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Björn Migge: 75 Bildkarten Imaginations­training

Cover Björn Migge: 75 Bildkarten Imaginationstraining. Collagen und Zeichnungen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2018. ISBN 978-3-407-36645-0. D: 49,95 EUR, A: 51,40 EUR, CH: 64,30 sFr.
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Thema

Wie der Titel bereits verheißt, geht es bei „75 Bildkarten Imaginationstraining“ um eine Box mit 75 Bildkarten, die dabei unterstützen können, die Kraft innerer Vorstellungen zu entfalten und zu optimieren.

Dabei geht der Autor von der Annahme aus, dass innere Vorstellungen unsere Motivation inspirieren können, und sie uns zu einem selbstbestimmten, tatkräftigem Leben bewegen oder dieses behindern können. So will denn auch dass Bildkartenset mit außergewöhnlichen – bezaubernden bis verstörenden – Illustrationen und Collagen der Designerin und Illustratorin Sybille Wohlfarth ein strukturiertes Training der Imaginationsfähigkeit unterstützen, also die inneren Kraft- und Motivationszentrale, aus der heraus menschliches Denken und bewusstes Wollen erst wirksam werden kann, anregen und inspirieren.

Autor und Illustratorin

Björn Migge studierte Medizin, soziale Verhaltenswissenschaften und Philosophie. Er hat in Zürich als Oberarzt und Universitätsdozent gearbeitet, bevor er 2004 ein Coaching-Trainingsinstitut gründete. Er ist Mitglied mehrerer Coaching Verbände und Fachbuchautor.

Sybille Wohlfarth studierte visuelle Kommunikation in Darmstadt und Düsseldorf sowie Soziologie in Hagen. Bis 2017 arbeitete sie als Professorin für Kommunikationsdesign an der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung in Stuttgart. Sybille Wohlfarth arbeitet aktuell freiberuflich als Grafikerin und Illustratorin für Verlage, Werbeagenturen und Unternehmen.

Aufbau und Inhalt

Die Bildbox enthält 75 farbige Bildkarten (Größe der Karten: fast DIN A5-Format) sowie ein 46-seitiges Booklet.

Schwerpunkte der Ausführungen im Booklet sind:

  • Imagination ist mehr als Bildersehen
  • Vorstellungen sind stärker als Gedanken
  • Bildkarten in der Imaginationsarbeit einsetzen
  • Imaginationsinterventionen
  • Literatur
  • Illustratorin und Autor
  • Die Bildkarten im Überblick.

Zunächst führt der Autor den Begriff Imagination ein: „Unter Imagination versteht man die Fähigkeit, sich etwas vorzustellen. Dabei kann es sich um Bilder, Ahnungen von Bildern, Ereignisse, Erinnerungen, Menschen, Gegenstände und vieles andere handeln. All diese Vorstellungen sind zum Zeitpunkt der Imagination (oft) nicht wirklich vor oder um uns herum vorhanden, sodass wir sie mit den Sinnesorganen nicht im aktuellen Moment registrieren. Stattdessen bilden wir uns diese Vorstellungen ein. Imagination ist Einbildung oder Einbildungskraft, also eine psychische Fähigkeit, Vorstellungsinhalte im Geiste zu entwickeln, von allein auftauchen zu lassen, zu erinnern und zu verändern.“ (2). Als komplexe Vorstellungen sind sie mit allen Wahrnehmungs- und Wertungsqualitäten eng verbunden, können sowohl bewußt als auch unbewußt sein (3). Daher empfiehlt der Autor ihren Einsatz insbesondere für professionelle Kontexte, z.B. Coaching, Therapie, Seelsorge, Hypnose, Mentaltraining und rät explizit vom Einsatz bei Menschen, die verunsichert sind oder sich in akuten Krisen befinden oder psychisch beeinträchtigt sind, ab (4).

Im zweiten Kapitel „Vorstellungen sind stärker als Gedanken“ führt der Autor die Vorstellung ein, dass es wichtig ist, einen aktiven Umgang mit den eigenen Imaginationen zu erlernen bzw. zu trainieren. Dahinter steht die Erfahrung, dass „Imaginationen mit Körpergefühlen, anderen Sinnesqualitäten und Bedürfnissen verwoben sind. Diesem Verstehen folgt nach einiger Zeit die Fähigkeit, die eigenen Imaginationen zu pflegen, zu verändern und etwas zu lenken. Diese systematische Beschäftigung mit Imaginationen ist ein Training, ein Übungsweg.“ (5)

Im folgenden kurzen (zweiseitigen) Kapitel „Bildkarten in der Imaginationsarbeit einsetzen“ gibt der Autor einige allgemeine Hinweise zum Einsatz der Bildkarten in Coaching und Beratung, verbunden mit einigen Einsatzbeispielen.

Konkreter wird der Autor im Kapitel „Imaginationsinterventionen“, in dem er die spezifischen Voraussetzungen und Hintergründe der vorgestellten Interventionen genauer beleuchtet. Dazu werden Übungen, beispielhafte Trancetexte, therapeutische oder Coaching-Anweisungen etc. angeboten. Konkret widmen sich die Interventionsvorschläge folgenden Themen:

  • Heiß oder kalt? Themen, die unsere Bedürfnisse oder Interessen nicht berühren, lassen uns eher kalt, andere ganz und gar nicht.
  • Immersion und Assoziation. Damit ist die Idee gemeint, tief in ein Bild einzutauchen (Immersion) oder alternativ oder additiv dazu Gedanken zu verknüpfen (Assoziation)
  • Mit Abstand und Dissoziation. Hier geht es darum, mit Hilfe einer Imagination eine neue, distantere, sichere Perspektive, Beobachtungsposition zu einer Situation einzunehmen.
  • Ort der Geborgenheit und Kraft. Einen sogenannten sicheren Ort aufzusuchen kann hilfreich sein, um Zugang zu den eigenen Ressourcen wiederzuerlangen, bei Panikattacken etc.
  • Verblassen und aufstampfen. Hier geht es um Übungen, die dabei helfen können, sich aus belastenden Imaginationen zu befreien.
  • VAKOG. Der aus dem NLP stammende Begriff VAKOG steht für
    • V – Visuell – Sehen
    • A – Auditiv – Hören
    • K – Kinästhetisch – Fühlen
    • O – Olfaktorisch – Riechen
    • G – Gustatorisch – Schmecken
  • Logische Ebenen. Hier geht es um Übungen, die Orte, Tätigkeiten, Fähigkeiten, Werte, Beziehungen und Transzendentes in den Blick nehmen.

  • Die Lösung liegt im Bild. Es geht um die Vorstellung, die Lösung für des Problem des/der Klient*in sei im Bild verborgen.

  • Den Körper fragen. Hier werden Körper- und Imaginationsübungen verknüpft.

  • Blick mit Liebe und Weisheit. Diese Übungen spielt mit vielfältigen Perspektivwechseln.

  • Innerer Garten. Eine positive Imaginationsübung zum Garten als Symbol für Schönheit, Leben, Saat etc wird angeboten.

  • Alles kommt und geht. Eine Imaginationsübung zu den (Lebens-)zyklen wird vorgestellt.

  • Das Bild verändern. Eine Imaginationsübung, die auch Veränderungen am gewählten Bild erlaubt.

  • Neben dem Bild. Eine Imaginationsübung, die einlädt, über das gewählte Bild hinaus zu denken.

  • Nach dem Bild. Eine Imaginationsübung, die einlädt, die Geschichte des gewählten Bild fortzuschreiben.

  • Zeit der Dankbarkeit. Eine Übung, die zu einer Haltungsänderung einlädt.

  • Mutmacher. Eine Übung, die den Zugang zu den eigenen Ressourcen eröffnet, wird vorgestellt.

  • Der Weg entsteht beim Gehen. Eine Übung zur Standortbestimmung und Reflexion wird präsentiert.

  • Nein Sagen und für sich sorgen. Wie die Bildkarten beim Neinsagen als Ausdruck von Selbstsorge helfen können, verrät diese Übung.

  • Zeit für Genuss. Die Bildkarten sollen zur Wahrnehmung von mehr Genuß verhelfen, dazu will diese Übung beitragen.

  • Ambivalenz innerer Stimmen. Bei der Klärung (möglicher) Konflikte zwischen inneren Stimmen hilft diese Übung.

  • Äußerer Gewinn – Innerer Gewinn. Bei der Klärung von intrinsischen und extrinsischen Ziele kann Übung helfen.

  • Sinn: Werte verwirklichen. Welche Ziele wirklich wichtig und sinnstiftend sind, kann mithilfe dieser Übung herausgearbeitet werden.

  • Animus und Anima. Zur Balance sog. männlicher und weiblicher Anteile will diese Übung beitragen.

  • Schattenseiten. Sich den eigenen energiefressenden vermeintlichen Schattenseiten stellen, dabei will diese Übungen unterstützen.

  • Tresor und Depot. In dieser Übung geht es um den Umgang mit unliebsamen oder ängstigenden Erinnerungen.

  • Energiepaket vom Universum. Diese Umgebung dreht sich um Energiegeschenke vom Universum, von Gott.

  • Licht räumt auf. Eine Farb- bzw. Licht-orientierte Übung, die positive Energie und Leichtigkeit schenken soll.

  • Liste meiner Kräfte. Eine Ressorcenübung

  • Schutzwall. Diese Übung will dabei unterstützen, neue Schutzstrategien für Triggersituationen zu entwickeln.

  • Systemaufstellung. Hier wird eine Übung präsentiert, wie die Bildkarten für eine Aufstellung genutzt werden können.

  • Vom Leib zum Wort. Eine Übung zur Wahrnehmung innerer Bilder, Körpergefühle u.Ä.

  • Innere Helfer, Ratgeber oder Heiler. Eine Übung, innere Heiler*innen, Ratgeber*innen als Ressource nutzen zu können.

  • Gepäck ablegen. Eine Übung, die dabei helfen will, sich von Belastendem zu befreien.

  • Meine beste Aufgabe. Eine Übung dazu, wie die eigene Grundhaltung modifiziert werden kann.

  • Mit Musik, Kunst und Bewegung. Die Bildkarten in Verbindung mit anderen Aktionsformen bringen.

  • Das wunderbare Leben. Eine Übung, die einlädt, positive Zukunftsvorstellungen zu imaginieren.

Fazit

Die Bildbox ist ansprechend gestaltet, mit ästhetischen, phantasievollen und inspirierenden Collagen und Gemälden. Die einführenden Texte sind kurz und knapp gehalten und anwendungsorientiert aufbereitet, ohne jedoch auf einen adäquaten theoretischen Referenzrahmen zu verzichten. Die gesamte Box ist sehr professionell umgesetzt und vielseitig einsetzbar: im Coaching, in der Kunsttherapeutischen- und Gestaltarbeit, im Hypno-Coaching, in der Hypnosetherapie und im Motivations- und Mentaltraining. Die 75 großformatigen Bildkarten werden durch ein 46-seitiges Booklet ergänzt. Es enthält zahlreiche praktische Übungen und Interventionen für die Imaginationsarbeit. Die Box macht große Lust darauf, sie sofort auszuprobieren!


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 30.05.2018 zu: Björn Migge: 75 Bildkarten Imaginationstraining. Collagen und Zeichnungen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2018. ISBN 978-3-407-36645-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24118.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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ISSN 2190-9245

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