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Joachim Reber: Christlich-spirituelles Unternehmensprofil

Cover Joachim Reber: Christlich-spirituelles Unternehmensprofil. Prozesse in Caritas, Diakonie und verfasster Kirche fördern. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2018. 130 Seiten. ISBN 978-3-17-033900-2. 20,00 EUR.
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Thema

Die Schärfung und Pflege des christlichen Profils gehört zu den Kernaufgaben caritativer oder diakonischer Unternehmen. Im Besonderen geht es im vorliegenden Band um Fördermöglichkeiten der Profilbildung in Einrichtungen von Caritas und Diakonie durch die verfasste Kirche.

Autor

Dr. Joachim Reber ist Fachreferent für die Förderung caritativer Träger im Bischöflichen Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Er arbeitet freiberuflich als Trainer und Berater mit dem Themenschwerpunkt Christliche Unternehmenskultur.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in insgesamt sieben Kapitel.

  • Nachdem im ersten Kapitel die Fragestellung erörtert und begriffliche Definitionen vorgenommen werden, wendet sich das zweite Kapitel der Ausgangslage zu. Hier wird das Vorhaben des Buches in den Horizont der bisherigen Diskussion zum Thema eingezeichnet.
  • Ein drittes Kapitel widmet sich Reflexionen über das christliche Profil, während sich das anschließende vierte Kapitel der verfassten Kirche und der durch sie zu betreibenden Profilförderung widmet.
  • In einem umfassenden fünften Kapitel mit der Überschrift Grundsatzdiskussionen und Verhältnisbestimmungen wird auf Seelsorger/innen in kirchlich-caritativen Unternehmen eingegangen sowie auf spirituelle Bildung in den entsprechenden Unternehmen.
  • Kapitel sechs benennt Anregungen für eine Förder-Verfahrenspraxis und soll Interessierte anregen, ein systematisches Förderverfahren aufzubauen und zu steuern.
  • Das siebte und letzte Kapitel geht der Frage nach, ob ein Förderverfahren als Monitoring- und Steuerungsinstrument hilfreich ist. Abgeschlossen werden die Überlegungen mit einer theologischen These.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

In Kapitel 1 „Fragestellung“ benennt Reber die Schaffung und Pflege des christlichen Profils als Kernaufgabe caritativer bzw. diakonischer Unternehmen. Dies hat der Autor in seinem bereits 2013 erschienenen Buch „Christlich-spirituelle Unternehmenskultur“ ausgeführt und möchte darüber hinausgehend nun Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten in den Blick nehmen. Dabei sollen die Perspektiven von Caritas/Diakonie und verfasster Kirche aufeinander bezogen werden. Der Profilbegriff wird vom lateinischen „filum“ abgeleitet, was u.a. das bezeichnet, was „die Identität dieses Ganzen … ausmacht.“ (S. 10). Eine Profilförderung könne durch einen ernsthaften Dialog mit der verfassten Kirche ausgelöst werden. Reber geht von dem Szenario aus, dass das Förderverfahren auf der grünen Wiese entwickelt werden kann und ein Unternehmensinteresse besteht, eine aktive Auseinandersetzung mit der verfassten Kirche einzugehen.

Kapitel 2 „Ausgangslage“ geht von atmosphärischen Wahrnehmungen aus: Bei Mitarbeiterbefragungen in caritativen Unternehmen wurde die Frage gestellt, ob sich die Mitarbeitenden als solche der katholischen Kirche fühlten, was oftmals verneint wurde. Dies wird als Zeichen einer wechselseitigen Spannung wahrgenommen, die es zu beachten gelte. Konkret wird auf Entwicklungen im kirchlichen Krankenhaussektor eingegangen, ein entsprechendes Papier der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahr 2007 wird knapp referiert. Als weiteres Feld der Kooperation von verfasster Kirche und Caritas wird die stationäre Altenpflege genannt. Zudem wird auf ein 2011 veröffentlichtes Konzeptpapier eingegangen, das „Rahmenbedingungen einer christlichen Unternehmenskultur in Caritas und Diakonie“ beschreibt, welches Fragen des Unternehmensprofils aufnimmt. Abschließend weist der Autor auf ein Förderprogramm der Diözese Rottenburg-Stuttgart hin, bei dem es zu einer großflächigen und systematischen Förderung des christlich-spirituellen Profils caritativer Träger kommt.

Grundlegend für das Buch ist Kapitel 3 „Reflexionen über das christliche Profil“. Hier erfolgt zunächst die Vorstellung der Grundthese, nach der das christliche Profil eine „vielschichtige Größe“ sei, die sich „auf vielerlei Weise, auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Dimensionen“ zeige, die zusammenhängen und sich gegenseitig erklären und beeinflussen. (vgl. S. 33) Diese Definition mag zunächst sehr unbestimmt klingen, sie wendet sich jedoch gegen eine bloße Aufzählung verschiedener geistlicher Angebote. Die entscheidende Frage sei nicht die nach dem, was gemacht werde, sondern die, warum es gemacht werde. Konsequent fragt Reber nun nach „Beschreibungsdimensionen“, in denen sich ein spirituelles Profil zeigen kann. Dabei geht es dem Autor um keine inhaltlich vollständige Aufzählung, sondern lediglich um verschiedene Blickrichtungen auf das christliche Profil. Als eine Blickrichtung, die näher betrachtet werden soll, wird die christlich spirituelle Unternehmenskultur herausgegriffen. Dabei werden die Begriffe Profil und Kultur deutlich differenziert. Unternehmenskultur wird dabei als die Art und Weise definiert, wie ein Unternehmen lebt. Sie zeige sich „als heilsame Unterbrechungskultur, als Kultur der Reflexion und existentiellen Kommunikation und als Gebetskultur“ (S. 42), welche in ihrer kulturellen Bedeutung vorgestellt werden.

Das eigentliche Herzstück des Buches stellt Kapitel 4 dar, welches unter der Überschrift „Kirche fördert Profil“ steht. Der Fokus richtet sich nun auf die verfasste Kirche, die sowohl die Absicht wie auch die Möglichkeit hat, die christliche Profilbildung bei caritativen Trägern zu unterstützen. Dass Reber dabei von der römisch-katholischen Kirche ausgeht, legt sich aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit nahe. Unter Förderung wird dabei nicht in erster Linie eine rein finanzielle Förderung verstanden, sondern eine solche in inhaltlichen und konzeptionellen Fragen. Der Autor empfiehlt den kirchlichen Verantwortlichen, von einer Förderkonzeption auszugehen und konkrete Projekte zu fördern. Er spricht sich für die Formulierung und Förderung eines christlichen Profils aus und wendet sich damit gegen Begriffe wie kirchliches Profil.

In Kapitel 5 „Grundsatzdiskussionen und Verhältnisbestimmungen“ wird zunächst auf das Wirken von Seelsorger/innen in kirchlich-caritativen Unternehmen eingegangen, da gerade dieser Aspekt als zentral für das christlich-spirituelle Profil angesehen wird. Hier seien auch andere Formen als die der pastoralen Ausbildung denkbar. Benannt wird auch der Bereich der spirituellen Bildung. Hier mahnt der Autor einen Paradigmenwechsel an, insofern das christliche Profil nicht mehr vor allem in der persönlichen christlichen Spiritualität der einzelnen Mitarbeitenden gesehen wird, sondern darauf geachtet wird, dass die Einrichtung selbst ein Ort christlicher Spiritualität ist. Knapp wird auf den Begriff „Spiritual care“ und das Verhältnis zum christlichen Profil sowie auf die Idee einer religionssensiblen Erziehung eingegangen.

Kapitel 6 „Förderpraxis“ geht von dem Szenario aus, dass von Seiten der verfassten Kirche eine christlich-spirituelle Profilbildung und -pflege bei caritativen Trägern unterstützt wird. Wie dies konkret geschehen soll, wird hier vorgestellt. Inhaltlich geht es dabei um Förderrichtlinien als normative Grundlage des Verfahrens, unterschiedliche Formate sowie die Durchführung eines Förderverfahrens.

Auch Kapitel 7 „Fördern, fordern, vertrauen“ setzt bei einem konzeptgeleiteten Förderverfahren ein und sieht in diesem ein Steuerungsinstrument, das sich einer häufig praktizierten „Antragslyrik“ (S. 108) widersetze. Durch ein konzeptionell unterstütztes Förderverfahren können Entwicklungen angestoßen und positive Ansätze unterstützt werden. Gleichwohl entziehe sich eine christlich-spirituelle Profilbildung einer einfachen Steuerbarkeit. Theologisch folgert der Autor daraus, dass es gelte, dem Wirken des Heiligen Geistes zu vertrauen. (vgl. S. 113) Reber beendet sein Buch mit einer theologischen These: „Caritative Einrichtungen sind aus sich selbst heraus Kirche vor Ort, wenn und solange in ihnen ein Raum für Heilung und Heil entsteht.“ (ebd.), was er näher ausführt.

Diskussion

In der öffentlichen Wahrnehmung werden privatrechtliche caritative und diakonische Unternehmen in ihrer Nähe zur verfassten Kirche wahrgenommen und teilweise mit dieser identifiziert. Der Ansatz Rebers, die Beziehung zwischen beiden Partnern in den Blick zu nehmen und eine Förderung durch die Kirche zu fokussieren, nimmt die gegenseitige Verantwortung ernst. Der vorliegende Entwurf orientiert sich deutlich an der Ekklesiologie und den Strukturen der römisch-katholischen Kirche. Mit einigen Abstrichen können die Ausführungen aber auch auf das Verhältnis von diakonischen Unternehmen und evangelischen Landeskirchen angewandt werden.

Der Autor gibt einen bedenkenswerten Einblick in die gegenwärtigen Profilierungsbemühungen caritativer Unternehmen und zeigt einen neuen Weg in der Unterstützung auf. Gewinnbringend ist dabei vor allem das Anerkenntnis, dass ein christlich-spirituelles Unternehmensprofil sich nicht aus der individuellen Spiritualität der Mitarbeitenden ableiten lässt, sondern institutionell ein Lern- und Begegnungsort christlicher Spiritualität entstehen muss – spätestens an dieser Stelle sollte ein entsprechendes Interesse von verfasst-kirchlicher Seite deutlich werden.

Der Begriff der verfassten Kirche wird im Buch vor allem auf die Ebene der Bistümer (bzw. der evangelischen Landeskirchen) bezogen. Ein sozialräumlicher Blick, bei dem Kirchengemeinden und caritative bzw. diakonische Unternehmen vor Ort das Profil als gemeinsame Gestaltungsaufgabe wahrnehmen und mit Leben füllen, könnte diese Ausrichtung noch einmal vertiefen.

Fazit

Die Pflege eines christlich-spirituell konnotierten Unternehmensprofils ist eine der Kernaufgaben caritativer und diakonischer Unternehmen. Sie auch als Aufgabe der verfassten Kirche wahrzunehmen, ist die Kernbotschaft des vorliegenden Buches. Reber arbeitet deutlich heraus, wie dies konkret umgesetzt werden kann und warum beide Seiten davon profitieren


Rezensent
Dr. Oliver Schmalz
Pfarrer, M.B.A. Sozialmanagement, Landeskirchenamt der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel
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Zitiervorschlag
Oliver Schmalz. Rezension vom 05.11.2018 zu: Joachim Reber: Christlich-spirituelles Unternehmensprofil. Prozesse in Caritas, Diakonie und verfasster Kirche fördern. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2018. ISBN 978-3-17-033900-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24132.php, Datum des Zugriffs 16.07.2019.


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