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Friedemann Schulz von Thun, Kathrin Zach u.a.: Das Kommunikations­quadrat in Aktion

Cover Friedemann Schulz von Thun, Kathrin Zach, Karin Nofze, Uwe Schirrmacher, Sybille Schirrmacher: Das Kommunikationsquadrat in Aktion. Die ,4 Seiten einer Nachricht‘ spielend verstehen. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2017. 2 Seiten. 148,00 EUR.

Spielbrett, Würfel, 2 Spielfiguren, 50 Äußerungskarten, 50 Dialogkarten, Regelübersicht, Ohren- und Schnabelkarten, Trainerleitfaden ; 25.5 cm x 25.5 cm, 1 g. Zu bestellen über www.managerseminare.de.


Thema

Das Modell der vier Seiten einer Nachricht von Friedemann Schulz von Thun gehört zu den Standards der Kommunikationspsychologie. Das Brettspiel „Das Kommunikationsquadrat in Aktion“ bietet die Möglichkeit, sich dieses Modell spielerisch zu erschließen. Es ist als unterstützendes Medium für Workshops und Fortbildungen konzipiert und sollte von erfahrenen Trainer*innen angeleitet werden.

Autor*innen-Team

Das Spiel wurde von einem Autor*innen-Team des Schulz von Thun-Instituts und der SchirrmacherGroup entwickelt.

Aufbau

Das Spiel kann mit 4-16 Personen gespielt werden, die Spielenden sollten mind. 15 Jahre alt sein. Zu dem Spiel gehören

  • ein ausführlicher Trainer*innen-Leitfaden,
  • ein Spielbrett,
  • 4x2 Übersichts-Karten,
  • 4 Kartensätze mit je 4 Ohrenkarten,
  • 4 Kartensätze mit je 4 Schnabelkarten,
  • 50 Äußerungskarten,
  • 50 Dialogkarten,
  • 4 Läuferfiguren,
  • 1 Würfel und
  • 3 Zip-Beutel zum Aufbewahren der Karten.

Inhalt

Die Idee des Spiels ist es, sich spielerisch das Modell des Kommunikationsquadrats zu erschließen. Dazu werden drei Phasen durchlaufen:

  1. In der ersten Phase geht es um die Ebene der Botschaft, die gesendet wird, diese Phase wird „Schnabel“-Phase genannt.
  2. Die zweite Phase beschäftigt sich dem Empfangen einer Botschaft, sie heißt im Spiel „Ohren“-Phase.
  3. Die dritte Phase kombiniert die beiden vorhergehenden und enthält komplexere Anforderung.

Es wird darum empfohlen, zunächst die beiden Einzelphasen zu spielen, damit sich die Teilnehmenden mit beiden Thematiken vertraut machen können. Mit der dritten Phase können sie überprüfen, wieweit sie das Modell des Kommunikationsquadrats verstanden haben.

Inhalt des Spiels ist die moderierte Bearbeitung von Aufgaben. Dazu gibt es zu jeder Phase eine Aufgabenkarte, auf der sechs verschiedene Aufgabentypen beschrieben sind, z.B.:

  • „Ziehen Sie eine Äußerungskarte und lesen Sie diese vor. Antworten Sie einmal mit dem gelben Schnabel (Du-Botschaft) und einmal mit dem grünen Schnabel (Ich-Botschaft).“
  • Oder „Ziehen Sie eine Dialogkarte und lesen Sie diese vor. Mit welchem Ohr hört B? Begründen Sie Ihre Antwort.“

Jedem Aufgabentyp ist ein Symbol zugewiesen, das sich auf dem Spielbrett wiederfindet. Kommt ein Team mit seiner Spielfigur auf das entsprechende Feld, zieht es eine Äußerungskarte (z.B. „Vier Kollegen sitzen in einem Gemeinschaftsbüro und das Fenster ist offen. Einer von ihnen merkt an: ‚Hier zieht es aber!‘“) oder eine Dialogkarte (z.B. „Ein Ehepaar möchte einen neuen Schrank kaufen und wird an der Kasse gefragt, ob er geliefert werden soll. Ehemann (A): ‚Nein, er muss nicht geliefert werden.‘ Ehefrau (B): ‚Du weißt schon, wie klein unser Auto ist?‘“) und bearbeitet sie entsprechend der Aufgabenkarte. Jedes Team besitzt zudem vier Ohren- und vier Schnalbelkarten in vier verschiedenen Farben. Jede Farbe steht für eine Seite des Kommunikationsquadrats, die Karten werden der Aufgabe entsprechend eingesetzt.

Die aus den Aufgaben entstehenden Diskussionen werden von der Spielleitung moderiert. Diese sollte mit dem Modell des Kommunikationsquadrats bereits gut vertraut sein, da sie Fragen beantworten, in unklaren Fällen Entscheidungen treffen und Punkte verteilen muss. Ein Team, das zehn Punkte erreicht hat, gelangt auf eine höhere Ebene.

Das Spiel endet nach einer festgelegten Zeit, gewonnen hat das Team mit den meisten Punkten.

Diskussion

Sechs erfahrene Trainer*innen der Frankfurter Akademischen Schlüsselkompetenz-Trainings der Goethe-Universität haben das „Kommunikationsquadrat in Aktion“ gespielt und waren von der Idee angetan, sich dem Kommunikationsmodell spielerisch zu nähern. Besonders positiv beurteilen sie die Diskussionen, die durch die Aufgaben und Beispieldialoge bzw. -äußerungen entstehen. Die Idee, mit Aufgaben-, Äußerungs- und Diskussionskarten zu arbeiten, wurde als gute Anregung aufgenommen. Allerdings schlagen die Trainer*innen vor, das Design zu überarbeiten und auf die gezeichneten Figuren zu verzichten. Sie entsprechen ihrer Meinung nach nicht der Wertigkeit, die das Spielmaterial ansonsten ausstrahlt.

Den aktivierenden Ansatz des Spiels sehen die Trainer*innen als weiteren positiven Aspekt. Diese Aktivierung wird allerdings durch das Spielbrett und das Sitzen am Tisch gehemmt. Dies gilt insbesondere, wenn mit einer Gruppe von 16 Personen gespielt wird. Die Trainer*innen schlagen darum vor, auf das Spielbrett zu verzichten und das Brettspiel in ein Großspiel umzuwandeln. Benötigt wird dann ein überdimensionaler Würfel mit den sechs Aufgabensymbolen, Poster mit den sechs Aufgaben und die bereits existierenden Kartensätze.

Zu letzteren wird angeregt, Ergänzungssätze anzubieten, falls Trainer*innen mit mehr als 16 Personen arbeiten. Als diskussionshemmend wurden auch der Vergabe der Punkte und der damit verbundene Wettbewerbscharakter des Spiels empfunden. Auf diese sollte zugunsten einer intensiven inhaltlichen Diskussion verzichtet werden.

Fazit

„Das Kommunikationsquadrat in Aktion“ ist ein Brettspiel, mit dem das Kommunikationsmodell der vier Seiten einer Botschaft von Friedemann Schulz von Thun spielerisch erarbeitet werden kann. Es muss von einer Person angeleitet werden, die mit dem Kommunikationsmodell sehr vertraut ist. Die spielerische Annäherung erfolgt schrittweise, indem sich die Spieler*innen erst mit dem Senden einer Botschaft, danach mit dem Empfangen einer Botschaft und zum Abschluss mit der Differenzierung beider Ebenen beschäftigen.

Es ist didaktisch wie methodisch ein guter Ansatz, das Kommunikationsmodell mithilfe eines Spiels zu erarbeiten. Die Aufgaben und Dialogbeispiele bieten eine gute Diskussionsgrundlage. Allerdings behindert der vorgesehene Wettkampfcharakter die angestrebten Diskussionen, sodass sich die Spielleitungen hier die Freiheit einer Regeländerung nehmen sollten. Eine Änderung wäre auch beim Spielmaterial wünschenswert, da sich das tischgebundene Brettspiel mit Gruppen von mehr als acht Personen nur schwer realisieren lässt. Auch hier ist es anzuraten, kreativ mit den Spielregeln und -materialien umzugehen. Ein sinnvoller Service wäre es zudem, weitere Spielkarten zum Nachbestellen anzubieten.

Zusammenfassend lässt sich darum sagen, dass „Das Kommunikationsquadrat in Aktion“ eine Erstauflage mit Optimierungspotenzial ist. Fachleuten bietet es in jedem Fall gute Anregungen, wie sich das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun motivierend vermitteln lässt.


Rezensentin
Dr. Ulrike Gerdiken
Diplom-Sozialpädagogin und Erwachsenenbildnerin, operative Leitung des Frankfurter Akademischen Schlüsselkompetenz-Trainings an der Goethe-Uni Frankfurt
Homepage www.crescendo-kreativ.de
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Zitiervorschlag
Ulrike Gerdiken. Rezension vom 24.04.2018 zu: Friedemann Schulz von Thun, Kathrin Zach, Karin Nofze, Uwe Schirrmacher, Sybille Schirrmacher: Das Kommunikationsquadrat in Aktion. Die ,4 Seiten einer Nachricht‘ spielend verstehen. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2017. Spielbrett, Würfel, 2 Spielfiguren, 50 Äußerungskarten, 50 Dialogkarten, Regelübersicht, Ohren- und Schnabelkarten, Trainerleitfaden ; 25.5 cm x 25.5 cm, 1 g. Zu bestellen über www.managerseminare.de. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24195.php, Datum des Zugriffs 16.08.2018.


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