socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Mario A. Pfannstiel, Sandra Krammer u.a. (Hrsg.): Digitale Transformation von Dienstleistungen (Pflege)

Cover Mario A. Pfannstiel, Sandra Krammer, Walter Swoboda (Hrsg.): Digitale Transformation von Dienstleistungen im Gesundheitswesen IV - Impulse für die Pflegeorganisation. Springer Gabler (Wiesbaden) 2018. 339 Seiten. ISBN 978-3-658-13643-7. 49,99 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Im Zentrum der Pflegearbeit steht die menschliche Zuwendung. Technische Innovationen können helfen, dass Pflegekräfte und pflegende Angehörige bei ihrer Arbeit entlastet werden und sich die Lebensqualität der Patienten verbessert. Eine Technisierung in der Pflege kann nicht nur die Attraktivität des Berufes steigern, sondern auch zu Arbeitserleichterungen führen sowie Zeitersparnisse und bessere Pflegeergebnisse mit sich bringen. Sowohl der Nutzen als auch die Herausforderungen dieser innovativen Lösungen sind jedoch in der pflegerischen Praxis gegenwärtig kaum wissenschaftlich untersucht.

Herausgeber und Herausgeberin

  • Prof. Dr. Mario Pfannstiel: Betriebswirtschaft im Gesundheitswesen – insbesondere innovative Dienstleistungen an der Hochschule Neu-Ulm
  • Prof. Dr. Sandra Krammer: Anwendungssysteme im Gesundheitswesen an der Hochschule Neu-Ulm
  • Prof. Dr. Walter Swoboda: Medizinische Anwendungssysteme an der Hochschule Neu-Ulm

Entstehungshintergrund

Der Sammelband „Digitale Transformation von Dienstleistungen im Gesundheitswesen IV – Impulse für die Pflegeorganisation“ ist der vierte Band einer Reihe. Die ersten drei Bände hatten zum Inhalt:

  • „Impulse für die Versorgung“,
  • „Impulse für das Management“ und
  • „Impulse für die Pflegepraxis“.

Aufbau

Das Sammelwerk besteht aus 19 Beiträgen, die jeweils ca. 10–20 Seiten umfassen. Jedem Beitrag steht eine kurze Zusammenfassung voran. Die Beiträge stehen nebeneinander, bauen in keiner Form aufeinander auf und stehen nicht zueinander in Beziehung.

In einem kurzen Vorwort greifen die Herausgeber die aktuelle Situation der Pflege sowie den Status quo des Einsatzes von technischen Hilfsmitteln in der Pflege auf.

Das Sammelwerk besteht aus 19 Beiträgen, die jeweils ca. 10-20 Seiten umfassen.

  • Pamina Göttelmann, Mirjam Meier, Andreas Maurer, Diana Staudacher, Rebecca Spirig: Die digitale Zukunft der Pflege – Chancen und Risiken.
  • Birgit Graf, Ralf Simon King, Andrea Rößner, Christian Schiller, Walter Ganz, Dominic Bläsing, Johannes Fischbach, Nora Warner, Manfred Bornewasser: Entwicklung eines intelligenten Pflegewagens zur Unterstützung des Personals stationärer Pflegeeinrichtungen.
  • Monika Roth, Richard Groß: Die Akzeptanz von digitalen Lösungen im ambulanten Pflegebereich.
  • Yvonne Frick, Dieter Baumberger: Sekundärnutzen von Pflegedaten für ökonomische Nachhaltigkeit durch automatisierte Ermittlung hochaufwändiger Pflegefälle aus der Patientendokumentation.
  • Nadine Dütthorn, Manfred Hülsken-Giesler, Rasmus Pechuel: Game Based Learning in Nursing – didaktische und technische Perspektiven zum Lernen in authentischen, digitalen Fallsimulationen.
  • Michael Wahl, Laura Schönijahn, Natalie Jankowski: Telemonitoring in der Pflege – Chancen für bedarfsgerechte Versorgung.
  • Barbara Hellige, Michael Meilwes, Sabine Seidel: Digitalisierung und Sorgeverhältnisse – ein unauflöslicher Widerspruch?
  • André Apitzsch, Roman Seidel, Lars Meinel, Michael Findeisen, Gangolf Hirtz: Nutzerzentriertes Assistenz- und Sicherheitssystem zur Unterstützung von Menschen mit Demenz auf Basis intelligenter Verhaltensanalyse.
  • Barbara Steiner, Gerburg Joos-Braun, Verena Pfister: Kunden und Unterstützungsstrukturen anders denken – Digitalisierung als neue Unternehmensdimension eines Komplexdienstleisters der Sozialbranche.
  • Thomas Lux: Vernetztes Schmerzmanagement durch E-Health in der Pflege.
  • Sarah Unterweger: An app a day keeps the doctor away? Der Einsatz von mHealth in der kommunalen Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen.
  • Arne Buss, Pavo Marijic, Steve Strupeit: E-Health in der Pflege – Wirksamkeit von pflegegeleiteten Interventionen bei älteren Menschen.
  • Hans-Günter Lindner: Simulierte Patientenreisen für Service Design im Gesundheitswesen – Patient Journey meets Simulation.
  • Waltraud Haas-Wippel, Andrea Frießnegg: Patientenorientierter Pflegeprozess – Digitalisierung als Herausforderung und Chance.
  • Mareike Siemer, Alexander Kolozis, Carmen Tietjen-Müller, Marie-Luise Schwarz, Simon Timmermanns, Alexander Jüptner, Andreas Felscher: Technikeinsatz für ambulante Dienste – eine Hilfsorganisation geht innovative Wege.
  • Stefan Müller-Mielitz: Digitalisierung von Papier: Vorteile für die Prozesse.
  • Günter Dorfmeister, Johannes Rabe, Simon Jürgens, Paul Bechtold: EDV- gestützte Patientendokumentation in der Intensivpflege – Aspekte des Qualitäts- und Risikomanagements sowie Zukunftspotentiale.
  • Roland Simon, Marcus Garthaus, Anne Koppenburger, Hartmut Remmers: Dorfgemeinschaft 2.0 – Altern und Digitalisierung im ländlichen Raum. Zur Entwicklung eines Instruments zur ethischen Fallbesprechung in der ambulanten Gesundheitsversorgung.
  • Kinga Schumacher, Aaron Ruß, Norberth Reithinger: Konzepte für sensorbasierte Mobilisierungsunterstützung und motivierendes Feedback in der Mobilen Rehabilitation.

Jedem Beitrag steht eine kurze Zusammenfassung voran. Die Beiträge stehen nebeneinander, bauen in keiner Form aufeinander auf und stehen nicht zueinander in Beziehung.

Ausgewählte Inhalte

Monika Roth und Richard Groß gehen im dritten Beitrag auf die Akzeptanz von digitalen Lösungen im ambulanten Pflegebereich ein. Aufbauend auf dem Technology Acceptance Modell von Davis (1989) unterscheiden die Autoren im Artikel zwischen der Akzeptanz der Pflegebedürftigen und deren Angehörigen auf der einen Seite und der Akzeptanz auf der Leistungserbringerseite. Auf beiden Seiten bestehen viele Unsicherheiten in Bezug auf die Nutzung sowie den Mehrwert der eingesetzten Technologien. Roth und Groß arbeiten dazu die Akzeptanzbarrieren für AAL-Lösungen mittels einer Literaturrecherche heraus systematisch heraus.

Die Digitalisierung der aller Lebensbereiche wird derzeit als große Chance beschrieben. Ein großes neues Forschungsfeld für die Pflegewissenschaften geht der Frage nach wie sich neue Technologien auf das Selbst- und Sorgeverhältnis auswirken. Barbara Hellige, Michael Meilwes und Sabine Seidel gehen dieser Frage in ihrem Beitrag „Digitalisierung und Sorgeverhältnis – ein unauflöslicher Widerspruch nach. Zunächst wird ein idealtypisches Verständnis von Pflegearbeit aufgezeigt. Die Autoren arbeiten zunächst dadurch den Stellenwert von Pflegearbeit als Teil der Sorgearbeit heraus, um später potenzielle Auswirkungen der Technisierung und Digitalisierung aller gesellschaftlichen Lebensbereiche auf unser Mensch-Sein und unsere Beziehungsfähigkeit haben. Abschließend werden Implikationen für die pflegerische Sorgearbeit skizziert.

Insgesamt finden sich in dem Sammelwerk sowohl theoretische Beiträge, als auch viele Fallbeispiele, die aktuelle Forschungs- und Entwicklungsprojekte aufgreifen.

Diskussion

Das Sammelwerk ist der vierte Band einer Reihe, die sich mit der „Digitalen Transformation von Dienstleistungen im Gesundheitswesen“ beschäftigt. Es existieren derzeit zahlreiche weitere Werke auf dem Markt, die sich diesem Thema annehmen. Sicher sind nur wenige davon so umfassend, interdisziplinär und tief angelegt wie das rezensierte.

Alle Beiträge haben mehr oder weniger die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Pflegeorganisation zum Inhalt. Da die zum Teil sehr speziellen Artikel nebeneinander stehen und in keiner Ordnung zueinander stehen, fällt es dem Leser nicht leicht sich zu orientieren. Eine Systematisierung der Beiträge, die sich auch in der Gliederung wiederfindet hätte das Werk zusätzlich aufgewertet. Eine abschließende Zusammenfassung im Sinne eines Destillates des Werkes würde es dem Leser erleichtern einen Überblick über das Thema zu bekommen.

Das Sammelwerk richtet sich einerseits Wissenschaftler und Dozenten mit den Schwerpunktfächern Innovationsmanagement, Produkt- und Technologiemanagement, Dienstleistungsmanagement im Gesundheitswesen, insbesondere der Pflegeorganisation. Andererseits richtet sich das Werk an Praxisvertreter, die an Veränderungs-, Forschung- und Entwicklungsprozessen digitaler Produkt-Dienstleistungskombinationen beteiligt sind.

Fazit

Aktuelle Strategien zur Bewältigung der Herausforderung Pflege in einer Gesellschaft des langen Lebens stoßen an ihre Grenzen. Technologische Innovationen werden nicht nur unseren Alltag, sondern auch die Zukunft der Pflegearbeit verändern. Technologische Innovationen können zur Verbessrung der Lebensqualität und zur Erhaltung der Autonomie auf Seiten der Gepflegten sowie entlastend auf Seiten der Pflegenden wirken. Reflexionen dürfen sich aber nicht nur auf pragmatische Aspekte der Technikentwicklung, -nutzung und -bewertung beschränken. Sie fordern vielmehr auch eine gesellschaftliche Debatte über das Verhältnis von Effektivität und Effizienz sowie der Fürsorge in einer modernen Gesellschaft.


Rezensent
Dr. Michael Schneider
Lehrbeauftragter und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth
Homepage www.wlh-fuerth.de
E-Mail Mailformular


Alle 5 Rezensionen von Michael Schneider anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Michael Schneider. Rezension vom 14.08.2018 zu: Mario A. Pfannstiel, Sandra Krammer, Walter Swoboda (Hrsg.): Digitale Transformation von Dienstleistungen im Gesundheitswesen IV - Impulse für die Pflegeorganisation. Springer Gabler (Wiesbaden) 2018. ISBN 978-3-658-13643-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24139.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung