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Anna Sophia Backhaus: Molly und das große Nichts (Leben- und Nicht-leben-Wollen)

Cover Anna Sophia Backhaus: Molly und das große Nichts. Ein Bilderbuch über Leben- und Nicht-leben-Wollen. Balance Buch + Medien Verlag (Köln) 2018. 44 Seiten. ISBN 978-3-86739-126-9. D: 17,00 EUR, A: 17,50 EUR.

Illustratorin: Rosa Linke.
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Thema

Leichte depressive Verstimmungen bis hin zu schweren depressiven Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Im Vorschulalter sind ca. 1 % der Kinder und im Grundschulalter ca. 2 % betroffen. Aktuell erkranken etwa 3–10 % aller Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren an einer Depression.

Der Suizid stellt nach dem Unfalltod die zweithäufigste Todesursache bei Personen unter 20 Jahren dar. Kinder und Jugendliche haben unterschiedliche Motive.

Suizide sind oft der letzte Schritt eines bereits lange unerkannt leidenden Menschen. Dies gilt auch für Kinder und Heranwachsende. Suizidgedanken sind umso wahrscheinlicher, wenn Jugendliche unter depressiven Verstimmungen leiden, sich isoliert, unverstanden und abgewiesen fühlen.

Selbsttötungsversuche steigen gerade in der Pubertät stark an. Am häufigsten betroffen sind Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren. Kinder unter zehn Jahren sind kaum gefährdet, weil die intellektuellen Fähigkeiten zur Planung noch nicht ausgeprägt sind.

Autorin und Illustratorin

Anna Sophia Backhaus (Text) ist freischaffende Sängerin und Sprecherin in Weimar. Sie hat als Jugendliche selbst Erfahrungen mit Depressionen gemacht.

Rosa Linke (Illustrationen) ist in Weimar selbstständig als Grafikerin und Illustratorin für verschiedene Agenturen, Stiftungen und Verlage tätig.

Entstehungshintergrund

„Molly und das große Nichts“ ist ein weiterer Beitrag der erfolgreichen und verdienstvollen Reihe „Kids in Balance“. Die Kinderbücher dieser Reihe helfen Kindern, psychische Erkrankungen und Krisen zu verstehen; Eltern werden angeregt, seelische Notlagen innerhalb der ganzen Familie zu bewältigen.

Aufbau

Der Geschichte von Molly schließen sich am Ende zwei informative Seiten an, mit denen junge Lesende direkt angesprochen werden:

  • Sind Depression und Suizidalität ein Thema für dich?
  • Wenn du anonyme und kostenlose Beratung suchst. …

Inhalt

Molly erlebt eine glückliche Kindheit mit ihren Eltern, ihrer älteren Schwester und der Oma. Diese Zeit schmeckt „nach Pommes im Freibad, selbst gemachtem Apfelmus und Omas Bratkartoffeln“ (o. S.). In der Schule findet sie dann irgendwann Gefallen an einem Mitschüler (die Pubertät klopft an die Tür …), der aber nichts von ihr wissen will. Mit einem Mal fängt ihr Leben „an zu verblassen (…)“. „Der Duft nach gemähtem Gras ging verloren“ (o. S.). Und selbst Omas Bratkartoffeln schmecken nicht mehr. Molly beginnt fast nichts mehr zu fühlen – selbst wenn sie an ihre Eltern oder ihre Schwester denkt. Bald fühlt Molly nichts mehr – keine Freude, keinen Schmerz. Dies macht ihr große Angst, und Molly entscheidet sich, das „Nichts“ hinter sich zu lassen (Suizid/versuch).

Molly wird gerettet; sie wacht in einem Krankenhaus auf. Es schließen sich mehrere Gespräche mit einem Kinderpsychologen an. Zwar ist die Welt noch längere Zeit für Molly „ohne Farbe“, sie entscheidet sich jedoch für das Leben. Bis es ihr bessergeht, dauert es. Erst nach Monaten empfindet sie wieder etwas, wenn sie das Wort „Mama“ ausspricht. Letztlich dauert es Jahre, „bis das Kind, das in mir gestorben war, zurückkam“ (o. S.).

Diskussion

Mollys Geschichte wird in sehr knappen Sequenzen dargestellt. Insgesamt umfasst ihr Weg 34 illustrierte Seiten. Dennoch werden die entscheidenden Entwicklungen glaubhaft und nachvollziehbar beschrieben. Während die Illustrationen zu den ‚glücklichen‘ Tagen vielleicht jugendlichen Betrachterinnen/Betrachtern allzu ‚naiv‘ erscheinen könnten, ist die zeichnerische Umsetzung der Krise brillant. Aber das ist letztlich Geschmackssache.

Vielleicht kommt die Schilderung dessen, was in der Klinik mit Molly passiert, was sie veranlasst, das Leben zu bejahen, etwas zu kurz – es ist lediglich die Rede davon, dass sie ihrem Lieblingsbaum im heimischen Garten (dies ist wiederum eine geniale Metapher) einen Brief schreibt.

Fazit

Jungen Menschen ein Leseangebot zu unterbreiten, das es ihnen ermöglicht, sich mit Lebenskrisen auseinanderzusetzen, ist Herausforderung und großes Abenteuer zugleich. Den richtigen Ton zu treffen und die Ereignisse entsprechend zu illustrieren, das will gekonnt sein. „Molly und das große Nichts“ macht ein mutiges Angebot, über Depression und Suizidalität zu sprechen.


Rezensent
Thomas Hax-Schoppenhorst
pädagogischer Mitarbeiter der LVR-Klinik Düren, Sachbuchautor, Herausgeber, Erwachsenenbildner
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Zitiervorschlag
Thomas Hax-Schoppenhorst. Rezension vom 13.07.2018 zu: Anna Sophia Backhaus: Molly und das große Nichts. Ein Bilderbuch über Leben- und Nicht-leben-Wollen. Balance Buch + Medien Verlag (Köln) 2018. ISBN 978-3-86739-126-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24193.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


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