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Roman Hoch, Reimar Martin: Emoodys (Icons für Psychotherapie und Beratung)

Cover Roman Hoch, Reimar Martin: Emoodys. 140 Karten mit Icons für Psychotherapie und Beratung. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2018. 140 Seiten. ISBN 978-3-621-28612-1. D: 26,95 EUR, A: 27,70 EUR, CH: 37,10 sFr.

Kartenset mit Anleitung. Mit 12-seitigem Booklet.
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Thema und Entstehungshintergrund

Im Zeitalter der sogenannten „Digital Natives“ wird das Verwenden von Symbolen für den Gefühlsausdruck zur alltäglichen Praxis. Kurznachrichten und E-Mails werden mit sogenannten Emoticons versehen und häufig führt es bereits zu Missverständnissen in der Kommunikation, wenn diese fehlen. Folgerichtig finden derartige Visualisierungstechniken zunehmend auch in der Psychotherapie ihre Anwendung. Bislang haben sich Menschen, die in Therapie und Beratung tätig sind, derartige Materialien selbst gebastelt, mit dieser Veröffentlichung ist dies nun hinfällig.

Autoren

Roman Hoch ist Diplom-Sozialpädagoge und traumazentrierter Fachberater (DEGPT). Er arbeitet als systemischer Berater und Therapeut (DGSF) in freier Praxis und als Dozent im systemischen Zentrum (WISPO AG) in Hamburg.

Reimar Martin ist Psychologe (M.Sc.), Systemischer Therapeut und Familientherapeut (die GSF) sowie Spartenleitung Gesundheitsmanagement B.A.D GmbH, Hannover.

Aufbau und Inhalt

Das Paket enthält 140 Karten mit entsprechenden Symbolen und ein Begleitheft, in dem der Umgang mit diesen erläutert wird. Hier gliedern die Autoren ihre Erläuterungen in zwei Abschnitte:

Emoodys in Therapie, Beratung und Coaching. Hier erläutern die Autoren zunächst ihre persönlichen Erfahrungen, die zur Entwicklung dieses Kartensets geführt haben: „Die Mehrzahl unserer Klienten im Alter zwischen 10 und 60 Jahren ist versiert im Umgang mit Smileys und Messenger-Icons als ergänzendes Kommunikationsmittel zum Ausdruck komplexer Sach- und Gefühlssituationen. – Dies für Therapie und Beratung nutzbar zu machen war von diesem Zeitpunkt an unser Ziel geworden“ (S. 4). Für die Arbeit mit den Karten gälten dieselben Wirkfaktoren wie bei anderen bildgestützten Methoden (Bildimpulse, Züricher Ressourcen Modell), der Zugang zu kognitiven und emotionalen Eindrücken werde verstärkt und neurophysiologische Verknüpfungen entstünden.

Der Einsatz von Emoodys – Methodenvorschläge. Die Methodenvorschläge untergliedern sich wiederum in zwei Unterpunkte:

  1. Einsatz in Therapie, Beratung und Coaching im Einzel- oder Mehrpersonensetting und
  2. Gruppen, Fortbildungen und Teams.

Hier werden unterschiedliche Anregungen gegeben, wie die Karten im entsprechenden Setting genutzt werden können.

Zu 1.: Problem, Auftrag oder Lösung in Therapie und Beratung könnten mittels der Karten erarbeitet, eine Start-Ziel-Planung kann unterstützt und Hypothesen gemeinsam erarbeitet werden. Zudem ermöglichten die Karten die Überwindung von gefühlter Sprachlosigkeit und erleichteren das Abstimmen und Erlernen von gemeinsamer Sprache. Folgerichtig könnten sie auch im interkulturellen Setting Einsatz finden. Zusätzlich wird angeregt, sie im Rahmen lösungsfokussierter, systemischer Beratung und Therapie zu verwenden. Beispiele für entsprechende Fragetechniken werden hier geliefert. Das Ausarbeiten von Lebenslinien könne ebenfalls unterstützt werden, wie sie auch Anwendung in der Krisen- und Rückfallprophylaxe finden könnten. Abschließend folgen noch Vorschläge zum Einsatz im Sinne eines Selbstbild-Puzzles, der Aufstellung innerer Teams (nach Schulz von Thun, 2002) sowie dem Umgang mit sogenannten „Erwartungs-Erwartungen“ (Pörksen & Schulz von Thun, 2014).

Zu 2.: „Um erfolgreich Seminare, Kurse oder Veranstaltungen umzusetzen, braucht es kreative Methoden“ (Seite 13). Zu folgenden Themen werden konkrete Umsetzungsvorschläge geliefert:

  • Zielskalen und Bilanzierung
  • Mediation und Moderation
  • Reflecting Team
  • Medieninput.

Im Kartenset werden ca. 40 Emoticons geliefert. Diese decken die bekanntesten Symbole ab, die derzeit in bekannten Messengerdiensten genutzt werden. Die restlichen knapp 100 Karten enthalten unterschiedlichste Symbole wie beispielsweise ein Handy, eine Waage, eine Sprechblase oder ein Krankenhaus.

Diskussion

Bereits die Zusammenfassung der oben genannten Anwendungsbereiche macht deutlich, dass eine entsprechende Umsetzung Erfahrungen im Umgang mit der jeweiligen Therapie- oder Beratungstechnik erfordert. Ohne entsprechende Aus- oder Fortbildungen würde eine Anwendung wenig Sinn machen. Es werden zwei kurze Anwendungsbeispiele geliefert, die jeweilige Technik jedoch selbstverständlich nicht näher erläutert.

Kritisch anzumerken ist, dass kaum darauf eingegangen wird, wie diese Karten konkret im Rahmen der Techniken genutzt werden sollen. Dies gilt insbesondere für die Symbolkarten. Eventuell ist dies von den Autoren so gewollt, um beispielsweise das eigene kreative Vorgehen nicht einzuschränken. Andererseits wäre es durchaus interessant gewesen, hier z.B. anhand von Fallbeispielen mehr zu erfahren. Abschließend verweisen die Autoren zwar auf weitere Anwendungsmöglichkeiten, die auf der Homepage des Belz-Verlages einzusehen sein, dort findet sich jedoch über das bereits beschriebene Vorgehen hinaus keine weitere Information.

Die Karten sind auf stabiler Pappe gedruckt und relativ ansprechend (wenn auch nicht herausragend) gestaltet.

Fazit

Das Kartenset „Emoodys“ liefert in relativ ansprechend gestalteter Form einen umfassenden Satz von Bildkarten, der seine Anwendung im Rahmen von Beratung und Therapie findet. Das mitgelieferte Booklet hätte ein wenig konkreter ausformuliert werden können. In der Praxis wird es voraussichtlich vor allem bislang selbst gebastelte Materialien ersetzen oder ergänzen können.


Rezensent
Dr. Alexander Tewes
Leitender Dipl.-Psychologe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) - Haus 4
Psychiatrische Klinik Lüneburg gemeinnützige GmbH im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg
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Zitiervorschlag
Alexander Tewes. Rezension vom 14.06.2018 zu: Roman Hoch, Reimar Martin: Emoodys. 140 Karten mit Icons für Psychotherapie und Beratung. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2018. ISBN 978-3-621-28612-1. Kartenset mit Anleitung. Mit 12-seitigem Booklet. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24137.php, Datum des Zugriffs 12.11.2018.


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ISSN 2190-9245

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