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Robert Rossa, Julia Rossa: Was denkst du dir? (Kinder- und Jugendlichen­psychotherapie)

Cover Robert Rossa, Julia Rossa: Was denkst du dir? Kognitionskarten für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Kartenset mit 60 Bildkarten. Mit Online-Material. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2018. 60 Seiten. ISBN 978-3-621-28495-0. D: 26,95 EUR, A: 27,70 EUR, CH: 37,10 sFr.
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Thema und Entstehungshintergrund

Das Gedanken Gefühle und auch Verhalten beeinflussen und folglich sogenannte dysfunktionale Gedanken zu störungsrelevanten Symptomen führen können und entsprechend bearbeitet werden müssen, ist im Grunde die Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie. Entsprechende Therapiestrategien greifen bereits ab dem Kindesalter und wurden umfassend von Angelika Schlarb beschrieben (2011, vgl. die Rezension unter www.socialnet.de/rezensionen/12410.php). Entsprechende Therapiematerialien sind allerdings immer noch rar gesät und beschränken sich insbesondere auf sogenannte „Paper-Pencil-Verfahren“, bei denen gemeinsam mit der Patientin [1] Gedanken, Gefühle und Verhalten auf entsprechenden Arbeitsblättern dokumentiert und analysiert werden. Insbesondere in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist es jedoch sehr wichtig, die therapeutische Arbeit erlebensbasiert zu gestalten (vgl. Görlitz 2011, Rezension unter www.socialnet.de/rezensionen/15062.php). Dementsprechend hat das Autorenpaar im Beltz-Verlag bereits einige sehr positiv rezensierte Therapiematerialien veröffentlicht:

Die vorliegende Veröffentlichung knüpft daran nahtlos an.

Autorin und Autor

Dr. Robert Rossa, Dipl. Soz.-päd., ist tätig als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut im Bereich Verhaltenstherapie. Schwerpunkt: Schematherapie und EMDR, amtl. bestellter Betreuungsvisor des Jugendgerichts, Leiter der „Superheldenakademie“.

Julia Rossa, Dipl. Soz.-päd., ist Dozentin für systemische Selbstbehauptungs-Trainings und gewaltfreie Kommunikation für Grundschullehrer; Schulsozialarbeiterin, Einzelfallhilfe und Ausbilderin schulinterner Streitschlichter, fachliche Beratung und Begleitung der Lehrer und Pädagoginnen bei Kindeswohlgefährdungen.

Aufbau und Inhalt

Das Paket enthält 60 Karten, auf denen jeweils 30 funktionale und 30 dysfunktionale Kognitionen abgebildet werden. Auf einer Seite jeder Karte werden Situationen gezeigt, auf der Rückseite finden sich dann konkrete Kognitionen. Diese beginnen in der Regel mit „ich bin …“ Oder „ich habe …“ (z.B. „ich bin un-/abhängig“). Obwohl diese Kognitionen auf konkrete Situationen abgestimmt wurden, seien sie so formuliert worden, „dass sie ausreichend Interpretationsspielraum bieten, um individuelles Erfassen und Erfahren zu ermöglichen“ (S. 3-4). Vor- und Rückseiten der Karten sollen unabhängig voneinander genutzt werden um zu verhindern, dass den Patienten Kognitionen vorgegeben werden. Folglich werden verschiedene Varianten der Anwendung im mitgelieferten 15-seitigen Handbuch beschrieben:

  1. Verwendung der Bildseite der Karten (hierbei sollen anhand vorgegebener Situationen für die Patientin typische Gedanken herausgearbeitet werden).
  2. Verwendung der Textseite der Karten (bereits vorliegende Situationen aus dem Lebensalltag des Patienten werden mit typischen gedanklichen Reaktionen verknüpft).

Das Autorenpaar beschreibt zudem unterschiedliche Anwendungsbereiche des Kartensets und skizziert das entsprechende Vorgehen in folgenden Therapieformen:

  • EMDR
  • Familientherapie
  • Integrative Therapie
  • Kunsttherapie
  • Schematherapie
  • systemische Therapie
  • Verhaltenstherapie.

Der Verlag stellt zudem sämtliche Bildkarten online als Ausmalvorlagen (Din-A-4) zur Verfügung. Insbesondere in der Arbeit mit Kindern, denen es häufig schwer fällt, Gedanken als solche zu benennen, könnten während des Ausmalens quasi „nebenbei“ die entsprechenden Gedanken exploriert werden.

Diskussion

Wie auch bei den bereits zuvor positiv rezensierten oben genannten Therapiematerialien bleibt auch hier nur Positives festzuhalten. Die Karten sind groß und hervorragend gestaltet, wenngleich die Bilder Kinder sicher noch ein wenig mehr ansprechen dürften, als Jugendliche. Besonders hervorzuheben ist die Diversität der Materialien: unterschiedliche Geschlechter und kulturelle Hintergründe wurden grafisch eingearbeitet. Die herunterladbaren Arbeitsmaterialien sind sehr hilfreich für die Arbeit mit Kindern. Auch hier hätte es hilfreich sein können, einige Lehrkarten mit zu liefern, auf denen weitere Situationen oder Gedanken individualisiert eingetragen werden können. Entsprechende Karten können selbstverständlich aber auch in der Therapie selbst erarbeitet und beigefügt werden.

Wenn man sich nun sämtliche von den Autoren publizierten Arbeitsmaterialien in der Summe vor Augen führt, kann festgehalten werden, dass sie für fast alle therapeutischen Themen, die in verschiedenen Schulen (insbesondere der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ausrichtung) zum Einsatz kommen, kreative Lösungen liefern. Da bleibt eigentlich nur noch die Frage, was da als Nächstes noch kommen soll. Ich vertraue da vollends der Kompetenz des Autorenteams.

Fazit

Auch das vorliegende Kartenset reiht sich nahtlos in die bisherige hochwertige Veröffentlichungsliste des Autorenteams ein. Die Materialien sind schön gestaltet und erleichtert bekannte Techniken der kognitiven Umstrukturierung bei Kindern und Jugendlichen auf kreative Art und Weise.


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit werden die männliche und die weibliche Form im Wechsel verwendet. Es sind jeweils beide Geschlechter gemeint.


Rezensent
Dr. Alexander Tewes
Leitender Dipl.-Psychologe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) - Haus 4
Psychiatrische Klinik Lüneburg gemeinnützige GmbH im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg
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Zitiervorschlag
Alexander Tewes. Rezension vom 28.07.2018 zu: Robert Rossa, Julia Rossa: Was denkst du dir? Kognitionskarten für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Kartenset mit 60 Bildkarten. Mit Online-Material. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2018. ISBN 978-3-621-28495-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24233.php, Datum des Zugriffs 18.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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