stringent differenzierte Entwicklung in den einzelnen Beiträgen, die historische Entwicklungslinien nachvollziehbar machen und somit jeweils ein umfassendes Bild des gesetzten Schwerpunkts entstehen lassen. Somit wird die Perspektive auf Institutionalisierungsprozesse von Kindheit eröffnet und aus den erziehungwissenschaftlichen und kindheitssoziologischen Verortungen erschlossen.

Das Buch ist aufgrund der in sich abgeschlossenen Kapitel für Studienzwecke und Recherchen gut einsetzbar, da die Themen kompakt formuliert sind, wichtige Desiderata aufzeigen und jeweils mit einem Literaturverzeichnis abschließen.

Fazit

Die vorgelegte Sammlung dieser vielfältigen Beiträge nehmen Michael-Sebastian Honigs Grenzgänge zwischen den Disziplinen zum Ausgang und bilden aktuelle Fragen und Diskurse zu Kindheitsforschung kompakt ab. Somit bietet sie einerseits einen guten Überblick und kann andererseits in einzelnen Ausschnitten gelesen und diskutiert werden; die beabsichtigte und versprochene konzeptionelle Klammer gelingt damit sehr gut.


Rezensentin
Prof. Dr. Roswitha Sommer-Himmel
Evangelische Hochschule Nürnberg
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Zitiervorschlag
Roswitha Sommer-Himmel. Rezension vom 16.08.2018 zu: Tanja Betz, Sabine Bollig, Magdalena Joos, Sascha Neumann (Hrsg.): Institutionalisierungen von Kindheit. Childhood Studies zwischen Soziologie und Erziehungswissenschaft. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2018. ISBN 978-3-7799-1557-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24090.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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