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Elke Alsago, Maria-Elonora Karsten u.a. (Hrsg.): Fachberatung im Aufbruch

Cover Elke Alsago, Maria-Elonora Karsten, Michael May, Christa Preissing (Hrsg.): Fachberatung im Aufbruch. Verortung -- Herausforderungen -- Empfehlungen. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2018. 160 Seiten. ISBN 978-3-451-37834-8. D: 25,00 EUR, A: 25,80 EUR, CH: 33,90 sFr.
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Thema

Die Pädagogische Fachberatung hat eine zentrale Schlüsselfunktion in Bezug auf die Qualitätsentwicklung von Kindertageseinrichtungen. Das Berufsfeld steht noch am Beginn auf dem Weg zu einer eigenständigen Profession und einem konkret definierten Berufsbild.

In dem Buch „Fachberatung im Aufbruch. Verortung -Herausforderungen -Empfehlungen“ wird ebendieses heterogene Berufsfeld der pädagogischen Fachberatung für Kindertageseinrichtungen im Hinblick auf aktuelle, historische und zukünftige Perspektiven betrachtet und diskutiert.

Das Buch beleuchtet die Diskrepanz zwischen theoretischen Anforderungen und gelebter Praxis.

Herausgeberinnen und Herausgeber

Das Buch ist ein Herausgeberwerk vom Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe). Nifbe begleitet und moderiert den Prozess der niedersächsischen Fachberatung seit 2015 auf dem Weg zu einem Professionsverständnis.

  • Elke Alsago ist Diplom Sozialpädagogin, staatlich anerkannte Sozialarbeiterin, Diakonin und Dozentin an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie in Hamburg.
  • Prof. Dr. Maria-Eleonora Karsten ist Professorin für Sozialadministration und Sozialmanagement an der Leuphana Universität Lüneburg.
  • Prof. Dr. Michael May ist Professor für Theorie und Empirie Sozialer Arbeit mit dem Schwerpunkt Gemeinwesenarbeit an der Hochschule RheinMain.
  • Dr. Christa Preissing ist Direktorin des Berliner Kita-Instituts für Qualitätsentwicklung (BeKi) und Präsidentin der internationalen Akademie Berlin gGmbH (INA).

Autoren und Autorinnen

Die inhaltlichen Beiträge wurden neben den Herausgebern Elke Alsago, Maria-Eleonora Karsten, Michael May und Christa Preissing von den Autoren und Autorinnen Petra Beitzel, Thomas C. Bialluch, Andre Dupuis, Stephanie Emmel, Ricarda Gellrich, Jörg Hartwig, Dr. Karsten Herrmann, Iris Hofmann, Claudia Hruska, Maria Korte, Dr. Katrin Lattner, Hilka Neunaber, Gudrun Rönsch und Mirela Schmidt, verfasst.

Aufbau

Das Herausgeberwerk gliedert sich nach einem einführenden Vorwort von Renate Zimmer und einer Einleitung von Karsten Hermann und Maria Korte in drei thematische Abschnitte.

  1. In Teil eins werden die wissenschaftlichen Grundlagen von Fachberatung dargelegt,
  2. in Teil zwei folgt die Auseinandersetzung mit den Praxisaspekten der Fachberatung und
  3. Teil drei setzt sich mit der Aus- und Weiterbildung von Fachberatung auseinander.

Das Buch schließt ab mit dem Verzeichnis der Autorinnen und Autoren.

Zu Teil I Wissenschaftliche Grundlagen

Im ersten Teil, welcher sechs Fachbeiträge beinhaltet, werden die wissenschaftlichen Grundlagen des Arbeitsfeldes Fachberatung beleuchtet. Die Fachberatung im Hinblick auf ihre Rolle in der Qualitätsentwicklung, Arbeitsweisen von FachberaterInnen sowie die Entwicklung des Berufsfeldes werden thematisiert.

Im einführenden Beitrag „Fachberatung als zentraler Schlüssel zur Qualitätsentwicklung. Aktuelle Verortung, Bedeutung und Perspektiven“ gehen die Autorin Christa Preissing und der Autor Karsten Hermann im Rahmen dessen z.B. auf die Rolle der Fachberatung im Qualitätsentwicklungsprozess von Kindertageseinrichtungen ein. Hierzu stellen sie zunächst fest, dass es wenig gesicherte Erkenntnisse zur Situation der Fachberatung in Deutschland gibt. Sie schildern die differente strukturelle Verankerung von Fachberatung. So gibt es die Fachberatung durch die öffentliche Jugendhilfe, die Fachberatung durch Einrichtungsträger, die Fachberatung durch Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege und die Fachberatung durch externe Anbieter. Neben den Themen der rechtlichen Verankerung sowie der Aus- und Fortbildung von Fachberatung gehen die Autoren insbesondere auf das Thema des Berufs- und Aufgabenprofil von Fachberatung ein und ziehen hier Bezüge zu einer von der Weiterbildungsinitiative frühpädagogischer Fachkräfte (kurz WiFF) durchgeführten Studie, in welcher FachberaterInnen zu ihren Tätigkeitsprofilen befragt wurden. Ein Drittel der Befragten klagte dabei über eine zu hohe Belastung durch fachberatungsferne Aufgaben. Die Autoren kommen in ihrem Beitrag zu dem Schluss: „Die in der fach- und bildungspolitischen Diskussion lange Zeit wenig beachtete Fachberatung kann und muss bei der Gestaltung des gravierenden Wandels und der konsequenten Qualitätsentwicklung in der Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung eine zentrale Rolle einnehmen“ (S. 20). Dafür haben Preissing und Hermann sechs konkrete Empfehlungen für die Ausgestaltung von Fachberatung formuliert.

Zu Teil II Praxisaspekte der Fachberatung

Der zweite Teil des Buches umfasst acht Fachbeiträge, die die Praxisaspekte von Fachberatung näher beleuchten. Einerseits werden die Funktion von Fachberatung und die Anforderungen, Erwartungen und Angebote vom Träger an die Fachberatung von den Autoren und Autorinnen thematisiert, anderseits werden konkrete Forschungsergebnisse aus verschiedenen Studien, z.B. aus Sachsen und Niedersachsen vorgestellt. Zwei weitere Beiträge beinhalten Wochenprotokolle von Fachberaterinnen.

Ricarda Gellrich, Fachberaterin bei der Stadt Wolfsburg schildert anhand eines Wochenprotokolls den beruflichen Alltag von ihr und ihren drei Kolleginnen in dem Beitrag „Zwischen Fachdialog, Planung und Verwaltung. Wochenprotokoll eines Fachberatungs-Teams in der Stadt“. Die Kommune Wolfsburg befindet sich grade aufgrund steigender Einwohnerzahlen in einem sukzessiven Kitaausbau. Entgegengesetzt dazu berichtet Gudrun Rönsch in ihrem Beitrag „Auf den Dialog und den Raum für Reflexion kommt es an! Wochenprotokoll einer Kita-Fachberaterin auf dem Land“ anhand eines Wochenprotokolls ihren Alltag als Fachberaterin im ländlichen evangelischen Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz. Insbesondere der kollegiale Austausch mit anderen KollegInnen gestaltet sich hier anders und findet verstärkt in übergeordneten Treffen statt. Durch die verschiedenen Wochenprotokolle werden die differenten Aufgaben und damit einhergehend das umfassende Tätigkeitsprofil von FachberaterInnen in Deutschland deutlich.

Zu Teil III Aus- und Weiterbildung

Der letzte Teil des Buches beinhaltet den Beitrag „Passende Angebote häufig Fehlanzeige. Zur aktuellen Situation in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Fachberatung“ von Iris Hofmann. Ausgehend von der Historie der Fachberatung sowie den Erwartungen von Trägern und Praxis an FachberaterInnen, schildert die Autorin die Konsequenzen die diese für eine Weiterbildung von FachberaterInnen haben könnten. In Bezug auf das von Petra Beitzel im Buch beschriebene Kompetenzprofil der Fachberatung für Kindertageseinrichtung beschreibt Hofmann zentrale Aspekte für eine kompetenzorientierte Weiterbildung. Die Autorin geht auf die aktuelle Situation der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Fachberatung in Deutschland ein und schildert hierzu beispielhaft die strukturierten Angebote der Bundesländer Schleswig-Holstein, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen. Sie formuliert, dass sich das Studium der Kindheitspädagogik dazu eignen könnte, gezielter FachberaterInnen für Kitas und Krippen auszubilden und schließt ihren Beitrag mit der Forderung nach einer wissenschaftliche Ausbildung für FachberaterInnen und / oder Weiterbildung auf wissenschaftlichem Niveau, welche in allen Bundesländern in Zusammenarbeit mit den Trägern der Kindertagesbetreuung mittelfristig einzurichten wäre, ab.

Diskussion

Das Herausgeberwerk nimmt sich dem Berufsfeld der Pädagogischen Fachberatung von Kindertageseinrichtungen an.

Das Berufsfeld der Pädagogischen Fachberatung nimmt eine Schlüsselrolle im Qualitätsentwicklungsprozess von Kindertageseinrichtung ein, ist aber bis dato erst auf dem Weg zu einer eigenständigen Profession. In der Praxis zeigt sich, dass der Beruf sehr heterogen ausgeführt wird und es kein einheitliches Berufsprofil gibt. Der Rollenkonflikt zwischen pädagogischer Beratung und Dienstaufsicht wird u.a. durch die Darstellung der differenten Arbeitsbelastung und unterschiedlichen Aufgabenprofile im Buch deutlich.

Das Buch stellt eine Bestandsaufnahme zur aktuellen, uneinheitliche Lage der Fachberatung von Kindertageseinrichtungen dar. Speziell die verschiedenen Blickwinkel auf das heterogene Berufsfeld und die Heranziehung von aktuellen Forschungsergebnissen bereichern das Werk. Es hat nicht den Anspruch ein einheitliches Professionsverständnis von Fachberatung zu definieren, sondern versteht sich als „kritische Bestandsaufnahme“, welche aktuelle Entwicklungslinien und mögliche Perspektiven für Fachberatung mittels eines „Dialogs“ von Praxis und Wissenschaft aufzeigt. Für Fachberatungen gibt es keine konkrete Ausbildung und nur vereinzelt passgenaue Weiterbildungsangebote. Insbesondere das so wichtige Kapitel der Aus- Fort- und Weiterbildung von FachberaterInnen nimmt leider eine sehr kleine Rolle in dem Herausgeberwerk ein. Dadurch wird nochmals deutlich, dass hier ein besonderes Desiderat besteht.

Das Herausgeberwerk verfolgt einen klaren Aufbau indem eingangs in Teil I zunächst die wissenschaftlichen Grundlagen und daran anschließend in Teil II Praxisaspekte beleuchtet werden. Teil III rundet das Herausgeberwerk ab indem die aktuelle Situation von Aus-, Fort- und Weiterbildung von Fachberatung beschrieben wird.

Fazit

Die institutionelle Kindertagesbetreuung befindet sich im Wandel und das Berufsbild der Pädagogischen Fachberatung damit einhergehend ebenfalls. Allerdings fehlt es der Pädagogischen Fachberatung an einem konkreten Berufsprofil. Das Herausgeberwerk leistet hier einen wertvollen Beitrag um das Berufsbild „Pädagogische Fachberatung“ ein Stück weiter zu erfassen.

Im Vorwort spricht Prof. Dr. Renate Zimmer, Direktorin des nifbe, davon, dass das Buch den „EinzelkämpferInnen“ Mut machen möchte, sich als gesellschaftliche Kraft für die frühkindliche Bildung zu begreifen, sich zu vernetzen und auf den Weg zu einem einheitlichen Professionsverständnis zu machen. Darüber hinaus ist das Buch nicht ausschließlich für FachberaterInnen interessant, sondern ist ebenfalls für Trägervertreter, politische Verantwortungsträger und WissenschaftlerInnen, die das Berufsbild Fachberatung auf dem Weg zur eigenständigen Profession mit qualifizierter Ausbildung auf anderer Ebene voranbringen wollen, von Bedeutung.


Rezensentin
Dr. Lisa Jares
Redakteurin des frühpädagogischen Fachportals ErzieherIn.de, Pädagogische Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen und Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen in kindheitspädagogischen Studiengängen
Homepage www.socialnet.de/ueber-socialnet/team/lisa-jares.html
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Zitiervorschlag
Lisa Jares. Rezension vom 04.04.2018 zu: Elke Alsago, Maria-Elonora Karsten, Michael May, Christa Preissing (Hrsg.): Fachberatung im Aufbruch. Verortung -- Herausforderungen -- Empfehlungen. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2018. ISBN 978-3-451-37834-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24095.php, Datum des Zugriffs 20.04.2018.


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