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Steffen Fliegel, Wolfgang Jänicke u.a. (Hrsg.): Verhaltenstherapie

Cover Steffen Fliegel, Wolfgang Jänicke, Sandra Münstermann, Günter Ruggaber, Andreas Veith u.a. (Hrsg.): Verhaltenstherapie. Was sie kann und wie es geht – Ein Lehrbuch. dgvt-Verlag (Tübingen) 2018. 848 Seiten. ISBN 978-3-87159-266-9.
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Entstehungshintergrund und Thema

Das vorliegende Buch erscheint im Verlag der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT), der größten deutschen Gesellschaft für verhaltenstherapeutische Psychotherapie und Psychosoziale Praxis. Da diese Gesellschaft auch Ausbildungen in Verhaltenstherapie (VT) im Rahmen der Psychotherapieausbildung anbietet, erscheint die Kompetenz, ein Lehrbuch zur VT herauszugeben, quasi genuin gegeben. „was sie kann und wie es geht“ wählen die Herausgeber als Untertitel- er deutet die Inhalte an: Grundlagen, Indikationen und Anwendungspraxis der VT werden umfassend vorgestellt. Aber: bedarf es eines weiteren Lehrbuches der VT, wo doch hierzu verschiedene gute Beispiele vorhanden sind? Durch bestimmte Besonderheiten sich auszeichnend (s.u.) kann diese Frage für das vorliegende Werk positiv beantwortet werden.

HerausgeberInnen

Zunächst: Alle HerausgeberInnen arbeiten in der Ausbildungsakademie der DGVT als Lehrende und Praktiker- sie sind zudem meist auch in eigener Praxis in der psychotherapeutischen Versorgung tätig.

Steffen Fliegel ist promovierter Dipl. Psychologe, approbierter Psychotherapeut und arbeitet seit langen Jahren in Therapie- und verschiedenen Ausbildungseinrichtungen.

Wolfgang Jänicke ist Dipl. Psychologe, approbierter Psychotherapeut und leitet ein Ausbildungszentrum der DGVT.

Sandra Münstermann ebenfalls Dipl. Psychologin, approbierte Psychotherapeutin, Ausbilderin und Therapeutin in eigener Praxis.

Günter Ruggaber, Dipl. Psychologe, approbierter Psychotherapeut und Ausbilder in der DGVT-Akademie.

Andreas Veith, promovierter Dipl. Psychologe, approbierter Psychotherapeut, auch in eigener Praxuis und in der DGVT-Ausbildung aktiv.

Ulrike Willutzki, Prof. Dr. Dipl. Psychologin, approbierte Psychotherapeutin, lehrt an der Uni Wittemn-Herdecke, praktiziert und lehrt in der Ausbildungsakademie der DGVT.

(Die weiteren 27 AutorInnen des Lehrbuches sind allesamt für die verfassten Thematiken ausgewiesen Fachfrauen und -männer – siehe hierzu im Buch S. 837 ff.)

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus vier umfassenden Teilen mit 37 Kapiteln (vgl. den Aufbau unter www.dgvt-verlag.de/pdf/9783871592669_IV.pdf). Der Aufbau zeigt einerseits das handlungsleitende therapeutische Verständnis der AutorInnen, andererseits bildet er die Ausbildungsstruktur des DGVT-Ausbildungscurriculums gut ab.

Teil 1 thematisiert die Rahmenbedingungen von Psychotherapie im sozialen und rechtlichen Umfeld und die Beziehungsgestaltung zwischen den beteiligten Akteuren: Patientin und Therapeut. Dabei wird bewusst auch auf den ethischen Aspekt therapeutischen Handelns eingegangen, wodurch im Zusammenhang mit den übrigen Kapiteln dieses Teils das handlungsleitende Menschenbild der VT gut dargelegt wird.

Teil 2 wird „Bedingungen psychischer Störungen“ genannt; hier werden umfassend die Essentials der VT vorgestellt: Plananalyse, lerntheoretische Grundlagen, die Bedeutung von Kognition, Emotion und Körper im heutigen Verständnis der Bedingtheit psychischer Störungen werden ausführlich angesprochen- daneben aber auch ( und frühere Schulen-abgrenzungen aufhebend) Ansätze der Tiefenpsychologie, der Systemtheorie und auch schulenübergreifende Ansätze etwas der Schematherapie. Diagnostische Überlegungen, die Rolle von Psychopharmaka, Methoden der Informationsgewinnung im Therapieprozess und Klärung von Zielen werden vorgestellt und auf die Bedeutsamkeit des sozialen Umfeldes im Bedingungsgefüge der Störungsgenese eingegangen.

Teil 3 befasst sich mit Interventionen, die sich hier nicht an Störungsbildern und Diagnosen orientieren, sondern die Besonderheiten des Veränderungszugangs aus der Sicht einzelner sich auch unterscheidender Zugänge. So werden etwa dargestellt: Lerntheoretische, kognitive, emotions- und körperbezogene Ansätze…bis hin zu in der VT brauchbaren Ansätzen der psychodynamischen Therapie oder etwa gemeindepsychologische Besonderheiten und die Berücksichtigung neuerer neuropsychologischer Erkenntnisse zum Veränderungsprozess sowei die Frage von Therapieevaluation. Abgeschlossen wird dieser Teil mit der Aufzählung von vermeintlich schwierigen Therapiesituationen und dem Umgang damit unter Hinweis auf die ebenfalls in der DGVT-Verantwortlichkeit entwickelten und herausgegebenen DVDs.

Teil 4 schließt das umfassende Werk ab – mit einer (weiteren) sog. Gesprächsrunde( s.u.), einem Stichwortverzeichnis, Hinweise zu den Herausgebern und Autorinnen: Hingewiesen wird auch darauf, dass parallel und das Werk unterstützend Lehrfilme entwickelt wurden, die die Inhalte des Buches anschaulich machen- siehe hierzu das Verlagsprogramm des DGVT-Verlages.

Diskussion

Um aus den Ausgangspunkt der Besprechung zurückzukommen: ein weiteres VT- Lehrbuch, ist das notwendig? Zunächst imponiert am vorliegenden Buch die transparent werdende Erfahrung der Herausgeber: die Didaktik des Buches ist überzeugend und bildet gut die Ausbildungscurricula der DGVT und das proklamierte Therapieverständnis ab. So ist es stringent, mit den beteiligten Personen (Patient- Therapeutin) im psychosozialen und rechtlichen Kontext zu beginnen, bevor theoretische Grundlagen und erst danach Anwendungsmöglichkeiten dargestellt werden. Dabei ist es den Autoren wichtig, knapp aber nicht verkürzend darzustellen und auf weiterführende Literatur zu jedem Kapitel zu verweisen. Und dann die Besonderheit dieses Lehrbuches: nach jedem Kapitel findet ein kleiner Diskurs zu den Inhalten des vorangegangenen Kapitels statt, in dem vertiefend, auch relativierend und reflektierend die Inhalte des Kapitels aufgegriffen werden- dies durchgängig und mit durchaus überraschend- vertiefenden Effekten beim Leser. Hier bilden die Herausgeber quasi die Lehrsituation in Ausbildungsgruppen nach, in der eben nach der Vermittlung von Inhalten auch die dialogische Reflexion steht- dies gelingt überzeugend und bindet den Leser sozusagen in einen Gesprächskontext ein. Mit dieser Art der „Durchdringung“ von therapierelevanten Inhalten erinnert das Konzept den Rezensenten an Grawe „Psychologische Therapie“ – auch hier im vorliegenden Buch wird dieses Konzept gewinnbringend angewandt.

Fazit

Ein Buch, das einen guten Überblick über alle relevanten Fragen im Zusammenhang mit Begründung, Anwendung und psychosozialen Aspekten der verhaltentherapeutisch orientierten Verhaltenstherapie gibt – gerade für AusbildungskandidatInnen, aber auch für Praktiker überaus empfehlenswert.


Rezensent
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
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Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 30.07.2018 zu: Steffen Fliegel, Wolfgang Jänicke, Sandra Münstermann, Günter Ruggaber, Andreas Veith u.a. (Hrsg.): Verhaltenstherapie. Was sie kann und wie es geht – Ein Lehrbuch. dgvt-Verlag (Tübingen) 2018. ISBN 978-3-87159-266-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24099.php, Datum des Zugriffs 21.10.2019.


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